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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Tourenberichte
Donaumike Offline




Beiträge: 993

11.08.2015 14:13
Untere Isar, Wildflussabschnitt ab Oberhummel antworten

Untere Isar, Wildflussabschnitt ab Oberhummel

Endlich wieder ein bekannter , oder vielmehr doch ein unbekannter Fluss. Für mich als mehr Bergfahrer wie Talfahrer, noch dazu als ein teils kontrolliertes Treibholz, ging es auf die Reise mit meinem Open Canoe, zwei Faltbooten und zwei Kajaks im Geleit. Am Sonntag dem 9. August ersehnten wir uns ins Fahrwasser auf die Untere Isar auf 28 Flusskilometern, von Oberhummel nach Landshut, oder vielmehr von Oberbayern nach Niederbayern auf dem Wasserwege.
Am Fluss angekommen, ist die Lage immer eine andere wie gedacht, so entstand ein erster Eindruck vom Fluss und Gelände. Wasser warm und klar, Strömung munter bis flott, mehr natürliches Ufer und hauchdünn überspülte Kiesbänke. Der Einstieg direkt unter einer Straßenbrücke ist schattig und bietet davor auch großzügigen Platz für Fahrzeuge mit und ohne Anhänger.
Am Einstieg führt nur ein schmaler Wasserweg zwischen Brückenpfeiler, Ufer und einer Kiesbank hinab zur Hauptströmung der Isar. Das Fahrwasser ist anfangs still, bis die abgeleitete Strömung von der Kiesbank sich dazugesellt und das Fahrwasser gut würzt. Ein überragender Baum mit einem dickeren lotrechten Ast hängt voraus nach unten zum Fahrwasser, der vor dem einschiffen vom Ufer aus schon zu sichten war. Als unsere Boote auf dem Wasser dem lotrechten Ast sich flott annäherten, wurde es immer fixer und die anfangs gedachte breite Fahrlücke wurde immer enger, schaukliger und bedrohlicher. Glücklicherweise gerade noch ausreichend um mit unseren Booten heil durchzuschlüpfen, die erste „nicht ohne Hürde“ wurde bestanden.

Der Fluss nahm uns gleich mit auf die Reise, über schillernde knapp überspülte Kiesbänke, wo das Wasser zum tieferen Fahrwasser oft schräg hinabrieselte. Ab und zu wurde es verschlafen, rechtzeitig den Fluss zu lesen, sodass hier und da ein Boot unserer kleinen Gruppe auf Kiesbänken mitten im Fluss aufliefen. Einmal gehörte ich auch zu den Glücklichen mitten im Fluss im schiellernten flachen Wasser über das Wasser zu gehen, und die Füße erfreuten sich über die willkommene Abkühlung und der Entspannung. Eine mitgeführte Goldsucherpfanne hätte sicherlich einen Goldrausch ausgelöst.

Mitten im Fluss, sind auch eine Vielzahl von angespülten Bäumen jeder Größe auf Untiefen nahe am Kanu vorbeigeschnellt, wo man ab und zu richtig am Paddel zu tun hatte und die Nachfreude verschoben werden musste, um sich nicht zu früh zu erfreuen über ein gutes Auge und dem rechten Weg.

Nach einiger Zeit waren kleinere Anzeichen von Zivilisation zu erkennen, dies waren die Fühler von der Stadt Moosburg an der Isar; Moosburg bei der Isar oder weiter weg davon würde besser passen. Wenig später stellte sich ein Wehr in unser Fahrwasser, wo man links gut anlanden konnte und über eine schmale Mauer die Kanus, die an einer Fischtreppe Richtung unterhalb zum Wehr hinabführte, umsetzen konnte.
Der Fluss schlängelte sich weiter an unzähligen Kiesbänken vorbei, die wieder erwarten menschenleer oder nur von wenigen Badegästen ab und an besucht waren; im Gegensatz zur vergangenen Wildfluss Isar – Tour an einem anderen Ort, wo eine Flut von Badegästen mit und ohne Textil anzutreffen war.

