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Dieses Thema hat 21 Antworten
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 Allgemeines Canadierforum
Seiten 1 | 2
Walter59 Offline



Beiträge: 7

27.05.2013 11:13
Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten

Ich möchte hier kurz meine Erfahrung an Pfingsten auf der Loire mitteilen. Ich denke das ist auch für alle Kanuten die die Loire auf dem Plan haben ein Thema. Nicht zuletzt betrifft es doch alle bzgl. Sicherheit.
Am 18.05. ging es mit Familie (Kinder 17 und 14) nach Nevers an die Loire. Geplant war zunächst am Allier bei Vichy einzusetzen und dann via Loire bis kurz vor Orleans zu paddeln. Ich würde uns zwar nicht als absolute Könner bezeichnen aber fast 15 Jahre Kanu, meist in Finnland auf Seen oder Fließgwässer bis WW2 sprechen doch für eine gewisse Erfahrung (Grundkurse, auch mit Kindern wurden absolviert). Das nur um nicht als "Laien" abgestempelt zu werden.
Wir haben in Nevers Boote geliehen und wie geplant in Vichy am Allier eingesetzt. Der Wasserstand war hoch mit flotter Strömung, aber nicht bedenklich und ohne Warnstufe. Unser Bootsvermieter meinte das der Pegel in den nächsten Tagen weiter fallen würde. So ging es problemlos bis nach Chatel-de-Neuvre, wo man obligatorisch (da im Naturschutzgebiet)auf dem Campingplatz übernachten sollte. Hier erreichte uns die Nachricht vom Verleiher das wir auf keinen Fall in die Loire einfahren sollten. Er könne das nicht verantworten und bat uns die Tour hier abzubrechen. Warum das? Nachdem er uns abgeholt zeigte er uns den Grund. Die Loire war weiter gestiegen und vor allem gab es regelmässige Pegelspitzen mit einem Schwällen von teilweise 1.5m zusätzlich. Das rührte vom Ablassen der vollgelaufenen Rückhaltebecken im Oberlauf her. Mit so einem Schwall ist ein rechtzeitiges Anlanden oder Ausbooten vor den Wehren kritisch, wenn nicht sogar unmöglich. Die Strömung ist dann enorm und an den Ufern stehen Bäume im Wasser. Übernachten auf Kiesbänken oder am höher gelegenen Ufer kann zu sehr unangenehmen, wenn nicht sogar gefährlichen Situationen führen. Wir haben jedenfalls abgebrochen und sind froh einen umsichtigen Verleiher getroffen zu haben. Ich möchte das hier als Erfahrung weitergeben da dies vielleicht nicht jedem Loire-Befahrer bewusst ist. Im Anhang der Pegelverlauf der Loire bei La Charite, die durchgezogene Linie oben ist die langjährige Hochwassermarke!
Viele Grüße

Walter

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Rudo Offline




Beiträge: 172

28.05.2013 01:14
#2 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten
Hallo Walter,

vielen Dank für deine Schilderungen, ich denke man sollte auf jeden Fall regelmäßig die flußaufwärts liegenden Pegel checken, gerade wenn man von einem Fluß zu einem anderen mit einem anderen Einzugsgebiet wechselt. Da die Pegel alle online einsehbar sind und die meisten ohnehin ein internetfähiges Handy dabei haben, sollte das auch kein Problem sein. Unter http://www.vigicrues.ecologie.gouv.fr/ gibt es eine Karte aller französischen Pegel, am besten speichert man sich schon vorab die Links zu den für die eigene Route wichtigen Pegel ab, dann kann man schnell und ohne große Roamingkosten darauf zugreifen.

Wie schnell man aber auch dann in Schwierigkeiten kommen kann, wenn man die Pegel beachtet, musste ich letzte Woche auf der Loire erfahren. Vielleicht kann der eine oder andere hier im Forum etwas zu dem erlebten sagen, was wir hätten besser machen können:

Auch ich war letzte Woche auf der Loire unterwegs, allerdings weiter oben, unterhalb von Le Puy. Auch dort war dieser große Anstieg zu sehen (siehe Bild), nur ohne die Spitzen auf deinem Bild.



