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Frank_Moerke Offline




Beiträge: 1.432

27.10.2005 20:21
Bell NORTHWIND > Tourencanadier > J. Dettmer antworten

North Wind:

von Jan Dettmer
North Wind specifications

Der North Wind ist ein Kanadier, der von Bell Canoe Works in den USA hergestellt wird. Bei einer Länge von 17'6'' ist er schon recht lang, aber noch nicht unhandlich. Die maximale Breite liegt bei 91.5 cm, bei einem Tiefgang von 10 cm (wird bei etwa 220 kg erreicht) hat er auf Wasserlinie eine Breite von 81 cm. Das ist relativ wenig! Mit einer Tiefe von 35.5 cm ist er Mittschiffs im Vergleich zu anderen Touren Kanadiern recht tief. Am Bug beträgt die Bordwandhöhe 53 cm am Heck 48 cm. Auch das sind Werte die relativ hoch sind. Desweiteren hat der North Wind deutlichen Kielsprung von 6 cm, jedoch hat der Designer David Yost tief in die Trickkiste gegriffen und das Boot mit differentiellem Kielsprung versehen. Somit ist der Kielsprung im Heck nur knapp 4 cm. Das Gewicht liegt, je nach Ausführung, zwischen 21 (Carbon) und 28.5 kg (Royalex in 16'6''). Guck Dir das Boot mal an! Es sieht gut aus. Ich meine nicht, daß es irgendwelche Trapperträme erfüllt, sondern wirklich ästhetisch aussieht. Der Holztrim ist aus weißer Esche und ist wirklich sauber gearbeitet. Die Decks sind aus dunklem Walnußholz und haben seitliche Schlitze, um das ablaufen von Wasser zu erleichtern. Jetzt, wo die (mehr oder weniger) technischen Details geklärt sind, sollten wir mal einen Blick auf die Performance werfen.

Wer einmal in diesem Boot saß will so schnell nicht mehr aussteigen. Der schnittige Rumpf auf Position der Paddler sehr schmal, was eine effiziente Paddeltechnik sichert. Es ist kein Problem mit dem Paddel nah an der Kiellinie zu bleiben. Wenn man im Bug paddelt, ist man dem Boot sehr nah, man kann sich gut mit den Oberschenkeln (sofern man sitzt) abstützen. Auch das leichte Flare ändert daran nichts. Mein North Wind hat einen verschiebbaren Bugsitz, den ich sehr zu schätzen gelernt habe. Er bietet eine einfache Möglichkeit, daß Boot zu trimmen, sogat während des Paddelns. Außerdem gibt er die kleineren Personen die Möglichkeit sich weit vorn im Bug zu plazieren, wo das Boot schmal ist. Damit ist auch kleinen Personen die Grundvoraussetzung für saubere Technik gegeben und sie können den Auftriebskörper als Fußstütze benutzen. Damit kann man viel Kraft in den Catch legen ohne gleich herum zu rutschen. Im Heck hat man eine ebenso gute Möglichkeit, für saubere Schläge, da der Rumpf hier kein Flare hat. Leider sind keine Fußstützen in Bell Booten vorhanden. Ich sehe das für ein so schnelles Boot als Nachteil, da man im Sitzen einfach schneller paddeln kann. Zumindest die schnellen Boote sollten in Zukunft diese Möglichkeit bieten. Wenn ich es hinbekommen habe, eine vernünftige Stütze in mein Boot einzubauen, werde ich dazu ein Topic auf diese Seite stellen.

