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Dieses Thema hat 40 Antworten
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 ALLGEMEINES CANADIERFORUM
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Raff ( gelöscht )
Beiträge:

10.01.2007 08:09
Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Hallo zusammen,

aus dem EPP-Thread kristallisiert sich für mich die folgenden Fragen heraus:


Gibt es in Mitteleuropa überhaubt einen signifikanten Markt für Canadier-Kurse?

Welche Art von Kursen braucht der Paddler hierzulande (wenn er sie überhaupt braucht)?

Was dürfen sie (die Kurse) kosten?

Wie nahe an der Realität sind wir hier eigentlich in unserem Canadier-Elfenbeinturm?


Ich habe diese Fragen bewusst provokant formuliert und hoffe auf kontroverse Antworten!

Paddler-Grüße aus dem Süden,
Raphael






Silberstreif Offline



Beiträge: 19

10.01.2007 09:34
#2 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Hallo Raphael,

Ich habe mit meiner Frau vor sechs Jahren einen zweitägigen Flachwasser-Kanadier-Kurs von http://www.kormoran.at/ am Dobra-Stausee in Niederösterreich gemacht und seit damals ist unsere Paddel-Leidenschaft erst so richtig ausgebrochen.

Angefangen hat es mit einer Tagestour mit Freunden und gemieteten Kanus auf der tschechischen Moldau, die uns so gut gefallen hat, dass wir einen Kurs gesucht haben, da wir auf der Moldau teilweise schon unsere liebe Not hatten (vor allem das Steuern und Steinen ausweichen haben wir nicht so recht hinbekommen).

Seither empfehlen wir jedem, der es wissen will, wärmstens, einen solchen Kurs zu besuchen. Macht viel Spaß und man lernt, mit dem Boot vernünftig umzugehen, aber auch viel über die Gefahren des Wassersport oder z.B. wie man nach einer Kenterung wieder ins Boot kommt.

Leider scheint Kormoran derzeit keine Kurse anzubieten, aber Nachfragen kostet nichts.

LG,
Thomas

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Auf jede schwierige Frage gibt es eine einfache Antwort.
Die ist falsch.
(Peter Vitouch)


gast Offline



Beiträge: 233

10.01.2007 10:27
#3 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Of course I cannot judge the situation in Germany, but I dare say that if you cannot get paddlers interested in canoe instruction, you are not doing it good enough.
Point is, I just haven't met many paddlers who really didn't want instruction.
I have met paddlers who did not see the need for instruction,
or doubted that they could or should learn something.
Other-times it was just a matter of inconvenience for them.
Those are things I often can understand an respect fully
It is for those paddlers, that I can only advise instructors to focus their attention and efforts to that potential and do something with it.

#1. Do not to work on how people should paddle, but how people could paddle.

#2A. Don't expect that waving with some form of canoe instruction certification you got, will be enough authority and proficiency to give canoe lessons. Certification is some proof you are able to perform to certain standards, but doesn't make you a good instructor, as a drivers license doesn't make you a good car driver. Certification is a good starting point to learn giving instruction. But with or without it, it can take a lot of time learning and getting experience to become a really good instructor.

#2B. An instructor (also) learns instructing from teaching his students. It is in this respect, that I always feel I should have payed a lot of my students for taking courses from me, because I learned so much from them.

Dirk Barends


schwimmendeWerkzeugkiste Offline




Beiträge: 500

10.01.2007 11:16
#4 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Ich habe einige Zeit mit mir gerungen, ob ich mich in diese EEP-Diskussion nun auch noch einmische aber zu Deiner Frage Raphael fallen mir nun doch einige Antworten ein.

Viele PaddlerInnen, die ich kenne sind seit Jahren im Kanadier unterwegs ohne je einen Kurs gemacht zu haben und ich selbst bin einer davon. Ich habe mich nun erstmalig in diesem Jahr gleich zu zwei Kursen angemeldet weil ich begründete Zweifel an meinen technischen Fähigkeiten habe (ich bedauere bereits jetzt die Lehrer, die sioch hoffentlich zum Ziel setzen mir in dem Kurs meine schlechten Angewohnheiten auszutreiben). Die Entscheidung hierzu hat einige Jahre gedauert (weils ja auch ohne Spaß gemacht hat und weil ich die Jahre brauchte um Möglichkeiten und Grenzen auszuloten).

