Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Zur Vermeidung weiterer rechtlicher Auseinandersetzungen werden alle Beiträge und Äußerungen über die Firma Gatz-Kanus, den Namen und deren Produkte nicht mehr geduldet.
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 63 Antworten
und wurde 9.156 mal aufgerufen
 Ausrüstung > Boote, Paddel, Zubehör, CanoePacks, Kanubau
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5
schwimmendeWerkzeugkiste Offline




Beiträge: 500

12.06.2006 19:17
Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Hallo,

das Wetter wird schöner - es wird häufiger Boot gefahren aber mangels Regenfällen sinkt der Wasserstand in den Flüssen. Wer - wie ich - Benzin spart und erstmal mit dem Boot bergauf fährt, stellt jetzt häufiger fest, dass die sprichwörtliche "Handbreit" Wasser unterm Kiel manchmal gar nicht mehr da ist. Und selbst wenn sie es noch ist kommt man mit Paddeln irgendwann nicht mehr weiter sondern stößt sich unweigerlich und wenig materialschonend mit dem teuren Paddel vom Grund ab um vorwärts zu kommen.
Da lese ich doch in den historischen Romanen, dass die Vojageurs (wie schreiben die sich noch?) Stakstangen eingesetzt haben und stehend den Fluß gegen den Strom angestochert sind (hier in Tübingen haben wir Stocherkähne - würde also gar nicht weiter auffallen).
Hat jemand Erfahrungen mit dem "Staken"? Wie ist so eine Stakstange beschaffen? Ich würde mir natürlich gerne selber eine zurechthobeln - welches Material bietet sich an, welche Länge? Wie kann sie bei Nichtgebrauch im Boot verstaut werden? Was ist beim Stehen im Kanadier zu beachten? (Gibt es Regel für den eleganten Ausfallschritt ins Wasser, wenn man das Gleichgewicht verliert oder gegen einen Stein stößt - sollten wir sie in diesem Rahmen aufstellen?) Oder habe ich einfach zuviel Sonne abgekriegt um diese Idee ernsthaft zu verfolgen?

Schöne Grüße

Axel



________________
floating toolbox

Dull Knife Offline




Beiträge: 754

12.06.2006 20:33
#2 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Hallo Axel!
In Tübingen habe ich mal eine Stakstange verloren. Onkel Bill beschreibt das Staken in seinem Buch "Die Kunst des Kanufahrens" in einem kurzen Kapitel und drei Bildern. Im Spreewald werden die Stocherkähne nicht wie in Tübingen mit einer einfachen Stange, sondern mit einem "Rudel" bewegt. Dieses sieht wie ein Skull mit einer Metallkante mit zwei Zinken aus.
Don't stalk, stak.
Viel Spaß
Dull Knife

trullox Offline



Beiträge: 616

12.06.2006 20:59
#3 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten
Hi Axel!
ich hab sogar ein umfangreiches,schlaues Buch übers Canadierstochern (auf english).Würde dir gern den Titel verraten, wenn ichs denn finden könnte in all meinem Bücherwust. Wenns mir während der nächsten Tage mit einem Suchscheinwerfer gelingt, sag ich dir Bescheid. Gruß!
Trullox
p.s. Voraussetzung ist natürlich ein Canadier, in dem man stehen kann.

Jörg-Wagner Offline



Beiträge: 41

13.06.2006 12:20
#4 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Hallo,
in den USA gibt es Gegenden, wo fast mehr gestakt als gepaddelt wird, und zwar in den nördlichen Neu-England-Staaten, insbesondere in Maine. Dort wurden auch die sogen."Guide-Canoes" entwickelt, Boote mit wenig Tiefgang, damit man die oft seichten Flüsse dort auch im Sommer noch befahren kann.
Besonders mit einem vollbeladenen Boor ist Staken gar nicht so schwer, weil das Boot sich dann recht stabil anfühlt, jedenfalls fahren bei unserer jährlichen Maine-Excursion alle ab der River-Section die rapids im Stehen, entweder mit einer ca 3m langen Stange oder einem körperlangen Guide-Paddel.
Dabei werden erstaunliche Geschwindigkeiten und eine gute Bootskontrolle erreicht, man kann z.B.mitten im Stromzug einfach anhalten und stehen bleiben oder auch stromaufwärts fahren, wenn man mal den richtigen Kanal verpaßt hat. In Deutschland wäre der Regen im Sommer sicher ein ideales Stak-Gewässer, auch die Lahn zwischen Marburg und Gießen und der Oberlauf der Eder sind gute Möglichkeiten, mit dem Staken Erfahrungen zu sammeln.
In dem Buch "Beyond the Paddle" von den Connovers wird Staken (in englischer Sprache) ausgezeichnet beschrieben, auch Winterpaddeln und die Auseinandersetzung mit Eis sowie wichtige Aspekte des Treidelns werden dort erschöpfend behandelt. Amazon macht´s möglich.
Jörg Wagner