Irgendwann gesellten sich zu den Kiesbänken rechts und links und in nicht wenigen S- Kurven, riesige Treibholzvorkommen in Größe von Doppelgaragen und einmal in der Größe eines Einfamilienhauses hinzu, leider gelang mir dort kein Foto, weil es mir dort zu riskant und abenteuerlich wurde. Dies ist der Anfang von einem Naturschutzgebiet von einer Länge von acht Kilometern. Bei dieser Bewunderung verlängerte sich einmal mein Abstand zur Gruppe etwas mehr, ich erkannte weit voraus, wie die Boote in einem Labyrinth von riesigen Bäumen, grob weiter rechts sich verloren. Als ich dort angelangte, wollte ich auch weiter rechts vorbei, entschied mich aber kurz davor mehr links zu navigieren, was im Nachhinein die richtige Route gewesen war. Die äußerst rechte Route hätte zu einer Katastrohe geführt, weil dort der undurchsichtige, weit über hundert Meter lange Schlauch zwischen riesigen angeschwemmten Bäumen in eine Sackgasse, zu einem riesigen Scheiterhaufen sich verlor. Strömungsbedingt würden vielleicht geübtere dort in diesem Schlauch, mit etwas Glück wieder heil zurück paddeln können. Meine Vision war die falsche, die Boote hatten glücklicherweise die selbige Route wie ich bestritten.
Während der Tour erfuhr ich, dass diese Treibholzvorkommen früher nicht in diesem Ausmaße anzutreffen waren, durch die Renaturierung würde vieles so belassen, wie es sei. Äschen und Nasen erfreuen sich darüber, meine Sinne für die wilde Natur erfreuten sich auch daran.

Eine markante S- Kurve an Volkmannsdorf angelehnt, nach der Straßenbrücke die über die Isar führt, glich sich den S- Kurven der Isar an der Ascholdinger oder Pupplinger Au. Dort waren einige Badegäste, die das kühle Nass der Isar suchten und wohl auch fanden. Einige Kleinkinder spielten ziemlich nahe an der Strömung, wahrscheinlich schaute die Strömung für die Eltern dort zu harmlos aus. Ein sachtes rauschen lies mich am Kurvenausgang zurückblicken, dabei erkannte ich ein Wehr neben der Brücke versetzt, wo die Amper darüber in die Isar mündet.
Vor dieser erwähnten S- Kurve, unweit vor der Straßenbrücke, erkannten wenige von uns im Fahrwasser des linken Flussarmes ein unnatürliches Wasserhindernis! Es handelt sich um ein Rundeisen mit einem Durchmesser von etwa 10 mm, was im 80 Grad Winkel nach oben spießt und gut einen halben Meter über Wasser ragt. Bei höherem Pegel wird dieses zu einem Unterwasserhindernis! Glücklicherweise konnte es gerade noch rechtzeitig erkannt werden und sind dicht daran vorbeigeschnellt. Ich denke gerade an zwei Luftmatratzenpiloten mit Rucksack, die wir dort in der Nähe zuvor überholten.

Zwischen Volkmannsdorf westlich und grob der Weixerau östlich, ist eine geologische Besonderheit anzutreffen, die Nagelfluhfelsen „Sieben Rippen“, die teilweise im Flussbett in Form eine Schnelle zu überwinden waren (ist mit Wildwasserstufe 1 angegeben).Der Zickzackkurs in diesem rauschenden Gesteinswirrwarr, erforderte eine gute Hand am Paddel und ein gutes Auge und Gespür für die turbulente Fahrrinne, die Pegelbedingt bestimmt noch einiges darauf setzte. Dort hatte ich einen harmloseren Steinkontakt.