Also haben wir brav abgewartet, bis der Pegel wieder unten war, und die Zeit genutzt, den zu fahrenden Abschnitt genau anzuschauen. Es handelt sich um den Abschnitt von Lavoute nach Vorey mit einer Reihe von natürlichen und künstlichen gut fahrbaren kräftigen Schwällen, denen immer längere, langsamer fließende, ruhige Bereiche folgen, mit gemütlichen Kurven und mit Ausnahme von einzelnen Brücken und Sandbänken ohne irgendwelche Hindernisse. Es ist sogar eine Strecke, die vom örtlichen Kanuverleiher als "sehr leicht" und "ideal für Familien und Kinder" beschrieben wird. Unterwegs waren wir mit einem Kanadier und zwei Prijon Flippern.



Hier ganz links der Pegelstand, als wir gefahren sind.

Der Anfang und eigentlich auch fast der ganze Rest der Strecke war wunderbar zu fahren, die Schwälle gut zu beherrschen, in den ruhigeren Bereichen konnte man ein bisschen in der Strömung spielen, durchaus auch gegen die Strömung fahren, alles kein Problem. Eine meiner Töchter ist einmal gekentert, und konnte aber problemlos Paddel und Boot einsammeln und mit Hilfe vom Kanadier aus wieder weiterfahren.

Kurz vor dem Ende der geplanten Strecke allerdings war eine Stelle, wo die Strömung plötzlich etwas stärker war, und genau dort lag ein Baumstamm quer über die gesamte Breite. Wir konnten nicht mehr rechtzeitig anhalten oder ans Ufer, ausweichen war sowieso nicht möglich, und so sind wir mit dem Kanadier dort hängengeblieben, die Kinder mit dem Kajak sind unten durch getaucht und gekentert. In kürzester Zeit lagen wir also alle im Wasser, die Kinder haben sich erstmal am Ufer gerettet, der Kanadier ist ziemlich schnell von der Strömung vollgelaufen und wurde dann auch unter dem Baumstamm durchgedrückt und war, da er nun komplett unter Wasser gedrückt war, mit aller Kraft nicht mehr zu halten. Bis wir uns also alle gesammelt hatten, waren alle drei Boote auf und davon; den Kanadier haben wir später noch weiter unten gefunden, die Kajaks sind weg.

Hier noch ein Bild, das ich später mit dem Handy aufgenommen habe, um die Unglücksstelle zu verdeutlichen; zum Zeitpunkt der Kenterung war das Wasser noch etwa 10 cm höher.
Zum Größenvergleich: Der Anstand zwischen dem dicken Baum auf der linken Seite und dem dünneren rechts sind ca. 4 Meter, der liegende Baumstamm hat einen Durchmesser von ca. 30 cm:



Was ich mich natürlich jetzt frage ist, was haben wir wirklich falsch gemacht, oder hatten wir einfach nur Pech? Wir haben eine relativ einfache Strecke gewählt, hatten eine genaue Streckenkarte, haben uns die Strecke vorher so gut wie möglich angeschaut, haben den Pegel beachtet, ... , und trotzdem ist es so ziemlich in die Hose gegangen. Was meint ihr dazu?

Beste Grüße
Rudo

PS: Meine Töchter sind natürlich untröstlich, weil ihre geliebten Flipper weg sind. Natürlich hoffen wir, daß sie noch jemand findet und sich meldet (sind mit Adresse und Telnummer beschriftet), aber ich denke die Chance ist gering, daß sie dann auch noch unbeschädigt sind. Hat nicht vielleicht noch jemand einen Prijon Flipper gebraucht zu verkaufen?
AxeI Offline




Beiträge: 1.001

28.05.2013 07:08
#3 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten

Oje, schade um die Kajaks und hoffentlich sitzt der Schreck nicht so tief, dass den Kindern das Paddeln verleidet ist.

