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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Allgemeines Canadierforum
Silke Reitner Offline



Beiträge: 117

08.07.2006 20:28
Freestyletreffen in der Schweiz antworten

Mir ist gerade eingefallen, dass es hier im Forum noch keinen Hinweis gibt, also für alle Interessierten:
vom 28. - 30. Juli findet das 1. Internationale Freestyle Treffen am Schiffenensee (CH) statt. Anmeldung ist erwünscht. Ich denke, ihr bekommt weitere Infos unter http://www.siestaoppi.ch ,mails an: kanu@siestaoppi.ch
Wer also im Süden wohnt oder noch nicht weiß, was er im Urlaub machen soll...
Wir müssen leider arbeiten. Allen, die hinfahrén, wünsche ich viel Spaß!
Silke

Mark Maier Offline




Beiträge: 32

02.08.2006 10:25
#2 RE: Freestyletreffen in der Schweiz antworten

Bericht vom 1. Internationalen Freestyle Treffen am Schiffensee in der Schweiz (28.–30. Juli 2006)

Ich kam am Freitag Mittag an und wurde sofort herzlich empfangen von einer Gruppe, die mich gleich zum Mittagessen einlud, mit frischem Brot, vielen Sorten Käse und Wurst. Natürlich hatten die Mitarbeiter von Siesta Oppi auch an genügend Flüssiges gedacht, eine Wohltat bei dieser Hitze.

Während der Mahlzeit hatte ich Zeit, den Blick schweifen zu lassen und den Ort des geplanten Geschehens ein wenig auf mich wirken zu lassen. Das Dorf Pensier liegt ein paar Kilometer nördlich von Fribourg am Schiffensee, einem Stausee der Saane. Dieses Wochenende war der Seespiegel einige Meter niedriger als normal, dadurch konnten wir den Steg nicht benutzen, der lag nämlich komplett auf dem Trockenen. Ebenso auch viele Boote in dem kleinen Hafen direkt neben der Halbinsel, auf der ich mein Zelt aufschlug, mit dem Dorf im Rücken und einem wunderbaren Blick auf den See. Ein paar Schritte oberhalb der Zeltwiese hatte Oppi eine Hütte der Gemeinde gemietet, die zum Aufbewahren der Unmengen von Lebensmitteln und Getränken genutzt wurde, und Toilette, fließendes Wasser, und den unentbehrlichen Kühlschrank enthielt. Für den Fall des Falles hätte es auch genügend trockenen Aufenthaltsraum gegeben.

Den Nachmittag verbrachten wir vor allem mit dem Aufbau von Zelt und Faltkanu, und einer ersten Paddelrunde über den See. Ich bewunderte die beiden Hänger voller Kanadier, die Oppi mitgebracht hatte: Drei Twister, ein Flashfire, ein Solo 13, um nur einige der mir schon bekannten Modelle zu nennen, und noch einige andere Solos und Tandems von Nova Craft, Wenonah, Bell, und Gatz.

Für den Abend war eigentlich der Fortgeschrittenenkurs vorgesehen, auf den ich mich besonders gefreut hatte. Aber leider trafen Jörg und Marita erst zum Abendessen ein, und der Kurs wurde vorläufig gestrichen. Das Abendessen mit Fleisch, Spießen, Würstchen, und besonders feinen mit Gorgonzola gefüllten Paprikaschoten (Schweizerdeutsch: Peperoni) vom Grill und mit zwei riesigen Schüsseln leckerem Salat hat mich aber schnell wieder positiv gestimmt. Den Rest des Abends verbrachten wir gemütlich bei Bier und Wein am Lagerfeuer, wobei mindestens vier verschiedene Dialekte des Deutschen durcheinander gesprochen wurden. Jörg spricht mindestens drei davon, aber der Schweizer Dialekt blieb uns Nordlichtern doch ziemlich unzugänglich (außer dem Dialekt aus der Westschweiz, der aber von den Ostschweizern als Halskrankheit und nicht ernst zu nehmen abgekanzelt wurde...).