Nach einiger Zeit sind wir an einer Kiesbank angelandet, wo ein Pfad mit Stufen in die Erde geformt wurde, und über den Damm führte. Danach ging es über eine Brücke, die über einen Flutkanal, der vom Stausee Eching aus wieder irgendwann in die Isar mündet. Grund dafür war unsere Mittagspause in einem richtig guten schattigen Biergarten. Als Info: In einen Bayrischen Biergarten dürfen auch selbst mitgebrachte Speisen verzehrt werden! Getränke sind nicht mit inbegriffen. Mein Kanu und der AQUILUS von der H.S. Walther GmbH, wo es nur weltweit zehn Stück an der Zahl gibt, wurden außer Sichtweite gebracht und mit einer Kette abgesichert. Der Biergarten war etwa 350 Meter von der Isar entfernt, ein Hinweisschild am Ufer wies nicht darauf hin.

So, nun waren etwa zwei Drittel der Tour abgepaddelt, der Fluss wurde langsam ruhiger aber nicht uninteressant. An den Ufern konnte man schön die Kraft des Flusses, die ständig an den Ufern nagte weiter erkennen. Kurz vor den Toren von Landshut, stellte sich eine Sohlstützschwelle in den Weg. Von dort aus ist schon Landshut, hoch oben die Burg Trausnitz und davor eine Brücke zu sichten. Eine Hinweistafel die auf ein Verbot einer Durchfahrt und auf Lebensgefahr hinwies, wurde erst später bei der Erkundung entdeckt. Komischerweise ist vom Fluss aus kein Verbotsschild auszumachen. Nach dem umsetzen ging es auf die letzten Flusskilometer bis auf Höhe des Bootshauses der Faltbootabteilung des ETSV 09 von Landshut.

Viel Spaß beim Lesen und korrigieren.



Fazit:

Wenn ich an die Isar vor Schäftlarm vom letzten Jahr denke, so dachte ich, dass sie ab hier so ruhig weiter fließt und durch die Städte und Wehre annähernd Donaucharakter hätte. Das Wasser war immer klar. Pegelbedingt waren meine Biberschwanzpaddel nicht ideal, ein Flachwasserpaddel ist sicher die bessere Wahl. Bei diesem Flussabschnitt handelt es sich noch immer um einen Wildfluss, der jede Menge Überraschungen verbirgt.
Für blutige Anfänger nicht zu empfehlen! Wer sein Kanu im Stromstrich verzögern und zwischen Baumhindernissen kontrolliert agieren kann, ist gut aufgehoben. Pegelmäßig ist flacher Pegel bestimmt schwieriger, weil man nicht an kniffligen Stellen über die fahrbaren Kiesbänke räubern kann, so ist man gezwungen im schmalen flotten Fahrwasser zu paddeln und dort kann es sehr eng werden. Bergeaktionen an einigen Passagen schwierig bis aussichtslos.



Grüße von der Donau oder nicht weit weg davon, Mike

Donaumike Offline




Beiträge: 993

14.08.2015 07:35
#2 RE: Untere Isar, Wildflussabschnitt ab Oberhummel antworten

Anhang:

Auf dem zweiten Foto ist die Anfahrt auf die Schnelle oder auf die Nagelfluhfelsen Sieben Rippen zu erkennen. Sie ist mit Wildwasserstufe eins angegeben. Wir wählten die Anfahrt äußerst rechts und arbeiteten uns von rechts nach links in etwa diagonal im Zickzack hindurch. Die Faltboote sind glücklicherweise ohne Kollision / Schaden durchgekommen. Die Felsen sind keineswegs rund geschliffen und einiges davon unter der Wasseroberfläche.


Sohlstützschwelle vor Landshut


Der mit Treibholz behaftete Brückenpfeiler unweit vom Ausstieg.


Der seltene (zehn Exemplare weltweit), fasst antike AQUILUS von der H.S. Walther GmbH, der solo gesteuert wurde !, muss sich nicht verstecken.

Grüße von der Donau oder nicht weit weg davon, Mike

Donaumike Offline




Beiträge: 993

14.08.2015 07:47
#3 RE: Untere Isar, Wildflussabschnitt ab Oberhummel antworten

Hier noch ein Foto zur Sohlstützschwelle vor Landshut (Einfügen vorher leider verschlafen )

Grüße von der Donau oder nicht weit weg davon, Mike

Donaumike Offline




Beiträge: 993

18.08.2015 14:14
#4 RE: Untere Isar, Wildflussabschnitt ab Oberhummel antworten

Habe Bericht editiert (roter Text). Dank der Technik konnte der Ort für das Hindernis nun verspätet bestimmt werden.