Eine Ferndiagnose auf Grundlage eines Bildes und Deiner Erzählung ist natürlich gewagt und kann nur mit großer Vorsicht erfolgen. Ich meine auf dem Bild Ausweichmöglichkeiten zu erkennen (in Flussrichtung rechts ans Ufer, links am Hindernis vorbei) aber ich kann die Fließgeschwindigkeit vom Bild her natürlich nicht einschätzen. Um schnell ausweichen zu können oder eine "Seilfähre rückwärts" zu paddeln muss man geübt sein.

Gegebenenfalls hilft ein Kurs z.B. bei einem der sich in diesem Forum tummelnden gewerblichen Anbieter oder bei einem Kanuverein - selbst kajaklastige Klubs sollten in der Lage sein, Canadierpaddlern die erforderlichen Gundkenntnisse zu vermitteln - die Bewegungsabläufe unterscheiden sich nicht so entsetzlich. Und wenn Du kajakpaddelnde Kinder hast sind die in der Kinder- und Jugendgruppe eines Vereins bestens aufgehoben (In Freiburg gibt es die Faltboot-Fahrer (die auch Festboote fahren), wenn Du den Waldkircher Verein wählst musst Du damit rechnen, dass sie zu Slalompaddlern ausgebildet werden).

Im Fall eines Quer-Auflaufens auf ein Hindernis ist es stets erforderlich sich zum Hindernis hin zu lehnen damit das Wasser unter dem Boot hindurch fließen kann. Ob das bei einem 10cm höheren Pegel machbar gewesen wäre kannst nur Du einschätzen. Dass der Reflex genau in die andere Richtung geht (von Hindernis weg) weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung.

Axel

P A D D E L B L O G - 2. Sicherheitstreffen am 21./22.09.2013
There's more means to move a canoe than paddles

rené Online



Beiträge: 472

28.05.2013 07:20
#4 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten

Guten Morgen,

erstmal meinen Glückwunsch, dass Ihr das heil überstanden habt. Material kannn man ersetzen..., aber das scheinst Du ja genauso zu sehen.

Man kann nicht genau sehen, wie stark die Strömung wirklich ist. Auf den ersten Blick würde ich aber denken, dass eine Seilfähre in Richtung des näher gelegenen Ufers möglich wäre, vorausgesetzt , die Gefahrenstelle wird rechtzeitig bemerkt. Sollte zumindest mit den (Touren-)Kayaks eigentlich funktionieren, da meines Wissens die Flipper recht gut drehen. In der Nähe des Ufers wird der Stromzug ja dann schwächer. Muss man aber vorher geübt haben.
Die Seilfähre geht natürlich auch im Kanadier - je nach dem wie gut man ist, entweder rückwärts oder erst drehen und dann vorwärts. Hängt aber immer auch davon ab, dass man die Gefahrenstelle rechtzeitig bemerkt.

Ich bin bei uns im Verein einer der Übungsleiter für die Kinder und würde die Geschichte, als auch das Bild gerne unseren Kindern zeigen und erläutern. Es ist immer schwer, die Notwendigkeit bestimmter Übungen - wie z.B. die Seilfähre - deutlich zumachen, wenn die Wichtigkeit auf den ersten Blick nicht erkennbar ist.
Ich hoffe das ist okay für Dich.


