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Dieses Thema hat 48 Antworten
und wurde 13.386 mal aufgerufen
 Allgemeines Canadierforum
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Walter_Wipf Offline



Beiträge: 92

16.04.2009 00:31
#31 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten
Heute habe ich den Epoxi auf der Aussenseite aufgetragen. Das war extrem Nervenaufreibend, weil es bei diesem Arbeitsschritt keinen zweiten Versuch gibt. Ausserdem ist die Zeit zum arbeiten begrenzt durch die Reaktionszeit des Epoxi. Am Morgen früh waren das etwa 30 Minuten, am Mittag als es wärmer wurde hat sich diese Zeit auf 10 Minuten verkürzt. Wenn das Epoxi im Gefäss heiss wird kann es nicht mehr aufgetragen werden. Ich habe praktisch alle Arbeiten mit einem Roller gemacht. Wichtig ist dabei, dass man nie alten und neu gemischen Epoxi zusammenbringt, weil der neue Epoxi sonst sofort damit beginnt abzuhärten. Ich habe für jedes mal nicht nur neuen Epoxidharz gemischt sonder komplett neue Behälter, Mischstäbe, Farbroller etc. benützt.

Zunächst habe ich den Arbeitsplatz eingerichtet. @Günter: Das Foto sollte deine Frage betreffend den Einwegspritzen beantworten. Die Dinger gibt es in den verschiedensten Grössen. Ich hab welche mit einem Volumen von 100ml, also 1 Deziliter genommen. Die gibt es aber auch noch wesentlich grösser. Sie sind nicht eigentlich zum mischen sondern nur zum abmessen der Mengen. Laut Verkäufer betragt die Toleranz der Mengen +/- 2%. Der Harz ist der gängige Harz des West-System.

Beim auflegen des Glasfasergewebes hatte ich grösste Probleme. Ich habe auf den Rat des Bootsbauers gehört, der mir den Epoxi verkauft hat. Der hat mir empfohlen das Epoxi zuerst auf den Canadier aufzutragen und dann das Gewebe in das nasse Epoxi zu legen. So weit, so gut. Das funktioniert in einer Bootswerft voller Leute sicher toll. Auf das nasse Epoxi das Gewebe ALLEINE zu legen ist praktisch unmöglich. Das hätte echt ins Auge gehen können. Ich habe es am Schluss aber doch noch hinbekommen, bevor das Epoxi abgebunden hat. Bitte Fragt mich nicht wie, aber es hat funktioniert. Ich kann aber nur dringend von diesem Vorgehen abraten und würde nun das Gewebe zuerst auf den Canadier legen und dann das Epoxi auftragen. Das Epoxi sickert problemlos durch das Gewebe hindurch. Das war mein grösster Fehler heute.

Die zweite Schicht habe ich sofort danach aufgetragen. Ich bin sehr Glücklich, ich habe keine Stellen in denen Das Gewebe nicht auf den Epoxi abgebunden hat und auch keine Einschlüsse von Luft oder Schmutz. Doch leider habe ich ein anderes Problem: Durch das trappieren des Gewebes auf dem nassen Epoxi habe ich das Epoxi zu Wellen gezogen. Ich habe also Stellen, wo das Gewebe leicht wellig auf dem Canadier liegt. Dabei hat es sich das Gewebe nicht gelöst sondern das Epoxi unter dem Gewebe hat Wellen gebildet. Sehr sehr ärgerlich, sowas. Leider ist es schwer zu sehen und als ich es dann bemerkt habe war Nichts mehr zu machen.

Die dritte Schicht Epoxi hat dann diese Wellen bereits zu einem grossen Teil egalisiert. Ich habe relativ dünn gearbeitet, mit allen drei Schichten habe ich wohl etwa 2.5 - 3 Kg Material aufgetragen. Dennoch hat es diverse rauhe Stellen und auch die Wellen sind deutlich zu fühlen.

Das weitere Vorgehen sehe ich so: Ich werde eine Pause einlegen und das Epoxi so weit härten lassen, dass es schleifbar wird. Dann werde ich so gut es ohne das Gewebe zu verletzen halt geht schleifen und nochmal eine Schicht Epoxi auftragen. Wenn diese Schicht dann abgebunden hat wird auch diese angeschliffen, der Canadier kommt von der Heling runter und dann kommt die Innenseite an die Reihe. So hoffe ich die Wellen engültig rauszubekommen.

