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Dieses Thema hat 27 Antworten
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 Allgemeines Canadierforum
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Wolfgang Hölbling Offline




Beiträge: 2.918

19.05.2010 10:16
#16 RE: Wildwasserstufen? antworten

Hi Axel,
Die Idee mit dem Raften finde ich nicht so brüllend gut. Dort passiert zu oft genau das, was mit Paddeln in Eigenverantwortung wenig zu tun hat. Man wird als Passagier runtergespült und weiß in den meisten Fällen kaum, warum man doch zuletzt am Ziel ankommt. Irgendwie "runterkommen" ist das Problem von der falschen Seite her aufgezäumt.
LG

Wolfgang Hölbling

Amateur Offline




Beiträge: 500

19.05.2010 10:25
#17 RE: Wildwasserstufen? antworten

Hallo Wolfgang,

ja, mag sein, dass man fürs Paddeln (technisch) nicht wirklich viel lernt dabei. Aber die Erfahrung auf so einem Gummiboot in hohen Wellen zu fahren scheint mir durchaus interessant insofern als man mal hautnah erlebt, wie hoch die Wellen aus der Bootsperspektive sind und was sie bereits mit so einem Gummibus machen.
Als wir im Herbst bei Niedrigwasser auf der Imster Schlucht unterwegs waren habe ich so bei mir gedacht, dass ich die gleiche Strecke mal bei Mittelwasser in einem Raft mitfahren will bevor ich mich ins eigene Boot setze und die gigantischen Wellen abreite.

Axel

"There is nothing- absolutely nothing- half so much worth doing as simply messing about in boats." Ratty to Mole in Kenneth Grahame's "The Wind in the Willows".
P A D D E L B L O G . P O L I N G T R E F F E N 2010

raftinthomas Offline




Beiträge: 555

19.05.2010 10:31
#18 RE: Wildwasserstufen? antworten

nu macht euch mal nicht in die hose.
wenn der sven einen zweier bach mit ein wenig ausrüstung (=schwimmwesten!, helm und neo auch nicht verkehrt) runtergondelt, wird er schon kaum umkommen.
wichtig mit dem schlauchi: keine normalen sitzbretter verwenden! bei einer sog. "krawatte", dh das boot wird von der strömung um einen fels im bach herumgedrückt, kann es sonst passieren, dass die unterschenkel zwischen sitzbrett und bootsboden eingeklemmt werden. da hat es schon mehrere ertrinkungsunfälle gegeben. ausserdem wichtig: keine losen seile oä im boot haben, in denen man sich "verheddern" kann. alle ladung sorgfältig befestigen.
besorge dir ein buch, was das wildwasserpaddeln erklärt, zb "faszination kanusport". sven, schicke mir mal deine emailaddi, ich hab da noch was für dich.

grüsse vom westzipfel, thomas

lej ( gelöscht )
Beiträge:

19.05.2010 13:56
#19 RE: Wildwasserstufen? antworten

Moin Sven
Recht gute Basis um zu klauen: http://www.nfb.ca/film/path_of_the_paddle_solo_basic
Gruß Jürgen

kochi Offline




Beiträge: 19

19.05.2010 21:02
#20 RE: Wildwasserstufen? antworten

Danke für die Infos.Das gibt viel Lesestoff.
Sicher werd ich mich mal über nen Kurs informieren.Kann nie schaden und macht sicher auch Spaß.Mal schauen wo.Auch wenn ich aus Erfahrung im Surfbereich etwas skeptisch bin.Da war's eher Geldschneiderei.
Gelernt hab ich's allein und durch abschauen bei anderen.Na mal gucken.Die Saison fängt ja erst an.
Und kene Angst,in de Zeitung wollen wir nich.
Wir nehmen's aber keinesfalls auf die leichte Schulter.
Achja,die Windanfälligkeit kann ich bestägigen.Gewöhnungssache.
Aber sonst kann ich noch nicht meckern.

Gruß Sven
PS:Erich,muß dich enttäuschen,das Bild is kein Scout.Das war ein fester Leihcanadier.

Kanuotter Offline




Beiträge: 551

20.05.2010 07:26
#21 RE: Wildwasserstufen? antworten

Hallo zusammen,

ich persönlich orientiere mich an solchen Klassifizierungen, kann mich aber nicht drauf verlassen. Bzw. verstehe die Einordung aus eigenem Erleben teilweise nicht. Dies sind für mich Momentaufnahmen, die aus der Vergangenheit sind und sowie so nicht jeden Wasserstand beschreiben? Oder werden immer nur steinige Strecken als WW beschrieben? Was ist mit Baumhindernissen? Diese Blockaden werden zunehmend seltener entfernt. Bedonders an Flüssen, an denen man eine natürliche Rückführung fördert.

