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Dieses Thema hat 42 Antworten
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Andreas Schürmann Offline




Beiträge: 2.067

29.04.2014 08:01
#16 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

>>> beim Schreiner Deines Vertrauens nach einem Stück Eichendiele gefragt. ... Viel teurer ist ein
>>> Stück Massivholz vom Schreiner sicher auch nicht. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

Schreiner sicher fragen hilft, kommt halt drauf an was der so schreinert.

Reststücke vom Parkettleger kämen auch infrage, insofern man irgendwo wohnt, wo sich die Leute Massivholz leisten.

Meine Anlaufstelle wäre der Holzhändler, ob die einem allerdings 50cm von einer Kirschbohle abschneiden.

@el_largo
>>> Eiche
Warum den Eiche?
Das wäre nicht meine Wahl zur Kontrastkombination mit Esche und schon gar nicht für ein Kanu.

el_largo Offline




Beiträge: 564

29.04.2014 08:06
#17 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Warum nicht? Wegen dem fehlenden Kontrast vielleicht, ja. Wegen hohem Gewicht? Aber Witterungs- und Wasserresistenz ist bei Eiche doch Top!

Grüße aus dem südlichen Süden,

Klaus

Andreas Schürmann Offline




Beiträge: 2.067

29.04.2014 08:30
#18 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

>>> Aber Witterungs- und Wasserresistenz ist bei Eiche doch Top!
Längst nicht so gut wie ihr nachgesagt wird.

Die Frage ist auch, ob ich bei einem Kanudeck eine Witterungs- und Wasserresistenz brauche.
Fichte, vernünftig geölt und das Boot außerhalb der Nutzung ordentlich und trocken gelagert wird auch in 100 Jahren noch intakt sein.
Und dabei ist Fichte im Vergleich zu Kirsche ein Klötterholz.

Die Idee ein Kanu muss sich, schon durch seine Baustoffe, gegen die Ewigkeit aufbäumen finde ich falsch.
"Vollkompostierbar" wie Birkenrindenboote ist doch ein ganz vernünftiger Ansatz.

AlexWien Offline




Beiträge: 375

30.04.2014 00:53
#19 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Zitat von Andreas Schürmann im Beitrag #11
>>Bei keinem Boot das ich bis jetzt gesehen habe, gab es Anlass zu denken mit Langlöchern wäre es dem Boot besser ergangen.
Speziell für Royalex sehe ich gar keinen Bedarf.

Wenn man sich für Langlöcher entschließt, dann nur bei Roylex/Holz. Cold Cracks wurden hauptsächlich bei Roylex Booten mit Holzsüllrand beobachtet.

>>Auch das sehe ich nicht so. Relativ zur Temperatur Dehnung, ist wenn Holz mit im Spiel ist die Längenänderung durch Feuchtigkeit die Größere. Zum Bespiel NovaCraft paßt seine Süllrander in Esche auch innen exakt ins Boot ein.
Das Thema ist nicht die geringe (Temperatur-Dehnung) des Holzes, sondern die deutlich stärkere des Roylex. Während Roylex sich bei Temperaturänderung dehnt / schrumpft bleibt Holz relativ stabil. Dieses unterschiedliche Dehnverhalten kann im extrem Fall zu Rissen führen. (Übrigens schließen die meisten Hersteller diesen Schadensfall in ihren Gewährleistung/Garantie Bedingungen aus. )

Aufgesetze Decks in Holz so zu bauen, das sie den Rumpf wirklich stabilisieren und dann auch noch halbwegs schön sind ... - da sähe ich gern mal Fotos von. Was ich bisher gesehen habe killt optisch die Süllrandlinie
.

Ja sehe ich auch so, Inset Decks, insbesondere bei Rx/Holz Booten sind deutlich eleganter. Das sehr geringe Cold Crack Risiko nehme ich da gern in kauf.



JoeBee Offline




Beiträge: 90

30.04.2014 18:42
#20 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Die Decks werden aus Kirsche. Komme gerade vom Schreiner, der noch ein Reststück von 25 x 55 cm rumliegen hatte, das er mir fix auf 20 mm runterhobelte.

