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Dieses Thema hat 56 Antworten
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 Allgemeines Canadierforum
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Gerhard Offline




Beiträge: 638

17.04.2009 11:02
#16 RE: Angst? antworten

Hallo Wolfgang,

da ich viel mit dem Verein unterwegs bin, und auch oft als Verantwortlicher, gehe ich wie folgt vor:

- vor der Fahrt abklären wer dafür geeignet ist, und bei Bedarf auch mal jemanden daheim lassen (auch wenns weh tut)
- nach dem Aufladen selbst die Gurte kontrollieren (auch wenn andere aufgeladen haben)
- auf dem Wasser vorfahren, oder das einen anderen erfahrenen Paddler machen lassen
- wenn ich mir an bestimmten Stellen nicht sicher bin aussteigen und scouten
- beim Befahren solcher Stellen evtl. mit Wurfsack (...) absichern
- manchen Mittpaddlern zum Umtragen raten
- selbst entscheiden was ich fahre (hatte da auch schon einprägsamme Erlebnisse im Wildwasser)
- immer mit Schwimmweste
- wenn ich es für nötig halte mit Helm (auch wenn andere mit nacktem Oberkörper auf diesem Bach unterwegs sind)
(auch wenn wir bei uns daheim auf Zahmwasser zum Üben in Schwällen unterwegs sind setzen wir den Helm auf, einmal
gekentert, und du haust Dir den Schädel an, das muß nicht sein)

Was am Wichtigsten ist: "Ich muß mir und anderen nichts beweisen ... aus dem Alter bin ich raus"

Grüße
Gerhard

Toolboxafloat Offline




Beiträge: 502

17.04.2009 11:26
#17 RE: Angst? antworten
Hallo Gerhard,

das klingt jetzt wieder alles so rational und machbar - dabei hatte mich gerade Sebastians kluger Beitrag daran gemahnt, dass sich so vieles einfach nicht unter Kontrolle bringen lässt und dass man sich damit auch mal abfinden kann.

Ähnlich wie es mir nicht recht gelingen will Ordnung in mein Gerümpel zu bringen (Keller aufräumen) muss ich mir doch selbstkritisch eingestehen, dass ich längst nicht aus dem Alter raus bin, in dem ich mir (oder anderen) überhaupt nichts beweisen muss. Auch wenn ich mir alle Mühe gebe - blamieren will ich mich ja schließlich selbst dann nicht, wenn ich deshalb nicht - wie in grauer Vorzeit - gleich aus der warmen Höhle in die kalte Wildnis befördert werde...

Aber Du hast schon recht, damit, dass wir uns gewisse Sicherheitsstandards setzen und uns bemühen diese einzuhalten (bin letztens mit schlechtem Gewissen ohne Helm im Schwall herumgetobt und hatte jede Menge Spass dabei - bei offiziellen Vereinsausfahrten käme sowas überhaupt nicht in Frage) reduzieren wir das Risiko und die Notwendigkeit irreale blokierende Ängste zu entwickeln.

Axel

P A D D E L B L O G - "Everyone must believe in something. I believe I'll go canoeing" Henry David Thoreau

Gerhard Offline




Beiträge: 638

17.04.2009 11:54
#18 RE: Angst? antworten

Hallo Axel,

es ist ja auch nicht jeder Tag gleich und das Sicherheitsbedürfnis hängt auch mit dem eigenen Befinden zusammen.

Wenn ich einen schlechten Tag habe kann ich an einer schwierigen Stelle die Hosen voll haben und schultere mein Boot lieber, am nächsten Tag fühle ich mich gut und fahre die Stelle mit einem Grinsen im Gesicht runter.

Such Dir also einen Tag an dem es Dir gut geht zum Keller aufräumen

Gerhard

Andreas Schürmann Offline




Beiträge: 2.067

17.04.2009 11:55
#19 RE: Angst? antworten

Hallo Axel

>>> ... reduzieren wir das Risiko und die Notwendigkeit irreale blokierende Ängste zu entwickeln.
Blokierende Ängste, vor Angst erstarren, - dem kann man aber leider nicht mit Vernunft Argumenten beikommen. Das Hirn mag keine Statistiken. Auch wenn es um tausende Male gefährlicher in der U-Bahn, als an einen einsamen Flussufer ist. In der Bahn sitzt man ganz locker und entspannt und am Fluss bringt jeder Knax den Puls auf Fluchtgeschwindigkeit.