Sorgen gemacht habe ich mir auch über die Abschlüsse an den Steven, diese habe sich jedoch von selber ergeben und waren nach der Anleitung von Moores überhaupt kein grosses Thema.

Ich habe keine Ahnung, wann der Epoxi schleifbar ist. Dazu gibt es keine Herstellerangeben. Ich werde es selber testen müssen.

Nach diesem Tag bin ich Hundemüde und total erledigt. Jedoch bin ich überglücklich, dass die Sache so gut abgelaufen ist.


Zu den Fotos:
Auf dem Ersten der eingerichtete Arbeitsplatz für das Epoxi. Nicht zu erkenn ist, dass von der blauem Farbschalen etwa 10 Stück aufeinanderliegen. Die weissen Rollen links sind Ersatzrollen für den Farbroller. Gute Vorbereitung macht sich bei dieser Arbeit echt bezahlt.

Auf dem zweiten Foto ist der Canadier nach dem anbringen der zweiten Schicht Epoxi zu sehen. Danach habe ich die Steven fertiggemacht. Was auf dem Foto so aussieht wie eine Stelle bei der das Gewebe nicht im Harz abgebunden hat ist in Wirklichkeit eine Spiegelung im nassen Harz.

Auf dem dritten Foto ist die schlimmste Stelle der "Wellen" zu sehen, die sich gebildet habe. Fotografiert mit seitlichem Licht, Makrofunktion und extremer Schrärglage, damit die Wellen erkennbar sind. Das Foto ist entstanden vor dem anbringen der dritten Schicht, inwischen sieht es schon deutlich besser aus.

Das Vierte zeigt unseren Jüngsten beim Fliegentest: Wenn man wissen will ob das Epoxi hart ist, dann nimmt man eine Fliege und setzt sie auf den Canadier. Kommt die Fliege vom Harz wieder weg ist die Oberfläche nicht mehr klebrig. Nur hatte ich leider keine Fliege zur Hand. - Auch hier sind die vermeindlich erkennbaren "Fehler" Spiegelungen.
Angefügte Bilder:
Foto394.jpg   Foto395.jpg   Foto397.jpg   Foto399.jpg  
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Walter_Wipf Offline



Beiträge: 92

12.07.2009 01:33
#32 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

Ich habe leider einige Beiträge ausgelassen, weil ich nicht dazu gekommen bin viel zu schreiben.

Der Canadier schläft noch auf dem Bock, aber ich bin sicher, er träumt schon vom Wasser. Er ist fertig Lackiert, nur die Sitze sind noch nicht wieder montiert, dazu ist der Lack noch zu frisch.

Auf den Fotos zu sehen: Totalaufnahme des Canadier. Meine Mittelducht, ausgearbeitet als "Tragejoch", und der Bug von innen gesehen. Ich habe die vergangenen Tage intensiv gearbeitet um das hinzubekommen, mehrmals zwischen 15 und 20 Stunden am Tag.

Ich gebe zu, ich habe mit dem Schnick-Schnack ein bisschen Gewicht verschenkt, jedoch ist es mir das Wert, weil mein Canadier wohl der einzige auf der Welt ist der genau so ausgearbeitet wurde. Der "Deckel" im Bug und im Heck ist ein grosser, wasserdichter Schraubverschluss, der die "Kammern" im Bug und Heck wasserdicht schliesst und somit diese Kammern zu wasserdichten Stauraum und auch Schwimmer für den Notfall macht. Ob sie wirklich 100% dicht sind werde ich sehen. Da ist von innen und aussen Epoxid drauf und mehrere Schichten Lack. Das Gewinde habe ich von einer Weithalstonne, einer Expeditionstonne, abgeschnitten. Der Schraubverschluss ist in einer konischen Nut in Epoxi eingegossen und wegen der besseren Optik ist auch auf dem Deckel eine Holzabdeckung. Auf dem vierten Foto ist das während der konsruktion zu sehen. Links von innen gesehen und das Gewinde liegt daneben, rechts zusammengesetzt und von aussen gesehen. Die Kerben und Löcher sollen dem Epoxi mehr Fläche bieten, um besser greifen zu können. Eine Lage Flugzeugsperrholz fehlt auf dem Foto noch, nämlich die Innereste die das ganz zusammanhält und es fehlt auch noch das Loch in der Mitte. Für das Loch kann man beim rechten Gewinde ein Stück des gezeichneten Kreises sehen. Die äusserste Schicht besteht übrigens aus ca. 5mm Ahorn, aus Ahorn sind auch die Abdeckungen für die Deckel.
Die Deckel haben verschiedene grössen, hinten ist er grösser und vorne, wo für die Beinfreiheit des vorderen Sitzes der Platz gebaucht wird, ist er kleiner und somit näher am Steven.

