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Dieses Thema hat 32 Antworten
und wurde 2.697 mal aufgerufen
 Allgemeines Canadierforum
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landratte Offline



Beiträge: 5

18.09.2010 16:25
canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Als Alpenbewohner hab ich wenig Ahnung vom fahren auf dem Wasser, hatte aber jahrelang Spass mit einem Canadier der sich im Nachhinein als ideales Familienschiff herausstellt.
ein rel. breiter 3er, knapp 5m, flacher Rumpf mit Kielsprung.
Auf Seen mit einem Haufen Kinder drin ein gutmütiges allround-Fahrzeug.
Inzwischen fahr ich damit höchstens noch zu zweit, meistens allein, und ganz gern auch am Meer (Küste) was mich bei Gegenwind und entsprechendem Seegang wiederholt in Schwierigkeiten brachte.
Inzwischen hab ich gelernt, dass ein offener Canadier nix fürs Meer ist, ich frag mich aber trotzdem:
1. Was hab ich falsch gemacht, bzw. was macht man richtig, wenn man in die Situation gerät, mit so einem Ding allein leicht schräg gegen Wind und Wellen ankämpfen zu müssen.
Wärs da besser etwas Gewicht zuzuladen? Was ist in so einer Situation die beste Sitzposition? (In meiner Not hab ich den bequemen Sitzplatz im Heck aufgegeben, mich knapp hinter der Mitte ganz unten hingekniet und gepaddelt wie ein Verrückter).
Zu zweit liess sich sowas neulich am Lago Maggiore ganz gut handeln, da ist eher die Gefahr des Wasser fassens beim schneiden der Wellen, während allein von Wellen schneiden keine Rede mehr ist und der Wind mit dem Bug macht was er will. Oder hat mein Boot einfach zuviel Kielsprung um damit allein zurechtzukommen?
2. Wenn ich nun partout nicht auf Seekajak umsteigen möchte und mir einen 2er Canadier zulegen will der sich auch allein ganz gut fahren lässt, und mich nicht allzuschnell in Seenot bringt, worauf soll ich achten?
Was mich wenig interessiert ist WW-Tauglichkeit und Wendigkeit, Geschwindigkeit ist nur insofern interessant als ich nicht bei jedem kleinen Gegenwind rückwärts getrieben werden möchte. Was ich schätze ist also ein bissl Seetauglichkeit, möglichst wenig Windempfindlichkeit und stabiler geradeauslauf bei Wellen.
Die Möglichkeit des Einsteigens vom Wasser aus, den jederzeitigen Zugang zum Gepäck, und die Kippsicherheit hab ich bei meinem derzeitigen Bott schätzen gelernt.
Seh ich das richtig, dass ein Boot ohne Kielsprung hier sinvoller ist, oder läuft so ein Boot bei Wellen vorne leichter voll?
Ist ein flacher Rumpf wirklich kentersicherer oder ist ein runder Rumpf hier besser wegen des stabileren geradeauslaufs und das leichtere Kippen mehr ein psychologischer Faktor?


welle Offline




Beiträge: 1.525

18.09.2010 16:46
#2 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

moin moin
mit diesen Fragen wird besimmt eine Lawine losgetreten:-)

Meiner Meinung und Erfahrung nach ist ein Canoe mit zu großem Kielsprung nix für
die offene See/Meer, große Seen. Die Windanfälligkeit hast Du ja selbst gespürt.
Die Position im Boot zu wechseln war auch goldrichtig.
Mit dem richtigen Trim kannst Du einiges beim Wind ausgleichen, da musst Du mit Deinem
Boot experimentieren, ich kann das Verhalten von Ferne nicht beurteilen.

Ich habe bisher gute Erfahrungen mit dem Atkinson Traveler in solchen Revieren und auch
auf großen Flüssen gemacht - ein Canoe mit ähnlichem Riss tut es sicherlich auch gut.
Der Atkinson nimmt bei starker Welle kaum Wasser und ist meinen Erfahrungen nach als
Tandem mit Gepäck auf Seen auch bei Wind recht sicher und gut zu fahren. Ein kürzeres
Canoe für zwei wäre da noch der Yellowstone Tandem, da schippert ja Jürgen auf der Ostsee mit
rum. Boote mit ähnlichem Riss/Abmessungen gibt es auch von anderen Anbietern. Da wird sicherlich noch was
kommen . . .siehe oben
Gruß aus der Nordheide
Albert


www.absolut-canoe.de

MrDick Offline




Beiträge: 1.234

18.09.2010 18:36
#3 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Grüß Gottle!