Gruß

JoeBee

el_largo Offline




Beiträge: 564

30.04.2014 19:28
#21 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Na siehste!
Bin gespannt auf Bilder.
Mein Süllrand hat gerade die letzte Ölung von 12 bekommen.
Habe leider zu spät gelesen, daß D1 am ersten Behandlungstag 20-30 Anstriche braucht.
Jetzt hab ich in ca 6 Stunden 12 mal nass in nass gepinselt. Das sollte reichen.

Bin leider kein so ein Fotodokumentierer, aber ich habe zwischendurch mal ein Foto vom nassen Holz gemacht.

Grüße aus dem südlichen Süden,

Klaus

Angefügte Bilder:
20140430_160519.jpg  
JoeBee Offline




Beiträge: 90

01.05.2014 00:04
#22 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Hallo Zusammen,

es geht in die nächste Runde, zur Montage der Süllränder. Auch diese Arbeit konnte alleine ausgeführt werden. Schraubzwingen und Klemmen waren die helfenden Hände.

Leider erwies sich die werksseitige Schnittlinie der Bootsschale als zu unstetig bzw. zu wellig, um eine bündige Montage der Holzleisten zu erlauben. Somit mußten die Leisten um ca. 1-3 mm unterhalb der Bootsschalenkante montiert werden. Der Überstand der Bootsschale wird dann später mit dem Bandschleifer entfernt. Die Leisten müssen dann von oben nochmal geölt werden – wird leider nicht vermeidbar sein. Als ausreichend erwies sich die Leistenhöhe von 20 mm, um die in der Bootsschale befindlichen Nietlöcher zu überdecken.



Vor der weiteren Montage wurden die Grate um die Nietlöcher entfernt, um eine spaltfreie und plane Anlage der Holzleisten am Bootskörper zu gewährleisten.



Mein Respekt vor einer ungewollten Verwindung des Bootskörpers durch die Spannung der Holzleisten war so groß, daß ich den linken und rechten Süllrand gleichzeitig montierte. Somit ergab sich eine stets symmetrische Spannungssituation am Bootskörper. Ob das wirklich so erforderlich ist kann ich nicht sagen, aber mir war wohler bei dieser Vorgehensweise.

Die provisorischen Querhölzer, die zur Formgebung des Boots dienen, wurden in der Bootsschale in Position gebracht und mit Tape gesichert. Danch wurde nochmal gemessen und links und rechts auf dem Schalenrand die Bootsmitte angezeichnet. Dies ist die Position für die mittlere Süllrandschraube. Sodann wurden die beiden äußeren Süllränder auf 10 cm Übermaß beiderseits abgelängt, an der Bootsschale festgeklemmt und mit den ersten Schrauben in Bootsmitte in ihren Positionen fixiert. Danach können sich die Leisten nicht mehr verschieben, und man kann sich auf die Positionierung der inneren Süllränder konzentrieren.





Die inneren Süllränder habe ich so abgelängt, daß sie ca. 2,5 – 3 cm vor dem Ende der inneren Bootsschale aufhören, also etwa dort, wo die innere Stevenrundung des Roylexkörpers beginnt. Diese wollte ich unter keinen Umständen zwangsverformen. Derart abgelängt wurden die inneren Süllränder in die Bootsschale gedrückt und so lange justiert, bis vorne und hinten ein annähernd symmetrischer Einbauzustand vorlag. Dann wurden die Leisten mittels Schraubzwingen an jeweils 5 Positionen an der Bootsschale bzw. dem äußeren Süllrand festgeklemmt. Der geringe verbleibende Spalt zwischen den Süllrändern und der Bootsschale wurde mit weiteren Klemmen auf quasi Null reduziert.





An die formbündige Einpassung der inneren Süllränder habe ich mich nicht rangetraut. Keine Ahnung, wie die Nova-Craft Leute das machen. Dazu muß theoretisch der innere Süllrand über die gesamte Länge in seiner endgültigen Form und Lage sein. Dann aber kommt man mit dem Bandi nicht mehr an den vorderen Abschluß der Leisten ran, um diese rund zu schleifen. Passen die Leisten bereits vorher ins Boot, sind sie schon zu kurz. Sind sie einen Millimeter zu lang, passen sie aber nicht ins Boot. An dieser Stelle verneige ich demütig mein Haupt vor den Nova-Craft Schreinern in den USA sowie in Deutschland, die es schaffen, die Süllränder auf Maß und endbündig in die Bootsschale einzupassen. Bei meinem Haida ist da kein Millimeter Spalt, auch nicht auf el Largos Bild. Wahnsinn. Wie machen die das? Yep, genau dort liegen meine handwerklichen Grenzen.

