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Dieses Thema hat 67 Antworten
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trullox Offline



Beiträge: 616

22.12.2012 09:22
#31 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Ihr beide seid ja ein tolles Team. Wir wünschen euch eine schöne Weihnachtszeit!
Fred&Caroline

p.s. Lej,Du solltest Deinen Vater gelegentlich mal ausschlafen lassen, damit er wieder Kraft schöpfen kann für neue gemeinsame Abenteuer.

Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

22.12.2012 11:15
#32 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Moin Ihr Neuberliner
Heute habe ich ausgeschlafen.
Jetzt seid ihr deutlich dichter dran, hoffe ihr habt Euch schon gut eingelebt.
Fröhliche Weihnacht
Liebe Grüße
Jürgen und Family

Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

23.12.2012 01:53
#33 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Moin,
Samstag. Die Luft ist feuchtkalt, das prasseln des Regens auf dem Zeltdach hat uns durch die ganze Nacht begleitet und setzt sich unaufhörlich fort. Ich will den Reißverschluß vom Zelt gar nicht öffnen.
Lej wird wach und murmelt Hunger. Ich öffne das obere Dreieck des Eingangs, 5 Meter entfernt steht unsere Ausrüstung im Schüttregen und ich verspüre nicht die geringste Lust, von der Nässe draußen etwas mit ins trockene Zelt zu schleppen.
Unsere Geduld wird enorm strapaziert, Lej philosophiert über gekochte Eier wie ein Verdurstender in der Wüste, den sicheren Tod vor Augen. Mit ein paar weiteren Geschichten von Jagd und Angelabenteuern in Alaska und dem vorderen Orient wird die Zeit überbrückt.
Kurz vor Mittag hört es auf zu regnen, ein sehr schönes Gefühl wenn die Sonnenstrahlung unmittelbar fühlbar wird.
Frühstück im Zelt, draußen ist Nässe allgegenwärtig.
Während dem Packen wechselt die Farbe des Himmels zwischen strahlendem Blau und dunklem Grau hin und her. Als wir gerade ablegen wollen unterbrechen wir und flüchten vor einem heftigen Gewitter in das Toilettenhäuschen.
15 Minuten später sind wir unterwegs zur Insel Strynoe. Die Wolken haben sich verzogen der Himmel ist klar, der Wind gerade noch ausreichend. In dem flachen, oft nur knietiefen Wasser berühre ich beim Unterstützen mit dem Paddel immer wieder den Grund, plötzlich rummst es hinter uns so laut, dass mir vor Schreck fast das Paddel aus den Händen fällt.
Dem Gewitter, welches sich unbemerkt in unserem Rücken angeschlichen hat, können wir nicht mehr ausweichen auch die kleinen Vogelsände, die sowieso jetzt geschützt sind, bieten keine Alternative.
Höchstens 5-10 Minuten schlagen gut 20 Blitze um uns herum, einige nicht weiter als 100m entfernt, ins Wasser ein. Was sind wir doch dagegen für kleine Lichter, ich bin beeindruckt. Wegen noch mangelnder Urteilsfähigkeit nimmt Lej es erstaunlich gelassen und bezeichnet das Ganze als toll und schön, ist auch nicht ganz falsch, wenn man sich nur auf die Optik beschränkt.
So schnell wie der Spuk gekommen ist, ist er auch wieder vorbei. Mich drängt es jetzt weiter, vom Süden Langelands her zieht sich der Himmel schon wieder dunkel zu.
Auf Höhe von Strynoe Kalv, wir haben gerade das Marstalfahrwasser gequert, werfe ich zum Vergnügen Lejs den AB an. Lej lässt seinen kleinen Holzkatamaran am Band mit laufen, setzt mich und Potjemkin damit reichlich unter Wasser und freut sich ein Loch in den Bauch. Ich muss dabei sehr auf die Steine achten. Um die Südecke von Strynoe sind wir schnell herum und erreichen den Hafen. Ich paddle gleich zum Slip, schnalle den Zölzer im Wasser drunter und mit Hilfe von 2 netten Fischern steht der Canadier schnell auf dem Trockenen.
Wir erkunden den hübschen kleinen Hafen, viel hat sich über die Jahre nicht verändert. Neben der Fähre, die die Verbindung mit dem Festland über Rudköbing auf Langeland aufrecht erhält, liegen einige moderne Gastyachten neben den traditionellen Seglern und Fischerbooten der Einheimischen und einer Reihe historischer Smakke und Aalborgjollen in bestem Zustand, Letztere gehören zum auf der Insel angesiedelten Smakkemuseum mit dazu gehörender traditioneller Holzbootswerft.
Am Hafenende steht ein neues Sanitärgebäude, klein aber fein.
Auf dem Wasser fällt uns ein Seekajak mit Angler an Bord auf, der Paddler entpuppt sich angelegt als Landsmann aus dem Kreis Plön, der kurz zum Hornhecht blinkern draußen war. Er ist das Wochenende mit dem Fahrzeug auf die Insel gekommen, da er in der Werft seine hier erstandene, wunderschöne alte Smakkejolle unter fachlicher Anleitung restauriert.
Dirk nimt uns mit zum Werftgelände, zeigt uns den neuen, im Stil einer Jurte erbauten Shelter aus Holz. Hier mieten wir uns für geringes Entgelt ein, Küchenbenutzung, Duschen etc. incl. und werden mindestens einen Tag bleiben.
Fertig eingerichtet mache ich mit Lej noch einen Abendspaziergang zum Hafen als gerade dort angekommen uns eine Unwetterwalze erreicht. Wir helfen den Yachties ihr auf dem Kai errichtetes Abendessen zu retten. Es droht durch den plötzlichen Wind davongetragen zu werden.
Lej schläft schon während ich mich noch bis spät in die Nacht am Lagerfeuer mit Dirk unterhalte und uns dann endlich auch die Augen zu fallen.