Es werden sicher noch andere Ihren Senf dazugeben, insofern möchte ich nur auf drei Fragen kurz eingehen.

1) Bedenke, dass ein Boot ohne / mit sehr wenig Kielsprung zwar gut geradeausläuft, dass Du es aber dennoch mal drehen musst. Jeder der mal versucht hat ein Seekajak mit ausgefahrenem Skeg zu wenden wird wissen was ich meine. Bei Seekajaks dreht man erst das Boot in die gewünschte Richtung und fährt dann den Skeg aus. Nun gibt´s sowas beim Canadier aber nicht. Daher würde ich etwas mit moderatem Kielsprung nehmen.

2) Zum Trim möchte ich noch ergänzen, dass Du Dir das ganze wie ein Fähnchen im Wind vorstellen kannst. Der Fahnenmast ist dort, wo der Schwerpunkt ist. Wenn Du alleine ohne Gepäck fährst ist das genau dort wo Du sitzt. Bei Gegenwind wirst Du also eher Buglastig trimmen, bei Rückenwind eher Hecklastig. Gepäck eignet sich ganz gut zum Trimmen. Wenn Du mit Ballast experimentierst, verwende nichts was schwerer ist als Wasser (keine Steine, etc).

3) Gegen Wellen hilft auch gut, wenn das Boot im Bugbereich noch etwas Flare hat (Aufweitung nach oben hin). Nein, Boote mit Flachem Boden sind nicht Kentersicherer als Boote mit rundem Boden - im Gegentum. Schon garnicht bei Wellen. Boote mit flachem Boden besitzen mehr Anfangsstabilität. Das Bedeutet, dass sie in aufrechter Position wenig zum Krängen neigen. Aufgekanntet neigen sie aber zu unberechenbarem Verhalten und zum leichteren Kippen als Boote mit flachem Ovalboden. Wenn sich das Oval zu runden Chines mit Aufweitung fortsetzt, erhält man ein sehr Endstabile Form, die sich bei jedem Neigungswinkel gleichermaßen beherrschen lässt. Die Anfangsstabilität flacher Boote ist eine subjektiv wahrgenommene Sicherheit die trügt. Nun könntest du sagen, dass Du Dein Boot garnicht aufkannten willst - okay, aber genau das ist es, was passiert wenn eine Welle von der Seite kommt. Also würde ich Booten mit Runden Chines und viel Endstabilität den Vorzug geben. Tumblehome würde ich ebenso vermeiden (Tumblehome und Shouldered Flare sind nicht das selbe, also genau hinsehen). Das leicht kippelige Gefühl bei Endstabilen Booten verschwindet nach ein paar Stunden Gewöhnung.

Liebe Grüße, Sebastian

-
"It's not the equipment!" (Pat Moore)
-
...der will nur spielen!
Für alle die am Bodensee spielen wollen: http://www.freestylecanoeing.org

Wolfgang Hölbling Offline




Beiträge: 2.916

18.09.2010 21:03
#4 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Meinen "Senf" zum Thema stelle ich in die Rubrik Kommerzielle Infos.
LG

Wolfgang Hölbling

lej ( gelöscht )
Beiträge:

18.09.2010 22:00
#5 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Moin landratte, nettes Thema
Erst mal gilt für mich fast genau das, was Sebastian schon geschrieben hat, nur das mit dem Tumblehome ist nicht so entscheidend, wenn er erst weit oben ansetzt und sich auf den Sitzbereich beschränkt.
Grundsätzlich gibt es keine eierlegende Wollmilchsau. Wie Albert schreibt, ist der Atkinson nicht so schlecht, wenn man nicht allein damit unterwegs ist und ohne gute Zuladung nur wenig Zeit bei viel Wind über flachem Grund unterwegs ist, dazu sollte es die Variante des Atkinson mit der höheren Seitenhöhe in der Mitte sein, der Unterschied ist wichtig und bringt für Windempfindlichkeit keinen spürbaren Nachteil jedoch sind 2cm mehr Höhe, mehr von Vorteil als ich anfänglich gedacht habe, mehr Sprung wäre schön. Canadier unter 36 cm Seitenhöhe halte ich für gefährlich. Beladen fahre ich den Atkinson allein auch bei 3, langsam problematisch kann es bei Wellen von der Seite dann aber schon werden wenns Richtung 4-5 geht, da sollte man unbedingt zu zweit sein, weil das Boot dann besser zu wuppen ist, ab da ist eine Spritzdecke vorne wirklich notwendig, bei jedem OC.
Der Atkinson ist mit über 5,3 m Länge und über 0,9 m Breite kein Solocanadier sondern ein recht schneller und großer Tandem.
Sicherheit muss im Vordergrund stehen, viele Dinge der Seekajaker kann man gut übernehmen
Grundsätzlich das BESTE ist ein zuverlässiger Umgang mit dem Wetter und den möglichst im Vorweg gezogenen richtigen Schlüssen daraus, dann tuts ne Badewanne mit Stöpsel zur Not auch.
Sauber planen und wenns mal schief läuft ruhig bleiben und lieber 10 sm vor dem Wind ablaufen als sich aussichtslos zu verausgaben. Eine Fahrt abblasen oder abbrechen muss bewußt und rechtzeitig geschehen, dann beherrscht man fast jede Lage. Unser Landeswanderwart ist ein excellenter Seekajaker und sagt:" Wir sind alle Schönwetterfahrer" und ich glaube, dass er da richtig liegt, nur ist die Definition des Schönwetter bei jedem anders.
Mit dem Canadier können alle Gewässer befahren werden, die auch ein Seekajak befährt und sind es auch bereits geworden, nur auf eine andere Art und Weise.
Auch Seekajaks sind beschränkt und haben Grenzen, nur stoßen OCs, vor allem dabei die Fahrer auf gegen den Wind Kursen eher an diese. Das kann aber ausgeglichen werden, durch Persenning, Schwerter, ein gut reffbares kleines Segel und gute Seemannschaft.

Da ich oft allein oder allein mit Kindern unterwegs bin, habe ich mir ein deutlich kürzeres, schmaleres und damit wendigeres und allein besser berrschbares Kanu gekauft, welches Sprung und viel Volumen in den Enden hat, dazu ist es mit einem kleinen Segel ausgerüstet, um den Seekajaknachteil etwas wett zu machen, denn manchmal soll auch ich pünktlich zu Hause sein.
In der Regel sind wir nicht auf dem Meer sondern an der Küste unterwegs, mit vielen flachen Bereichen, das ist schwieriger als auf tiefem Wasser draußen. Da gibt es öfter Wellenbewegungen von verschiedenen Seiten zur gleichen Zeit auch durch Schiffsverkehr. Wo ein Seekajaker schon eine kräftige Paddelstütze machen muss, kann ein wendiger Canadier meist lockerer reagieren.
In kurzen hohen Wellen, stehenden Wellen, Wellen bei Strom gegen Wind etc., ist das Volumen und der Sprung wichtig, kann sich jeder bei den Wildwassercanadiern schlau machen und bezüglich der Persenning schaut man einfach auf den neuen WWdampfer von Esquief. Auch in hoher Dünung mit gutem Abstand fährt sich Sprung unbd Volumen angenehmer.
Es ist natürlich vieles in Bewegung und die Entwicklungen gehen weiter, die der Meinungen auch, was aber nicht bedeutet, dass das "Alte" unbedingt schlechter ist.
Dein Schluss, in deiner Situation dir einen kleineren Canadier zu zu legen ist richtig und wie der Trimm auf deinem Foto einzuordnen ist, weißt du jetzt selbst. Ein Canadier ohne Kielsprung und Volumen ist nicht die beste Lösung.
Der Wiedereinstieg gelingt bei jedem OC mit seitlichem Schaumauftrieb sicher( Foto vom Schaumauftriebskörper gibts in einem Beitrag von Franks Treffen letzte Woche). Zum flachen Rumpf ist Sebastians Aussage auch nichts hinzu zu fügen, denn die Dinger kippen bei Wind und Wellen wirklich schneller als man denkt.
Es gibt gute taugliche Canadier ohne Kielsprung, nur halte ich die mit Sprung, ausreichender Seitenhöhe und Volumen in den Enden für besser.
Gruß Jürgen

Nachtrag: Die Fischerboote auf dem Bild sehen schon seit Jahrhunderten ähnlich aus, wurden früher gerudert und gesegelt. Denke die Form sagt viel über Arbeit in den Wellen der Nordsee aus.