Nachdem die Süllränder an das Boot geklemmt waren, maß ich die Süllrandbreite. Dies war in Bootsmitte 40 mm. Plötzlich kamen mir die 30 mm langen Schrauben irgendwie zu kurz vor. Das würde ja bedeuten, daß die nur 10 mm in den Innensüllrand hineinragten, also effektiv tragende Länge vielleicht 6 oder 7 mm. Das kam mir sehr wenig vor, gemessen an den zu erwartenden Belastungen. In der Tat waren beide Süllränder um ½ mm breiter (also 14,5 mm und 18,5 mm) und die Bootsschale in Bootsmitte dicker geschäumt, nämlich 7mm. Aber selbst an Stellen dünnerer Bootsschale waren es immernoch fast 38 mm Süllrandbreite. Ergo, die 30 mm langen Schrauben waren zu kurz. Ärgerlich, denn eigentlich freute ich mich jetzt darauf, eine Schraube nach der anderen einzudrehen. Stattdessen war eine Baumarktrunde angesagt. Die von mir zunächst bevorzugten SUKI 3,5 x 30 A2 gab es leider nicht in der Länge 35mm. Überhaupt, konnte ich keine 3,5 x 35 Edelstahl-Spax finden. Es blieb mir nix anderes übrig, als auf einen Durchmesser größer zu gehen, also 4 mm. Aber auch da gab es keine Auswahl, sondern nur die Original Spax 4 x 35 A2 TX20 mit Schneidspitze und Sicherungskopf. Hmm. Aber vielleicht ist Letzteres gar nicht mal schlecht. Man bedenke, ein RX-Boot ist ein flexibles Gebilde, bei dem die Innen- und Aussensüllränder immer gegeneinander arbeiten, bei jeder Belastungsänderung, bei jeder Welle. Vielleicht macht da so ein Sicherungsfeature im Senkkopf sogar einen Sinn. Gesagt, getan, es wurden 50 Original Spaxe 4 x 35 A2 TX20 gekauft. Hoffentlich sind die Süllrandlöcher und Senkungen groß genug für die größeren Schrauben. Dies erwies sich später als zutreffend – glücklicherweise. Problem gelöst, aber doofer Zeitverzug.

Das Problem der ebenbündigen Montage von Aussen- und Innensüllrand löste ich durch ein kleines, selbstgebasteltes Werkzeug – ich nenn’s mal Nivellierklötzchen – welches permanent zum Einsatz kam. Das war fast das wichtigste Teil überhaupt.



Endlich war es soweit. Die Schraube in der Mitte wurde wieder herausgedreht, dann bis in den inneren Süllrand mit Schraubenkerndurchmesser vorgebohrt und die Süllränder mit der ersten Spax endgültig verschraubt. So arbeitete ich im Folgenden von der Bootsmitte in Richtungen beider Bootsenden, stets parallel, links und rechts. Die Schraubzwingen waren dazu häufig zu lösen und wieder anzuziehen, denn die ursprüngliche, grobe Fixierung der Leisten ändert sich mit jeder Schraube.

Folgender Arbeitsgang wiederholte sich 50 mal:

Leisten mittels Schraubzwinge auf das korrekte Niveau bringen und festklemmen. Mit dem Nivellierklötzchen kontrollieren, ggf. feinjustieren. Zu beiden Seiten des Schraubenloches je eine Klammer anbringen, um die Leisten an die Bootsschale zu drücken.



Mit Schraubenkerndurchmesser in voller Schraubenlänge vorbohren. Dabei ist es nicht immer vermeidbar, daß das Bohrfutter leicht an der Senkung kratzt.



Aus o.g. Grund und weil das Schraubengewinde das Holz in der Bohrung beschädigen könnte, sind Loch und Senkung vor dem Einschrauben nochmals mit Öl zu behandeln.



Schraubengewinde leicht einseifen, ...