Gruß René

Walter59 Offline



Beiträge: 7

28.05.2013 07:45
#5 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten
Hallo Rudo,
das tut mir echt leid für Eure Tour. Aber wenigstens ist euch dabei nichts passiert - das ist zunächst mal das wichtigste. Warum der Pegel bei Charite solche Spitzen aufweist, die anderen Pegel der Loire jedoch nicht kann ich mir nicht so recht erklären. Auf jeden Fall ist damit nicht zu spassen.Solche Hindernisse wie auf deinem Bild sind uns auch ab und an "begegnet". Wir haben es aber immer rechtzeitig geschafft auszuweichen und zu umfahren. Bei der Strömung konnte man jedoch nicht lange überlegen sondern es musste rach und entschlossen reagiert werden.
Viele Grüße
Walter
Frank_Moerke Offline




Beiträge: 1.432

28.05.2013 08:23
#6 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten
Eine Ferndiagnose ist tatsächlich eine dünne Sache, zu viele Faktoren bleiben beim Betrachten des Bildes offen.
Grundsätzlich sehe ich die Möglichkeiten ähnlich, wie Axel.
Landet man tatsächlich quer vor dem Baumstamm, muss dringend zum Stamm hin gekantet werden. Leider ist das noch nicht die Problemlösung. So wie es dort aussieht, kommt man nur weiter, wenn man auf den Stamm aussteigt, das Boot über den Stamm zieht, dann geht es weiter ... Eine andere Chance frei zu kommen hat man dort sehr wahrscheinlich nicht.
raftinthomas Offline




Beiträge: 555

28.05.2013 09:15
#7 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten

Hallo Rudo,

eigentlich ist das eine klassische Lehrbuchsituation. Ein Bach ist immer genau so schwer, wie es ein unerwarteten Anhalten an einer unvermuteten Stelle erfordert. Leider, so ist meine Erfahrung, ist das Anfängern sehr schwer zu vermitteln, denn sie sind ja in der Lage, den Fluss problemlos zu befahren. Und wann tritt schon mal ein unvermitteltes Hindernis auf?
Letztlich habt ihr noch sehr viel Glück gehabt. Wenn der Baum nicht nur ein Stamm gewesen wäre, sondern noch mit kompletten Ästen ausgestattet gewesen wäre, die wie ein Rechen ins Wasser geragt hätte- nicht auszudenken. Solche "Strainer" sind gott sei Dank selten, aber auch nicht unmöglich. Wasserdruck, der dich in die Äste drückt macht ein Befreien manchmal unmöglich.
Ich paddel bis in den fünften Grad hinein Wildwasser und vor nichts habe ich mehr Respekt als vor Bäumen, die im Wasser liegen.
Wie schon oben geschrieben wurde hilft letztlich nur eine bessere Technik. Kurs, wo und wie auch immer, und üben, üben üben. Gerade solche Regeln wie "lehne dich hin zum Hindernis" müssen ins Rückenmark übergehen, das darf man nicht erst denken müssen.
Grundsätzlich sind Strecken, auf denen Leihboote fahren, durch die hohe Benutzungsdichte eher von solchen Dingen verschont. Aber ich habe auch schon auf der Eifel-Rur, morgens nach einer stürmischen Nacht, eine Leihflotte früh genug stoppen können, bevor sie in ein Verhau aus Bäumen gefahren wären. Wir haben dann eine passable Fahrrinne freigesägt. Anbei noch ein Fotos vom "normalen Baum" auf Wasseroberflächenhöhe, sehr gefährlich, wenn man mit dem Kajakbug unterfädelt und einem Komplettverhau auf einem eigentlich auch sehr einfach Bach, max. WW I.
Will meinen: Kommt häufig vor, als Wildwasserpaddler sollte man auch immer eine Säge dabei haben, sei es, um Nachfolgern das Leben sicherer zu machen, sei es um im Unfallfall auch mittlere Bäume eventuell noch kappen zu können.

grüsse vom westzipfel, thomas

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AxeI Offline




Beiträge: 1.001

28.05.2013 09:48
#8 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten

Coole Sache, so eine Baumsägeaktion.
Wir machen das auch gerne auf Paddeltouren und ich habe stets eine Säge für diesen Zweck dabei (Beispiel).