Angefügte Bilder:
P8050114.JPG  
Kanuotter Offline




Beiträge: 551

19.09.2010 08:06
#6 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Hallo Landratte,

sowiel "gewusst-wie", wie Jürgen oder die anderen bringe ich nicht zusammen möchte aber ein paar Erfahrungen von diesem Jahre mit einwerfen.

Als ich dieses Jahr einen W-Rendevous in Roalex gekauft hatte (Solo-OC, ca. 4.8 lang) waren mir die hohen Seiten etwas suspekt. Für Wildwasser prima, aber wie wird sich das Boot bei Wind verhalten? Habe dann ganz bewusst bei aufkommenden Gewintterwinden das Boot in Ufernähe bei auflandigem Wind ausprobiert und war positiv überrascht. Bei den Versuchen wurde mir auch deutlich, dass es Windstärken gibt, bei denen ich jeden Kurs halten kann. Es aber bei "mehr" Wind nicht mehr möglich ist alle Kurse paddeln zu können (bzw. mit extrem wenig Vortrieb). Hier hötte ich vielleicht mit dem Trimm mal spielen können?

Mein Fazit daraus:
Ein höherer Sülrand muss nicht zu mehr Windanfälligkeit führen. Erst recht nicht, wenn der so angekantet wird, dass der Wind drüber wegstreichen kann. Ich glaube, dass in ein schmales Boot der Wind von oben weniger Angriffsfläche findet. Etwas Kielsprung ist kein Problem.

Noch nicht angesprochen: wenn du auf solche Gewässer häufiger gehen willst hilft es, wenn du auf beiden Seiten gleichstark paddeln kannst. Wenn der Wind von schräg vorne drückt hilft es auf der anderen Seite zu paddeln. Die Paddelkraft löst schon ein Drehmoment aus, das Boot dreht immer von der Arbeitsseite weg, wenn du keinen Korrekturschlag (J-Sclag) machst. Wenn dann der Wind auch noch in die Richtung drückt verstärkt sich das. Wenn es gut läuft kann dir ein stabiler Wind sogar helfen, dass du nur Kraftschläge ohne Korrektur (J-Schlag) machen musst.

Gruß Norbert

lej ( gelöscht )
Beiträge:

19.09.2010 11:25
#7 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Moin Norbert
Mit dir muss ich jetzt mal wegen deines Eingangssatzes etwas schimpfen. Stell dein Licht nicht so unter den Scheffel. Wenn ich deine Fotoberichte über Wiedereinstieg, Touren mit Kindern(Sicherheit) etc. so beobachte, dann liege ich sicher nicht daneben, wenn ich dir eine gute Portion Erfahrung unterstelle.
Des Vorteils eines Kurses bin ich mir absolut bewußt, nie könnte ich meiner Tochter etwas so vermitteln, wie Jörg das am vergangenen Wochenende getan hat, trotzdem kommt "Erfahrung" nur vom "Machen", das versetzt einen dann auch in die Lage, heikle Situationen adäquat zu beurteilen, die richtige Entscheidung zu treffen und sich weiter zu entwickeln . Kein Kurs kann das vermitteln.
Selbst halte ich mich für spezialisiert mit einigermaßener Erfahrung auf größeren Gewässern. Auf deinen Gewässern stolpere ich nur so herum und ein Kurs würde diesbezüglich bei mir auf sehr fruchtbaren Boden fallen.
Lodjur`s Endsatz trifft auf dich sicher zu und nur Das bringt Erfahrung und Wissen.
LG Jürgen

Wolfgang Hölbling Offline




Beiträge: 2.916

19.09.2010 17:01
#8 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Hallo Jürgen,
Ich glaube, Flare kann gar nicht überschätzt werden.