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Troubadix Offline



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23.12.2012 21:11
#34 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Moin,
Sonntag, zeitig aufgestanden, auf dem Gelände findet die Feier des jährlichen Inseltags statt. Ein Festzelt ist aufgebaut, die Musik bereits eingetroffen, für die Kinder werden Spiele veranstaltet.
Lej ist überwiegend verschwunden, ich packe die Dinge zusammen, die für eine Flusswanderung oder das Biwak Sinn machen aber nicht für diese Tour. Säge, Messer und Trangia reichen für uns völlig.
Dirk ist so nett und nimmt morgen auf dem Weg nach Hause den Beutel mit Muurika, Kelly Kettle, Axt etc. mit und lädt es bei meiner Frau ab. Danke noch mal dafür.
Dirk ist hier fast zu Hause, d.h. er kennt sich mit den meisten Dingen der Werft und des Museums gut aus , seine Führung ist sehr interessant auch wenn ich ein paar Vorkenntnisse mit bringe.
Smakkejollen stammen von den Wikingerschiffen ab, haben eher wenig Tiefgang, viel Volumen und überwiegend ein Sprietsegel. Hier in den Süddänischen Gewässern war es Der Arbeitsschiffstyp als Fischerboot, Inseltaxi, um Fracht und Vieh zu transportieren und auch für den Pastor das Boot um die kirchlichen Notwendigkeiten auf den über viele Inseln verteilten Höfen zu erledigen wie Taufen, Predigten, Beerdigungen, Hochzeiten etc. .
Die letzte im Dienst tätige Smakkejolle des Pastors steht heute außer Diensten als Schmuckstück im Museum(Foto).
Lej spielt draußen Fußball mit den anderen Kindern.
Meine Guthabenkarten fürs Handy sind aufgebraucht, meine Frau kann ich auch vom Telefon des Museums nicht erreichen, da fällt mir ein, dass sie mit Lej´s Schwester in Düsseldorf zu den Deutschen Meisterschaften unterwegs ist, Glück gehabt aber morgen muss mal wieder Kontakt her.
Die Inselfeier verteilt sich über die ganze Anlage, ich philosophiere abends noch lange in den Räumen des Museums u.a. mit einem netten Dänischen Russisch+Literatur Studenten über Holzboote, der eigentlich vom Alter her diesen Lebensabschnitt schon hinter sich haben könnte und scheinbar nur zum Spaß studiert, denn an Geld mangelt es ihm offensichtlich nicht. Eine fröhliche Feier mit netten Menschen.
Lej schläft schon, irgendwann finde ich den Schlafsack auch.

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Troubadix Offline



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24.12.2012 00:27
#35 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Moin,
Montag, spät aufgestanden, es hat schon wieder geregnet, das die Nacht gemütlich war kann ich auch nicht sagen. Dirk hat sein Boot verpackt und fährt nach Hause. Mails an Jörg scheinen auch nicht durch zu gehen. Kontakt nach Kiel funktioniert immer noch nicht, das Kartengerät im Museum akzeptiert keine meiner Karten. Ich bezahle erst mal die Zwischenabrechnung in bar, 8Euro bleiben uns.
Lej ist wieder verschwunden, vermutlich ist er bei dem Ehepaar aus Koblenz, die mit ihrer Motoryacht hier unterwegs sind und seit gestern im Hafen liegen, ein Stück Mamaersatz, heiße Milch und Naschkram kommen noch dazu.

Das Wetter ist grauselig nasskalt, wir müssen mit der Fähre nach Rudköbing/Langeland um einen Geldautomaten auf zu treiben und einen Handyladen zu finden damit meine Frau nicht doch noch eine Suchmeldung startet.
Für Lej ist die Fahrt mit der Fähre eine schöne Abwechslung, er freut sich schon auf Pommes und Eis. Mit mehr Menschen an Bord als gedacht, verlassen wir die Insel.
In Rudköbing angekommen erkundigen wir uns erst mal nach dem Geldautomaten, 15 Minuten später haben wir das hübsche Stadtzentrum fast durchquert und halten Bargeld in den Händen, aufatmen. Einen Expert-Fachhändler finden wir auch, hat leider schon geschlossen.
Okay, morgen ist auch noch ein Tag und uns spukt sowieso schon eine Inselüberquerung per Bootswagen im Kopf rum, sind nur 11km über die alte Straße von Rudköbing nach Spodsbjerg und es spart 2-3 Tage Weg um die Insel herum ein. In Russland haben Lej und ich schon mehr km mit dem Bootswagen zurückgelegt. Wir rollen morgen einfach auf unserem Weg duch Rudköbing beim Expert-laden vorbei und gut ist`s.
Noch eine dreiviertel Stunde bis die letzte Fähre geht, runter zum Hafen, Eis und Pommes essen, einen großen traditionellen Zweimaster in der Werft bestaunt und schon sind wir wieder auf Strynoe.
Goulasch mit Nudeln warm gemacht und um 23Uhr liegen wir im Bett, es regnet und es ist kalt.

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Troubadix Offline



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25.12.2012 00:57
#36 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Moin,
hier ist am Heiligen Abend ganz schön Betrieb mit Essen, Kirchgang, Klavierspiel, Kindern und Enkelkindern aber wem erzähle ich das, geht Euch vielleicht ähnlich. Bin jetzt ganz froh mich von dem Troubel etwas zurück ziehen zu können. Die Family hat sich zu unserem Lieblingsfilm, Drachenzähmen leicht gemacht, um den Fernseher versammelt und ich entspanne mich etwas beim Schreiben.