Beim Militär werden Ängste durch Drill übergetüncht. (Nicht unbedingt meine Wunschvorstellung von Freizeitgestaltung.)

Durch Training einer Gefahren Situation läßt sich die blockierende Angst aber auf später verschieben, Du reagierst mechanisch und später kommt der Schweißausbruch.
Unfälle mit Canadiern sind ja zum Glück selten. Liest man etwas allgemeiner zum Wassersport Unfallberichte, so sind es oft Verkettungen kleiner Fehler, die zu einem großen Problem werden. Die Beteiligten haben die vielen kleinen Fehler nicht bemerk, hatten keine Angst, bis es zu spät ist.

Ich würde mich eher nicht als ängstlich einstufen, ich nehm aber trotzdem gern die Checkliste um zu prüfen ob ich auch Alles habe.

Wie heißt es so schön bei der Taufe:
Allzeit sichere Fahrt.
Andreas

Klaus ( gelöscht )
Beiträge:

17.04.2009 15:09
#20 RE: Unfallstatistig im DKV aber wo .......... antworten
Hallo Axel, der DKV hat eine Unfallstatistik aber wo weiß nur der Inseiter in den Heften gab es mal ein Hinweis.^
Klaus

PS. seit Anfang der Woche wird ein Paddler auf der Loisach vermisst.

Das Abenteuer fängt vor der Haustür an.

Wolfgang Hölbling Online




Beiträge: 2.918

04.05.2009 14:08
#21 RE: Angst? antworten
Hallo Gerhard!
Weiter oben listest Du Möglichkeiten auf, Sicherheit zu optimieren durch Ausschalten von Unwägbarkeiten und solides Vorausplanen, Tragen von Schwimmweste, Helm usw.
Sicher ein probates Mittel gegen reale Gefahren und den damit verbundenen Ängsten!

Viele Ängste beziehen sich aber gar nicht auf reale oder abschätzbare Gefahren, oder sind gänzlich irrational.

zB.:
Beim Kringelfieber erzähle ich, daß große Entfernungen für mich seinen Schrecken verloren haben, seit ich rückwärts im Auto eine Liege habe und jederzeit mit einem Schläfchen einer Überanstrengeng vorbeuge. Einfach am nächsten Autobahnrastplatz zwischen die Brummis einparken und eine halbe Stunde oder eben ein paar Nachtstunden schlafen.

Der erste fragt, ob ich da keine Angst hätte? Der zweite erzählt, daß er in Siedlungsgebiete fährt um im Auto zu schlafen, da ist es einfach sicherer. Ein dritter weiß zu berichten, daß es in Schweden sehr oft zu Überfällen auf Autobahnparkplätzen kommt. Und So weiter ...

Tags darauf fahre ich um 20.30 Uhr los in Richtung Heimat, ich möchte noch einige hundert km fahren, denn für einen Tag ist es zu weit. Punkt Mitternacht werde ich müde, parke an einer Autbahnstation ein und schlafe - nicht!
Hilft eine Alarmanlage im Fall des Falles?
Soll ein Messer griffbereit sein?
Wer hat jetzt da vorne eingeparkt?
Nach einer halben Stunde setze ich mich wieder ans Steuer. 2.00 bin ich richtig müde, parke - irgendwo - schlafe durch bis sechs.

Bei einem Cafe in der Raststätte sitzt ein Pärchen ebenso verknittert wie ich beim Frühstück. Nein, sie haben sich zum Thema noch keine Gedanden gemacht, schlafen oft auf Autobahnparkplätzen ...

Unwissenheit schützt! Vor Angst, nicht vor realen Gefahren!
Wissen und Erfahrung schützten oft vor Gefahren, aber nicht immer vor Angst!

Wäre "Übernachten auf der Anreise" vielleicht ein lohnendes neues Thema für dieses Forum?

Unsichere Grüße

Wolfgang Hölbling

Leichtgewicht Offline




Beiträge: 1.294

04.05.2009 15:45
#22 RE: Angst? antworten

Hallo Wolfgang...

hatte als Kind "Angst" vor Dunkelheit z.B. im Keller meines Elternhauses... soweit ich mich mit Freunden ausgetauscht habe offensichtlich ganz normal...

Heute kenne ich (regelrechte) Angst nur im Zusammenhang mit meinen Kindern, z.B. beim gemeinsamen Radfahren... bergab... warum bremsen ??!!