Zu "Volumen in den Spitzen": Sehr viel Volumen in den Spitzen heißt auch wenig Leichtlauf und daß das Kanu gegen Wellen stark an Fahrt einbüßt. Flare ist da die Lösung, ein schlankes Unterwasserschiff mit ausreichend Auftrieb auszustatten. Wenn es darum geht einen sicheren Platz zu erreichen, würde ich auf Leichtlauf nicht verzichten wollen. ZB. am French River bei starkem Gegenwind, wo wir nur über taktisches Fahren im Windschatten von Inseln Höhe gewinnen konnten, wurde mir das anschaulich.

Höhe der Seitenwand 1: Mit Flare über die ganze Länge wird auch die ganze Bootshöhe für die Fahreigenschaften ausgenützt. Wellen von der Seite treffen auf eine geneigte Bordwand, das Kanu wird angehoben, ohne starke Irritationen. Dazu tragen natürlich weiche Chines ( und runder Boden ) bei, die wiederum in Verbindung mit flare leichter zu verwirklichen sind. Beim Bootstest haben Heinz und ich das am Oxtongue- und Gull Lake bei auflandigem Wind und steilen Wellen in Ufernähe ausführlich getestet. Gischt ja, aber Reserven, die ich bis dahin nicht kannte. AHA - Erlebnis garantiert!

Höhe der Seitenwand 2: Die Erhöhung der Seitenwand über den für das Fahrverhalten entscheidenden Bootskörper hinaus, bietet Wind eine höhere Angriffsfläche.
Natütlich ist es für Hersteller leichter mit Tumblehome, tuck in, shoulderd flare ....eine gute Steiffigkeit des Bootskörpers und eine schlank wirkende Bootsanmutung zu erreichen. Viele der daran geknüpften behaupteten Vorteile aber, sind für mich in erster Linie Folklore.

Flare und Zuladung: Steigt die Zuladung, sinkt ein Kanu mit ausreichend Flare weniger stark ein, Fahreigenschaften bleiben bis zur ( vernünftigen ) Beladungsgrenze erhalten.

Kielsprung: Auch ich bin überzeugt, daß ein moderater Kielsprung hilft, ein Kanu in schwierigen Situationen leichter zu beherrschen.

Thema Fischerboote: Die haben Fair und Flare.

Nachdem ich doch inzwischen viele der interessantesten und einige der augefallenen Risse ( zB Odyssee von Wenonah ) auch bei Wind fahren konnte, weiß ich den direkten Vergleich zu schätzen.

Leider ( gottlob ) hatten wir heuer weder am Faakersee, noch am Dranser See merkbaren Wind, aber irgendwann passt es.

Stürmische Grüße

Wolfgang Hölbling

MrDick Offline




Beiträge: 1.234

19.09.2010 19:33
#9 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Zitat
Ich glaube, Flare kann gar nicht überschätzt werden.



Hallo Wolfgang!
Um die Debatte noch ein wenig anzuheizen, will ich das mal nicht ganz so stehen lassen. Wie bei allen Dingen kommt es auf das richtige Maß an. Ich bin kein Fan von Booten die nur ein Sache gut können und einem ansonsten auch gelegentlich mal in die Quere kommen. Boote mit zu viel Flare gehören definitiv auch dazu. Da wird es nämlich oft schwierig das Wasser bequem zu erreichen und das Paddel Kielliniennah zu führen. Gerade in schwierigen Situationen schätze ich ein Boot, dass mich genau das tun lässt, was ich tun will. Wenn es dadurch Einbußen bei der "passiven Sicherheit" gibt, nehme ich das gerne in Kauf.

Zitat
Natütlich ist es für Hersteller leichter mit Tumblehome, tuck in, shoulderd flare ....eine gute Steiffigkeit des Bootskörpers und eine schlank wirkende Bootsanmutung zu erreichen. Viele der daran geknüpften behaupteten Vorteile aber, sind für mich in erster Linie Folklore.



Das mit der Steifigkeit ist natürlich richtig. Von Tumblehome halte ich persönlich nicht viel, da es das Problem der Erreichbarkeit des Wassers nur mit Nachteilen löst die nicht nötig wären. Shouldered Flare ist meines Erachtens aber der beste Kompromiss zwischen einer guten Bootsform und ergonomischer Paddelbarkeit. Beim Tandem macht beides in der Bootsmitte natürlich relativ wenig Sinn (ausgenommen vielleicht Solobetrieb).