Hier im Forum war ja vor einiger Zeit auf der Nahe eine Durchkenterung mit Totalverlust beschrieben. Der Streckenabschnitt wird im DKV-Führer als Zahmwasser klassifiziert.
Situation: Unterhalb Nahemühle nach einer Linkskurve (ausreichend aber nicht viel Reaktionszeit vorhanden) hängt ein Baum am linken Ufer ins Wasser. Hier gibt es eine Rinne, die den linken Hang unterspült und den vorbei paddelnden in den Baum zieht - nicht sofort erkennbare Schrägströmung. Hohe Strömung bei vielleicht 5-7 m breitem Flussbett. Wer sich sehr weit rechts hält und mit Ziehschläge auf der rechten Seite sein Boot auf dem Kurz halten kann kommt vorbei.

Ähnliche Strömungsverhältnisse gibt es auch oberhalb Martinstein. Höhere stehende Wellen, Schwallstrecken. Eine Rinne, die an einen Baum zieht (allerding breiteres Flussbett und deshalb leichter vermeidbar).

Frage also: wie kommen die Klassifizierungen zustande? Sind dies immer nur Beschreibungen von "Steinen"?

Grüße
Norbert

Amateur Offline




Beiträge: 500

20.05.2010 08:55
#22 RE: Wildwasserstufen? antworten

Hallo Norbert,

die Klassifizierungen sind notwendigerweise nur Beschreibungen dauerhaft bestehender Streckenverhältnisse bei "regulärem" Wasserstand (so wie Erich das auf der Vorseite mit Beispielen sehr anschaulich gemacht hat). Gefahrenstellen wie so ein Baum, die einige Zeit (manchmal auch einige Jahre) bestehen zu klassifizieren hätte wenig Sinn. Auf die muss aufmerksam gemacht werden.
Meines Erachtens wäre es eine edle Tat von Wasserwirtschaftsämtern, wahrscheinlicher aber noch von örtlichen Paddelvereinen, solche Stellen auszuschildern.
Vielfach bemühen sich die Vereine ja auch mal mit Säge und Flaschenzug die eine oder andere tückische Stelle zu entschärfen. Auch diesbezüglich kann es rasam sein mal mit den örtlichen Veeinen Kontakt aufzunehmen und um Hilfe zu bitten. Die können das in ihr Sicherheitstraining unter der Rubrik "Retten und bergen" einbeziehen.

Axel

EDIT: Wenn die Gefahrenstelle wirklich dramatisch ist hätte ich auch keine Skrupel mal mit der örtlichen Feuerwehr Kontakt aufzunehmen und zu fragen, ob sich nicht im Rahmen einer Übung den Baum aus dem Wasser ziehen können um Risiken für Wassersportler zu reduzieren. Da muss man wohl ein wenig Phantasie entwickeln.

"There is nothing- absolutely nothing- half so much worth doing as simply messing about in boats." Ratty to Mole in Kenneth Grahame's "The Wind in the Willows".
P A D D E L B L O G . P O L I N G T R E F F E N 2010

Wolfgang Hölbling Offline




Beiträge: 2.918

20.05.2010 09:43
#23 RE: Wildwasserstufen? antworten

Gefährliche Situationen und echte Fallen entschärfen - ja, natürlich!
Das was die WW-Einteilung ausmacht nicht! ( Das wird auch in Kajakerkreisen meiner Meinung nach zu Recht abgelehnt und wurde in mehreren Beispielen leider ohne Erfolg bekämpft.)
Ausschildern? Nein!
Erstmals auf der Donau, dann in Holland habe ich Schilder auf Wasserwegen bewußt wahrgenommen - wie im Straßenverkehr.
In meinem nassen Umfeld brauche ich das nicht. Die Bäche sind klein, die Paddlerfrequenz verschwindend und nach jedem Unwetter muß mit Hindernissen gerechnet werden.
Beste Versicherung: eine solide Seilfähre rückwärts, denn: Du fährst nie zweimal denselben Fluß.