Im Fall des Baums auf dem Bild oben böte es sich auch an, einen Flaschenzug mit Hilfe von Karabinern, Umlenkrollen und des Wurfsacks zu bauen (habt Ihr doch alle dabei, oder?) um den Baum zu lösen und ans Ufer zu befördern, damit nachfolgenden Paddlern nicht das gleiche Schicksal blüht. Eigentlich sollte es die Pflicht umsichtiger Paddler sein an andere zu denken, die möglicherweise noch mehr Schwierigkeiten mit so einem Baumhindernis haben als man selbst.

Ich kann mich an eine Situation an der Donau erinnern, als wir einen Baum heraus zogen um Gefahr abzuwenden und ein Spaziergänger vorbei kam, der dann im Namen des "Umweltschutz" über uns her zog. Wir nähmen auf diese Weise einen Eingriff in das Mikroökosystem des Flussabschnittes vor, erklärte er, und das sei ja mal wieder typisch für diese Paddler. Man sollte die Flüsse doch besser alle sperren...

Axel

P A D D E L B L O G - 2. Sicherheitstreffen am 21./22.09.2013
There's more means to move a canoe than paddles

Spartaner Offline




Beiträge: 846

28.05.2013 11:14
#9 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten
Zitat von AxeI im Beitrag #8
Ich kann mich an eine Situation an der Donau erinnern, als wir einen Baum heraus zogen um Gefahr abzuwenden und ein Spaziergänger vorbei kam, der dann im Namen des "Umweltschutz" über uns her zog. Wir nähmen auf diese Weise einen Eingriff in das Mikroökosystem des Flussabschnittes vor, erklärte er, und das sei ja mal wieder typisch für diese Paddler. Man sollte die Flüsse doch besser alle sperren...


Genau so ist es

"Totholz im Wasser lassen!
Vielerorts können im Herbst Stürme erwartet werden, die starke Äste der Bäume abknicken oder ganze Bäume umwerfen. Wenn wir Glück haben, landet ein Teil davon in unserem Fischwasser. Totholz stellt nämlich eine Bereicherung für die Biotope dar." (Link)

Gruß Michael

Trapper Offline




Beiträge: 1.561

28.05.2013 12:31
#10 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten
Wobei es ja doch noch ein kleiner Unterschied ist, ob sich ein Baum mitten in der Strömung quer über dem Fluß, oder seitlich am Rand/Flußgrund befindet.In der Hauptströmung gehört so ein Hindernis beseitigt,da hat Axel völlig recht, was übrigens die Wasserverbände zur Hochwasserabwehr nicht anders machen.Es muß ja nicht immer gleich ganz entfernt werden! Baumhindernisse können ja auch einen gewissen Befahrungsreiz darstellen....

Internette Grüße Thomas

Angela Offline



Beiträge: 83

28.05.2013 12:37
#11 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten
Solche Baumhindernisse können wirklich lebensgefährlich sein, ihr habt viel Glück gehabt.
Was man tun kann: Bei Strömung immer, immer, immer das nächste Kehrwasser im Blick haben, prüfen, ob der "Bremswegbereich" noch einsehbar ist, falls nicht: vorher anhalten, aussteigen, um die Kurve schauen. Wenn man mit Kindern oder Anfängern unterwegs ist: Sicher sein, dass man selber deutlich mehr kann, als der Fluss erfordert, damit man die Kinder jederzeit stoppen, ans Ufer schieben, aus dem Fluss fischen kann, wenn's brenzlig wird.