flachwasser Offline




Beiträge: 67

13.06.2006 12:31
#5 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Hallo,
zum Staken (engl. poling) gibt es diverse Literatur. Soweit ich weiß nur auf englisch. Sehr intensiv beschäftigt sich das Ehepaar Conover in dem Werk "beyond the paddle" mit der Thematik. Findest Du glaube ich auch hier auf der Seite in irgendeinem Literatur-Tipp. Ich habe ein Exemplar vor ein paar Jahre bei Wavecrest (http://www.canoes.de) erstanden.
Poling bedeutet allerdings Grundberührung und zwar absichtlich und intensiv und das ist, je nach Gewässer und Beschaffenheit des Flussgrundes, verdammt schlecht für das Ökosystem. Indem man im Flussgrund "rumrührt", zerstört man das sogenannte "Kiesellücken-System" und wirbelt Sediment auf. Microorganismen und diverse andere Kleinstlebewesen werden hierdurch stark beeinträchtigt (bzw. umgebracht!), was natürlich das gesamte Ökosystem negativ beeinflusst. Nicht zu Unrecht gehört das Vermeiden von Grundberührungen zu den "10 goldenen Regeln des Kanusports". Die genannten Beeinträchtigungen sind ja auch der GRund für die Einführung von Mindest-Pegeln an vielen Flüssen.
Wenn jemand sicher weiß, welcher Gewässergrund Staken ohne Naturzerstörung übersteht (Fels?) wäre ich dankbar für Hinweise, da mich das Thema ebenfalls sehr interessiert.
Gruß
Stephan

Jörg-Wagner Offline



Beiträge: 41

13.06.2006 14:35
#6 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Hallo Stefan,
Deine Bedenken gelten wohl für alle Arten von Flußgründen außer gewachsenem Fels oder Beton.
Allerdings staken ja nicht gleich ganze Völkerstämme hier herum, sodaß Deine Bedenken vielleicht etwas tiefer gehängt werden könnten.
Jörg Wagner

Jörg-Wagner Offline



Beiträge: 41

13.06.2006 14:36
#7 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Nachtrag :
ein bei Niedrigwasser inkompetent geführtes Paddel richtet hier wohl mehr Schaden an als ein präzis eingesetzter Staak.
Jörg

singletrailz Offline




Beiträge: 369

13.06.2006 15:36
#8 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten
also ich finde ja paddeln im Stehen stailischer und außerdem besser für die Würmchen


--------------------
Und alles was ist dauert drei Sekunden / Eine Sekunde für vorher, eine für nachher, eine für mittendrin / Für da wo der Gletscher kalbt, wo die Sekunden ins blaue Meer fliegen // Peter Licht, Sonnendeck
http://www.singletrailz.de

Dull Knife Offline




Beiträge: 754

15.06.2006 20:38
#9 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten
Hallo Jörg!
Ich würde mich freuen, wenn Du ein Bild und Maße/Plan für ein Guide-Paddel posten würdest. Wie sieht der Griff aus?
Viele Grüße,
Martin

robbi Offline



Beiträge: 13

17.06.2006 23:53
#10 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Hallo,

empfohlen sei auch noch das Buch "Pole, Paddle & Portage" von Bill Riviere.
Gibt es ev. noch antiquarisch von z.B. adebooks