Dienstag, wir werden in unserer Jurte lautstark von einer Schulklasse geweckt, das Smakkecenter wird nämlich nicht nur von Besuchern wie uns zum Übernachten genutzt sondern auch Schulklassen können sich hier für einen oder mehrere Tage einmieten und ihnen wird das hiesige Ökosystem und das Segeln in der Praxis vermittelt. Abenteuer gibts dabei gratis drauf zu. Für uns war es hier ein besonders schönes Erlebnis was wir gerne weiterempfehlen möchten.
Um 14Uhr sind wir auf dem Wasser, mit gerade so ausreichendem Wind werden wir gegen 15Uhr von den Koblenzern bereits am Slip erwartet. Sie sind so nett und helfen uns den Canadier mit vereinten Kräften den algenbewachsenen rutschigen Slip hinauf zu ziehen. Allein fast unmöglich, hier noch mal Danke dafür.
Nach dem Verabschieden machen wir uns auf in Richtung Expert-Fachgeschäft in der City. Während Lej vor der Tür beim Canadier bleibt, bekomme ich eine Dänische Handykarte, mit der ich selbst nur in Dänemark telefonieren kann, ich aber von Deutschland aus jederzeit zu günstigen Konditionen an fast jedem Ort in Dänemark erreichbar bin, für 10 Euro im Jahr. Die Beratung war hervorragend, selbst ich als technischer Tiefflieger habe alles verstanden.

Bald haben wir die Stadt hinter uns gelassen und mühen uns Hügel um Hügel vorwärts. Lej´s körperlicher Einsatz ist trotz seiner 6J. deutlich spürbar. Ein am Ortsausgang von Rudköbing wohnendes Ehepaar bietet uns an, den Canadier mit uns per Auto nach Spodsbjerg zu bringen, die Dänen sind überaus Hilfsbereit und Gastfreundschaftlich.
Vorbei an schönen Dänischen Höfen und Kirchen ist es eine lohnende Portage auf Rädern. Neben vielen kleinen Pausen am Ende der Anhöhen, sammeln wir auf halber Strecke eine gute Stunde neue Kraft.
Sonst meistens recht kühl, scheint heute selbstverständlich die Sonne. Gegen abend wird es endlich etwas frischer, um 21 Uhr 30 sind wir in Spodsbjerg und wundern uns, da es die ganze Zeit nur eben war oder bergauf ging, so müßte es doch eigentlich irgendwann auch wieder berab gehen, tut es aber nicht. Der Schluß daraus kann also nur sein, dass der Meeresspiegel auf der Ostseite Langelands etliche Meter höher liegt als auf der Westseite der Insel.

Beim Hafenbüro der erste Blick auf das Wetter, keine so tolle Vorhersage. In den frühen Morgenstunden soll der Wind auf Ost drehen und käme uns dann mit 3-4Bf direkt von Vorne. Während wir einen Traditionssegler reinkommen und die Stena-Line auf dem Weg von Kiel nach Göteborg am Horizont vorbei ziehen sehen, steht der Entschluß schnell fest, Nachtfahrt.
Den Canadier ins Wasser, alles durch gesehen, Lej bekommt drei Lagen Wäsche unterm Trocki angezogen, Positionsbeleuchtung auf dem Großmast angebracht, AB gecheckt, Rotlicht an der Kopflampe kontrolliert, Kartenkompass um den Hals gehängt, Atlas zurecht gelegt, gut gegessen, Wasserkanister gefüllt, ein paar fragende und zweifelnde Yachties beruhigt und raus aus dem Hafen über spiegelglatte See Richtung Nordlolland.

Je mehr Distanz zwischen dem Canadier und dem Festland ist, je ruhiger ist es , es wird langsam Dunkler, Fremdlicht-und Geräusche werden weniger, Wohlfühlatmosphäre.
Wir folgen nicht der Route der Fährlinie nach Tars sondern halten auf einen sehr kleinen Hafen nördlich von Schloß Frederiksdal auf Lolland zu. Das Hauptfahrwasser für die Großschiffahrt liegt am Beginn des letzten Drittels der Strecke von ca.?km zur anderen Seite des Langelandbelts.
Irgenwann ist es völlig Dunkel, Lej schläft, die ersten Lichter von der anderen Seite sind etwas deutlicher zu erkennen, wir nähern uns dem Fahrwasser, Tonnen kann ich keine ausmachen.

Von links sehe ich versetzt erst Blinklichter, darauf folgend weitere noch undefinierbare Lichtquellen eines größeren Verbandes zügig näher kommen. Da ich dicht am Fahrwasser bin, mache ich die Beleuchtung aus, in Sorge die durchlaufenden Schiffe unnötig mit meinem Licht zu beunruhigen.
Vorher noch zu queren ist mir zu unsicher, da die Geschwindugkeit im Dunkeln ohne festen Fixpunkt nicht gut ein zu schätzen ist. AB noch aus und abwarten bis der militärische Verband durch ist. Es muss ein militärischer Konvoi sein, denn Blinklichter führen in der Seefahrt nur aufgetaucht laufende U-Boote.

Nachdem die U-Boote durch sind, der nächste sehr große ausladende hohe Dampfer, vermutlich ein Hubschrauberträger oder etwas ähnlich großes, auch keine besonders große Welle macht, ist der folgende viel kleiner wirkende Dampfer mit einem erkennbaren Licht zu vernachlässigen. Ich paddle näher heran, bis auf dem letzten Pott deutlich zwei weiße Lichter zu erkennen sind, er also doch nicht so klein ist.
Richtig wach werde ich aber erst als es eigentlich schon zu spät dafür ist. Das Schiff ist ein kleiner, dicker, voll geladener Tanker mit ganz gut Fahrt drauf. Als er passiert hat wird es mit einem Schlag stockkdunkel. Die Lichter der gegenüberliegenden Küste sind wie ausgeknipst verschwunden.

