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Dieses Thema hat 18 Antworten
und wurde 1.593 mal aufgerufen
 Allgemeines Canadierforum
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MrDick Online




Beiträge: 1.234

09.12.2013 10:42
#16 RE: Endstabilität gut erklärt antworten

Ich hab inzwischen auch die Antwort von einem Instructor-Kollegen der auch Schiffbauingenieur ist bekommen (An dieser Stelle einen lieben Gruß nach Österreich).

Er sagte die Erhöhung der Stabilität durch Staudruck am Rumpf unter Fahrt nennt man "dynamische Stabilisierung". Sie spielt aber in der Berechnung von Rümpfen keine Rolle, da man in der Regel will dass die Dinger auch im Stillstand nicht kentern. Bei der Endstabilität geht es aber wie gesagt um eine rein hydrostatische Geschichte.

Bei extremen Renndesings kommt es vor das man die Stabilität zu Gunsten der Rumpfgeschwindigkeit opfert. Dort spielt dann die dynamische Stabilisierung eine etwas größere Rolle - sicher aber auch der Stützeffekt der durch den Paddeleinsatz automatisch mit entsteht.

LG, Sebastian

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cb1p111 Online




Beiträge: 130

09.12.2013 14:38
#17 RE: Endstabilität gut erklärt antworten

Hallo Sebastian,

ich glaube ein ganz altes Buch kann bei allen Fragen weiterhelfen (Erschienen schon 1930)

Erich Müller - Konstruktion und Bau von Segeljollen: Wissenswertes für den Segler und Selbstbauer

Gibt es noch bei Amazon als Taschenbuch für 39,90 EUR

Folgender Punkt aus dem Buch ist aber wichtiger für das "Rumgekippel"...denke ich:





Oder hier etwas zum Thema:
Stabilität

oder zu
Schiffsberechnung

Haubentaucher Offline



Beiträge: 204

10.12.2013 09:36
#18 RE: Endstabilität gut erklärt antworten

Hallo zusammen,

@ Sebastian: Zu den extremen Renndesings würde er Deine Kanus auch zählen. Sie sind schmal und leicht und Du weißt sicher selbst, dass Deine Boote mit doppelter Breite schon kippstabiler wären.

Wäre es der Staudruck würde sich ein flott gefahrenes Kanu ja besser stabilisieren, wenn es leicht hecklastig getrimmt wird - bringt aber nichts. Staudruck erklärt auch den deutlichen Unterschied zwischen einem nornmal glänzenden Rumpf und einem gewachsten, hochglanzploierten nicht. Letzterer ist bekanntermaßen im Nachteil.

Staudruck am Rumpf unter Fahrt stabilisiert den typischen Motorbootrumpf mit V-Spant. Keine Frage. Bei Rundspant-Jollen spielt Staudruck nur eine Rolle, wenn es darum geht, in Gleitfahrt zu kommen. Das kann jeder bei genügend Wind ausprobieren. Staudruck erklärt auch nicht den Effekt, warum bei Starkwind eine lammfromme Jolle mit hochgezogenem Schwert zum Rodeopferd wird. Der Unterdruck am Schwert ist entscheidend, der Überdruck fast zu vernachlässigen, was auch für nachträglich besegelte Kanus gilt. Auf Initiative der Zeitschrift 'surf' wurde in den Achtzigern mal eine aufwändige Untersuchung der Druckverhältnisse an Finnen initiiert, um Ursachen für den Spin-Out zu ermitteln. War in irgendeiner Schiffsversuchsanstalt. Dabei hat sich unter anderem gezeigt, dass nur der Unterdruck an der Luvseite als Abdriftkiller taugt. Wäre es umgekeht gewesen, hätte es auf glattem Wasser gar keine Spin-Outs geben können.