Ich werde gerne erzählen was ich sonst noch gemacht habe. Alleine das Tragejoch wäre einen Beitag wert, jedoch müsst ihr euch leider noch etwas gedulden. Ab Morgen bin ich 3 Wochen unterwegs mit Familie und Canadier. Am Montag oder Dienstag ist der Canadier das erste mal im Wasser. Nur Tagesausflüge in stehendem Wasser von einem Basiscamp aus, anspruchvollere Touren wage ich mich mit meiner fehlenden Erfahrung und vielen kleinen Kindern nicht. Das ganze soll ja der beschaulichen Erholung dienen und nicht gefährlich sein. Ich bin einfach der gemütliche Paddler :-)

Weiter habe ich mir 6 kleinere Weithalstonnen (6 und 12 Liter) gekauft die unter die Sitze und unter das Tragejoch passen. Diese dienen als weiterer Wasserdichter Stauraum und als Schwimmer in der Not. Ich befestige die Tonnen mit Karabinern, die lassen sich also im Notfall relativ einfach lösen und als "Schwimmhilfe" verwenden. Nein, das ist nie im leben ein Ersatz für eine Schwimmweste, aber ich finde mit Kindern unterwegs man kann nicht genug dabeihaben das Schwimmt. Die vielen kleinen Fässer habe ich gekauft weil ich mir dachte, dass die Sicherheit vieler kleinen Schwimmer grösser ist als die von wenigen grossen. Ausserdem lassen sie sich praktisch verstauen, eines passt sogar in die Heckkammer und ist somit 2mal Wasserdicht geschlossen für Brieftaschen, Mobiltelefon etc. Die Seile und rostfreien Karabiner habe ich noch angebracht.
Auch habe ich mir vier "Schaumstoffschlangen" gekauft. Keine Ahnung wie die Dinger richtig heissen. Runde Schaumstoffschlangen von ca. 8cm Durchmesser und 170cm Länge. Diese dienen, aussen am Boot über die Scheuerleisten gehängt, ebenfalls als Schwimmer und man kann sie wegnehmen, auf den Boden legen, und den Canadier darauf an Land abstellen ohne den Boden zu ruinieren.

Wenn ich morgen dazu komme mache ich noch ein Foto fix-fertig montiert mit der Ausstattung. Kann ich aber nicht Versprechen, wir haben einen grossen Anhänger rand voll mit Material, das verladen werden will. Dieses Jahr sind wir eine relativ kleine Gruppe, lediglich 3-4 Erwachsene und um die 10 Kinder.

Ich werde nach den drei Wochen berichten, wie sich das alles bewährt hat. Zu Not habe ich für alle Fälle mein altes Gummiboot dabei. Ich hoffe jedoch, dass das alte Teil zum letzten mal mit muss, es verdient seinen Ruhestand.

Angefügte Bilder:
10196.jpg   10198.jpg   10199.jpg   10120.jpg   10187.jpg  
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Walter_Wipf Offline



Beiträge: 92

12.07.2009 12:06
#33 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

So, noch schnell die versprochenen Fotos.

Dann wünscht mir mal Hals- und Beinbruch bei meiner ersten Fahrt.

Angefügte Bilder:
Foto555.jpg   Foto556.jpg  
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the painboater Offline



Beiträge: 10

12.07.2009 22:12
#34 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

viel verstehe ich ja nicht von Holzbooten, aber für mich sieht das klasse aus!

I feel pain when I paddle. I feel a lot more pain when I'm not paddling. It feels so good when the pain weakens.............

Walter_Wipf Offline



Beiträge: 92

03.08.2009 14:45
#35 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

Also, zunächst mal eine Einschätzung des Redbird, nachdem ich die Möglichkeit hatte auch einige andere Canadier zu Paddeln. Alle Erfahrungen in STEHENDEM WASSER, ich befahre bis jetzt keine Flüsse.

