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Dieses Thema hat 26 Antworten
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 Tourenberichte
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Spartaner Offline




Beiträge: 867

21.09.2014 21:47
#16 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

Zitat von Frank_Moerke im Beitrag #12
Wie lief das in Russland mit den "Verkehrskontrollen" und den "Strafzahlungen"?

Verkehrskontrollen sind häufig. Wir fuhren langsam oder hatten Glück, alle Milizionäre waren gerade mit anderen Deliquenten beschäftigt, so dass wir von Verkehrspolizei niemals angehalten wurden und so auch nichts bezahlt haben. Allerdings gibt es auch viele stationäre Blitzer (dort meist Videokameramessstellen), und da weiß ich nicht, ob und ggf. wann man da belangt wird (zB bei späterer Wiedereinreise).

Gruß Michael

Donaumike Offline




Beiträge: 1.046

22.09.2014 14:40
#17 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

Zitat Spartaner:

„Oh man, das hätte ich nie gedacht, dass sich jemand so weit vorarbeitet bei der Masse an Bildern. Was hat dich nach Kaluga geführt, noch dazu in diese etwas abseitige Seitenstraße?“


Ich versuche es zu rekonstruieren..

Es ereignete sich vor etwas mehr als dreißig Jahren. Wir stiegen in eine TU-134 der Aeroflott in Berlin Schönefeld ein. Zuvor auf einer Rolltreppe sah ich einen greisen Mann mit zwei Krücken in Begleitung von zwei attraktiven Stewardessen. An seiner Pilotenuniform funkelten eine Reihe Orden vom Großen Vaterländischen Kriege, ich bin mir bis heute noch sicher, dass dies der Pilot unserer Maschine war, die er sicher auf dem Flughafen Scheremetjewo gelandet hatte.

An den nächsten Tagen erkundeten wir Moskau, Lenin wurde auch nicht vergessen. An einem frühen Morgen im Hotel, nach dem Genuss von sehr chlorhaltigen Wasser nach dem Zähneputzen, traf ich in einer Bar, während der Suche nach etwas trinkbaren, erstmalig auf dem Klassenfeind. Ein Amerikanischer, Französischer und ein Westdeutscher Staatsbürger saßen an einen Tisch, ich setzte mich dazu und wir redeten über Politik, Gott und die Welt. Der Amerikaner und der Franzose sprachen verständliches Deutsch. Der Rest der Klasse und Lehrer waren noch auf ihren Hotelzimmern und warteten auf das „los zum Frühstück“!

Nach wenigen Tagen fuhren wir mit der Eisenbahn in der dritten Klasse auf Holzbänken stundenlang nach Kaluga. Für uns eine ewige Weltreise, für die einheimischen ein Katzensprung. Die Eisenbahnwagen kamen oft in extreme Schwingungen; hoch, runter, viel höher und wieder runter, bis dato war mir nur ein rucken nach rechts und links auf unseren Schienennetz der Deutschen Reichsbahn bekannt.

In Kaluga angekommen, fuhren wir mit einem Reisebus in Begleitung der Polizei mit Blaulicht zum Hotel. Dort steckte ich erstmalig in einen Hotelfahrstuhl fest, dort konnte ich erstmalig mich an meinem Schulrussisch intensiver versuchen, nachdem ich ausversehen ein falsches Hotelzimmer betrat, was von einer gut anzusehenden Russin belegt war. Wir erkundeten die Stadt als Schulklasse, in kleinen Grüppchen oder Trupps, zu Fuß und mit sämtlichen Verkehrsmitteln. Während einer Busfahrt in einem überfüllten Bus verdrehte meine Lehrerin die Augen, weil der Busfahrer bei Eisglätte bei flotter Fahrt einen Spurwechsel auf eine Anhöhe einer anderen Straße einleitete. Der Bus war nur einen kurzen Augenblick außer Kontrolle, nein in Griff des Busfahrers. In Kaluga besuchten wir auch das hoch interessante Ziolkowski Raumfahrtmuseum, in seiner Art das größte….