Breite U-Spante aus Weichplastik mit Oilcanning und Bodenzerkratzing, so wie unsere Bitumina, sind für solche Dinge wenig empfänglich. Auch bei echten Frachtschiffen, selbst bei Fahrtenyachten spielt das alles auch keine Rolle. Ein großes Schiff hat Seepocken oder keine. Ich weiß ja nicht, wie Du Deinem Kumpel den Effekt beschrieben hast.


@ cb1p111: Das Zitat von Erich ist keine Kernaussage. Er schreibt es selbst, in dem letzten Absatz, der auf Deinem Scan noch zu sehen ist. Die Form der geneigten Wasserlinie beschreibt eine Fläche. Als nächstes wird er sich mit den Spantenformen wohl dem Volumen zuwenden, ohne das noch kein Auftrieb stattgefunden hat. Außerdem wäre es nett zu wissen, was die "eben besprochenen Körper" sind.

So kenne ich den Begriff "Dynamische Stabilität" auch: "Die zur Erzielung der Neigung aufgewendete Arbeit, welche gleich der von dem Widerstand während des Aufrichtens zu leidenden Arbeit ist, bezeichnet man mit »Dynamische Stabilität«."

... ansonsten Fracht- und Passagier-Schiffbau hin und her, bei Kanus wird wohl nicht viel Neues mehr erfunden werden. Je nach Betrachtung haben sich 5 oder 10 Rumpfformen entwickelt, die man je nach dem ein bisschen mehr in diese oder in jene Richtung hin optimiert. Schließlich ist jedes gute Boot ein guter Kompromiss.


have a nice day
Chris

cb1p111 Online




Beiträge: 130

10.12.2013 12:00
#19 RE: Endstabilität gut erklärt antworten

Hallo Chris,

mein Scan diente nur als Leseanregung, da meiner Meinung nach 1930 schon alles dazu gesagt wurde.

Bei meiner Verlinkung zu amazon kann man Teile der Kapitel lesen. ("Blick ins Buch"- Dann links auf Inhaltsverzeichnis- dann einfach lesen)

Oder Ausschnitte davon bei Google Books suchen.

Richtig ist dein Punkt, dass es bei den Spanten dann interessant wird. Noch lustiger wird es bei der variablen Beladung.

Beispiel: Man sitzt als Einer in der Mitte des Bootes - vor und hinter einem sind die Bootsspitzen / Spanten leer und unbeladen.

oder

Man sitzt als 2er in den dünnen Spitzen / Spanten des Bootes, die Mitte es Bootes ist leer.

Im simplen Formenquerschnitt durch die Mitte des Bootes sieht das erstmal gleich aus...

Was die Sache mit der Stabilisierung mit der Geschwindigkeit betrifft:

Dies ist in meinen Augen simpel. Da, wenn das Boot aufrecht fährt, (eine V-Form des Bugs vorliegt- damit meine ich den Blick von oben auf den Bug - also nicht zu verwechseln mit einem V-förmigen Rumpf) ist der Druck auf die rechte und linke Seite des V (des Bugs) gleich groß. Es gibt also kein Lee und Luv wie bei Flugzeugflächen oder wie bei den beschriebenen Kielen der Jollen/Yachten oder Surfbretter (und damit auch kein Spin Out)

Es gibt nur 2mal LUV, also zweimal Druck (rechts und links auf die Bugwand)! Je mehr Druck es gibt, desto stabiler wird die Sache und kann damit nur noch schwer nach links und rechts umkippen. Bei noch mehr Druck (d.h. noch höherer Geschwindigkeit) würde der Rumpf nach oben aus dem dichteren Wasser in die nicht so dichte Luft ausweichen - also aufschwimmen. Würden wir ihn auf die gleiche Tiefe zurückzwingen, dann bricht irgendwann das Material.

Anderes Beispiel: Nehme ein V und binde eine Schnur dran. Dann durch die Luft oder Wasser ziehen. Das V richtet sich gleichmässig aus und stabilisiert sich mit zunehmender Geschwindigkeit.
Dies tut ein Mensch übrigens auch, wenn man ihn ohne Wasserski hinter einem Boot herzieht. Da entsteht Stabilität!

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