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Frank_Moerke Offline




Beiträge: 1.433

27.10.2005 13:16
Bell MAGIC > Solocanadier > von Uwe Birkenbach antworten

Einen Solocanadier wollte ich haben, ein hochwertiges Boot aus einem leichten Laminat, das außer einem Seekajak vielleicht, ideal für mein Lieblingsrevier geeignet ist, nämlich dem Untersee (Bodensee) und dem Hochrhein.
Mein Wunschcanadier sollte folgende Eigenschaften haben:
-Angenehm leicht zu paddeln, damit selbst lange Etappen nicht zur Tortur werden.
-Schnell genug, um auch 2-er Canadier begleiten zu können.
-Akzeptable Zulademöglichkeit (ihr wißt schon, die dicke Therm-a-Rest, die Gaslaterne und .....).
Mit diesen Anforderungen wird die Auswahl, zumindest hier in Deutschland, sehr übersichtlich, was aber nicht unbedingt ein Nachteil sein muß.
Letztendlich standen 3 Canadier zur Wahl, von denen mir der Magic schließlich am meisten zusagte.
Unser erster Kontakt war unspektakulär, bei einem Kanu-Treffen lag er auf einer Wiese inmitten einiger anderer Boote. Was auffiel, war seine sehr schmale Draufsicht, den markanten Tumblehome bemerkte ich erstmal kaum. Später sah ich ihn dann auf dem Wasser, und obwohl er in dieser Situation nicht von einem Experten gepaddelt wurde, konnte man sein Geschwindigkeitspotential schon erkennen. Zum Paddeln kam ich an diesem Tag leider nicht.
Bei unserem zweiten Kontakt, wieder ein Kanu-Treffen, habe ich den Magic dann selbst ausprobiert.
Der Einstieg machte trotz seines schlanken Rumpfes, ca. 75 cm max. Breite, und leichten Wellen keine Probleme, die Anfangsstabilität geht für so ein schmales Boot in Ordnung. Füße unter den Sitz geklemmt, Paddel ins Wasser und - Ernüchterung. Von der Leichtigkeit eines Wildfire's, den ich damals schon kannte, und von dem auch der Merlin, den ich jetzt vor kurzem genossen habe, noch viel hat, war der Magic doch um einiges entfernt. Ich begann zu zweifeln. "Keine vorschnellen Urteile"; sagte ich mir, "du weist was du willst und was dir wichtig ist, laß dich einfach auf das Boot ein".
An diesem Abend habe ich ihn mir dann "einpacken" lassen und mit nach Hause genommen. (In weiser Voraussicht habe ich mir schon einen reservieren lassen.)
Das ist nun über 2 Jahre her, und diese Zeit müßte ausreichen, um sich ein umfassenderes Urteil über diesen Canadier zu erlauben.
Der Magic ist ein Boot mit dem ich selbst lange Etappen zurücklegen kann, ohne am Ziel die nächste Massagepraxis aufsuchen zu müssen. Einmal in Fahrt, (ja, man muß ihn erstmal in Schwung bringen, aber das ist kein großer Akt) läßt er sich angenehm leicht auf einem sicher überdurchschnittlichen Reisetempo halten. Wenn es dann doch mal sein muß, lassen sich auch noch 1, 2 oder kurzfristig gar 3 Briketts nachlegen, und dann ist es schon faszinierend, wie das Ufer an einem "vorbeifliegt". Nicht unwesentlich beim Magic ist meines Erachtens das verwendete Paddel. Ich habe manchmal bei ihm den Eindruck, das Mensch, Boot und Paddel nicht harmonieren. Da ist dann der Schaft zu weich oder zu steif, das Blatt zu groß oder zu klein. Meine "Lieblingspaddelpaarung", nicht nur beim Magic, ist ein schmales Paddel, das flexibel ist, ohne dabei schwammig oder indifferent zu wirken, und ein breites Paddel, das ursprünglich zum Freestylen verwendet wird, aber auch wunderbar als relativ leichtes Tourenpaddel einsetzbar ist.