An dem besagten Holzhaus, blieben wir stehen, die Reiseleiterin berichtete über dieses klassische Holzhaus, es sei in einer modernen Stadt wie Kaluga einmalig und selten. Ich selber hatte zwar an anderen Orten später ähnliche Häuser gesehen, aber der Kontrast zur moderneren Architektur, prägte sich dort in Kaluga bei mir fest ein. Es war auch mein erstes russisches Holzhaus, was ich von der Nähe aus betrachtete und einen kurzen Blick durch das Fenster riskierte.

Wir fuhren mit der Eisenbahn auch über den Fluss Oka,sie ist der rechte Nebenfluss der Wolga, ihre Länge beträgt 1480 Kilometer. Es wurde uns berichtet, dass dort Wölfe und Bären gesichtet wurden, dabei kam bei mir ein Gefühl von fernöstlicher Wildnis auf.

1987 besuchte ich letztmalig die UDSSR, die Stadt Wolgograd (Stalingrad) und Kiew.Tschernobyl, wo sich 1986 die Reaktorkatastrophe ereignet hatte, liegt nur 120 km von Kiew entfernt. Lobenswert war immer ihre Gastfreundschaft.Bei den zwei Reisen kam ich auf den Geschmack, mich bei zweistelligen Minusgraden an einem Eisverkaufstand auf der Straße an eine größere Schlange ´´mit´´ anzustellen.

До свидания!

Edit: Text hat einige Ergänzungen bekommen, die Erinnerungen werden etwas wacher!

Grüße, Mike

Troubadix Offline



Beiträge: 1.264

23.09.2014 08:21
#18 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

Moin Mike,
das ist irgendwie witzig,
Die von dir genannte Brücke über die Oka war hier im Forum 2009 schon mal Titelbild über einem Bericht über Lej`s und meine Okapaddeltour auf der Journalseite.
Ich versuche das Bild zu finden. Heute ist die Trasse Top und die Schlafwagen sind für mich Luxus.
Das ist die Brücke:

Angefügte Bilder:
P8020096 [Desktop Auflösung].JPG  
absolut canoe Offline




Beiträge: 1.399

23.09.2014 09:48
#19 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

moin
einfach nur G O I L !!!!!

Bo Offline




Beiträge: 329

23.09.2014 12:05
#20 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

Klasse, vielen Dank für den tollen Bericht!

Spartaner Offline




Beiträge: 867

23.09.2014 16:21
#21 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

Zitat von Troubadix im Beitrag #18
Die von dir genannte Brücke über die Oka war hier im Forum 2009 schon mal Titelbild über einem Bericht über Lej`s und meine Okapaddeltour auf der Journalseite.

War schwierig zu finden, dein alter Bericht, an den ich mich noch dunkel erinnern konnte. Aber hier ist er: Eine kleine Russlandreise. Ich habe ihn mir gleich noch mal reingezogen ;-)

Zitat von Donaumike im Beitrag #17
... Der Rest der Klasse und Lehrer waren noch auf ihren Hotelzimmern und warteten auf das „los zum Frühstück“!

Das hört sich ja spannend an. Habt ihr tatsächlich eine Klassenfahrt in die Sowjetunion gemacht? Welche Schule war denn das? Heute ist das ja normal, solche weiten Klassenfahrten. Meine Tochter war in den letzten Jahren auch in London, Cornwall und der Côte d'Azur (sowie in Spanien, aber das war keine Klassenfahrt, sondern ein europäisches Schülerprojekt). Andere an ihrer Schule flogen sogar nach Kanada. Aber damals im Osten hat man doch so großartige Sachen normalerweise nicht gemacht?

Gruß Michael

Donaumike Offline




Beiträge: 1.046

24.09.2014 13:53
#22 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

@ Troubadix und Spartaner

Schöner Bericht mit Bildern, schöne bunte Farben, ich habe die Brücke, den Fluss und das Ufer, nur Schwarzweiß in Erinnerung, vielen Dank fürs suchen und finden.