- Allgemein: Der Redbird ist ein schnelles Ausflugsboot ohne all zu grosse Zuladungsmöglichkeit. Er läuft wunderbar geradeaus und lässt sich dennoch vernüftig lenken. Die Wendigkeit ist bei stehendem Canadier am besten, um so mehr Fahrt, um so "linientreuer" läuft er. Ausserdem ist er merklich weniger wendig, wenn er bis ans Limit beladen ist.

- Leistencanadier: Die Bauform des Leistencandier ist schwerer und heikler als andere Bauformen. Eine Kunststoffschüssel ist deutlich leichter und sehr viel robuster wenn sie über das Kies geschleift wird. Ungeschlagen ist jedoch die wunderschöne Erscheinung des "Holz"-Canadiers, man erregt einige Aufmerksamkeit damit.

- Grösse: Die Grösse ist so eine Sache. Eigentlich ist der Redbird für einen Solopaddler zu gross. Er ist geeignet für zwei Paddler mit Gepäck oder drei nicht zu schwere Erwachsene. Das Handling alleine ist sehr anspruchsvoll, eigentlich ist verladen, tragen etc. alleine nicht vernünftig zu schaffen.

- Kentern: Die Anfangsstabilität ist ok, bei zwei Erwachsenen wird die Stabilität am besten. Wenn man dann weiter zuläd (3 Erwachsene plus Kind plus Gepäck) schafft der Redbird auch das, jedoch wird die stabilität massiv schlechter.

- Solo: Eigentlich kann der Redbird alleine nicht gepaddelt werden. Man sitzt hinten und hat den Bug weit aus dem Wasser ragen oder man sitzt näher in der mitte, wo der Canadier für confortables paddeln zu breit ist. Ich habe das so gelöst, dass ich etwa 70 Liter Wasser in den Fässern in den Bug geladen habe. Nach meiner Meinung "läuft" der Canadier am besten so.

- Wind und Wellen: Ich wollte einen Kurs "hart am Wind" Paddeln. Ein Surfer meinte es war Windstärke 5 mit Böen bis 7. Der Kurs war unmöglich zu halten. Ich habe meine 70 Kg Wasser geladen, meine Frau in den Bug gesetzt und zusätzlich wohl noch über 100 KG Ballast geladen. Dann war der Kurs easy zu halten. Vorher war die Angriffsfläche für den Wind über dem Wasser zu gross und die Führung des Canadiers im Wasser (Tiefgang) zu gering. Obwohl relativ schwer beladen hat der Canadier den Wellengnag auch direkt von der Seite ohne Probleme verkraftet. Dabei natürlich immer die goldene Regel beachtet: "Nie am Bootsrand festhalten".
Sehr gut bewährt hat sich auch die Bootsform und der Süllrand. Wir hatten gegen den Wind auf jede Seite 1.5 - 2 Meter weit Spritzwasser und kaum einen Tropfen im Boot. Ich denke die grosse Länge wirkt stabilisierend bei Wellengang, ausser natürlich direkt von der Seite.
Feige wie ich nun mal bin habe ich mich bei diesem Wetter nie zu weit vom Ufer weggewagt und darauf geachtet, dass ich den Wind immer vom Wasser zum Land hin hatte.

- Zuladung: Hier hat der Redbird seinen schwachen Punkt. Ich denke die schlanke Bootsform und elegante Linienführung verschenkt einiges an möglichem Volumen und damit an Nutzlast. Gemessen an der Länge und dem Gewicht ist die Zuladung eigentlich deutlich zu gering.

- Offene Frage: Ich weis noch nicht wie gut der Canadier nach einem Kentern im offenen wasser wieder flott zu kriegen ist. Das muss ich an einem sicheren Ort mal testen.

Wichtiger Hinweis: Alle Erfahrungen sind Einschätzungen eines Laien. Also ohne jede Garantie.

Ich werde nächstens noch ein paar Urlaubsfotos aufschalten.

Frank Münker Offline




Beiträge: 132

03.08.2009 22:26
#36 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

Lieber Walter,

mich würde, nach dem ich deinen Trade so lange verfolgt habe, doch interessieren, ob deine Angaben der Gewichte, nach dem du so genau Einblick in deine Arbeit gegeben hast, wirklich auf exakte Wägung des Ballasts beruhen oder ob du das nur geschätzt hast (meine Tochter behauptet nämlich, dass ein Schweizer diese Angaben nur nach genauem Abwiegen äussern würde).

