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Dieses Thema hat 46 Antworten
und wurde 6.508 mal aufgerufen
 Allgemeines Canadierforum
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MrDick Online




Beiträge: 1.234

25.07.2009 11:26
#46 RE: Brauche Vorschläge zum Canadiererwerb antworten

Hallo Dirk!
Das stimmt so einfach nicht. Das Harz ist lediglich die formgebende Komponente. Das heisst die Form entsteht dadurch, dass das Gewebe verformt wird, und die einzelnen Fasern sich verschieben. Das Harz fixiert diese Fasern dann an den Berührungspunkten durch verkleben. Ist zu viel Harz im Laminat, dann kann sich die Flexibilität (je nach Harzsystem) sogar erhöhen, da Harz meist flexibel ist und, sozusagen zuviel Abstand/Kleber zwischen den Fasern liegt. Manche Harze mit langer Topfzeit werden sogar spröde, wenn man sie nur kalt härtet. Dann wird es sogar weniger Bruchfest. Diese Lamiate werden dann meist getempert um die Sprödigkeit zu beseitigen. Ein "dünneres" Laminat (bei gleicher Fasermenge) ist dadurch nicht flexibler. Die Flexibilität wird insbesondere durch die verwendete Faser bestimmt. Foamcore verwendet man häufig bei reinen Aramid/Kevlar Booten, da Kevlarfasern nicht besonders viel Steifigkeit erreichen. Nimmt man statt dessen ein Kohlefaser/Aramid-Gewebe, so wir die Form steifer und man kann sich unter umständen den Foamcore sparen. Das Kohlefasern schwerer wären als Aramid wäre mir neu.

Bist Du sicher, dass wir vom selben Vakuumverfahren sprechen? Es gibt ja auch noch das Vakuum-Bag-Verfahren, wo die komplette Form eingetütet wird. Dies dient aber lediglich dazu komplexe Formen gleichmäßig zu verpressen um eine gleichmäßige Verklebung zu erreichen, z.B. für Sandwich-Material. Da wird meist kein überschüssiges Harz entfernt und auch kein Gewicht gespart. Das Verfahren das im Kanubau verwendet wird ist dazu da überschüssiges Harz zu entfernen. Die verbesserte Variante davon ist das Vakuum-Infusion-Verfahren. Das funktioniert im Wesentlichen ähnlich wie das Vakuum-Laminierverfahren. Hierbei werden die Gewebe jedoch trocken eingelegt. Auf einen Teil der Fläche z.B. das erste Drittel kommen dann Leitmedien (Folie, Spilralschläuche, etc. die für eine zügige Verteilung des Harzes sorgen. Darüber liegt dann eine Vakuumfolie, die das ganze dicht macht. Nun wird am einen Ende der Form die Luft abgesaugt, und am anderen Ende das Harz über einen Schlauch in die Form gesaugt. Das wandert dann von einem Ende zum anderen und verteilt sich im Gewebe. Der Vorteil ist dabei, dass garnicht erst mehr Harz in die Form kommt als vom Gewebe zur Vernetzung benötig wird. Da kann man schonmal einen Faservolumenanteil von 60% erreichen. So oder so ähnlich werden z.B. die Boote von Swift und Placid gebaut.
Sieht dann z.B. so aus: http://www.youtube.com/watch?v=zLUnxUw3nnI&hl=de (auch wenn es kein Boot ist)

Also: weniger Harz, weniger Gewicht, mehr Steifigkeit bei gleicher Faser

Groetjes Sebastian
Nachtrag: Man kann sich das ganz leicht ausrechnen: Nehmen wir ein Kevlar/Aramid-Gewebe mit 210 g/qm. Laut Hersteller braucht man dafür bei einem Faservolumenanteil von 35 vol % im Handlaminierverfahren ca. 260g Harz je qm. Steigere ich den Faservolumenanteil auf 50%, dann bedeutet das 15% weniger Harz, also eine Gewichtseinsparung von ca. 39g/qm bei leicht höherer Stabilität. Bei mehreren Lagen und mehreren qm, sind das ein paar Grämmchen.

Das soll natürlich nicht heissen, dass jeder jetzt ein vakuum-laminiertes Boot braucht. So gewaltig sind die Unterschiede dann doch nicht.

P.S. @Wolfgang: Na dann pass mal gut auf! Ich werd dich im September ausgiebig mit Fragen löchern

--
"Die Weisen erfreuen sich am Wasser." (Konfuzius, 551 - 479)
-

...der will nur spielen!
Für alle die am Bodensee spielen wollen: http://www.freestylecanoeing.org

gast Offline



Beiträge: 153

25.07.2009 12:00
#47 RE: Brauche Vorschläge zum Canadiererwerb antworten

Zitat von MrDick
[...]
Foamcore verwendet man häufig bei reinen Aramid/Kevlar Booten, da Kevlarfasern nicht besonders viel Steifigkeit erreichen. Nimmt man statt dessen ein Kohlefaser/Aramid-Gewebe, so wir die Form steifer und man kann sich unter umständen den Foamcore sparen. [...]

Foamcore verwendet man auch bei polyester-gewebe (Diolen) Booten (z.b. We-no-nahs Tuf-weave)
und bei Kohlefaser/Aramid-gewebe Booten (z.b. Swift Carbon Fusion).
Ohne foamcore braucht Placid Boatworks ungefähr zwei dünne Schichten Kevlar extra im Kohlefaser/Aramid-gewebe (solo)booten.

In Antwort auf:
[...] Das soll natürlich nicht heissen, dass jeder jetzt ein vakuum-laminiertes Boot braucht. So gewaltig sind die Unterschiede dann doch nicht.

Hmm. Ein Kevlar kanu bauen ohne vakuumtechnik ist (im mein sehr personliche meinung) nicht richtig sinnvoll.

Dirk Barends

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