In diesem Forum treiben sich viele Leute herum, die das Kanufahren mit großer Leidenschaft (wenn nicht gar leichtgradig obszessiv) betreiben. Manchem mag es da ähnlich gehen wir mir – je mehr man lernt, desto mehr wird einem bewusst, was man noch alles lernen könnte und sollte. Ich glaube, Thomas, Du bildest die Ausnahme, wenn Du gewissermaßen über die Teilnahme an einem Kurs zum Kanadierfahren gekommen bist. Die meisten paddeln drauflos und das macht ja auch so Spaß.

Insofern müssen wir uns bewusst sein, dass wir eine Randgruppe im großen Feld der Kanufahren sind, die – wie ich wage zu behaupten – noch den erfolgversprechendsten Markt für Kursangebote bildet. Da dürfen die Kurse dann auch mal etwas teurer sein. Für AnfängerInnen erschließt sich die Notwendigkeit eines Kurses nicht unmittelbar und die Angebote müssen bewusst niederschwellig (preislich und vom Aufwand her) gestaltet werden.
Dirk spricht das an, wenn er sagt, dass Kurse interessant gemacht werden müssen und dass ein Zertifikat wenig Wirkung hat (das hätte es vielleicht, wenn so was wie der EEP sich durchsetzte und sich auf Kanadierfahren auf hohem Niveau erstreckte aber das dürfte beim Deutschen Kajak Verband schlecht durchsetzbar sein).

Ich finde Kurse erstmal nicht nötig. Sie mögen hilfreich sein und es ist prima, wenn jemand gleich richtig anfängt. Das kann aber nicht vorausgesetzt werden. Erwartet werden kann, dass KanadierfahrerInnen ab einem gewissen Erfahrungsniveau von selbst auf den Trichter kommen, dass es da noch so allerhand zu lernen gibt.

Axel


martinaundflorian Offline



Beiträge: 499

10.01.2007 11:40
#5 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Servus!

Sicher brauchen die meisten Leute keinen Kurs weil das alles ja einfach ist. "Ich kann mit meinem Canadier doch fahren, wieso einen Kurs machen und dafür Geld ausgeben".
Trotz meiner zugegebenermaßen schwindligen Flachwassertechnik hört man dann aber auch von genau jenen Leuten: "wow, die können aber alle gut Boot fahren". Genau so gesehen / gehört auf einem Canadiertreffen im letzten Jahr. Dort waren viele Leute dabei die hunderte von Stunden in den Eigenbau von Booten und Paddeln gesteckt hatten, aber von Paddeltechnik keine Spur. Jeder muss da selbst wissen ob er einen Kurs machen (und was dazulernen) will oder nicht. Aber ich denke jeder der es mal damit versucht hat wird begeistert sein wie viel Kraft man sparen kann bzw. wie leicht das Boot plötzlich zu manövrieren ist.
Für die "Sonntagnachmittagspaddler", und das ist nun nicht abwertend gemeint, wird das vielleicht nicht unbedingt nötig sein. Für die meisten ambitionierten Paddler (egal ob auf Wild- oder Flachwasser) macht ein Kurs mit einem entsprechenden Focus auf Technik und Sicherheit in meinen Augen schon Sinn. Besonders in anbetracht von längeren und ausgesetzten Touren.
Ich hab's auch erstmal einige Zeit ohne Kurs versucht und kann nur einen Instruktor zitieren und beipflichten:
"Wir vermitteln hier halt Techniken auf die man von alleine nicht kommt".
Und wieso sollte man versuchen für sich selbst eine Paddeltechnik zu entwickeln wo es doch schon gute Techniken gibt? Einige davon haben noch dazu schon einige hundert Jahre Evolution hinter sich.

Gruß
Florian
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Keep the open side up!


Frank_Moerke Offline




Beiträge: 1.588

10.01.2007 11:44
#6 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten



Der Markt für Canadier-Kurse ist sicher überschaubar. Das hängt aber vor allem damit zusammen, daß der größte Teil der Paddler eben nicht weiß, das es da überhaupt etwas zu lernen geben könnte. Was ich nicht kenne, kann ich auch nicht nachfragen.
Es liegt mir fern, in meiner Freizeit mit dem erhobenen Zeigefinger zu paddeln oder die die Welt mit ACA-Bibeln zu missionieren. Wenn man allerdings Freizeitpaddler beobachtet, stehen einem oft die Haare zu Berge. Jeder kennt sicher genügend krasse Bilder - nicht nur in Mietbooten. Aus dieser Sicht gibt es einen riesigen Markt für Canadier-Kurse. Was in anderen Freizeitbereichen (Ski, Surfen, Golf, ...) völlig normal ist - sich Grundkenntnisse aneignen - ist beim Paddeln eher die Ausnahme.