Jetzt nur den richtigen Winkel erwischen, wir sind viel zu dicht dran, Volltrottel sage ich zu mir selbst als die dunkle Wand im Licht meiner schnell in Betrieb genommenen Kopflampe da ist.
Insgesamt geht es dreimal steil bergauf, was jedes mal harmlos zu dem dreimaligen bergab ist. Doch das Bergab bewältigt das Volumen der Enden des Canadiers ganz souverän auch wenn ich jedes mal das Gefühl habe, dass ich den Canadier bis zur halben Länge in jedes Wellental niete.
So schnell wie der Spuk gekommen ist, ist er auch schon wieder verschwunden, noch ein paar kleine Rückläufer von der anderen Seite der Heckwelle, das wars auch schon.
Mein Adrenalinspiegel sinkt wohltuend. Mehr als ein frisches Bad wäre es aber auch nicht geworden, nur wie Lej mit dem Schock des Weckens durch ein Vollbad zurecht gekommen wäre, das will ich jetzt gar nicht wissen.

Hatte ergebnislos versucht ihn schon bei den U-Booten zu wecken, weil ich ihm das versprochen habe falls wir auf unserer Tour irgendwann welche sehen sollten. Lej kennt sie aus Kiel, hat aber noch keine so richtig auf dem Meer in Fahrt gesehen.
Den AB bekomme ich im Dunkeln nicht in Gang also paddeln obwohl etwas Wind auf kommt, reicht er nicht wirklich. Habe mich an der wieder vorhandenen Küstenbeleuchtung neu orientiert, kontrolliere kurz mit dem Kartenkompass, eigentlich sind wir auf dem richtigen Weg. Die Südströmung macht sich stärker bemerkbar, noch mehr vorhalten.

Wir haben das Ufer von Lolland erreicht, ein dicker Fisch zieht eine Heckwelle ins tiefere Wasser, einige Vögel flattern lärmend im Licht meiner Kopflampe davon. Auch wenn es sicher nur ein Zufall ist, nach hundert Paddelschlägen entlang des Ufers kann ich die Felsklötze unseres Hafens im Lampenlicht erkennen. Cool, würde Lej jetzt sagen, er schläft leider felsenfest, ganz sicher wird er sich morgen früh ärgern.

Kanu an den Strand gezogen, zum Ufer geleuchtet springt etwas Größeres als ein Reh im Dunkel davon. Egal jetzt, es beginnt zu regnen. Schnell eine ebene Fläche etwas höher gesucht, Zelt aufgebaut, Lej aus Rettungsweste und Trocki gepult, trotz Latexkragen kein erwachen. Ich vertrete mir im Regen noch etwas die Beine, verdrücke einen Liter Milch, eine Dose Makrelenfilet und bin im Zelt verschwunden.
Mein letzter Gedanke, meine Frau kennt meine neue Telefonnummer noch nicht. Wieviel Tage haben wir uns nicht gemeldet????

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Troubadix Offline



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26.12.2012 00:11
#37 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Moin,
Mittwoch, es ist kein Regen mehr zu hören, statt dessen vernehme ich eine Frauenstimme außerhalb vom Zelt.
Es ist eine Malerin und wenn ich sie richtig verstanden habe, steht unser Zelt mitten in ihrem geplanten Motiv. Auf meine Frage zu einer Telefoniermöglichkeit hin, schlägt sie uns vor, ein Stück den Feldweg runter zum Schloß zu gehen und dort wäre das dann unproblematisch möglich. Sie entscheidet sich für ein anderes Motiv und sagt, dass wir das Zelt ruhig da stehen lassen dürfen.

Während wir frühstücken entsteht plötzlich ein lautstarkes Gezeter unten am Wasser. Der Ursache sofort nachgegangen können wir nur noch eine von anderen Möwen attackierte Silbermöwe mit einem Eiderküken im Schnabel davon fliegen sehen. Das Entenmutterleben kann hart sein, verschreckt, eng zusammen gedrängt schwimmen die Enten weiter raus aufs offene Wasser.
Nachdem sich die Szenerie wieder beruhigt hat, machen wir uns auf den Weg zum Schloß Frederiksdal.
Ich klopfe an, die Tür steht offen, auch auf mein Rufen hin erscheint niemand. Irgendwie komme ich mir wie ein Einbrecher vor, wir queren das weitläufige Hofgelände, auf einem Ascheplatz werden Pferde trainiert, ein Stück weiter stehen wir dann vor einem riesigen Kuhstall.
Wir klopfen an, öffnen die Tür und stehen in einem Edelstahltanklager, alles peinlich sauber. Linker Hand rattert eine moderne Flaschenabfüllanlage, Menschen verpacken verkorkte Weinflaschen behutsam in Kisten. Ich spreche einen jungen Mann auf Englisch an, der reicht mich gleich an den Mann an der Abfüllanlage weiter.
Er ist Winzer von der Mosel, mit dem Gutsherrn befreundet und kommt jedes Jahr mit seiner eigenen Abfüllanlage hier nach Dänemark um die Jahresproduktion an Kirschwein, der hier produziert wird, ab zu füllen. Der Kirschwein ist in aller Welt bekannt und wird bis China exportiert.
Der nette Winzer setzt für mich, nachdem ein Kontaktversuch mit seinem Handy scheitert, eine Mail an meine Frau mit unserer neuen Handynummer ab, gerettet. Ab jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen.
Wir stiefeln durch die Felder zurück zum Zelt, neben vielen Fasanen, Hasen und Rehen zu beiden seiten des Weges , findet Lej unterwegs eine Fasanenfeder, einen versteinerten Seeigel und ein altes Hufeisen. Ein glücklicher Tag, trotz Migräne und ordentlichen Schultergelenksproblemen, Novalgin hilft.
Den Rest des regnerisch und überwiegend diesigen Tages verbringen wir mit kilometerlangen Strandexkursionen, finden vertrocknete Winterleichen, Muscheln und Steine. Wenn wir hier von Korsnakke aus übers Wasser blicken, sehen wir jetzt nicht mehr die Südküste von Fünen, es ist der Süden von Seeland.
Mit einem kleinen Lagerfeuer in Lej`s Hobo und ein paar Marshmellows, findet der Tag nach dem Vorlesen ein frühes Ende.