Das sind genau die Dinge, die man auch auf den heimischen Kleinflüssen (bei uns z.B. Ahr, Sülz, Agger, Rur) braucht - alles kein wirkliches Wildwasser, aber trotzdem muss man's draufhaben, um jederzeit das nächste Kehrwasser anfahren zu können.
Rudo Offline




Beiträge: 172

28.05.2013 14:33
#12 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten
Hallo Zusammen,

erstmal vielen Dank für die vielen Antworten! Insgesamt kristallisieren sich für mich 2 Fragen aus dem Erlebten heraus:

Zum Ersten: Was hätten wir in der Situation tatsächlich anders machen können?
Sicher ist es schwierig, aus meinem Text und dem Foto die Situation einzuschätzen, aber ich glaube, das Foto täuscht etwas, es sieht so ruhig aus, aber tatsächlich ist dort eine recht starke Strömung. Seilfähre vorwärts und rückwärts, Wendemanöver etc beherrschen wir eigentlich ganz gut, auch beim Üben mit den Kindern hat sich gezeigt, daß sie sehr schnell lernen, auf plötzliche Kommandos (Halt, nach rechts, umdrehen, etc) richtig zu reagieren, aber an dieser Stelle war dann die Strömung einfach zu stark, daß wir nicht mehr schnell genug reagieren konnten. Ich habe jetzt mal mein GPS ausgelesen, dort war eine Strömung von min. 11 km/h. Ansonsten strömt der Fluß mit ca. 5 km/h, an den kurzen Stromschnellen mit 12-15 km/h.

@Axel: Unser Boot war tatsächlich richtig herum am Baum angelegen, also mit dem Boden gegen die Strömung, allerdings ist das Boot so sehr gedrückt worden, daß zuerst über den flußabwärts zeigenden Süllrand und dann durch die Stauung auch über den oberen Süllrand Wasser eingeströmt ist. Ein Ausweichen nach links, wie du meinst, wäre nicht möglich gewesen, weil genau dort der Baum bis zum anderen Ufer weiter geht, und zwar mit vielen Ästen, also noch gefährlicher. Auch zum rechts anlegen war der Sog in die Mitte zu stark (man kann auf dem Bild erkennen, daß dort genau unter dem Baum eine kleine Stufe ist, wo das Wasser von rechts her hinströmt, das Wasser ist dort schätzungsweise gut einen Meter tief); vielleicht, wenn ich die Situation rechtzeitig als solche erkannt und schneller reagiert hätte, sprich mit mehr Übung und Erfahrung.

Zum Zweiten: Wie kann man solche Situationen in Zukunft vermeiden? Hätten wir den Fluß vielleicht gar nicht befahren sollen, bzw wie kann man solch einen Fluß noch besser einschätzen? Ich habe ja oben schon beschrieben, wie ich mich im Vorfeld informiert hatte, ich bin dort mit sehr guten Gefühl losgefahren. Was seht ihr noch an Kriterien, wonach ich einen Fluß als für mich befahrbar bzw nicht befahrbar einschätzen kann? Gerade die Charakteristik des Flusses mit kräftigen Schwällen, die von ruhigen Abschnitten gefolgt sind, erschien mir recht gut zum Üben und gefahrlosen Austesten; wäre der Baumstamm nicht gewesen hätte ja auch alles super geklappt... Wahrscheinlich liegt Angela mit ihrem "Bremswegbereich" da ganz auf der sicheren Seite, werde es mir beherzigen.

@rené: Natürlich kannst du meine Geschichte und das Foto gerne benutzen; auch ein Grund für mich, hier im Forum zu schreiben ist es, Erlebtes weiterzugeben, um ggf. andere vor solchen Situationen zu bewahren!

@Walter59: Das mit den Spitzen kommt – wie du schon schreibst – vom Ablassen der Rückhaltebecken und auch vom Wasserkraftwerken her; diese gibt es aber dort oben am Oberlauf nicht, daher treten diese Spitzen erst weiter unten auf. Sicher könnte man mal bei ähnlichen Wetterlagen die Pegelstände verschiedener Stationen vergleichen, dann sieht man, woher das Wasser kommt. Tut mir übrigens leid, daß ich mich mit meiner Schilderung so an deinen Beitrag drangehängt habe, aber ich dachte halt, Loire gehört zur Loire... ;-)