Ich finde übrigens gerade bei einigen John Winters Designs - so sehr ich ihn und seine Arbeit für das Design von Canoes bezüglich des Fahrverhaltens schätze - vergessen wurde, dass da auch ein Paddler drin sitzt, der das Wasser erreichen, und das Boot bequem Paddeln will. Es ist halt keine Yacht mit Motor oder Segel. Das ist wie gesagt mein subjektiver Eindruck, und sicher auch Geschmacksache, und auch in dem Kontext zu sehen, dass ich mich mehr auf mich verlassen will, als auf ein Boot.

Zitat

Thema Fischerboote: Die haben Flair und Flare.


Genau, und weil man es immer wieder in der falschen Schreibweise liest, mal kurz zur Klärung:
Flare ist Englisch und kommt von "to flare" -> "aufweiten"

Liebe Grüße, Sebastian


Nachtrag: Jürgen: Natürlich schützt Flare nicht vor Gischt - da müssten es schon Decks sein, aber in Wellen sorgt es für deutlich mehr Kippsicherheit und zu den Enden hin für eine Volumenreserve, die das Boot dennoch nicht allzusehr bremst.

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Wolfgang Hölbling Offline




Beiträge: 2.916

19.09.2010 22:55
#10 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Hi Sebastian,
endlich ein Thema, das objektiv und subjektiv auf verschiedensten Ebenen interessant ist, wo verschiedene Meinungen den Vorlieben entsprechend auch gleichwertig nebeneinander stehen kännen.

Den Paddler vergessen? Leichtlauf und Drehfreudigkeit finden ganz selten auf diesem Niveau zusammen.
Und: Sogar über die Erreichbarkeit des Wassers im Zweier bei Solobetrieb denke ich seit drei Jahren anders! Dabei geht es besonders um die Fahreigenschaften im aufgekanteten Zustand. Frag mal Roman, wie er seinen Winisk solo fährt und ob er irgendwann Probleme hatte bootsnah zu Paddeln! Hier ist die Folklore auf ganz dünnem Eis, vorurteilfreies Probieren mehr als lohnennd.
Im Vergleich mit ähnlich schnell laufenden Kanus ist da zur Paddelseite hin sehr viel mehr Reserve und Beweglichkeit.

Das richtige Maß? natürlich!

Ich freue mich auf unser nächstes Treffen,

liebe Grüße an den Bodensee

Wolfgang Hölbling

MrDick Offline




Beiträge: 1.234

19.09.2010 22:59
#11 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Hi Wolfgang!

Zitat
Sogar über die Erreichbarkeit des Wassers im Zweier bei Solobetrieb denke ich seit drei Jahren anders!


Ist vielleicht falsch rübergekommen: Ich meinte Tandem im Tandembetrieb.

Liebe Grüße, Sebastian

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lej ( gelöscht )
Beiträge:

20.09.2010 00:01
#12 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Moin Wolfgang und Sebastian
Zu spät und zu müde, morgen mehr.
Grüße Jürgen

gast Offline



Beiträge: 153

20.09.2010 08:56
#13 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Zitat von MrDick

[...]
Ich finde übrigens gerade bei einigen John Winters Designs - so sehr ich ihn und seine Arbeit für das Design von Canoes bezüglich des Fahrverhaltens schätze - vergessen wurde, dass da auch ein Paddler drin sitzt, der das Wasser erreichen, und das Boot bequem Paddeln will.
[...]


As you can read here:
http://www.xs4all.nl/~dbarends/canoechoosing.pdf
He did not forget the paddlers,
but just made other choices when designing his touring boats for Swift:

"Hulls can have flare, tumblehome or any combination or degree of these. Tumblehome, when it is located at the paddling position, improves efficiency by keeping the paddle closer to the paddler. What you sacrifice for this efficiency is reduced seaworthiness and a wetter ride through rough water. For wilderness or open water paddling flared sides provide an essential safety margin and, if well thought out, do not hamper paddling significantly."