... und Schraube eindrehen bis zum Punkt des deutlich spürbaren Anstiegs des Drehmoments, plus eine achtel Umdrehung. Ich hatte dabei nie das Gefühl, daß ein Drehmoment aufzubringen war, welches eine Gefährdung für den Schraubenschaft darstellten könnte. Vielleicht liegt das an der Riffelung des vorderen Schraubengewindes, diesem Selbstschneidefeature der Spaxe. Die haben wirklich sehr gut funktioniert. Würde ich jederzeit wieder verwenden.



Auf dem folgenden Bild sieht man, weswegen eine bündige Montage der Süllränder mit der Bootsschale nicht möglich ist. Ärgerlich, daß da der Bandi nochmal zum Einsatz kommen muß. Und das Ölen wird auch nochmal Arbeit. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit.



Jetzt kommt der Kommentar von Trapper Thomas zum tragen, die Süllränder so zu gestalten, daß sie den Bootsschalenrand überdecken. Aber vorsicht: die RX-Schale ist nicht an allen Stellen gleich stark. Wie beschrieben, schwankt sie zwischen 4 mm und 7 mm. Ein gleich bleibender Leistenquerschnitt, der oben geschlossen ist und gleichzeitig die Bootsschale formschlüssig einklemmt ist schwierig zu realisieren. Das ist sicherlich eine Option für ein Holzleistenkanu, bei dem die Leisten über die gesamte Länge die gleiche Stärke haben, aber bei RX (bzw. RL) .... ?

Das war ein spannender Bauabschnitt. Er dauerte mit Baumarktrunde einen vollen Samstag. Mit dem Ergebnis bin ich bislang voll zufrieden.



Es folgt die Anfertigung und Montage der Decks. Diese sollen zwischen die Innensüllränder eingepaßt werden. Ich sehe derzeit zwei Möglichkeiten, wie in der folgenden Skizze dargestellt. Entweder die Innensüllränder werden deutlich gekürzt und die Decks in Form eines „Tannenbaums“ sauber eingepaßt, bis in die Bootsspitze (siehe auch „Building a Strip Canoe“), oder die Decks werden bis zum Ende der derzeit bestehenden Innensüllränder eingepaßt und das verbleibende Loch vorne mit einer kleinen, schniken Messingplatte abgedeckt (von oben verschraubt). Das Erbebnis sieht dann aus wie bei einem deutschen Kanuhersteller. Find ich gar nicht so schlecht. Schützt auch gleichzeitig die Bootsenden wenn das Boot mal upside-down liegt oder die Bootsspitze beim Schultern oder Beladen Bodenkontakt bekommt. Die Schraube vorne ist das Problem. Wo dreht man die rein? Da sind die Karten noch nicht endgültig gelegt. Ein aufgesetztes Deck ist für mich keine Option – da stimme ich mit Andreas Schürmann überein – weil es die Harmonie der Süllrandlinie stört.



So long, bis zum nächsten Bauschritt.

JoeBee

el_largo Offline




Beiträge: 564

01.05.2014 07:21
#23 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Tolle Dokumentation einer klasse Arbeit!
Vielen Dank JoBee!

PS.: die Messingvariante stelle ich mir sehr edel vor, aber wie bekommst Du die in Form des Bugs bzw des Hecks? Der Messingdeckel soll ja bestimmt nicht nur oben aufliegen sondern mit einen feinen Rand die Kante bedecken?!

Grüße aus dem südlichen Süden,

Klaus

JoeBee Offline




Beiträge: 90

01.05.2014 22:12
#24 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Hallo Klaus,

bei dem deutschen Kanuhersteller ist das nur eine ebene Messingplatte, die von oben aufliegt und verschraubt ist. Da ist meines Wissens nix gebördelt oder geht um die Kante rum. Die Kontur der Platte entspricht exakt der Bugform. Die obere Kante ist sicherlich leicht verrundet, damit man sich nicht daran verletzt. Schau mal in deren Katalog oder Webseite.

Etwas Bedenken habe ich, wenn man mit dem Boot mal durch Äste oder Gestrüpp fährt, daß sich dann etwas zwischen die Messingplatte und Bootskörper reinzieht und die Messingplatte umbiegt. Daher würde ich auf die vordere, dritte Schraube ungern verzichten wollen. Nur, wo dreht man die rein? Da is nix. Vielleicht müßte man unter dem Deck eine Leiste bis an den Bug vorziehen - mit dem Deck verschraubt -, in Deckstärke auffüttern und dort die Schraube reindrehen. ... Genau dort beginnt das, was der Andreas treffend mit "Gemurksel" bezeichnet hat. Aber eigentlich zählt nur das, was man am Ende sieht. Oder?