Ich paddle den Magic nicht in Sit'n Switch-Technik, obwohl er dafür wahrscheinlich sehr geeignet ist, sondern klassisch auf einer Seite, relativ aufrecht oder auch gekantet, wenn es die Bedingungen zulassen. Die Fähigkeit, ihn wirklich entspannt gekantet zu fahren, um damit seine Beweglichkeit zu erhöhen, unterscheidet ihn auch von seinen Konkurrenten, die ebenfalls in der engeren Wahl standen. Ergibt mir selten ein unsicheres Gefühl, und wenn ich es dann doch mal übertreibe und er mich "rauswirft", dann ist es so, als ob er mir nachrufen würde: "Siehst du, das hast du nun davon, ich bin doch kein Freestyle-Boot.
Ein nicht zu unterschätzender Aspekt beim Canadierfahren ist der Wind. Bei meinen aufgezählten Erfahrungen lagen max. Windstärke 4 an, meistens aber darunter. Das halte ich noch für realitätsnah. Beginnen möchte ich mit einem Schwachpunkt des Magics. Macht er keine oder nur geringe Fahrt, muß man doch ordentlich "arbeiten", um ihn durch den Wind zu drehen. Hier merkt man doch, dass er auf Grund seiner Länge dem Wind ordentlich Angriffsfläche bietet. Das Bild ändert sich aber deutlich, wenn er einmal in Fahrt ist. Dann sind die Windeinflüsse selbst bei "Leerfahrt", also nur mit mir besetzt für einen Canadier sehr gering. Im beladenen Zustand verringern sich die Einflüsse naturgemäß noch mehr, dann zieht er nahezu unbeirrt seine Bahn, egal ob der Wind von der Seite oder von schräg vorne kommt.
Damit komme ich zu einem weiteren Schwachpunkt, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich ihm das überhaupt als Nachteil ankreiden soll.
So angenehm es auch ist, nahezu unbeirrt seine Bahn zu ziehen, so notwendig ist es manchmal auch, den Kurs zu ändern. Auf einem ruhigen Gewässer und genügend Zeit spielt das eine geringe Rolle, bei fließendem Wasser, dabei noch ordentlich beladen, würde ich mir etwas weniger "Sturheit" wünschen. Aber wahrscheinlich ist das eine Eigenschaft, die man bei jedem Tourenboot mehr oder weniger findet. Es käme auch der Quadratur des Kreises gleich, wenn er das ebenfalls noch gut hinkriegen würde.
Als Meßlatte für den Trockenlauf fungiert bei mir seit kurzem der "Koblenzer Laufen", ein wuchtiger, ca. 500 m langer Schwall auf dem Hochrhein. Mit kurzen, unregelmäßigen Wellen, die z. T. die 2-3 fache Bordwandhöhe erreichen, kann er manchem Boot gehörige Probleme bereiten. Der Magic schlug sich hier, beladen mit ca. 120 kg, wirklich beachtlich. Selbst in den stärksten Brechern nahm er nur ein paar Spritzer Wasser über. In diesen Situationen ist wohl auch seine Länge von Vorteil.
Nun, was will man eigentlich mehr von einem Flachwasser-Tourenboot?
Zum Schluß möchte ich noch seine Optik ansprechen, wobei das natürlich kein objektives Qualitätskriterium ist, sondern rein subjektiv. Sein "technisches" Design gefällt mir ausnehmend gut, wie bei den meisten Bell-Canadiern. Alles, was an ihm dran ist bzw. nicht dran ist, scheint Sinn zu machen. Man kann es schon als sinnlich bezeichnen, wenn er vor dir fährt, und Du in Ruhe seine Hinteransicht betrachtest, und dich dann fragst, an was dich die schmale Taille und das wohlgeformte "Tieferliegende" erinnert.
Ja, jetzt gerate ich doch wieder ins Schwärmen. Schluß jetzt!
Mein Fazit: Der Magic kommt meinen Vorstellungen zu einem Tourenboot ziemlich nahe. Für mich ist er der vielseitige Touren-Solocanadier par excellence!

Uwe Birkenbach

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