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Troubadix Offline



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27.12.2012 14:01
#38 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Moin,
Donnerstag, mit den letzten Eiern, dem letzten Schinken und der letzten Packung Milch aus dem letzten 1oL Pack umgewandelt in Kakao, machen wir zur Freude Lej´S ein Langzeitschlemmerfrühstück, noch etwas verfeinert mit Nutella, Honig, Marmelade, Käse und einer Dose filetierter Ölsardinen aus portugiesischer Produktion.

Wer lange und genüsslich frühstückt muss dann auch damit leben, dass ein kleiner Wolkenbruch die Planung über den Haufen wirft. Alles bereits gepackt und verstaut bis auf Küchentonne und Zelt, letzteres ist jetzt pitschnass.
Egal, es wird schon wieder trocken, nass packen wir es möglichst nicht ein, also Muschelsuche.

Am späten Nachmittag sind wir mit fast nur Paddelunterstützung unterwegs, fragen einen Einheimischen, der in einem Entenjagdboot vom Strand zu seinem Fischerkahn staakt nach dem Wetter, passieren linker Hand eine Vogelinsel, rechter Hand eine Windmühlenanlage.
Wir inspizieren einen am Weg liegenden Hafen, alles verlassen außer, dass wir unerwartet einer Dänin, die wie die Venus aus dem Wasser steigt, in die Quere kommen.
Wir segeln bei moderatem Wind weiter, erleben einen schönen Sonnenuntergang, der einer kleinen Offshorewindanlage das farbliche "Gewisse Etwas" verleiht.

Wir umsegeln Ragö, suchen auf Skalö und Fejö zwischen 2-3tausend Schwänen hindurch vergeblich einen uns passenden Übernachtungsplatz, die Leuchtfeuer sind bei mittlerweile mehr Wind und Welle schwierig zu zu ordnen und halten letztendlich auf Kragnaes zu, da uns Femö im Stockdunkeln an zu steuern zu gewagt ist.
3 mal bleiben wir mit der Steueranlage in nicht deutlich gekennzeichneten Stellnetzen hängen und beschließen kurz vor Mitternacht, den Yachthafen in Kragneas an zu laufen.

Wir entwickeln selbst schon einen gewissen Geruch und auch unsere Bekleidung könnte eine Waschmaschine vertragen, somit ist es eine gute Entscheidung sich in den dekadenten Luxus eines modernen Yachthafens zu begeben.
Segelyacht vertäuen, Lej auf dem Steg weiter schlafen lassen, Zelt aufbauen und das wars dann, mal ohne Gute Nacht Geschichte.

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Troubadix Offline



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28.12.2012 02:28
#39 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Moin,
Freitag,nach kalter Nacht bin ich in der Morgenwärme wieder eingeschlafen als ich durch Lej`s Weckruf richtig wach bin, ist er schon wieder über alle Berge. Im Zelteingang grinst mir ein leeres Nutellaglas mit unserem Kaffelöffel drin entgegen, diese Proviantratten.
Erst mal offiziell einklarieren, dann den Junior suchen. Ich finde ihn über Kopf vom Steg hängend nach irgend welchen Viechern mit dem Kescher spekulieren, ein genervtes "ich komm gleich" bekomme ich als Antwort und als er bemerkt, dass ich immer noch da bin "geh weg, du verscheuchst unser Abendessen".
Nützt ihm nichts, ich habe schon Seife, Handtuch, Bürste und frische Wäsche unterm Arm. Lej findet die ganze Prozedur überflüssig und uncool, das warme Wasser stimmt ihn dann doch etwas versöhnlicher.
Als nächstes gehts zum Wäsche waschen, dann wird um die Ecke eingekauft, Kartoffeln, Eis, Nutella und ein paar andere Kleinigkeiten, ach ja und Eier.
Über eine freie Internetverbindung erreichen wir Jörg(Moose), bekommen keine günstige Prognose von ihm und bleiben für heute, denn hier ist der Wetterbericht auch nicht besser, schade sonst würden wir den günstigeren davon wählen. Eigentlich sind 5-7 achterlich meist händelbar, nur hier liegen einfach zu viele Klamotten nur 1cm unter Wasser und mit richtig Tempo hört sich das sicher unangenehm an.

Ich schaffe es sogar ins Forum und lese in Jörgs Thread, dass unsere Tour auch für ein paar im Forum interessant zu sein scheint, ganz ehrlich, die Rubrik Tourenberichte ist für mich die schönste Rubrik. Es ist für Lej und mich immer eine große Freude wenn z.Bsp. Michael(Spartaner), die Österreicher, der Australier, die Russen oder die vielen Anderen von einem neuen Abenteuer berichten. Mir persönlich ist es auch völlig wurscht ob mit Kajak, Ruderboot oder Canadier ob auf Wildwasser, Plattwasser oder an der Küste, es ist für uns immer schön dran teil haben zu dürfen.
Wir haben Telefonkontakt mit zu Hause, ich bin wieder Opa geworden.
Abends gibt es ein Festessen mit 2kg Kartoffeln, Souce Hollandaise, Würstchen und mit Lej`s Jagdbeute, frisch gefangenen Garnelen und Fliederbeersaft. Den Stichlingen und Seenadeln haben wir die Freiheit wiedergegeben.
Nenenan läuft die Fußballweltmeisterschaft, wir gewinnen 2zu1 gegen Holland. Irgendwie ist das nicht wirklich wichtig, dass Lej zum Abendessen beigetragen hat, darauf bin ich stolz wie Oskar.
Draußen grummelt ein ordentliches Gewitter, gut dass wir geblieben sind.
Nach dem dritten Satz der Gute Nacht Geschichte träumt Lej schon tief und fest.