Ich weiß immer noch nicht, wie ich es mache. Muß nachdenken.

Gruß

JoeBee

el_largo Offline




Beiträge: 564

02.05.2014 09:08
#25 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Guten Morgen JoBee,

nachdem Du ja aber die Messingkappe eh selber zurechtschneiden musst und sie nicht fertig beim Hersteller bekommst, kannst Du Dir das Stück Messingblech ja auch formen, wie es Die gefällt.

Ich würde mir wahrscheinlich (ich sei ein bisschen perfektionistisch veranlagt sagen die Leute ) Bug- und Heckform auf ein Stück Holz übertragen und das Messing darauf 5-10mm nach unten zu einer Kappe klopfen. Keine Ahnung, wie gut das geht, aber warm lässt es sich sicher noch einfacher verformen.
Ein paar Hammerschlagdellen darauf sehen sicher auch nicht so schlecht aus, wenn es dann erst wieder gewienert wurde.

Grüße aus dem südlichen Süden,

Klaus

JoeBee Offline




Beiträge: 90

05.05.2014 22:15
#26 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Hallo Zusammen,

ein kleiner Zwischenbericht.

In Vorbereitung der Deckmontage habe ich am Wochenende die Süllränder fertig gemacht. Zunächst wurde eine kleine Klemmvorrichtung gebastelt, um die beiden Aussensüllränder am Ende auf gleiches Niveau zu bringen. Gleichzeitig konnten mit dieser Vorrichtung die Süllränder nach oben gezogen werden, um die gewünschte Biegelinie einzustellen. (Faktisch habe ich das Boot einfach daran aufgehängt und so lange unterfüttert, bis die Biegelinie stimmte.)



Dann wurden die drei letzten Schraubenpositionen angezeichnet und die Süllränder mit provisorischen 3 mm Spaxe gegeneinander verschraubt. Die letzte Schraube ist etwa 2,5 cm vom Leistenende entfernt.



Anschließend wurden die Sägeschnittlinien der Leistenenden angezeichnet, ...



... die Leisten durch Lösen der jeweils letzten Schrauben um einige Millimeter vom Boot weggezogen und sodann mit einer Japansäge abgeschnitten.



Danach war Verrunden und Verschleifen angesagt. Nach dem Senken der Bohrlöcher für die Endschrauben wurde wiedermal geölt, und geölt, und geölt, ...



Die Schrauben am Leistenende wurden final eingedreht. Die provisorischen Schrauben auf Position 2 und 3 werden später durch die endgültigen Schrauben zur Deckbefestigung ersetzt. Somit sind die Süllränder prinzipiell fertig.

Die Decks

Das Thema beschäftigt mich seit einigen Tagen. Da die Innensüllränder nicht bis ganz in die Bootsspitze reichen, ergaben sich zwei Optionen, wie im letzten Beitrag illustriert. Ich habe mich für die „Messing“-Variante entschieden. Irgendwie ist es geradliniger, im wahrsten Sinne des Wortes, wenn Innen- und Aussensüllrand ununterbrochen bis in die Bootsspitze hineinlaufen, auch, wenn die vordersten 5 cm durch eine Messingplatte abgedeckt werden. Optisch ist das ein sauberer Abschluß. Ein weiteres Argument für die Variante war mein NC Haida, bei dem die Bootsspitzen oben schon recht mitgenommen aussehen – einfach vom Auf- und Abladen, Schultertransport, upside-down ablegen etc.. Auf die schniken Messingplättchen, wie serienmäßig bei einem deutschen Kanuhersteller verwendet, war ich immer etwas neidisch.

Noch ein Wort zur „Tannenbaum“-Variante. Einen gewissen Charme hat diese Option wegen ihres geschichtlichen Hintergrunds. Alfred Wickett, einer der ersten Old Town Werker bekam im August 1916 ein Patent auf diese Deck-Bauform, kurz nachdem er bei Old Town kündigte, um seine eigene Kanu-Manufaktur namens Penobscot Canoe Company in Milford zu gründen. Das neue Deck nannte er „The Pecaco Improved Deck“. Es wurde das Markenzeichen aller Penobscot Kanus bis etwa 1921, ehe man feststellte, daß beide Gunwales bis in die Bootsspitze geführt doch eine höhere Stabilität ergeben.