Viele Grüße,

Frank

Rene11 Offline



Beiträge: 105

04.08.2009 10:24
#37 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

Hallo Walter,

ich habe den gesamten Thread mit allergrößtem Interesse gelesen!
Vielen Dank für deine unendliche Mühe den ganzen Bau in Wort und Bild festzuhalten
und uns zur Verfügung zu stellen.

Ganz kurz ein paar Gedanken zu:

> - Grösse: Die Grösse ist so eine Sache. Eigentlich ist der Redbird für einen Solopaddler zu gross.
> Er ist geeignet für zwei Paddler mit Gepäck oder drei nicht zu schwere Erwachsene.
> Das Handling alleine ist sehr anspruchsvoll, eigentlich ist verladen, tragen etc. alleine nicht vernünftig zu schaffen.

Dein Redbird hat ein Tragejoch. Du kannst dich solo auf eine Personenwaage stellen
und danach noch einmal auf die Waage mit dem Redbird auf der Schulter, dann die Differenz errechnen.
Wieviel wiegt dein Boot genau? Mich interessiert das sehr, denn wenn ich 65 bin, will ich auch mal .....
Auch ich liebäugle mit dem Redbird, aber vielleicht ein wenig verlängert? 40 .... 50 cm länger ?


> - Kentern: Die Anfangsstabilität ist ok, bei zwei Erwachsenen wird die Stabilität am besten.
> Wenn man dann weiter zuläd (3 Erwachsene plus Kind plus Gepäck) schafft der Redbird auch das,
> jedoch wird die Stabilität massiv schlechter.


Interessant ist es die Anfangs- und die Endstabilität zu vergleichen.
Die können sehr, sehr unterschiedlich sein.


> - Solo: Eigentlich kann der Redbird alleine nicht gepaddelt werden. Man sitzt hinten
> und hat den Bug weit aus dem Wasser ragen oder man sitzt näher in der mitte,
> wo der Canadier für confortables paddeln zu breit ist. Ich habe das so gelöst,
> dass ich etwa 70 Liter Wasser in den Fässern in den Bug geladen habe.
> Nach meiner Meinung "läuft" der Canadier am besten so.

Wenns darum geht, auf stehenden Gewässern Kilometer zu sammeln ist das o.k.
Statt der 70 Liter Wasser habe ich vorne meine beiden Hunde sitzen oder liegen.

Aber ohne diese 70kg Wasser-Ballast geht es auch:
Knie dich in Kanumitte nieder und zwar zur Paddelseite hin versetzt, ganz dicht an die Bordwand.
Dadurch kantet der Redbird auf.
Aufkanten heißt: "Das Boot mit Krängung fahren"
Schau dir dazu einmal die Videos auf Sebastians homepage an:

http://www.freestylecanoeing.org/

Auf diese Weise wird das Solopaddeln plötzlich viel, viel einfacher,
denn die Vortriebskraft und die Mittellinie des (veränderten !!!) Unterwasserschiffs liegen jetzt dichter beieinander.
Du musst dann nicht die 70 kg Wasser-Ballast mitschleppen.
Du kannst mit dem Paddel vor der Drehachse des Boots agieren und dahinter.
Du hast plötzlich eine ungeahnte Fülle von Möglichkeiten als Solopaddler.
Vor allem bei Wind kommen die großen "Aha"-Erlebnisse.

> Feige wie ich nun mal bin habe ich mich bei diesem Wetter nie zu weit vom Ufer weggewagt
> und darauf geachtet, dass ich den Wind immer vom Wasser zum Land hin hatte.


Ich würde sagen, das ist nicht feige, das ist sehr, sehr klug!


> Offene Frage: Ich weis noch nicht wie gut der Canadier nach einem Kentern im offenen wasser
> wieder flott zu kriegen ist. Das muss ich an einem sicheren Ort mal testen.