Irgendwie läuft da was immer weiter schief: Die Regulierungswut, der ich im Kanu entkommen will, ergreift einen der letzten naturnahen Räume, den Fluß. Dann sehe ich mir Wildnisabenteuer im TV an, träume von Schweden, Kanada, Alaska: dort stehen keine Schilder -schöööön!

Und Axel: Ich melde mich hiermit "offiziell" zum Canoe Poling Treffen in Tübingen an.

Wolfgang Hölbling

Amateur Offline




Beiträge: 500

20.05.2010 09:58
#24 RE: Wildwasserstufen? antworten

Hallo Wolfgang - Vielen Dank für die Anmeldung - hoffentlich machen Wetter und Pegel im September auch mit...

Regulierungswut bricht - denke ich - nicht aus, wenn jemand ein Schild ans Ufer pflanzt auf dem vor einem nach einer Kehre im Wasser liegenden Baum gewarnt wird bis der von helfenden Händen aus dem Wasser gezogen wurde. Wenn aus der Warnung ein Fahrverbot wird ist das allerdings aus dem Ruder gelaufen.
Und jeder Baum muss ja nun wirklich nicht aus dem Wasser gezogen werden.
Da, wo massig Verleihboote unterwegs sind kümmern sich die Anbieter ja schon im eigenen Interesse darum die Wasserwege für technisch weniger versierte Spaßpaddlerinnen und -paddler frei zu halten.
Da, wo eifrige Naturschützer zugange sind, werden (wie auf der Schwäbischen Alb an der Lauchert) sogar bewußt Bäume ins Wasser gefällt damit der Fluss wieder "Naturnah" wird. Was zur Folge hat, dass wir Paddler um diese Baumhindernisse herum über die Uferböschung umtragen müssen und damit die Vegetation platttreten. Die Konsequenz daraus kann dann wieder sein, dass die Naturschützer die Sperrung des Flusses für die Paddler propagieren weil die ja die Natur schädigen. Eine Posse.

Axel

"There is nothing- absolutely nothing- half so much worth doing as simply messing about in boats." Ratty to Mole in Kenneth Grahame's "The Wind in the Willows".
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Wolfgang Hölbling Offline




Beiträge: 2.918

20.05.2010 11:02
#25 RE: Wildwasserstufen? antworten

Du hast Recht, es kommt auf die konkrete Situation an,
LG

Wolfgang Hölbling

1967oldmaster Offline




Beiträge: 258

20.05.2010 12:00
#26 RE: Wildwasserstufen? antworten

die Einteilung der Stufen passt so schon,
allerdings ist die Bewertung immer vom
Wasserstand, Bäumen usw. abhängig!

So kann ein Bach jeden Tag anders zu
bewerten sein.

Robert
aka Oldmaster
http://www.fishsign.at

singletrailz Offline




Beiträge: 369

20.05.2010 18:02
#27 RE: Wildwasserstufen? antworten

ein Klassiker, aber immer wieder lustig... "Contact lenses are moved to rear of eyeballs." - der Brüller !

Class I, Easy. Fast moving water with riffles and small waves. Swimming is pleasant, shore easily reached. A nice break from paddling. Almost all gear and equipment is recovered. Boat is just slightly scratched.

Class II, Novice. Straightforward rapids with wide, clear channels which are evident without scouting. Swimming to eddies requires moderate effort. Climbing out of river may involve slippery rocks and shrub-induced lacerations. Paddle travels great distance downstream requiring lengthy walk. Something unimportant is missing. Boat hits submerged rock leaving visible dent on frame or new gash in plastic.

Class III, Intermediate. Rapids with moderate, irregular waves which may be difficult to avoid. Water is swallowed. Legs are ground repeatedly against sharp, pointy rocks. Several eddies are missed while swimming. Difficult decision to stay with boat results in moment of terror when swimmer realizes they are downstream of boat. Paddle is recirculated in small hole way upstream. All personal possessions are removed from boat and floated in different directions. Paddling partners run along river bank shouting helpful instructions. Boat is munched against large boulder hard enough to leave series of deep gouges. Sunglasses fall off.

Class IV, Advanced. Water is generally lots colder than Class III. Intense, powerful but predictable rapids requiring precise swimming in turbulent water. Swimming may require `must' moves above dangerous hazards. Must moves are downgraded to `strongly recommended' after they are missed. Sensation of disbelief experienced while about to swim large drops. Frantic swimming towards shore is alternated with frantic swimming away from shore to avoid strainers. Rocks are clung to with death grip. Paddle is completely forgotten. One shoe is removed. Hydraulic pressure permanently removes waterproof box with all the really important stuff. Paddle partners running along stream look genuinely concerned while lofting throw ropes 20 feet behind swimmer. Paddle partners stare slack-jawed and point in amazement at boat which is finally pinned by major feature. Climbing up river bank involves inverted tree. One of those spring loaded pins that attaches watch to wristband is missing. Contact lenses are moved to rear of eyeballs.