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Troubadix Offline



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29.12.2012 16:47
#40 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Moin,
Samstag, früh aufgestanden ist Lej schon weg zum Barsche angeln im Hafenbecken, ich stöbere im Forum und werde dann von der Ankunft eines Dänischen Kajakers unterbrochen der von Kopenhagen auf dem Weg nach Sonderburg ist und neben uns am Steg angelegt hat. Wir reden über das Wetter und er erzählt von der Fahrt entlang Stevns Klint, das sind ca. 15km Steilküste oberhalb der Faxebucht ohne Anlandemöglichkeit.
Ich kenne das wunderschöne Stück Küste und kann sein Erlebnis, gerade bei den zur Zeit wiederholt zwischen West, Süd oder Ost sprunghaft hin und her wechselnden Winden gut nachempfinden, eine echte Nervenleistung denn da gibts bei unangekündigtem Wetterwechsel eigentlich keine Alternative außer das Paddeln einigermaßen im Griff zu haben.
Für mich einer der riskantesten Küstenabschnitte, selbst die deutsche Nordseeschlickrutscherküste bietet meiner Meinung nach nichts vergleichbar Anspruchvolles.

14Uhr 30 sind wir auf dem Wasser. Ungerefft geht es dicht unter Land bei schräg ablandigem Wind wieder auf Tour. Lej gibt sich der Meuterei und Revolution hin, da wir in sehr sehr flachen Bereichen unterwegs sein müssen, draußen geht wegen weithin leuchtender Brecher nichts, er hat Angelverbot und ist deswegen ziemlich stinkig.
nur mit Mühe kann ich ihn zu etwas Mitarbeit in Form von Gewichtsverlagerung bewegen.

Wir sind fast querab von Lindholm als linker Hand eine größere Yacht ihre Seenotmittel in Form von Leuchtraketen testet. Für uns keine Chance da helfend ein zu greifen, wir haben gerade leichte Grundberührung hinter uns obwohl es hier eigentlich 0,9m tief sein soll, hoffentlich bleibt es dabei. Der Canadier steigt immer mal wieder über seine Bugwelle und legt Surfsprints von über 20km/h in den 8er Böen hin. Einerseits ein unbeschreiblich spannend schönes Gefühl andererseits nervt mich der eine oder andere klar erkennbare Seestern am Grund.

An Lindholm vorbei kann ich ein zur Hilfe geeiltes Motorboot bei der Yacht erkennen, scheinbar alles okay. Der Wind läßt etwas nach trotzdem reicht es mir schon für heute denn in der Ferne drängt wieder mal ein schwarzer Wolkenvorhang heran.
Lej darf die letzten Meter noch Schleppangeln und bekommt unmittelbar nach dem Auswerfen einen respektablen Biss. Ich versuche so gut es geht durch öffnen des Segels Fahrt raus zu nehmen, Lej kurbelt wie ein Wilder um Kontakt zum Fisch zu halten. 15meter vom Kanu schießt die Forelle von 2-3kg wie ein Blue Marlin weit aus dem Wasser, ich sehe Lej´s große Augen und wie ihm der Mund offen steht, der Kleine kämpft weiter, 2 Meter vom Süllrand entfernt gewinnt der Fisch, er hat den zu kleinen Drilling gerade gebogen.
Lej´s Enttäuschung ist groß, er wird damit klar kommen, vergessen wird er das Erlebnis vermutlich nie. Für mich ist es eine knappe Sternstunde, länger sind wir mal wieder nicht auf dem Wasser.
Direkt hinter Skivterne Skog wollen wir Pause machen, bleiben dann aber an dem schönen Platz Nr.294, der Shelter ist bei dem zu erwartenden Unwetter zu verführerisch, Brennholz bei den kühlen Temperaturen zur Genüge vorhanden und die Aussicht einfach nur traumhaft.
Ich finde am Ufer ein abgebrochenes Stück Dachlatte, ramme es durch das momentane Niedrigwasser mit etwas Abstand zum Ufer in den Boden und befestige den Canadier daran. Lej und die Ausrüstung bringe ich an Land, melde mich telefonisch beim Zuständigen und wir richten uns ein.
Alles ist irgendwie Nass, Lej hat seinen Frust mit verscheuchen der in der näheren Umgebung rumfaulenzenden Kormorane, Brandenten, Schwäne und Säger abgebaut und Feuer gemacht.
Plötzlich ruft Lej eindringlich nach mir, ich kann gerade noch meine schon auf gut 10cm dicke angeschwollenen Teva´s aus der Nähe des Feuers entfernen, springe hinein um die Sole auf ihr Normalmaß zurück zu drücken. meine Fußsohlen halten das nicht aus, müssen sie aber, es sind meine einzigen Schuhe. In einem dem Breakdance ähnlichen Tanzstil kühle ich die Schuhsohlen gerade noch rechtzeitig auf ihr Normalmaß zurück.
Lej liegt auf dem Bretterboden des Shelters, kann sich vor Lachen nicht mehr halten, trommelt mit den Fäusten auf den Boden und macht sich zu allem Überfluss auch noch dabei in die Hose.
Auf einem langen Spaziergang durch die Feldmark teste ich die Funktionstüchtigkeit der Schuhe, streite mich mit Lej über eine Muschel in einem 40kg Feuersteinblock, den ich nicht bereit bin mit zu nehmen auch nicht nachdem Lej mit einem anderen Stein versucht hat den Block passend zu schlagen. Was hat das Kind für einen Dickschädel.

Das Abendessen wird ausnahmsweise üppig zelebriert, zum Abschluß werden die letzten Marshmellows gegrillt. Wir verpassen das letzte Klingeln des Handy´s, dann geht es in die Betten, unsere luftlosen Isomatten stören uns nicht mehr. Vor ca. 10J. im Reiseshop in Kiel gekauft, haben sie bisher ihren Dienst zur vollsten Zufriedenheit getan und irgendwann geht alles mal hinüber. Sie haben sich bezahlt gemacht.

Mit mir selber philosophiere ich am Lagerfeuer noch etwas über das multifunktionellste Kanu aller Kanuarten, kommandiere danach Lej aus einer viel zu hohen Kiefer auf den Boden zurück, lese ihm die Geschichte mit den Rattenrittern vor, die selbstverständlich am Ende die Prinzessinnen heiraten.
Der gleichmäßige Flügelschlag über uns dahin ziehender Schwäne ist unsere Kleine Nachtmusik.