Bevor der Paddler überhaupt Kurse braucht, sollte er wissen, daß man überhaupt etwas lernen kann. Dann sollte er durchaus für sich entscheiden, was für ihn persönlich nützlich ist. Ein Kurs sollte den Paddler persönlich in seinem Wissen und seinen Fähigkeiten weiterbringen - nur so kann er davon wirklich profitieren. Ein Schnellkurs, in dem man in drei Stunden "alles lernt" mag zwar billig sein, letztlich ist es aber dann doch vertanes Geld und vetane Zeit. So ein Papier wie der EPP zeigt zwar einen gewissen Aktionismus, in der Praxis dürfte sich das Know How der Paddler nicht wirklich steigern. Wie es in der Praxis läuft kann man auch unter nachfolgendem Link anschauen. http://www.bremer-kanu-wanderer.de/ Der Verein bietet zwar Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an, ein Blick in das Vereins-Fotoalbum zeigt die Paddler grundsätzlich ohne Schwimmweste, selbst bei winterlichen Paddeltouren zwischen Eisschollen. Wie glaubwürdig und seriös wird dort eine Schulung???

Ich sehe mich / uns nicht in einem Elfenbein-Turm, sondern mitten drin in der Realität. Hier plaudert doch kein abgehobener, elitärer Kreis über Extravaganzen. Ich sehe uns in einer kleinen Szene von Paddlern, die unterschiedliche Level, Erfahrungen und Motivationen haben, deren Gemeinsamkeit aber doch die Liebe zum Canadier ist. Ob wir in dem Themenbereich "Canadier" einen kleinen Beitrag leisten, vielleicht auch etwas zum Positiven verändern - oder alles dem Selbstlauf überlassen, liegt ein ganz klein wenig auch an uns selber.

Frank


Wagner Jörg ( gelöscht )
Beiträge:

10.01.2007 13:05
#7 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Hallo Raphael,
wenn man die Anzahl (?) der Canadierfahrer zu Grunde legt, dann gibt es schon einen signifikanten Markt.
In der Realität definiert sich dieser Markt aber durch sich selbst, denn jeder, der meint, er brauche einen Kurs, der braucht ihn auch wirklich und nimmt dann letztendlich daran teil. Wer will denn bestimmen, welche Art Kurs jemand wirklich "braucht", dann stellt sich doch unmittelbar die Frage, was die Leute, wenn denn schon, selbst nachfragen. "Braucht" man einen Freestyle- Wildwasser- Flachwasser-Kurs, sollen wir das gottgleich definieren? Hast Du schon mal jemanden etwa in folgendem Stil angesprochen "hey, was paddelst Du denn da für einen Murks zusammen,. mach mal gefälligst einen Kurs.....

Ob jemand der Meinung ist, daß er einen Kurs braucht, das hängt von vielen Faktoren ab, die ich gar nicht alle aufzählen kann und mag, ein sehr zentraler ist aber das "gute Beispiel"(im ACA-jargon "modeling").
Ein großer Teil meiner Kursteilnehmer kommt z.B., weil er anderswo auffallend gut paddelnde Kollegen angetroffen hat, andere interessieren sich z.B. auf Grund von Berichten (z.B. Kringelfieber etc.)
Oft hängt die Nachfrage auch vom Angebot ab, so fiel mir z.B. die steigende Nachfrage nach Canadien-Style Kursen auf, nachdem ich sie das erste Mal angeboten habe.
Ich glaube auch gar nicht, daß wir in einem Elfenbeinturm sitzen, wir sollten freundlich aufklärend, unaufdringlich unsere Angebote machen und uns über jeden freuen, der sich unserer schönen Sportart zuwendet und ihn ermuntern, etwa so, wie ein bekanntes großes Möbelhaus :"ERKENNE DIE MÖGLICHKEITEN"
Jörg Wagner


AndreasReitner ( gelöscht )
Beiträge:

10.01.2007 13:54
#8 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Diplomlaienvielosof Andi meint :
ERKENNE DIE MÖGLICHKEITEN entspricht Sokrates´ "Ich weiß, dass ich nicht weiß".
Leider stehen viele Paddler noch auf der ersten Stufe der Erkenntnisleiter : "Ich weiß nicht, dass ich nicht weiß". Wie Jörg sagt, braucht es Anstöße von außen, um aus der kuschelig heilen Welt des Nichtwissen hervorgelockt zu werden. Wenn man den Kopf erstmal rausgestreckt hat, kann man selbst entscheiden, ob einem der Sinn nach mehr Erkenntnis steht. Ich kenne niemanden der bereut hat, sich darauf einzulassen .
Solange dem unwissenden Canadierfahrer allerdings durch die Medien (z.B. KM, Messeplakate boot)im Wesentlichen gezeigt wird - Ist schon OK, wie du es machst- liegt es bei den Wissenden, durch Vorbild Neugier zu wecken. Das muss nicht belehrend sein und wird auch nicht jeden ansprechen oder überzeugen. Die Möglichkeit von workshops oder Schnupperkursen wie z. B. beim niederländischen Paddelsymposium oder bei Kringelfieber scheint als "niedrigschwelliges" Angebot ganz gut zu wirken. Nach außen hin zeigen auch öffentliche "Auftritte" wie die von Hans-Georg Wagner initierten canadian style "Kanuballette" Wirkung.
Also, Gutes paddeln und drüber sprechen !


singletrailz Offline




Beiträge: 369

10.01.2007 16:42
#9 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten
Interessant finde ich das Bündeln von Angeboten: beim Kauf eine Kanus erhält der Käufer einen Kanukurs gratis oder günstig dazu. Das nutzt allen Beteiligten - Kanuladen, Kanuschule (falls nicht in Personalunion) und dem Käufer sowieso.
Das funktioniert aus Kostengründen wohl nur bei hochwertigeren- bzw. hochpreisigeren Booten. Aber wahrscheinlich kann auch dort nur echtes Interesse daran erwarten im Gegensatz zu ebay-Billigheimerschrott.
--------------------
beg tu se ruds

http://www.singletrailz.de


Dull Knife Offline




Beiträge: 1.034

10.01.2007 21:29
#10 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten
Hallo Raphael,
das Kajakfahren habe ich im Sportunterricht in der Schule gelernt. Ein paar Jahre lang und es gab immer noch etwas Neues. Der Keim für meine Kanusucht wurde da auch gelegt. Ich betrachte diesen Sportunterricht als Privileg.
Als ich meinen Canadier gekauft habe, habe ich gleich einen Kurs gemacht, um keine schlechten Angewohnheiten anzunehmen. Bei dem kurzen Wochenendkurs bei Frank habe ich so viel gelernt, wie ich alleine lange nicht gelernt hätte. Das Kanubergen am letzten Canadiertreffen hat dies auch gezeigt:
Uneingewiesene Leihbootpaddler ohne Schwimmwesten (Sicherheit??)konnten das gekenterte und fast versunkene Boot zu sechst nicht bergen, da sie nicht wußten, wie es geht.
Ein Bekannter von mir, langjähriger Schwedenfahrer fährt solo vom Rücksitz aus mit einer Tonne Wasser vorne im Boot. Bugschläge kennt er gar nicht.
Usw.
Gut. Hauptsache Spaß. Gewußt wie macht mehr Spaß.
Pflegt die Sucht!!
Martin


Algonquin ( gelöscht )
Beiträge:

13.01.2007 18:05
#11 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Hallo an alle,
alleine schon die eigene Sicherheit und die der Mitmenschen sollte Veranlassung sein einen Kurs über Sicherheit beim Paddeln zu belegen. Die Sicherheit ist doch leichter zu erreichen, wenn ich mit meinem Boot richtig umgehen kann, da beginnt ja erst der Spass beim Paddeln. Ich habe schon vor dem Kauf meines Bootes Paddelkurse belegt, weil ich mich und andere auf dem Wasser keine lebensgefährlichen Risiken aussetzen wollte. Nach dem Kauf habe ich Kurse bei Heinz Goetze und Jörg Wagner belegt und festgestellt, dass ich danach mein Boot nach und nach besser beherrschen konnte. Mir konnte nichts besseres passieren, als diese Mitpaddler kennenzulernen. Dadurch ist das Paddeln für mich heute entspanntes Vergnügen mit einem Sicherheitsstandart, den ich ohne Kurse nie erreicht hätte. Dazu kommt, dass ich schneller reagiere und im Vorfeld auch schon agieren kann, um andere und mich nicht zu gefährden. Ich kann das nur jedem Paddler raten, sich der Pflicht für die Gesundheit seiner Familie, anderer Verkehrsteilnehmer und sich selbst bewusst zu sein. Allen, weiter viel Spass beim Kurse aussuchen und beim ultimativen Paddelvergnügen.
Gruß Klaus Bellemann


Wagner Jörg ( gelöscht )
Beiträge:

14.01.2007 10:33
#12 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Hallo Raphael,
nachdem nun einige Antworten gekommen sind, was ist Deine Meinung?
Jörg Wagner


raftinthomas Offline




Beiträge: 784

15.01.2007 00:14
#13 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

auch wenn ich nicht raphael bin, geb ich noch meinen senf dazu:
toll am paddeln ist, dass man es einfach so "kann". keine bürokratie, keine lizenz, keine versicherung. boot, paddel und los gehts.
und dann trennen sich die wege: der (meiner meinung nach) grösste teil der candierfahrer betreibt die sache weniger als sport, sondern mehr als freizeitgestaltung. die leute mit sportlichen ambitionen sind eher selten zu finden, wahrscheinlich zieht es diese dann auch oft zum wildwasser hin.
wanderfahrerInnen haben ein wenig bewegung, viel naturerlebnis und merken anfangs, dass die das boot zunehmend besser beherrschen. dann kommt eine stagnation, und den meisten reicht das. und das ist meiner meinung nach auch völlig ok so. die leute wollen wahrscheinlich auch gar keinen kurs, selbst wenn er umsonst wäre, denn ihnen genügt ihr fahrkönnen und sie bemühen sich, entsprechend reviere auszusuchen. sbei dem wildwasserambitionierten paddler(In) oder dem sportlichen tourenpaddler sieht das sicher etwas anders aus, der ist neugierig, will stetig horizont und können erweitern. aber ich glaube, die leute sind eine verschwindende minderheit.

+++Gibt es in Mitteleuropa überhaubt einen signifikanten Markt für Canadier-Kurse?+++
naja, was heisst signifikant ? vernünftig davon allein leben kann man imho sicher nicht.

+++Welche Art von Kursen braucht der Paddler hierzulande (wenn er sie überhaupt braucht)?+++
brauchen ist immer relativ. wir könnten alle sogar ganz gut ohne boote überleben. aber hier tummeln sich ja nun einige begeistert bis besessene, und die eben schon erwähnten ambitionierten leute wollen sicher immer dazu lernen bzw vorhandenes festigen und optimieren. was er dann braucht, muss jeder individuell entscheiden.

+++Was dürfen sie (die Kurse) kosten?+++
das kommt sicher ganz auf persönliche einstellungen an. ein privater kajaktrainer der spitzenklasse ist mir 200 eus für nen halben tag wert (und sowas will der auch). das leiste ich mir natürlich nur selten, und danach hab ich ein ganzes jahr zu üben.

+++Wie nahe an der Realität sind wir hier eigentlich in unserem Canadier-Elfenbeinturm?+++
imho sehr weit. hier tummeln sich doch nur ein paar "verrückte", die im heer der gelegenheitspaddler völlig unter gehen. nicht desto trotz natürlich die avantgarde.

ich persönlich werde ziemlich sicher keinen kurs machen, dafür fahr ich zu selten canadier. alles was ich kann, kann ich vom kajak her, und der übertragung aufs stechpaddel, bzw aus büchern. das reicht mir, und ich denke, das ist auch schon ne ganze menge. beim raften sag ich übrigens immer "kajakfahrer sind die besseren rafter!"
was ich noch los werden wollte und irgendwie zum thema passt: ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich manchen canadierfahrern so zuhöre. sitzen seit 20 jahren im boot und hatten noch keine kenterung. für mich ist sowas mit das erste, was ich übe, sobald ich ein boot grob unter kontrolle habe: wie weit kann ich gehen, bis es mich legt.
des weiteren scheint mir der canadierpaddler eher ein eigenbrödler, als beispielsweise der wildwasserkanute. letzterer tritt fast immer nur im rudel auf, und dieses rudel ist natürlich immer auch korrektiv und trainer. und genau solche dinge sind es, die mich zu meiner meinung bezüglich "den candierfahrern" haben kommen lassen.



grüsse vom westzipfel, thomas


Frank_Moerke Offline




Beiträge: 1.588

15.01.2007 08:21
#14 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

wanderfahrerInnen haben ein wenig bewegung, viel naturerlebnis und merken anfangs, dass die das boot zunehmend besser beherrschen. dann kommt eine stagnation, und den meisten reicht das.

Hallo Thomas, so ist es oft zu erleben. Ich denke aber mal, den meisten reicht es, weil sie gar nicht wissen, daß es es überhaupt mehr gibt. Das wäre ungefähr so, als ob jemand mit dem Auto immer nur im ersten Gang fährt und das Auto von Hand in die Parklücke schiebt, weil er nicht weiß, daß es da auch einen Rückwärtsgang gibt.