Herzliche Grüße an die Runde und vielen Dank
Rudo
Frank_Moerke Offline




Beiträge: 1.432

28.05.2013 15:18
#13 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten
zu 1.
Man kann da keine seriösen Aussagen treffen, wenn man die Situation und den Ablauf nicht selber gesehen hat.
Bei genauem Betrachten des Bildes sehe ich flussabwärtskommend rechts ein oder zwei kleine "Parkplätze" nah am Ufer, aber es ist schlecht einzuschätzen, ob die anfahrbar waren, ob es wirklich stromlose Bereiche bzw. Kehrwässerchen sind.
Eine große Rolle spielt auch, wie dicht die Gruppe unterwegs ist. Ohne genügend Abstand bleibt keine Zeit für die Nachfolgenden, Warnungen umzusetzen oder überhaupt zu reagieren.
Letztlich bleibt es bei vagen Vermutungen und ganz vielen "wenns" ...
AxeI Offline




Beiträge: 1.001

28.05.2013 15:18
#14 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten

Ja, Rudo, es ist wirklich verwegen so eine Situation von Bild und Beschreibung her zu bewerten. Die Fließgeschwindigkeit von über 10 Km/h ist natürlich rasant. Der Absatz kurz davor erschwert natürlich das richtige Ankanten - oder er verunmöglicht es.

Du schreibst weiter oben, dass der Stamm noch 10cm höher als auf dem Bild angespült war.

Kann es sein, dass Ihr - wenn Ihr knapp an dem Baum (in Fließerichtung rechts) vorbei gefahren wärt - über den Stamm hättet "wegschanzen" können? Bei teils überspülten quer liegenden Bäumen geht das gelegentlich, wenn man den Bug entlastet, auf das Hindernis hinauf fährt und sich dann vorbeugt (im Soloboot). Im Tandemboot muss die Bugperson eventuell einen gewagten Sprung machen und der Heckpaddler richtig Gas geben.

Das wäre vielleicht eine Lösung gewesen.

Im Regelfall gilt: nicht einsehbare Flussabschnitte müssen bei derartigen Fließgeschwindigkeiten erkundet werden. Das geht vom Canadier aus erheblich leichter als vom Kajak, aus dem man immer erst mühsam heraus klettern muss.
Aber das sagt sich leicht. In der Praxis nimmt man doch - damit die Fahrt nicht um Stunden verlängert wird - manches Risiko in Kauf.

Axel

P A D D E L B L O G - 2. Sicherheitstreffen am 21./22.09.2013
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Rudo Offline




Beiträge: 172

28.05.2013 19:49
#15 RE: Loire - mit Vorsicht zu geniessen! antworten
Ja, also ein Problem oder Fehler war sicher, daß wir zu nah beieinander gefahren sind und uns also nicht gegenseitig warnen konnten, oder sogar gegenseitig blockiert haben, da hast du wohl Recht, Frank.
Ob man da hätte rüberrutschen können? Vielleicht, mit etwas schnellem Mut. Aber das ist Spekulation. Sicher ist richtig, daß wir den Fluß umsichtiger hätten "ertasten" müssen; sicher war hier auch ein wenig "Geschwindigkeitsrausch" dabei. Das werde ich mir auf jeden Fall für die Zukunft merken! Hilfreich und wichtig war sicher, daß ich mit den Kindern auch das kontrollierte Aussteigen geübt hatte, damit sie im Fall keine Panik kriegen, wenn sie mal unter Wasser sind, und auf jeden Fall natürlich, daß alle Schwimmwesten an hatten. Da war ich noch nie so froh drüber – bis dahin hatten wir sie auch noch nie wirklich gebraucht. Aber man weiß ja nie was kommt...

Also auf jeden Fall vielen Dank für die Analysen,

und – falls noch jemand ein Flipper rumliegen hat...

Liebe Grüße
Rüdiger
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