Class V, Expert. The water in this rapid is usually under 42 degrees F. Most gear is destroyed on rocks within minutes if not seconds. If the boat survives, it is need of about three days of repair. There is no swimming, only frantic movements to keep from becoming one with the rocks and to get a breath from time to time. Terror and panic set in as you realize your paddle partners don't have a chance in heck of reaching you. You come to a true understanding of the terms maytagging and pinballing. That hole that looked like nothing when scouted, has a hydraulic that holds you under the water until your lungs are close to bursting. You come out only to realize you still have 75% of the rapid left to swim. Swim to the eddy? What #%^*#* eddy!? This rapid usually lasts a mile or more. Hydraulic pressure within the first few seconds removes everything that can come off your body. This includes gloves, shoes, neoprene socks, sunglasses, hats, and clothing. The rocks take care of your fingers, toes, and ears. That $900.00 dry suit, well it might hold up to the rocks. Your paddle is trash. If there is a strainer, well, just hope it is old and rotten so it breaks. Paddle partners on shore are frantically trying to run and keep up with you. Their horror is reflected in their faces as they stare at how you are being tossed around! They are hoping to remember how to do CPR. They also really hope the cooler with the beer is still intact. They are going to need a cold one by the time you get out! Climbing out of this happens after the rapid is over. You will probably need the help of a backboard, cervical collar and Z-rig. Even though you have broken bones, lacerations, puncture wounds, missing digits & ears, and a concussion, you won't feel much pain because you will have severe hypothermia. Enjoy your stay in the hospital: with the time you take recovering, you won't get another vacation for 3 years.

Class VI, World Class. Not recommended for swimming.

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one

Amateur Offline




Beiträge: 500

21.05.2010 07:53
#28 RE: Wildwasserstufen? antworten

Da hatte ich ich mir doch mal vor geraumer Zeit die Mühe gemacht diesen Text (bzw. eine seiner zahlreichen Versionen) einzudeutschen:

1 -Leicht: Schnell fließendes Wasser mit kleinen Wellen. Schwimmen ist angenehm, das Ufer leicht erreicht. Eine nette Unterbrechung beim Paddeln. Fast alle Ausrüstungsgegenstände werden wieder gefunden, das Boot hat nur leichte Kratzer bekommen.

2 - Anfänger: Überschaubare Stromschnellen mit klar ersichtlichen Durchfahrten. Ins Kehrwasser schwimmen erfordert geringfügigen Aufwand, das Herausklettern mag die Überwindung rutschigen Gesteins und kleinere Verletzungen infolge von Stürzen beinhalten. Das Paddel schwimmt ganz schön weit was einen längeren Fußmarsch erforderlich macht, irgendein weniger bedeutender Ausrüstungsgegenstand geht verloren. Das Boot hat einen überspülten Felsen getroffen und hat jetzt eine deutliche Macke am Süllrand oder eine tiefere Beule im Rumpf.

3 Mittelschwer: Stromschnellen mit mittelgroßen unregelmäßigen Wellen, die kaum umfahren werden können. Wasser wird geschluckt, die Beine stoßen gegen scharfe Felsen. Mehrere Kehrwasser können nicht angeschwommen werden. Eine kleine Entscheidungsschwäche bezüglich des Ambootbleibens verursacht schiere Angst als das Boot plötzlich hinter dem Schwimmer treibt. Das Paddel dreht sich in einem Loch weit oberhalb. Die Ausrüstung treibt in unterschiedlichste Richtungen. Ein Mitpaddler rennt am Ufer entlang und brüllt hilfreiche Anweisungen. Das Boot wird gegen einen fetten Felsen gerammt und trägt verschiedenste tiefe Macken davon. Die Sonnenbrille geht verloren.