Der Witz an der Sache ist ja, fast alle fahren im ersten Gang und schieben ihr Auto von Hand in die Parklücke. Da fallen eher die paar Leute auf, die es anders machen. Es sind aber nur ganz wenige ...

Frank




raftinthomas Offline




Beiträge: 784

15.01.2007 09:32
#15 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

die argumentation kann ich nachvollziehen, ich bezweifel aber, dass ein nennenswerter teil der unwissenden auch wirklich interesse hat.
grüsse vom westzipfel, thomas


Hans-Georg Offline




Beiträge: 792

15.01.2007 09:58
#16 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Hallo Leute,
ich paddle hauptsächlich im Spreewald, hab aber auch auf allen anderen Gewässern, die mein Boot trägt, schon Ähnliches erlebt : Sonntagspaddler in Rudeln, die ohne Sinn und Verstand und von keiner Sachkenntnis und keinen Skrupeln getrübt mit ihrem "Können" die Uferzonen zerrammeln , sich selbst, andere Paddler und die natürliche Umwelt massiv gefärden sowie mit den geliehenen Booten auf eine Art umgehen, die einfach nur weh tut. Da Kajak -und Kanadierfahren eine Massenbewegung geworden sind, plädiere ich schon für "Einsteigerkurse". Schließlich macht auch jedes Kind den Fahrradpass. Für Leute , die Spaß am Paddeln haben , halte ich es für selbstverständlich, dass sie so viel Verantwortungsbewußtsein haben, sich in irgend einer Weise soweit auszubilden, dass sie andere und die Umwelt durch ihr Tun nicht vorsätzlich fahrlässig gefährden. Wir, die wir alle etwas Können vorzuweisen haben, vergessen leicht, dass wir nur ein geringer Teil des Ganzen sind, aber am meisten betroffen von den Einschränkungen, die wegen dem Nichtkönnen der Anderen auch uns auferlegt werden.
Also: Nicht nur der Ästhetik wegen: Für Kurse !

"Kanuballet- und Kanubaumeister" Hans-Georg


Andi ( gelöscht )
Beiträge:

15.01.2007 11:55
#17 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Hallo,

ich möchte ein Angebot für solche Kurse. Ich habe schon welche besucht und ich will weiter die Wahl haben, ob ich wieder mache.

Zum Thema Kurse für "natürliche" Tätigkeiten: Es hat doch sicher noch niemand ernsthaft in Frage gestellt, dass es einen Markt für Kurse zum Joggen, Wandern, Schwimmen, Kochen, sogar zum schlafen, etc. gibt (wer es nicht glaubt soll aml die örtlichen VHS-Verzeichnisse, die Werbeblättchen seiner Krankenkasse oder die Angebote der lokalen Vereine aufschlagen). Damit erübrigt sich eine frage nch der "Sinnhaftigkeit" von Kursen zum Paddeln da die meisten die genanten Tätgikeitn wohl häufiger ausüben (auch wenn man es sich anders wünschen möge). Wo jemand etwas lernen möchte und dafür zahlen will/kann bildet sich früher oder später i.d.R. ein Angebot.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, dass eine gute Grundausbildung mir noch bei jeder Tätigkeit/Hobby das ich neu angefangen habe geholfen hat und dass ich mir die absolvierten Kanadierkurse (in meinem Fall canadierkurs.de) viel gebracht haben.

Der emotionale Aufhänger für die erregte Diskussionen zum Thema scheint doch mehr die Verknüpfung von (kostenpflichtigen) Kursen mit verpflichtenden Führerscheinen, (ebenfalls kostenpflichtigen) Vereins-/Verbandsmitgliedschaften und ggf. Sanktionen (z.B. bei Befahrungsregeln) zu sein.

Hier sendet aber gerade der Staat äußerst wiedersprüchliche Signale (z.B. die Befreiung von Hausbooten von der Führerscheinpflicht mit der Begründung Tourismusförderung auf einigen Gewässern in Mecklenburg und gleichzeitig die deutliche Verschärfung z.B. beim Segeln, wo man sogar verpflichtende Scheine seit über einem Jahr nicht erwerben kann weil der Staat die Regeln hierfür nicht endgültig verabschiedet oder eben die möglichen Auswirkungen des Paddelpasses. In Summe schüren diese Signale durch ihre subjektiv als ungerecht empfundenen Wilkühr den Unmut, der interesseirten. Von Absurditäten wie gegen Gebühr erlassbare Führerscheine (z.B. Bodenseeschifferpatent) deren Notwendigkeit mit "Sicherheitsaspekten" begründet wird mal gar nicht zu reden. Die jeweiligen Lobbyisten (z.B. DSV, DKV, ...) die sowohl eine Meinungsvertretung aller (auch nicht organiserter) Ausübenden des jeweiligen Sports beanspruchen aber gleichzeitig wirtschaftliche Profiteure der jeweiligen Führerscheinregelungen sind oder ihren Mitgliedern Vorteile auf Kosten anderer verschaffen (Befahrensregelungen) und die unendlich vielen beteiligten Behörden mit ihrer undurchsichtigen Motivationslage, helfen der Diskussion dabei kaum.