Ich denke, wenn ein halbwegs erwachsener Mensch, der alle Gedanken beisammen hat, nicht übermütig & leichtsinnig ist, müsste (fast) jede Sitution rationell zu händeln sein..., stelle dabei aber immer häufiger fest, dass die Fähigkeit zum Probleme lösen in unserer -ach so technisierten durchorganisierten- Welt mehr und mehr abhanden kommt und so auch die Ängste zunehmen...

Ganz im Gegenteil, um so unbekannter und unlösbarer eine Bgebenheit mir heute erscheint, um so weniger Bedenken hege ich, sondern um so mehr bin ich (wie die meisten Männer) lösungsorientiert am grübeln, sodass für Ängste gar keine Zeit ist...

Aber noch eine kleine Anmerkung zu Deinen Punkten...

zu 1. das genaue und geduldige Lehren von Fähigkeiten und teilen bzw. notwendige Deligieren von Arbeiten kann meineserachtens auch in der Gruppe
Outdoor vieles vereinfachen... und selbst der großmäuligste Alleswisser lernt ja auch noch jeden Tag was dazu (nehme mich da nicht aus...)
Also warum alles selbst machen, anstatt zwecks Ängstevermeidung auch (verantwortungsvolle) Aufgaben abgeben?

zu 2. letztes Jahr die Oste befahren (norddeutscher Kleinfluß...) und in Vörde fast ins Wehr gefahren, weil die Beschilderung zur Bootsrutsche
mißdeutbar ist (aber noch viel schlimmer nicht vorher ausgestiegen und geschaut habe...)
Wir sind trotz riesigen Tränen unserer Kanadierbugfrau problemlos rausgekommen, aber ohne ein Fünkchen Angest empfunden zu haben, werde
ich nie wieder ohne zu scouten irgendwo "reinfahren"...

Am 1. Mai den ganzen Tag in Tiefwerder an der Havel verbracht... Festgestellt dass 90 % aller Kajaken/Kanadierdriver OHNE Schwimmweste
unterwegs waren..., und das bei 15° Wassertemperatur... selbst kleine Kinder (um 5 Jahre alt) ohne...
Da wünschte ich mir mal ein wenig mehr Angst...


Schön finde ich auch, was WIKI hierzu bietet:

Evolutionsgeschichtlich hatte die Angst eine wichtige Funktion als ein die Sinne schärfender Schutzmechanismus, der in Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten einleitet...

aber auch:

Angst erhöht die Anpassungsfähigkeit, indem sie zum Erlernen neuer Reaktionen zur Bewältigung von Gefahr motiviert


so long

lG Leichtgewicht

mette Offline




Beiträge: 122

04.05.2009 23:34
#23 RE: Angst? antworten

Hallo Heinz,
hatte gehofft, mich einmal persönlich bei den Veranstaltungen in Wertheim oder am Edersee mit Dir unterhalten zu können, da im Forum vieles von Natur aus ein Monolog ist. Es ist hier schon ganz unterschiedliches gesagt worden, aber ich wollte einmal ein wenig weibliche Sichtweise herein bringen. Frauen haben weniger Stress damit, tapfer sein zu müssen, ja es wird fast erwartet, dass wir auch mal ängstlich sind, damit das "starke Geschlecht" seine Heldenhalftigkeit unter Beweis stellen kann. (Von der sehr mutigen Seite der Frauen sprechen wir hier einmal nicht!)

Ich denke es steckt grundsätzlich in uns allen, dass wir neugierig sind und austesten möchten, was wir können. Das gleiche Verhalten läßt sich auch bei vielen Tieren beobachten. Erfahrenere "Rudelmitglieder" achten dabei üblicherweise darauf, dass wir es nicht übertreiben. Wir entwickeln dabei spielerisch verschiedene Fähigkeiten und Selbstbewußtsein. Ich denke, Angst kommt, wenn wir uns überfordert fühlen, weil etwas von uns abverlangt wird - oft durch uns selbst - , von dem wir eine Wahrnehmung haben, dass wir uns ohne die notwendige Unterstützung anderer in Gefahr begeben oder uns in den Augen anderer lächerlich machen könnten.

Ob ich mir z.B. vorstellen könnte, allein durch ein nordisches Land zu reisen (so mit Boot und Zelt und sonst niemand in der Nähe)? Niemals! Was soll daran erstrebenswert sein? Der Mensch ist schließlich ein soziales Wesen und hat das Bedürfnis nach Nähe und Kommunikation - sicherlich auch mit Phasen der Ruhe und der Kontemplation. Nicht jeder ist ein Bill Mason, der gerne Wochen allein in der Wildnis verbringt.