Zurück zu den Messingplättchen. Diese werden nur von oben aufgesetzt, also nicht umgefalzt. Bei einer Stärke von 1,2 mm wird das nicht nötig sein. Für das Problem der Befestigung mittels dreier Schrauben habe ich folgende Lösung gefunden.



Dabei werden die Innensüllränder vorne auf einen Spalt von ca. 22 mm Breite aufgefeilt, durch den die Decks bis in die vorderste Bootsspitze hineinreichen. Dort kann dann die Befestigungsschraube hineingedreht werden. Die Schablone für das vordere Deck ist schon fertig.





Ich denke, das ist eine Lösung mit der man leben kann. Oder, @ Andreas, ist das Gemurksel?

Nochmal zum Material der Decks:

Als mein Vater Anfang der Siebziger Jahre baute, blieb auf dem Dachboden eine Eichendiele liegen, ein Brett von etwa 150 x 30 x 2,5 cm mit wirklich schöner Maserung. Keine Ahnung, wozu es einst gedacht war, denn es sieht nicht nach Bauholz aus. Aber ich erinnere mich an die Worte meines Vaters: „Das heben wir auf. Viel zu gut um wegzuwerfen. Irgendwann machen wir was Schönes draus“. - Vor 20 Jahren starb mein Vater. Wir haben nie etwas aus dem Brett gemacht. Irgendwann geriet es in Vergessenheit. So liegt es dort oben seit über 40 Jahren, bei Wintertemperaturen um den Gefrierpunkt und Sommertemperaturen um die 50 Grad. Wenn ich alle paar Jahre auf dem Dachboden meines Elternhauses nach alten Sachen aus meiner Jugendzeit stöberte, sah ich jedesmal das alte Brett dort liegen, hatte aber nie einen Gedanken an einen möglichen Verwendungszweck. ... „Und was machen wir dann mit dem Kirschbaumbrett?“ fragte meine Frau heute. ... Ihr kennt meine Antwort.

So long.

JoeBee

AlexWien Offline




Beiträge: 375

06.05.2014 23:40
#27 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Zitat
die es schaffen, die Süllränder auf Maß und endbündig in die Bootsschale einzupassen. "



Ich habe vor kurzen ein Nova Craft in RX mit Holssüllrand gekauft (und am letztzen WoEnde eingeweiht).
Die Innwales sind etwa 1 cm länger als das Boot, daher ist der Bug und Heck im Leistenbereich jeweils um c.a 0,5 cm gedehnt.
Sieht irgendwie "eingespannt" aus. Aber nach Deinem ausführlichen Thread ist mir nun klar warum sie das so machen.

LG Alex

Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

07.05.2014 08:09
#28 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Moin JoeBee,
mit Akazie(Robinie) kann man nicht viel falsch machen auch wenn es erheblich schwerer als viele andere Holzarten ist dürfte das für die "Decks" nicht so schlimm sein.
Es kommt den Eigenschaften von Teak nahe, ist deutlich haltbarer und wasserbeständiger als unsere anderen heimischen Holzarten.

Eibe ist farblich ein Traum aber noch schwerer als Akazie, in wie fern diese witterungsbeständig ist habe ich keine Erfahrung.
Gruß
Jürgen

Trapper Online




Beiträge: 1.561

07.05.2014 09:25
#29 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

..und wer mit diesen Hölzern arbeitet,sollte die persönliche Schutzausrüstung auch benutzen!

Internette Grüße Thomas

Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

07.05.2014 09:43
#30 RE: Holzsüllrand Eigenbau antworten

Das setze ich als selbstverständlich bei Arbeiten die mit Schleifstaub zu tun haben auch bei den "anderen" Holzarten wie z.Bsp. Eiche voraus.
Ist hier ja kein Kindergarten und wir leben hier auch noch nicht in den USA bezüglich der Sicherheitshinweise auf den Beipackzetteln.
Speziell für Thomas: Holz ist überwiegend nicht zum Verzehr geeignet , trotzdem werden seit Jahrhunderten aus Eibe, Akazie und Robinie Möbel oder Fenster etc. gebaut!!!

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