Dirk Barends

vrtac Offline




Beiträge: 1

20.09.2010 10:51
#14 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Unter Seekajakfahrern wird jedem Neuling eingetrichtert, das man mit einem Kanadier nichts oder fast nichts auf dem offenen Wasser zu suchen hat, und wenn doch, dann ganz schrecklich von Wind, Wellen und Strömung verblasen wird.
Nun bin ich aber hier auf´s Canadierforum gestoßen und mußte Erstaunliches lesen.
Es soll tatsächlich Leute geben, die sich mit offenen Kanadiern mit Kind und Kegel in Wind und Wellen auf Meer und Seen wagen.
Wir wollen das auch!!!
Wir, das sind meine Frau und meine 5 und 6 jährigen Töchter. Zu Beginn unserer Paddelkarriere hatten wir uns beim Arwex ein 16‘ Rainbow Apache gekauft.
Neben Donau und Leitha befahren wir damit die Auen und auch den Neusiedler See, allerdings letzteren nur in den Schilfkanälen. Am See war´s dann doch schon schaukelig.
Außer im Kanadier sind wir auch mit Einer-Seekajaks teils über 5 bft. unterwegs, halt ohne Kinder. Zwei Zweier Kajaks wären die Lösung, allerdings läßt sich dies aus mehreren Gründen nicht verwirklichen.
In letzter Zeit stand die Überlegung ein Klepper Aerius XXL zu kaufen. Positiv daran wäre der Platz für alle vier in einem Boot, wenn auch beengt sowie die mögliche Besegelung.
Negativ ist aber der Preis von mind. € 6.000,--, noch ohne Segel. Ziele wären Mehrtagestouren entlang der Adriaküste, Ostseeküste sowie auch auf größeren Seen.
Tja und dann traf mich diese neue Erkenntnis mit dem Kanadier auf dem Meer.

Könnt Ihr mir vielleicht einige Tipps und Hinweise geben, welche Voraussetzungen ein Kanadier auf dem offenen Wasser erfüllen sollte?
Welche Bootstypen empfehlt Ihr?
Ich bin für jede Info dankbar.


Vielen Dank und viele Grüße!

Andreas

Andreas Schürmann Offline




Beiträge: 2.067

20.09.2010 11:06
#15 RE: canadier am meer ? / Anfängerfragen antworten

Ohne jetzt an der Grundsatzdiskussion rütteln zu wollen, wäre meine erste Reaktion auf
...meer? Anfängerfragen
nicht von Flair und flare geprägt.

Sicher ist ja nicht das Meer gemeint, sondern die Küste. Von der Musik die da spielt kann Jürgen viel berichten, meine Erfahrungen sind vom Segeln geprägt, es läuft aber immer darauf hinaus, dass das Boot gewisse Grundfunktionen erfüllen muß, über den Rest wird mehr gesprochen, als er gefühlt wird.

"once the boat, twice the man" würde ich in schwierigen Gebieten (z.B. Küste) noch weiter zum Paddler verschieben.

Ich will mal behaupten, das ein schlechtes Boot mit einem guten Paddler weiter kommt als umgekehrt.
Können, Erfahrung, Wissen und die richtige Einschätzung helfen weiter als flare oder tumblehome. (Für den Könner sind da sicher Unterschiede.)

Meine erste Bedingung an Canadier auf dem Meer ist:
Wiedereinstieg im tiefen Wasser, wenn der sicher sitzt kann man weiter schauen.

Beim Eingangs abgebildeten Bootstyp hätte ich so meine bedenken, wie lange ich denn nach dem Umdrehen noch schöpfen müßte.

Auch ein Seekajak (Und das ist für´s Meer gebaut.) hilft, falsch benutzt, nur beim Erfrieren.
Für Alpenbewohner liegt das Mittelmeer ja näher, aber für Anfänger-Touren auf der Nordsee kämen nicht sehr viele Tage im Jahr infrage, um dort Spaß zu haben, die restlichen wird man eher mit Angst oder auch schierem Entsetzen verbringen.

Edit: @ vrtac_Andreas, meine Antwort habe ich getippt, als Du Deine Frage gestellt hast, sie ist deshalb nicht direkt auf Deine Frage bezogen.
Als Denkansatz: Kentern kann man immer. Diese Situation muß man ins Auge fassen und sicher im Griff haben. z.B. Wie lange sind wir im Wasser?
Wie reagieren die Kinder? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man so was mit Kindern machen kann, wenn man den Wiedereinstieg bei Badetemperaturen übt.

Gruß
Andreas

"Doch es ist mit dem Feuer ähnlich wie mit dem Schwimmen, mag kommen was will, man sollte es beherrschen." :Feuer, Andy Müller

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