Auch ich habe meine Phobien, die ich im überschaubaren Umfang immer wieder angehe - zum Beispiel Höhenangst. Aber alles, was ich mit Übung und ein paar Minuten ruhig durchatmen nicht in den Griff bekommen kann, lass ich sein, weil ich keinen Vorteil darin sehe, mich z.B. auf steile Pfade zu zwingen. Letztendlich ist doch nur entscheidend, ob meine Ängste meine Lebensqualität mindern. Dann, denke ich, sollte man wirklich etwas unternehmen. Andererseits kann eine unterdurchschnittliche Risikobereitschaft (oder ein akutes Risikobewußtsein) ja durchaus lebensverlängernd sein, oder?

Zurück zur Angst "Nachts allein im Wald": Es ist wirklich spannend, in der Nacht in Begleitung einer fachkundigen Person den Geräusche des Waldes und seiner Tiere zu lauschen, weil du NEUGIERIG bist, was da kommt und du dich in deiner Gesellschaft sicher fühlst. Statt zu erschrecken, weil da ein Knacken ist, BIST du nur OHR und stundenlanges Lauschen erscheint wie wenige Minuten. Faszination ist sicherlich das beste Mittel gegen Angst! Es ist auch nichts ehrenrühriges dabei, wenn man sich Unterstützung holt von jemandem, der einem durch seine Kompetenz die nötige Sicherheit vermittelt. Und wer freut sich nicht über Gelegenheiten, andere an seiner eigenen Erfahrung teilhaben zu lassen?

Genug Monolog für heute!

Beste Grüße an alle Helden und - wie ich - Angsthasen (und auch in denen steckt irgendwo ein Held),

herzlichst

Mette

Leichtgewicht Offline




Beiträge: 1.294

05.05.2009 09:08
#24 RE: Angst? antworten

Hi Mette...

zum (Unterthema) "Nachts allein im Wald"... vor ein paar Jahren mit dem Rad nach Niedersachsen gefahren, eine Nacht im Nirgendwo gebiwakt (Zelten verboten...)... gg. 2300 wach geworden, weil eine ("Ohrenscheinlich") Riesenrotte Wildschweine beim Zelt stand (mutmaßlich nicht mehr als 3-5 Alttiere + "Kleinkram"...)

Das war das einzige Mal, wo ich drüber nachdachte, ob ich so etwas wie Angst bekommen möchte...

Habe prinzipiell keine Angst vor Schwarzkitteln (bei uns in Berlin sind die Menschen gewöhnt und ganz unkompliziert) aber ein deutliches Fluten meines Körpers mittels Adrenalin war zu verspüren...

Ansonsten schlafe ich Outdoor eher wie ein Baby, wenn die Parameter stimmen..., also mollig warm, pp.

lG Leichtgewicht

Albert Offline



Beiträge: 241

05.05.2009 10:07
#25 RE: Angst? antworten

Moin,
der Tag wo ich sterben muß steht fest,
vorher kann mir nichts passieren.;-)
Albert

HeinzA Offline




Beiträge: 1.367

05.05.2009 11:48
#26 RE: Angst? antworten
Hallo an alle,
die mit ihren (oft sehr persönlichen) Beiträgen diese Diskussion angereichert haben. Schade, dass wir uns bei den beiden letzten Treffen nicht persönlich austauschen konnten, lag nicht daran, dass ich nun (nach meinem Outing) meinen sprichwörtlichen Schwanz eingezogen hätte, sondern an einem defekten fahrbaren Untersatz und etlichen Kubikmetern Erde, die im Garten bewegt werden mussten... Vielleicht klappt es ja bei Franks Treffen im September. Wie wäre es mit einem Workshop (besser Diskussion) zum Thema Angst bei Outdooraktivitäten...??

Dass es bei dieser Diskussion nicht nur um rationale Ängste wie vor der Befahrung von schwierigen Abschnitten geht, sondern primär um diese lähmenden irrationalen Ängste, war den meisten Leuten auch klar. Ein Meiden dieser Situationen kann die Lebensqualität stark einschränken, vor allem lässt sich auch das Phänomen beobachten, dass nach einer Angstvermeidung langsam aber sicher auch andere Situationen hinzu kommen, die vorher kein Problem waren, die Angst also immer stärker um sich greift und den Aktivitätsradius mehr und mehr begrenzt. Deshalb auch der Tipp meines Therapeuten, sich der Situation zu stellen. So war ich auch mit einer früheren Therapeutin nachts im Wald und habe den Ausflug sehr genossen, so wie ich alle Aufenthalte in der Natur sehr genieße, da liegt nicht das Problem. Auch sich auf Gruppenfahrten zu beschränken ist keine Lösung, da die Angst auch dann auftritt.