Am Samstag dann war wie geplant der Anfängerkurs dran, mit vier Teilnehmern, worunter einige sehr erfahrene Wildwasserpaddler. Ich habe mich in der Zwischenzeit mit verschiedenen Booten von Oppi vergnügt - den Argosy von Wenonah zum Beispiel fand ich überraschend freestyletauglich, ein wunderschöner Stripper dagegen hatte auch solo gefahren noch so einen guten Geradeauslauf, daß ich ihn für Canadian Style nicht besonders geeignet fand. Nach einem Bad im See gesellte ich mich dann zu Jörgs Kurs, um ein bißchen zu lauschen und zu zuschauen. Die Gruppe hatte sich wegen des Windes auf die andere Seite des Sees zurückgezogen, in den Windschatten einer steilen Felswand die vom Ufer direkt in den See abfiel. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, auch in der unmittelbaren Nähe des Ufers froh um meine Schwimmweste zu sein, denn ich nehme an, diese Felswand geht auch unter Wasser noch einige zig Meter nach unten...

Nach einer kräftigen Brotzeit zu Mittag gab es dann den Canadian Style Kurs, in einer kleinen, halbwegs windstillen Bucht, kreuz und quer zwischen vor Anker liegenden Booten. Da auch hier vor allem erfahrene Wild- und Flachwasserpaddler teilnahmen, konnten wir schon bald einige schöne Gruppenmanöver üben, z.B. das Zahnrad (cartwheel?), den rotierenden Stern, oder "einfach" nur in einer geraden Linie fahren unter fortlaufender Drehung des Bootes um sich selbst.

Abends wieder ein herrliches Essen unter freiem Himmel, diesmal ein großer Topf Spaghetti mit einer kräftigen Soße, und wieder eine große Schüssel Salat dazu. Diese Schweizer haben es einfach im Griff, wie man das leibliche Wohlbefinden mit einfachen, aber sehr effektiven Mitteln steigern kann! Der Abend war mild, der Wind hatte sich gelegt, und die Abenddämmerung war so einladend, daß Jörg und Marita sich entschlossen, noch eine Runde im Prospector zu fahren. Franzi und ich gesellten uns dazu und fuhren noch ein ganzes Stück nach Norden, bis zum ersten der drei Schlösser die dort am Seeufer liegen. Es war schon fast ganz dunkel, der Sternhimmel glitzerte über uns und die Fische sprangen... - aber wie die sprangen! Einer landete in Franzis Boot, ein anderer prallte von der gespannten Haut meines Faltbootes ab, und einmal sah ich einen auf Schulterhöhe an uns vorbeifliegen.

Am Sonntagmorgen stellte sich heraus, daß der Anfängerkurs, dessen zweite Hälfte Jörg eigentlich noch halten wollte, bis auf einen Teilnehmer ausgedünnt war. Das lag an verschiedenen beruflichen (Kanuführer arbeiten vor allem am Wochenende) und häuslichen Verpflichtungen. Also bekam der letzte der Freestyler stattdessen einen Privatkurs bei Jörg, und ich weiß aus Erfahrung, daß die besonders intensiv und ergiebig sind.

Zu meinem Glück wurde aber noch auf meinen Wunsch eingegangen, den noch ausstehenden Fortgeschrittenenkurs am Vormittag durchzuführen. Es gab vier Teilnehmer und Jörg holte das 1000er Sandpapier heraus: Feinschleifen war angesagt. Axle, Post, Christie und Wedge, alle vier Quadranten, mit und ohne hohes Knie, und längs, quer, oder rückwärts gesessen. Wir sollten uns gegenseitig beobachten und korrigieren - eine gute Übung um den Blick zu schärfen, und selber nochmal genau nachzudenken, was man da eigentlich macht, und ob das alles sinn- und wirkungsvoll ist. Außerdem hatten einige von uns ein paar "selbstausgedachte" Manöver, die wir uns vormachten, diskutierten und austauschten. Ähem - zwischendurch hab ich auch mal eben ein unfreiwilliges Bad genommen - "Ich dreh mich mal eben um, damit du es besser sehen kannst... - ups!". Unter viel Gelächter bin ich aber gekonnt wieder aus dem See gefischt worden und konnte de Kurs fortsetzen.

Für mich hat sich die weite Reise auf jeden Fall gelohnt - und sicherlich nicht nur wegen des Freestylens. Der Schiffensee und die Landschaft drumherum sind wunderschön, ich habe viele Boote testen können, herrlich im See gebadet, und vor allem die Schweizer Freestyler kennenlernen dürfen: Offen, unkompliziert, urig, gemütlich, außerordentlich gut organisiert, und - sie haben einfach besseren Käse als wir hier in den Niederlanden!

Viele Grüße,
Mark.

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