Fotos kommen später.
http://kanutube.de/video/D%25C3%25A4nema...d4882c9e1bc067c

Angefügte Bilder:
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Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

29.12.2012 20:37
#41 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Bilder und Filmausschnitt sind drin.
LG Jürgen

gwlap Offline




Beiträge: 135

29.12.2012 21:13
#42 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Immer wieder köstlich !!!

Dank an euch beide.

bye

Gunter

--

... der den Ally segeln will.

Wolfgang Hölbling Offline




Beiträge: 2.916

29.12.2012 22:19
#43 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Life! So kann man das nicht erfinden. Toll!
LGW

http://www.canoebase.at/
http://www.swiftcanoe.eu/

Wolfgang Hölbling

Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

31.12.2012 00:38
#44 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

Moin,
Sonntag, die Nacht war schweinekalt, habe Lej gegen Morgen die Neoprenhaube übergezogen bin jede Stunde aufgestanden um Feuerholz nach zu legen. Als der Vorrat weg war bin ich im Dunkeln in Unterhosen mit einem Dachs beim Nachschub holen zusammen gestoßen, ich glaube der ist nur knapp am Herzinfarkt vorbei gekommen.
Als es zu dämmern begann, gab es hinter uns in der Wiesensenke fast eine Stunde Raureif und das anfang Juni. Irgendwann wieder eingeschlafen werden wir unvermutet von knatternden Motorrädern geweckt, eine lustige Gruppe aus Neumünster trifft zum jährlichen Meeting ein, die Rockergangs scheinen auch langsam älter zu werden.

Zeit zum Packen, der Nächste wartet auf den Shelterbezug. Der Wind hat sich in der Nacht auf Süd umgestellt und scheint weiter nach Ost zu drehen. Wir düsen mit guter Fahrt nach Bandholm in den Hafen, Lej muss mal, währenddessen lerne ich ein paar lustige ältere Herren zwischen 70 und 80+ Jahren kennen. Sie bieten mir ein Bier an und präsentieren stolz ihren prachtvollen Partydampfer, mit dem sie grundsätzlich ohne Frauen die umliegenden Inseln unsicher machen. Ganz aus Eiche und kerngesund der Dampfer, versichern sie mir, ich glaube ihnen selbstverständlich.
Am Wind dicht unter Land bei gut 6Bf aber ohne große Welle segeln wir in den Saksköbingfjord, wutsch taucht neben mir der Fotoapparat ins Wasser, ein Reflex und ich habe ihn, das Wasser schießt unterm Neoprenbündchen bis unter die Achsel hoch, nicht viel aber so kalt und plötzlich, dass ich den Apparat fast wieder los lasse, ich werfe ihn zwischen die Ladung, gerettet, die Metallkette um meinen Hals war gebrochen. Nun ein kurzes Stück vor dem Wind bis zum Skovsand, von da über wenig Wasser sehr dicht unter Land weiter. Vorsichtiges, taktisches Planen und Segeln ist bei diesen Wetterverhältnissen das einzigt Machbare, Spaß ist was anderes.
Nach Rommes Nakke kürzen wir ab, geraten erst drei mal auf Grund und bekommen danach den Dampfer randvoll mit Wasser. Es steht bei ablandigem Wind mit 1km Entfernung zum Ufer eine über einen halben Meter hohe brechende Welle, das sind jetzt leicht 7BF oder mehr und der Wind nimmt weiter zu.
Nach links will ich mich gar nicht umdrehen, voraus dicke Steine, wir kriegen gerade so die Kurve ohne Wasser zu nehmen. Der Wind steht jetzt aus Südost, gut für uns, dass er mit dem Kurs mit dreht und wir wieder ablandig ohne größere Probleme weiter segeln können. Der Canadier steigt über seine Welle und wir surfen gut 4km in 10 Minuten, ganz vorsichtig dabei mit den Fingern an der Pinne, einfach irre.
Am Ende von Vestermark unterhalb der Vogelinsel angekommen gehen wir an Land, Pause, alles zittert, nicht nur Lej ist begeistert, das waren unbeschreibliche das Fliegen begünstigende Ausnahmeumstände.
Ein Mann kommt die Straße zum Wasser runter und fragt wo wir hin wollen, er sagt auch, dass er uns beobachtet hat und grinst dabei.
Ich sage Vordingborg, er sagt No Way und geht mit mir ein Stück den Hügel hoch,richtung Nordost über den Vogelsand hinweg kocht das Wasser. Sein Windmesser zeigt 8Bf, seine weitere Prognose bestätigt Jörg(Moose)am anderen Ende des Handy`s, Sturm und Regen aus östlichen Richtungen.

Hier ist es recht öde, Vordingborg scheidet für mindestens 2Tage aus, Guldborg ist die einzige Alternative um das Angekündigte Ungemach halbwegs komfortabel ab zu wettern.
Querab am Ende der Vogelinsel sitzen wir auf, keine kleine tiefere Rinne ist aus zu machen. Hier soll ein Meter Wasser sein, kilometerweit schauen die blasentangbewachsenen Steinköpfe aus dem Schlick.
Mein Aussteigen reicht gerade so, dass Lej im Canadier bleiben kann, ich nehme den Tampen über die Schulter und stiefele los. Mal Schlickboden, ein paar Steine, nachgebender Lehmsandboden und als Luxusausführung nach 2km endlich fester Sandgrund. Der entgegendrängende Wind hält mich aufrecht, rechter Hand fühlen sich gut 500 Schwäne gestört und starten in den Himmel um einen Km weiter Richtung Ufer wieder zu landen, sie haben dabei Probleme mit der Aerodynamik.
Nach knapp 3km habe ich tieferes Wasser erreicht, mit dem Wind jetzt direkt von vorne starte ich den Motor, Lej verkriecht sich vor dem quer durch die Luft peitschenden Regen, es ist Dunkel wie in der Nacht aber keine 15Uhr. Ich bin völlig im Eimer.
Mit langsamster Langsamfahrt klatschen wir in die Wellentäler, der Sturm zerstäubt das aufgeschaufelte Wasser vom Vorschiff, nach 2km haben wir es geschafft, noch 1km bei moderaten Bedingungen und wir sind im Yachthafen von Guldborg hinter der Klappbrücke auf Lollandseite.
Ich frage die hübsche Dänin von der Yacht Rimfaxe(eins von den 2Pferden Odin´s), wo hier ein Zeltplatz ist. Ein Moment, ich rufe meine Freundin an, die ist nett und hat Platz, antwortet sie mir.