Gruß

Robert

MeisterLampe Offline



Beiträge: 6

01.08.2006 09:50
#11 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Hallo Axel,
Nicht nur beim Flussaufwärts-Wandern ist ein Staken äußerst hilfreich – auch beim Flussabwärts-Wandern – manchmal – z.B. wenn ein Kies- oder SandFluss sein Wasser in einer unüberschaubaren Vielzahl von Armen verteilt und der Grundwasserkörper mehr und mehr des oberflächig abfliessenden Wassers aufnimmt. Dann wird die Reise zu einer Wanderung auf einen Horizont aus Kies oder Sand, eine Wand aus Pastelltönen oder Guachen, in der die Fahrrinne immer schwerer auszumachen und fast nur noch an der Farbe des Wassers zu erkennen ist. Wenn dann auch noch die Sonne gegenansteht ist der Blickwinkel beim Stehen von unschätzbarem Vorteil, will man seinen Weg durch diese Landschaft finden.
Die Kraftübertragung und das Lenken von den Füssen über Schulter und Arme bis in den Staken und den Flussgrund gehört mit zu dem Schönsten was eine Flusswanderung bieten kann, ruhig, gleichmäßig und doch ständige Aufmerksamkeit fordernd. Ich empfinde dies als kontemplativ und zeitmass-überwindend.
Als Staken wähle ich mir immer einen langen (eher 3,5 bis 4m), mehr oder weniger geraden Trieb eines Haselstrauches oder einer Weide (davon gibt es an solchen Flüssen genug und ausserdem treiben diese Baumarten unterhalb der Schnittstelle unbeeindruckt im nächsten Jahr mit mehreren neuen Trieben wieder aus). Die Dicke? Etwas mehr als Daumendick, muss halt noch stabil sein und nicht zu schwer, nachgiebig wie ein Bogen sind die frischen Hölzer allemal, macht aber nichts, kann man lernen mit umzugehen. Entrinden, aber nicht glatt schmirgeln gibt den besten Griff. Fürs Flussaufwärts wandern muss der Staken natürlich dicker und stabiler sein. Aber auch hier finde ich etwas elastisch besser, als steif und brüchig. Am Ende der Reise, beim letzten Lagerfeuer übergebe ich sie dem Fluss oder ich nehme sie als Andenken mit im Auto nach Hause.
Die Meinung, dass man beim Staken (großen) Schaden anrichtet, kann ich – als Bodenkundler und Flussmorphologe – nicht teilen. Es sind doch nur sehr kleine Aufwirbellungen (nicht zu vergleichen mit den gewaltigen, flächigen Umwälzungen bei Hochwasser in solchen Sand- und KiesFlüssen), an die das Makrozoobenthos (Kleintiere im Unterwasserboden) angepasst sind. Und in den anderen Flüssen, also den meisten Wander-Flüssen Europas, liegt sowieso am Grund ein schlammiges, sauerstoffarmes Feinsediment. Wenn dieses durch den Staken ein bischen aufgewühlt wird, kann das dem Boden nicht schaden. Natürlich gibt es Ausnahmen (Laichplätze von Kieslaichern wie Forellen und Äschen, wobei die eher in der Bergregion leben und wer stakt schon dort, aber natürlich überall dort, wo Unterwasserpflanzen beschädigt werden, aber auch dort gibt es genügend Flecken zwischen den Pflanzen).
Ich kann jedem geübten Canadierfahrer nur empfehlen, sich auch diese „Technik“, diesen Fahrstil anzueignen.
Vil Spaß
MeisterLampe

Michael Issel Offline



Beiträge: 1

02.08.2006 14:38
#12 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Hier 2 Bilder von Stakstangen die ich vor Jahren
aus England besorgt habe. Dort wird eifrig gestakt und es gibt
es auch Wettbewerbe mit Staken im Kanu.
Meine sind aus Fiberglas, 350 cm lang, 3 cm Durchmesser,
Federschnapper-Teilung, Gewicht 980 gr. mit Aluminiumabschluß.
Habe meistens eine beim Paddeln dabei (zum Staken üben und spielen) und
nutze sie auch oft als Stangen fürs Zelt, Tarp etc.

Angefügte Bilder:
stakstange1.jpg   stakstange2.jpg  
Als Diashow anzeigen
schwimmendeWerkzeugkiste Offline




Beiträge: 500

22.08.2006 09:01
#13 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Hallo,

ich nehme diesen Thread wieder auf weil ich mich - den guten Ratschlägen folgend - mit Literatur eingedeckt habe. Dabei wurde mir versehentlich Bill Rivieres "Pole, Paddle & Portage" von 1969 zweimal zugesandt. Der amerikanische Händler will das 1,70$-Buch nicht zurückhaben, da für Porto und Versand ja nochmal etwa 10$ dazukamen. Brauchts jemand von Euch? Schreibt mir ne Mail, ich schicke es als Büchersendung.

Schöne Grüße Axel
________________
floating toolbox

schwimmendeWerkzeugkiste Offline




Beiträge: 500

22.08.2006 13:57
#14 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Okay, das ging flott. Jetzt isses weg. Ole kriegts. Ich sollte einen Buchhandel aufmachen...
________________
floating toolbox

schwimmendeWerkzeugkiste Offline




Beiträge: 500

06.10.2006 09:55
#15 RE: Stakstange - Stochern mit dem Kanadier? antworten

Hallo,

im Rahmen meiner Bemühungen meine Praxis mit Literatur zu unterbauen habe ich verzweifelt nach dem viel gelobten Buch "Beyond the Paddle: A Canoeist's Guide to Expedition Skills - Polling, Lining, Portaging, and Maneuvering Through Ice" von Garrett Conover gesucht. Da gebrauchte Exemplare über 100 EUR kosten wollte ich es per Fernleihe über die deutschen Uni-Bibliotheken kriegen. Fehlanzeige. Das gibt es in keiner enst zu nehmenden Bibliothek in dieser Republik.
Hat jemand von Euch das Buch und kann er/sie es mir leihen? Kennt jemand jemanden, der es haben könnte? Schickt mir in dem Fall doch bitte eine Nachricht. Wenn sich da ein Kontakt vermitteln ließe wäre ich äußerst dankbar.

Schöne Grüße

Axel

PS: Poling macht Spaß. Ist ein bißchen wie Skate-Board-Fahren auf dem Wasser...
________________
floating toolbox

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5
«« Erfahrung
 Sprung  

Canadier.com ACA Kanuschule