Schöne Ferien oder schöner Paddelsommer...

Grüße von der Donau oder nicht weit weg davon, Mike

Donaumike Offline




Beiträge: 993

12.02.2016 14:21
#5 RE: Untere Isar, Wildflussabschnitt ab Oberhummel antworten

Hier der Infos halber, ein wertvoller Link, der dazu passt. Hatte ich leider damals versäumt mit anzuhängen.

www.kanu-info-isar.de

Eine kurze erlebte Geschichte fällt mir noch dazu ein...

Auf diesem Flussabschnitt, ist u.a. mit einer Vielzahl von Kiesbanküberläufen zu rechnen. Diese schauten anfangs harmlos aus.
Das Wasser fließt rauschend weit schräg darüber. Eine fahrbare Linie zu finden ist nicht immer so einfach. Wenn das Kanu sich schließlich in der brauchbaren Fahrrinne bewegt, kann es schon mal schauklig und fix im Tempo werden. Der Kurs ging stellenweise Richtung Prallhang oder in ein anfangs unscheinbares Kehrwasser. In so einem Kehrwasser wurde mein Bug kurz gefressen, d.h. drehte dorthin wo ich es nicht wollte. Glücklicherweise konnte das Kanu wieder mit härteren Schlägen und Hebeln auf Kurs gebracht werden. Wenn dies nicht funktioniert hätte, wäre das Kanu rückwärts Richtung Prallhang ausgerissen und vielleicht gekentert.
Im Rückwärtsgang dort durchzuschlüpfen wäre auch machbar gewesen, nur ob dies mir gelungen wäre, weiß ich nicht.
Diese kleine Herausforderung war recht spaßig und interessant. Eins zwei Kanus drehten dort eine Pirouette, sind aber nach dem kurzen Schrecken doch noch gut durchgeschlüpft. Dort an dieser Schikane hätte ich mir gerne Zeit zum Üben und Ausprobieren genommen...

Grüße Mike

Murphy Offline




Beiträge: 130

12.02.2016 19:12
#6 RE: Untere Isar, Wildflussabschnitt ab Oberhummel antworten

Zitat von Donaumike im Beitrag #5
wäre das Kanu rückwärts Richtung Prallhang ausgerissen und vielleicht gekentert.

Dazu ein Tip aus der WW-Technik: Der Stein ist dein Freund!
Soll heißen: Wenn das Boot quer vor einem Hindernis zu liegen kommt, dann auf dieses draufkanten, so daß die von oberhalb einlaufende Strömung unter dem Boot durchfließen kann; in Extremfällen kann man das Hindernis "umarmen" und mit den Händen in eine passende Richtung schieben. Im Falle von Prallwänden heißt das, daß man den Bug (oder notfalls das Heck) in Richtung abfließendes Wasser ausrichtet, das Boot in Richtung Wand aufkantet (und dort nach Möglichkeit auch etwas stützt) und dann passiv wartet oder aktiv paddelt bis das Hindernis passiert ist. Häufig bekommt man dabei noch nicht mal Wandkontakt, da nicht unterspülte Wände ein mehr oder weniger großes Prallpolster aufbauen, welches das Boot etwas auf Abstand hält. Bei unterspülten Wänden (kein Prallpolster und vielleicht auch keine Fließrichtung erkennbar) gilt das natürlich nicht, hier hilft nur rechtzeitig erkennen und mit aller Kraft eine Bogen darum machen, meist in der Innenkurve.
Wenn man das unter harmlosen Bedingungen (geringe Strömung, keine weiteren Hindernisse, potentieller Schwumm gefahrlos) übt, hilft das im Notfall richtig zu reagieren. Die intuitive Reaktion, sich vom Hindernis weg zu lehnen, ist auf jeden Fall die Falsche.

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