200 Meter weiter legen wir vor dem im Floridastil erbauten wunderschönen Haus mit Blick über den Sund hinüber nach Falster an.
Wir bekommen von den sehr gastfreundschaftlichen Besitzern den Shelter im Garten mit Frühstücksplattform über dem Wasser und das private Badezimmer samt Schlüssel fürs Haus zugewiesen.
Später sitzen wir bis Mitternacht auf der Terasse und unterhalten uns ausgiebig über Dänische Malerei, besonders über den von mir so sehr bewunderten Maler Johannes Larssen aus Kehrteminde. Kaum einer hat die Farben des Wassers so naturgetreu eingefangen wie Er.
Paule und das Papaherz ist die Gute Nacht Gechichte.

Angefügte Bilder:
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Troubadix Offline



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01.01.2013 17:38
#45 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB antworten

moin,
Montag, wir liegen im Schlafsack, die Köpfe nach vorne aus dem Shelter, beobachten Sturm und Schüttregen überm Guldborgsund von unserem komfortabel trockenen Logenplatz aus.
Regen und pralle Sonne wechseln im Viertelstundenrythmus.
Wir rüsten uns für den geplanten Erkundungsspaziergang.
Wir räumen auf, verschließen das Haus, da die Eigentümer unterwegs sind und machen uns auf die Socken. Erst rein nach Guldborg, über die alte genietete Stahlklappbrücke rüber nach Falster, den dortigen Hafenteil inspiziert und wieder zurück nach Lolland.
Unterhalb der Brücke betrachten wir mit Wehmut einen alten zerfallenden kleinen Holzsegler, tauschen mit ein paar Meerforellenanglern etwas Latein aus und entfernen uns von Guldborg entlang einer niedrigen Steilküste richtung Norden.

Es dauert keine 3Minuten bis Lej mir stolz seinen ersten prähistorischen Fund unter die Nase hält, ein kleiner versteinerter Klumpen mit mehreren sehr gut erhaltenen 1cm großen Herzmuscheln. Ein wunderschönes Exemplar und es muss selbstverständlich mit.
Eigentlich ist das Gefahrenpotenzial unserer Touren sehr berechenbar, viel geringer als es manchmal vielleicht den Anschein haben mag. Wenn wir doch mal versaufen sollten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es auf Gründe von Überladung durch Lej`s Sammlerleidenschaft zurück zu führen ist.
Lej interessieren meine Einwände gar nicht, er hält mir gerade eine wunderschöne Koralle entgegen und ich selbst finde meinen bisher größten Seeigel überhaupt, Lej kassiert in ein und sagt nur" wegwerfen oder mitnehmen".
"Ja Lej, meine Taschen sind größer".
Innerlich schmunzelnd erinnert mich diese Sammelwut an frühere Tage als meine Mutter manchmal mit mir verzweifelte u.a. ist sie mal fast ausgeflippt, nachdem ich ihr per Frachtschiff von einer Mittelamerikareise zurückkommend, mehrere tiefgefrorene Haie vor der Haustür abgeladen habe. Der Eine davon maß mehr als 4m.
Wir klettern durch und über ins Wasser gestürzte alte Eichen weiter und ich bin froh, dass hier das getrocknete angeschwemmte Seegras weitere Fundstücke erst mal verhindert.
Lej will weiter, mit hochgekrempelten Hosenbeinen ist er mehr im Wasser als an Land unterwegs, fängt einige besonders schöne Exemplare an Seenadeln und ist kaum zu bewegen um zu kehren.
Irgendwann setze ich mich durch, wir finden eine Stelle wo das Steilufer unterbrochen ist und machen uns in Luftlinie auf den Heimweg durch schönen Mischwald. Dabei stoßen wir wieder auf Steingräber, erschrecken ein schlafendes Reh und finden einige brauchbare Pilze.
Wieder zurück klingelt das Handy. Meine Frau ist am Apparat, sie hat die Sommerferienplanung ändern müssen da Lej`s Schwester sich unerwartet einen DM-Titel in Düsseldorf erkämpft hat, sie muss am kommenden Wochenende noch mit der Gruppe in Berlin ran und direkt danach gehts ins Ferienhaus, nach Dänemark. Sie erwartet uns am kommenden Wochenende in Kiel.
Eigentlich haben Lej und ich noch ein paar Wochen und die Vorstellung im Hinterkopf, von irgendeinem Fährhafen in Schweden den Heimweg nach Kiel an zu treten.
Auf meine Frage hin, wie das funktionieren soll, so ohne passende Seekarten und in nur 5 Tagen bei nicht planbarem eher unbeständigem Wetter, gibt mir meine bessere Hälfte zu verstehen, dass ich die Seekarten doch sowieso überwiegend zu Hause vergesse und bisher auch immer heil zurück gekommen bin.
Da sie meistens recht hat und es während dieses Telefonats wieder aus Eimern schüttet, wende ich mich an Lej, er nickt und sagt "Okay, dafür paddeln wir dann aber nächstes Jahr in den Ferien zu Oma".
Ich liege die Nacht noch lange wach und verfolge in Gedanken die zurückliegenden spannenden Tage. Das was jetzt noch vor uns liegt ist überschaubar.

Angefügte Bilder:
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