Unterstellen wir einmal dass das der Staat als Ziel haben sollte seine Bürger vor Gefahren zu schützen und wertvolle Naturressourcen zu bewahren und allen zur Verfügung zu stellen, dann stellt sich zu Recht die Frage, ob ein Führerschein die einzige Möglichkeit ist diese Ziele zu erreichen. Meiner Meinung nach ist es zwar sicher nicht der einzige, aber einer, der aus staatlicher Sicht recht simpel geregelt und überwacht werden kann. Aus diesem Grund wird er vermutlich immer wieder beschritten, denn kaum ein Dorfpolizist wird jemals eine gute von einer schlechten Einfahrt in ein Kehrwasser unterscheiden wollen, aber die Frage ob man einen Führerschein dabei hat können auch die vom Paddeln ahnungslosen prüfen.

Persönlichem Fehlverhalten Einzelner (Müll, Umweltschädigendes Verhalten im allgemeinen, oder die Beanspruchung von öffentlich finanzierten Rettungsdiensten aus Leichtsinn) scheint erfahrungsgemäß nur durch eine Kombination aus Sanktionen und Aufklärung beizukommen zu sein. Aufklärung können u.a. Kurse oder Vereine bieten, das ist aber mit Sicherheit nicht der einzige Weg (ich glaube in so einem Forum trägt man da Eulen nach Athen). In jedem Bereich wo es verpflichtende Führerscheine gibt bildet sich anscheinend auch immer ein Angebot für Leute, die den geringstmöglichen Aufwand suchen und z.B. durch "prüfungsorientiert" lernen oder ausnutzen von Lücken (leichtere Führerscheine im Ausland ...) den Sinn jeder Regelung unterlaufen. Die Klientel, die hingegen ernsthaft an der Verbesserung Ihrer Fertigkeiten durch organisierte Ausbildung interessiert ist, war auch in allen anderen Themen (nicht nur beim Paddeln) stets bereit ein (rein subjektiv) gesundes Maß an Kursen zu besuchen und damit auch die Anbieter zu ernähren.

Bleibt letzlich aufgrund der Wahrscheinlichkeit, dass Führerscheine (weil so einfach zu beschließen und zu überprüfen) wohl irgendwann verbindlich werden, nur die Möglichkeit entweder für absolute Regelfreiheit zu plädieren (schön aber unrealistisch) oder an der Gestaltung zu einem subjetiv "vernünftigen" Ergebnis mitzuwirken. Im Zweifel ist mir hier eine einheitliche europäische Lösung sympatischer als mich auch noch mit den Besonderheiten der jeweiligen Anerkennung im anderen Land auseinader zu setzen oder gar Opfer kreativer örtlicher Gebührenerhebung zu werden.

Eine solche Mitwirkung scheint für Unorganisierte Einzelpaddler oder solche, die sich in den meinungsführenden Verbänden nicht ausreichend vertreten sehen, leider kaum möglich. Wünschenswert wäre sicherlich eine Regelung die die inhaltlichen Ziele und nicht den Ausbildungsweg festschreibt und eine Sanktionen (z.B. Kontingentierungen) die an objektive Tatbestände oder Merkmale gebunden sind und nicht an die Zugehörigkeit zu einer Lobby (ich sag nur DKV bezogene Regelungen ...). hierfür wäre es aber auch nötig die Regelungen soweit möglich zu vereinheitlichen und den vollständigen Zugang zu allen relevanten Informationen (Befahrensregelungen, Pegel) für alle leicht möglich zu machen. Machmal hab ich das Gefühl, dass das Auffinden der Informationsquellen und damit die Möglichkeit sich "richtig" zu verhalten eher von der Fähigkeit zu googeln abhängt, was im Zweifelsfall ja nicht da Ziel sein kann.