Ein Freund, mit dem ich mich darüber ausgetauscht habe, riet mir, wenn ich solche Probleme damit habe, Touren in der Natur mit Übernachtungen zu machen, mir ganz einfach ein neues Hobby zu suchen. Ist aber meiner Meinung nach kein Ausweg, da die unbewältigten Situationen nach wie vor im (Un)bewussten lauern und nagen. Also habe ich den Ratschlag ignoriert und mir wieder einen Therapeuten gesucht, der erstmals mit Medikamenten (zusätzlich zur normalen Therapie) an meiner Situation arbeitet.

Es ist ja nicht so, dass es nur bei der irrationalen Angst bleibt, die unbewältigte Angst (oder sollte ich eher sagen Ängste, es ist ja nicht nur eine, es kommen da viele verschiedene, wie die Angst zu versagen, Minderwertigkeitsgefühle, Schuldgefühle) zusammen) gleitet dann unmerklich hinüber in eine Depression, neben den Ängsten, eine totgeschwiegene Krankheit, bei der die Dunkelziffer der Erkrankten sehr, sehr hoch ist, vor allem unter Männern. Wer sich jedoch einmal die Todesstatistiken ansieht, wird feststellen, dass diese Krankheit gerade bei Männern, die sich ja, auf Grund der eingefahrenen Geschlechterrolle noch schlechter outen können als Frauen, bei Männern (zumindest bei uns in Österreich) an siebenter (!!!!) Stelle der Todesursachen steht, während sie bei Frauen weit abgeschlagen im unteren Mittelfeld liegt. So hat sich auch der oben genannte Freund letzten Herbst das Leben genommen, ohne jemanden in seine Probleme einzuweihen. Oder mein Neffe, der sich vor eineinhalb Jahren, mit kleinem Sohn und hochschwangerer Freundin, erhängt hat. Auch kein Anzeichen vorher, er ist ganz einfach verschwunden und hat sein Ende sorgfältig vorbereitet. Auch ich muss gestehen, dass mir der Gedanke daran, einfach Schluss zu machen, nicht fremd ist.

Im letzten Jahr stand ich mehrmals an der Kippe, hatte das Messer schon in der Hand, aber der Gedanke an meine Familie hat mich jedes Mal wieder zurückgehalten. Es ist nur nicht sehr einfach, in dieser Situation, die mental sehr belastend ist, mit jemandem zu sprechen, ich kann die Vorgehensweise meiner von eigener Hand gestorbenen Freunde etc. irgendwie sogar verstehen. Auch ist das Bild der Depression sehr vielfältig, gerade bei Männern ist es oft nicht das lähmende Gefühl, nichts mehr machen zu können, sondern äußert sich oft in Aggression (gegen die Familie, gegen sich selbst, alles nervt), Alkohol- und Drogenmissbrauch) und in der Unfähigkeit, sich anderen, die vielleicht helfen könnten, zu öffnen.

@Hydrophil: deine Ängste kann ich gut nachvollziehen, auch mir ist es schon so gegangen, meine Frau hat selig geschlummert und ich bin, sprichwörtlich, einen halben Meter über der Isomatte gelegen und habe intensiv in die Dunkelheit hinausgelauscht. Vielleicht ist auch die Abgeschlossenheit des Zeltes, die uns von der Umgebung einerseits abschirmt, andererseits aber auch die Sicht auf die Dinge, die draussen vorgehen nimmt, nicht ideal.

@Mette: ich hätte mich gerne mit dir über diverse Phobien ausgetauscht, aber auch gerne beim Schnippeln geholfen. Vielleicht klappt es ja im Herbst...

@Albert: dein Beitrag ist richtig gut, dieser Ansatz spricht aber auch die uns allen (?) innewohnende Todesangst und die Ungewissheit über das, was uns im Anschluss an unser Ableben erwartet, an. Angeblich soll ja der Übergang sehr sehr schön sein, wie viele Leute mit Nahtoderlebnissen zu berichten haben. Meine Stiefoma wurde von den Ärzten nach einem Herzinfarkt wieder ins Leben zurückgeholt und war darüber richtig sauer, so schön war die Aussicht auf das Jenseits. Also, wovor fürchten wir uns dann? Vor den Schmerzen, vor langem Siechtum, auf ein sabbernde, zitterndes, der Pflege bedürfendes Häufchen Elend reduziert zu sein? Reinhard Mey hat einmal davon gesungen, dass er im Stehen sterben möchte, wie ein Baum, den man fällt. Das wäre ein Ideal, dass nur ganz wenigen vergönnt ist...