Zitat: Spartaner

„Das hört sich ja spannend an. Habt ihr tatsächlich eine Klassenfahrt in die Sowjetunion gemacht? Welche Schule war denn das? Heute ist das ja normal, solche weiten Klassenfahrten. Meine Tochter war in den letzten Jahren auch in London, Cornwall und der Côte d'Azur (sowie in Spanien, aber das war keine Klassenfahrt, sondern ein europäisches Schülerprojekt). Andere an ihrer Schule flogen sogar nach Kanada. Aber damals im Osten hat man doch so großartige Sachen normalerweise nicht gemacht?“

Es war Generationsbedingt, Politisch usw. nicht überall üblich in das große Bruderland zu reisen als Schulklasse einer polytechnischen Oberschule, vom Dorf. Einige Jahrgänge hatten Glück gehabt oder auch nicht. Die Reisen insgesamt in die Ostblockstaaten hatten für mich immer einen nicht leckeren Beigeschmack der sich während den Reisen mehr entwickelte als wenn ich Zuhause geblieben wäre, besonders wenn man in einem Käfig sitzt der nur nach Osten geöffnet ist und durch Reisen wieder in einen noch größeren Käfig landete. So zu Reisen als nie Reisen ist natürlich eine Alternative gewesen, mit der sich einige; mich inbegriffen, nicht damit abfinden konnten, der Preis dafür wahr unterschiedlich, einige leider mit ihren Leben.

Die Gastfreundschaft hatte natürlich auch andere Gesichter. Die Gastfreundschaft hörte an den Grenzübergangen und an den Flughäfen auf oder um noch ein Beispiel von so vielen zu nennen, wenn man keine Dollars hatte um ein schöneres Andenken zu erwerben. Die Rubel waren begrenzt und harte Währung war Mangelware. Es gab Klassenfahrten von meiner Schule, da mussten die Lehrer am frühen Morgen, die nicht Volljährigen! aus einem Moskauer Gefängnis abholen, weil sie tags davor in die Ecke pinkelten oder nur einen Schnipsel Papier auf der Straße entsorgt hatten und darauf sofort über Nacht festgenommen wurden. Zwei Mädchen hatten über einen westdeutschen Radiosender ihre Heimat aus Moskau grüßen lassen, da ging die Post dann richtig ab. Wie schon kurz erwähnt, bin ich in meiner Lehrzeit noch einmal in die SU gereist, mein Gedankengut reifte auch durch diese Reise zu einem Entschluss heran, den ich glücklicherweise erfolgreich umsetzen konnte.

Grüße, Mike

Edit: Viel OT, aber in zwei Stunden geht´s PADDELN!

<Kanu und Frei, der Rest kann behalten werden>

Spartaner Offline




Beiträge: 867

04.10.2014 10:16
#23 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

Zitat von Donaumike im Beitrag #22
Die Reisen insgesamt in die Ostblockstaaten hatten für mich immer einen nicht leckeren Beigeschmack der sich während den Reisen mehr entwickelte als wenn ich Zuhause geblieben wäre, besonders wenn man in einem Käfig sitzt der nur nach Osten geöffnet ist und durch Reisen wieder in einen noch größeren Käfig landete.

Tja Mike, die Wirkung dieser Reisen war bei mir ganz anders. Natürlich war es beengt in dem schmalen Korridor CZ-HU-RO-BG. Leider war ja auch die riesige UdSSR für freies Reisen gesperrt (außer für die wenigen frechen Zeitgenossen, die unerkannt durchs Freundesland zogen).
In meinem regelmäßig besuchten Reisekorridor wurden mir die enormen Unterschiede zwischen den Länder bewusst. Das fing an im Alter von 12 Jahren, als wir das erste mal an einem slowakischen Zigeunerdorf entlangwanderten (mein allererster Kontakt mit der "3. Welt"). Spannend waren später auch die Wanderungen in den rumänischen Karpathen, wo ich bei den Schäfern unterkam, die seit tausenden von Jahren, also seit der Jungsteinzeit, unverändert ihre Lebensweise pflegten. Und rumänische Städte waren schon damals ein abenteuerliches Pflaster.
Bei der Rückkehr in die DDR war ich immer froh, hier hineingeboren zu sein, wo es sich im Vergleich zu dort so viel besser leben ließ. Offenbar waren doch nicht alle Menschen gleich, manche schafften sich mit Intelligenz und Fleiß angenehme Lebensverhältnisse, andere nicht. Allein wie sich West- und Ostdeutschland nach dem Krieg, jeder innerhalb seines Blocks, an die Spitze der wirtschaftlichen Entwicklung setzten, fand ich beeindruckend und führte bei mir zu einem zufriedenen Gefühl.
Das Eingesperrtsein war natürlich trotzdem immer präsent, aber es hatte bei mir nicht die große Bedeutung, die es offenbar für dich hatte. Ich habe mit dem Gedanken höchstens _gespielt_, zB mit einem Neo und ABC-Ausrüstung durch die Lübecker Bucht schwimmen (und zurück?) oder so. Das nötige Flossenschwimm-Training gab es im GST-Tauchsportklub ;-)