North Wind, click to enlarge! Ich war über die Geschwindigkeit erstaunt, die das Boot aufbaut, wenn man mit nicht zu viel Gepäck unterwegs ist. Der Kanadier gleitet sehr gut und man kann hohe Geschwindigkeiten über lange Strecken mit Leichtigkeit halten. Das ist sicherlich dem Schnittigen Rumpf und dem flachen Rundboden zuzuschreiben. Der differentielle Kielsprung verleiht dem Boot gute Kursstabilität auf Seen und sichert gleichzeitig einen guten Trockelauf in Wellen. Versteht mich nicht falsch, daß ist kein Marathon Racer, jedoch ein sehr schnelles Boot für die, die Nicht nur auf Seen unterwegs sind und schon eine gewisse Menge an Ausrüstung mitnehmen. Der MN II We no nah ist schneller, läft aber in wellen nicht so trocken und ist auch nicht so wendig, weil man ihn nicht so gut kannten kann. Ich bin den North Wind in recht hohen Wellen gepaddelt, überall waren Kämme auf den Wellen, doch das Boot ist nahezu trocken gelaufen. Bis zu einer gewissen Höhe schneidet das Boot die Wellen sehr gut und wird somit wenig durch die Wellen gebremst. Weiterhin hält es sehr gut den Kurs, auch wenn der Wind von der Seite kommt. Diese Eigenschaft schreibe ich dem differentiellen Rocker zu. Im Vergleich zu anderen etwa gleich schnellen Booten hat der North Wind hohe Bordwände im Heck. Bei Rückenwind ist das von Vorteil, da er deswegen trockener läuft. Aber das ist noch nicht alles, der North Wind beginnt sehr schnell zu surfen. Er springt relativ schnell auf Wellen und man spürt den Surf Effekt für einige Momente. Das passiert schon bei Bedingungen, wo noch keine Kämme zu sehen sind. Man spart Kraft und hat gleichzeitig Spaß!

Bis jetzt habe ich nur vom Fahrverhalten auf Seen gesprochen, doch wie sieht es auf Flüssen, Wildwasser und kleinen Bächen aus? Ich würde sagen, daß der North Wind sehr gut auf allen Flüssen einsetzbar ist, solange sie kein Wildwasser enthalten. Es ist wohl möglich Wildwasser bis zum Grad II damit zu fahren, alles andere sollte aber besser geeigneten Booten überlassen werden. Der oben genannte Trockenlauf auf Seen gilt nicht für Wildwasser. Das liegt an der Geometrie der Wellen und auch an der Geschwindigkeit dees Bootes relativ zum Ufer. Im Wildwasser ist für guten Trockenlauf in den Enden einfach mehr Volumen nötig. Aber in allen anderen Bereichen hat es die Konkurrenz schon schwer mit dem Bell mitzuhalten. Das liegt zu einem großen Teil an der sehr guten Beschleunigung des Bootes und an der kaum zu schlagenden Endstabilität wenn es gekanntet wird. Man kann das Drehverhalten über Kannten sehr genau steuern. Damit gelingt es dann wirklich fast jeden kleinen Bach herunterzuspielen. Man kann das Boot kannten, bis die Gunnels auf dem Wasser liegen, das Boot ist dann stabil. Mit einem ``outside lean'' und einem guten Duffek im Bug kommt man auch durch die engsten Haarnadelkurven, ohne daß das Boot auf Geschwindigkeit 0 abgebremst wird. Im mittleren Teil des Bootes ist Platz für Gepäck, jedoch nicht für sehr lange Trips. Die Ausrüstung und Lebensmittel für 4 Wochen sollten reinpassen, danach ist dann aber schluß. Bell benennt die optimale Zuladung mit 160 bis 300 kg. Ich denke, daß 300kg schon eine Menge ist, mehr sollte man in das Boot besser nicht laden. Man hat dann aber auch schon um die 160 kg Gepäck. Das ist viel und sollte locker für 4 Wochen Wildnis reichen, man muß ja alles auch noch tragen können. Mein Fazit: Der North Wind bestätigt auf beeindruckende Weise den Slogan von Bell Canoe Works: Nothing moves you like a Bell!

Dann mal zu den Preisen. Der North Wind ist kein billiges Boot. Holztrim und verschiebbarer Bugsitz kosten extra. Insgesamt liegen die Preise zwischen DM 3450.- (Royalex 16'6'') und knapp DM 7000.- (high end Ausführung in Carbon). In Deutschland bekommt man nähere Informationen bei Wooden Boat. Allgemeines auf der Seite von Bell Canoe Works.

voller Bericht auf
http://www.open-canoe.de

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