4 Fortgeschrittene: Das Wasser ist schon mal generell kälter als im 3. Schwierigkeitsgrad. Es gibt intensive, kraftvolle aber vorhersehbare Stromschnellen, in denen das aufgewühlte Wasser präzise durchschwommen werden muss. Darin gibt es Pflichtpassagen oberhalb von gefährlichen Stellen, die – wenn sie nicht bewältigt werden - zu „dringend empfohlenen Passagen“ herabgestuft werden müssen. Das Hinabschwimmen größerer Abstürze geht einher mit dem Erlebnis ungläubigen Staunens. Hektische Schwimmbewegungen Richtung Ufer wechseln sich mit hektischen Schwimmbewegungen Richtung Flussmitte zur Vermeidung von durchspültem Geäst ab. Felsen werden krampfhaft umklammert. Das wegtreibende Paddel gerät völlig in Vergessenheit. Ein Schuh geht verloren. Der Wasserdruck reißt die Pelibox mit all den wirklich wichtigen Sachen ab. Die am Ufer entlang rennenden Paddelfreunde haben alle einen besorgten Gesichtsausdruck und werfen Wurfsäcke viel zu weit unterhalb des Schwimmers ins Wasser. Mit aufgerissenem Mund wird zum Boot hingestarrt, das irgendwo mitten im Strom an einem Hindernis fest hängt. Beim Herausklettern am Ufer muss ein umgestürzter Baum überwunden werden. Das Armband der Uhr hat sich gelöst und die Kontaktlinsen befinden sich irgendwo auf der Rückseite des Augapfels.

5 für Experten: Das Wasser in dieser Stromschnelle ist nie wärmer als 5°C. Der größte Teil der Ausrüstung zerschellt innerhalb von Minuten - wenn nicht Sekunden - an den Felsen. Sollte das Boot dies überstehen müssen hinterher mindestens drei Tage in die Reparatur investiert werden. An Schwimmen ist nicht zu denken – allenfalls an panische Bewegungen um Felsen auszuweichen und gelegentlich einen Atemzug tätigen zu können. Schiere Angst setzt ein, als Du wahrnimmst, dass Deine Paddelpartner keinerlei Chance haben Dich zu erreichen. Das Loch, das beim Besichtigen vom Ufer aus so niedlich klein aussah, ist in der Lage Dich so lange unter Wasser zu halten, dass Deine Lungen beinahe platzen. Wenn Du da endlich raus kommst nimmst du erst wahr, dass noch drei Viertel der Stromschnelle vor Dir liegen. Ins Kehrwaser schwimmen? Wo ist hier ein Kehrwasser? Die Stromschnelle ist gewöhnlich ungefähr eine Meile lang. Der Wasserdruck schafft es innerhalb der ersten Sekunden alles was sich von Deinem Körper lösen lässt wegzuspülen. Das beinhaltet Handschuhe, Schuhe, Neoprensocken, die Sonnenbrille, den Hut und eigentlich alle Kleidung. Die Felsen kümmern sich dann um Deine Finger, die Zehen und das Ohr. Der 600,-EUR teure Trockenanzug hält bis zum ersten Felskontakt. Das Paddel ist in Stücke gegangen. Wenn da ein Ast aus dem Wasser ragt solltest Du hoffen, dass er alt ist und bricht. Die Mitpaddler versuchen krampfhaft Schritt zu halten. Aus ihren Gesichtern spricht pure Verzweiflung, wie sie Dich dabei beobachte, wie Du vom Wasser hin- und hergerissen wirst. Sie konzentrieren sich schon darauf sich die Kenntnisse vom Wiederbelebungskurs in Erinnerung zu rufen. Gleichzeitig hoffen sie doch sehr, dass die Kühltasche mit dem Bier nichts abbekommen hat. Sie werden eins brauchen wenn Du endlich aus dem Wasser kommst. Der Ausstieg erfolgt gewöhnlich ganz am Ende der Stromschnelle. Du wirst vermutlich eine Rückenschiene, eine Halsfixierungsmanschette und einen Flaschenzug zur Bergung in Anspruch nehmen müssen. Obwohl du zahlreiche Knochenbrüche, Abschürfungen und Fleischwunden, fehlende Ohren und eine Gehirnerschütterung hast wirst Du keinen Schmerz empfinden weil Du ernstlich unterkühlt sein wirst. Genieß den Aufenthalt in der Klinik, es wird einige Zeit dauern bis Du wieder auf den Beinen bist und an einen weiteren Urlaub ist vor in drei Jahre nicht zu denken.

Axel

"There is nothing- absolutely nothing- half so much worth doing as simply messing about in boats." Ratty to Mole in Kenneth Grahame's "The Wind in the Willows".
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