Aber nun ist ja alles anders, und nachdem auch Russland weitgehend frei zu bereisen ist, steht uns kleinen Abenteurern eine riesige neue Spielwiese zur Verfügung

Gruß Michael

Spartaner Offline




Beiträge: 867

18.10.2014 21:38
#24 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

So Leute, törööötörööö, ich habe mir extra für Euch einen neuen Rechner gegönnt, mit dem jetzt erstmals richtig Videoschnitt möglich ist. Damit macht arbeiten Spaß

Und nach mehreren Tagen vergeblicher Upload-Versuche habe ich es heute endlich geschafft, das Filmchen auf Youtube hochzuladen.

Diesmal müsst ihr euch ein bisschen Zeit nehmen (47 min) und anständige Boxen anschließen (Tieftöner), oder wenigstens gute Kopfhörer aufsetzen, damit das Ural-Feeling richtig rüberkommt. Ruhig den Ton richtig aufdrehen, die Schlaglöcher soll man hören, die Windgeräusche soll man hören, die Mücken, und die Musik natürlich. Aber zur Sicherheit lasst einen Finger am Lautstärkeknopf. Bedenkt, ich bin trotz bester Technik nur Videoschnitt-Amateur.

Am besten natürlich im Vollbild und HD, schnelles Internet vorausgesetzt.

So, nun FF ("Viel Vergnügen") mit dem neuen Film: http://youtu.be/EmlUR0Vctk0

Gruß Michael

Rudo Offline




Beiträge: 172

18.10.2014 22:56
#25 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

Hi Michael,

danke für den Film, wirklich sehr beeindruckend!

Gruß
Rüdiger

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The world is not a place to be if you're in a hurry!

Donaumike Offline




Beiträge: 1.046

20.10.2014 10:28
#26 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

Die Rechtskurve onboard hat Le Mans Charakter, schön ausgefahren.

Sehr schön Live und realistisch durch die Onboard -Aufnahmen vom Auto und Boot, Traumhaft auch Unterwasser.

Danke für´s zeigen.

Grüße, Mike

„Kanu und Wasser, der Rest kann behalten werden“

Spartaner Offline




Beiträge: 867

02.03.2016 14:44
#27 RE: Щугор - Schtschugor, Nordural Sommer 2014 antworten

Hallo Leute,
ich habe gerade einen weiteren Reisebericht vom Schtschugor gefunden, der mich begeistert: "Der nördliche Ural und die Küstengebirge Pae-Choi, untersucht und beschrieben von einer 1847, 1848 und 1850, durch die kaiserlich russ. geogr. Gesellschaft ausgerüstete Expedition", 2. Bd., Verfasst von dem Leiter der Expedition Obrist Prof. Dr. Ernst Hofmann, 1856.
Liest sich sehr gut und enthält eine Fülle interessanter Details zum Schtschugor und seiner weiteren Umgebung, Ethnologie, Pflanzen- und Tierwelt, Geognostik etc. Den Bericht (hier Band 2, der Erzählband) gibt es in deutsch und in russisch (beide digital frei erhältlich).
Ab Seite 73 geht es am 21. August 1847 in den Schtschugor, aber auch die Seiten davor sind voller interessanter Informationen und sehr gut zu lesen.
Vergesst Nordamerika, Trapperkult und Indianergeschichten, ähnliches könnt ihr für ¼ der Kosten auch hier in Europa haben.

Gruß Michael

Angefügte Bilder:
SamojedinKind.png  
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