Zu guter Letzt bleibt noch die bereits in einem früheren Beitrag angesprochene Angst vor der Angst, die das Handeln so einschränken kann, dass Aktivitäten eben gemieden werden und die eigentliche Situation überhaupt nicht mehr eintreten muss, um Panik auszulösen, es reicht schon die (unbewusste) Vorstellung (bei mir zumindest) davon, um eine Reaktion hervorzurufen. Mir geht es halt so, dass ich schon Tage vor dem Beginn einer Tour kaum mehr essen kann, Übelkeit, Durchfall und eine lähmende Schwere mir zu schaffen machen, die Gedanken nur mehr darum kreisen, mit welcher Ausrede ich die Tour doch noch absagen kann. So ist es mir schon zwei Mal mit meiner Frau am Pite gegangen, auf der Anreise geht es nördlich von Östersund mit den Symptomen los. Wir sind dann auch jedesmal losgefahren, haben alle Schwierigkeiten (Wind, Regen, Portage) gemeistert, nur trotzdem alles glatt gegangen ist habe ich so lange gejammert, bis wir die Tour meist am nächsten Tag abgebrochen haben und ich mit eingezogenem Schwanz und dem Gefühl, gescheitert zu sein, wieder nach Hause gekrochen bin. Mit dem Resultat, dass es mir zwar im Moment der Vermeidung besser ging, geradezu euphorisch, aber mit jedem Tag Abstand die Enttäuschung über das Scheitern immer größer wurde, mit dem Resultat, dass sich auch die Depression immer mehr steigert.

So, jetzt ist aber Schluss, ich danke noch einmal jenen, die sich hier und in Mails an mich, zu diesem Problemkreis geäußert haben. Mein Tipp noch, seht euch vor einer Tour auf keinen Fall den Film Deliverance an...

Heinz
Wolfgang Hölbling Online




Beiträge: 2.918

21.03.2010 19:31
#27 RE: Angst? antworten

Interessant.
Der Beitrag von FeuchtSocke - Sicherheit mit Anfängern und Kindern - zeigt, wofür Furcht gut sein kann: um Risiken zu minimieren. Aber erst muß man wissen, wovor man sich fürchten sollte. Dann ist vielleicht Respekt die richtigere Bezeichnung. Hubert, mit dem ich heute Probepaddeln war, hat von einer Kerterung im Vorjahr erzählt, wo es das Kanu in drei Wellen einfach angefüllt hat. An einer Stelle, wo eigentlich nichts Aufregendes mehr vorkommen sollte. Und da kommt bei mir wieder das kribbelige Gefühl in die Magengegend, denn: Du fährst nie zweimal denselben Fluß!

Wolfgang Hölbling

_Amarok_ Offline



Beiträge: 669

22.03.2010 20:05
#28 RE: Angst? antworten

Ein interessanter Thread zum Thema "Ängste" hat auch schon einmal im Outdoorforum stattgefunden. Wer Interesse hat liest hier mehr dazu: http://www.outdoorseiten.net/forum/showt...hlight=%C4ngste

Der Wildnis ganz nah!
AmarokTV

pekosurf Offline



Beiträge: 19

22.03.2010 21:15
#29 RE: Angst? antworten

Hallo Wolfgang,

dazu fallen mir zwei Dinge ein...
1. Nicht der schnellste gewinnt sondern der der als erster ins Ziel kommt

2. Das was Du Angst nennst ist Vorsicht gepaart mit Vernunft und Weisheit.
Angst wäre es wenn Du dann einfach zuhause bleibst und Dein Leben nicht geniesst.

Also nur weiter so - und wenn Du auch noch Verantwortung für Gruppen trägst musst Du zweimal vorlaufen und Dich zweimal blamieren.

Albert Offline



Beiträge: 241

22.03.2010 22:08
#30 RE: Angst? antworten

Moin,
Angst ist ein schönes kribbeln, manche sagen auch Adrenalin Junkie oder Dangerfreak.
Ich bin der Meinung es gibt einen Tag wo ich sterben muß und der steht fest egal was ich mache.
Vorher sterben geht nicht.

Albert 61 Jahre ein paar Zimperlein und allgemein vollkommen gesund.

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