Gruß

Andi


Mani ( gelöscht )
Beiträge:

15.01.2007 12:41
#18 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Hallo,
ich möchte gerne noch mal zur Eingangsfrage von Raphael Stellung nehmen :
Natürlich gibt es in Mitteleuropa und vor allem in Deutschland einen signifikanten Markt für Canadier. Es liegt meiner Meinung nach nur am Angebot und an der Qualität der Dienstleistung. Ich selber betreibe seit über 20 Jahren eine Tennisschule und sehe da durchaus Parallelen. Wenn der Kanuunternehmer am Vorhandensein eines Marktes zweifelt, dann muss er sich um " einen Markt " bemühen oder einen schaffen.
Es gibt genügend Stechpaddler, die bei guten Angeboten immer bereit sind, an einem Kurs oder einer Weiterbildung teilzunehmen. Und ich bin sicher, daß die hochqualifizierten Kanulehrer, die momentan Kurse anbieten und sich um den Kunden bemühen, eine gute Auslastung haben.
Welche Art von Kursen braucht der Paddler ? Jede Art ! Man braucht doch nur ansehen, wie groß die Nachfrage nach z.B. dem Kringelfieber ist - wenn das kein Markt für einen Kanuprofi ist .
Die Kosten hängen absolut vom Können und der Qualität des Kanulehrers oder der Schule ab, das regelt auch wieder der Markt.
Und zum Schluß - den "Canadier-Elfenbeinturm" finde ich klasse !
Gruß
Mani


Bonzo ( gelöscht )
Beiträge:

15.01.2007 17:00
#19 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

Servus zusammen,

ja - ich brauche (einen) Kurs(e) !!!

Als Newbie darf ich euch kurz erklären, wie ich zu der Erkenntnis kam:

Bin in 2006 völlig unerwartet an ein Grabner Outside gekommen (Garagenfund ... unglaublich, aber wahr!)
Nachdem ich die ältere "Gurke" wieder flott gekriegt habe, bin ich mit Freunden kleinere Bäche und Flüsse in der näheren Umgebung gefahren.
Das waren echte Abenteuer vor der Haustür, kräftezehrend und vom fahrerischen her anfangs eine ziemliche Katastrophe.

Trotz aller Schwierigkeiten haben mich und einige Freunde das Erlebnis und der Spaß am Kanufahren begeistert.
Und so entstand aus "learning by doing" und der "Paddel-Fibel" ein Fahrkönnen das für die erste Saison - auf eher einfachem Gewässer - ausreichend war.

Dank Foren wie diesem klickt man sich dann von link zu link, liest etwas über herausragende Flüsse, Ausrüstung, e.t.c. ... und kommt zu der Erkenntnis
--> das will ich auch mal fahren.

Und so ist es das geweckte Interesse, die Beschäftigung mit dem Thema und die Suche nach fahrerischen Highlights, die mich überzeugt haben,
dass für die geplanten Trips ein vorheriger Kurs notwendig ist.
Vielleicht waren es auch die angepriesenen WW-Fähigkeiten des Outside - es soll jedenfallls bald auf leichteres Wildwasser gehen.
Das mein "Können" dafür nicht wirklich ausreicht haben mir Berichte, Fotos und Videos aus dem Internet gezeigt.
Hinzu kommt, dass ich trotz guter Ausrüstung für meine Freunde und mich keine vermeidbaren Risiken eingehen will.

Noch weiss ich nicht wo und wann ich welchen Kurs besuchen werde, ich kann dann aber gerne über meinen Lernerfolg berichten.

Grüße aus dem Süden

Bonzo


Silke Reitner Offline



Beiträge: 126

15.01.2007 20:05
#20 RE: Wer benötigt eigentlich Canadier-Kurse???? Antworten

zu Mani:
Es gab zwar eine Menge Rückmeldugen zum Kringelfieber, aber:
ich würde eher sagen, dass Veranstaltungen wie das Kringelfieber eine Möglichkeit sind, sich intensiver mit einer von vielen Formen des Paddelns zu bekannt zu machen. Die Veranstaltung ist, dafür, dass Paddler aus ganz Deutschland, Holland, der Schweiz und Österreich kommen, zíemlich klein. Trotzdem hat sie - sicher auch durch die DVD - dazu beigetragen, das Kringeln bekannter zu machen (wozu wirklich nicht viel gehört) und bietet einen Treffpunkt für die wenigen, die sich intensiver damit befassen. Ob das aber wirklich ein riesengroßer Markt für Paddelprofis (wer wäre das denn?) ist, weiß ich nicht...
Gruß Silke



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