Dazu gibts Einiges an aktueller Information hier im Forum !
Zum Beispiel in der Rubrik "Allgemeines Canadierforum"
Thread-Überschrift: "Selbstrettung bei einer Gepäcktour"
Startbeitrag: 08.06.2009 10:55 Uhr von Frank Moerke.
Zwei Kanusäcke (wasserdichte, luftdichte Packsäcke) zusammenbinden und den Canadier mit einer Leine am Tragejoch so aufrichten,
wie man eine durchgekenterte Segeljolle aufrichtet und dabei darauf achen, dass die untere der beiden Süllrandmitten
beim Aufrichten genau im "Tal" zwischen den beiden Kanusäcken liegt.
Auf diese Weise schwimmt dein Redbird nachher wieder fast leer auf dem See.
Wenn die Packsäcke genügend Auftrieb entwickeln läuft sogar komlett alles Wasser beim Aufrichten raus aus dem Boot.

Nur das Wieder-Einsteigen ist für einen Solopaddler ein Problem.
Zwei Paddler dagegen können gleichzeitig von verschiedenen Seiten ins Boot klettern,
wenn sie es schaffen, sich gegenseitig in der "Waage" halten.

Sonst: Es gibt spezielle Kurse für die Selbstrettung
und es gibt ein sehr, sehr gutes Buch über alles,
was Canadier-Freaks wissen sollten:

Titel: "Faszination Kanusport"
Verfasser: Gary & Joannie McGaffin
(deutsche Ausgabe)
Heel-Verlag Gmbh, Königswinter

Eine ganz, ganz kleine finanzielle Investition,
die sich auf jeden Fall bezahlt macht.




> Ich werde nächstens noch ein paar Urlaubsfotos aufschalten.

Super, darauf freue ich mich sehr!

Gruß
René (11)

Jörg Wagner Offline



Beiträge: 871

04.08.2009 10:57
#38 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

Walter,
am kommenden WE ist am Schiffenensee nahe Bern Siesta Oppi´s Paddelevent mit der Möglichkeit, ein paar gute Tips zur Paddeltechni8k zu erhalten.
Sebastian hat in seiner Bescheidenheit nicht erwähnt, daß er auch da sein wird, ich selbst komme am Freitagnachmittag.
Peace& Happy Paddling
Jörg Wagner

Walter_Wipf Offline



Beiträge: 92

04.08.2009 22:14
#39 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

@Frank
Ich muss zugeben, dass ich den Ballast nicht nachgewogen habe. Ich fülle 2 Fässer à 22 Liter und 4 Fässer à 6 Liter und komme so auf 74 Liter Wasser. Wenn die Volumen der Fässer stimmen und davon ausgehend, dass ein Liter Wasser ein Kilo wiegt komme ich somit grob auf 70 Kilo Ballast. Soweit hatte deine Tochter wohl recht, es ist eine relativ exakte Angabe.
Die "wohl 100 Kilo" aus dem weiteren Text sind sehr grob geschätzt. Es war wohl her noch etwas mehr, aber ich habe es nicht auf eine Waage gestellt.
Meine Frau sagt, dass sie 65 Kilo wiegt. Ich wage es aber nicht das mit "schweizer Präzision" zu kontrollieren, sonst bekomme ich, fürchte ich, plötzliche Hodenschmerzen.


@Rene
Ich wäge den Canadier gerne, aber erst morgen. Bin ja selber gespannt. Einige Kilo habe ich verschenkt. Ich habe 2 Schichten Epoxi und Glasfaser auf der Aussenseite, ausserdem sind Decks und Tragejoch auwändig gelöst. Man kann den Redbird sichjer leichter hinbekommebn.


@Jörg
Danke für die Einladung, aber ich werde wohl nicht kommen können. Leider.

Walter_Wipf Offline



Beiträge: 92

17.08.2009 21:30
#40 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

Der Canadier wiegt genau 28 Kg. Wie gesagt, ein paar kg geht es bestimmt leichter.

Beim Handling mit dem Canadier sind es nicht so sehr die Kg, die Probleme machen, sonder schlicht die Grösse. Ich trage das Boot immer zusammen mit einm Kind. Ich schleppe die Kg, und ein Kind hält an Bug oder Heck den Canadier im Gleichgewicht.

lej ( gelöscht )
Beiträge:

17.08.2009 22:36
#41 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

Moin Walter
Saubere Arbeit, was du da gemacht hast sieht schon toll aus, Glückwunsch.
Zum Tragen, könnte es sein, dass das Tragejoch nicht genau in der Gewichtsmitte liegt? Meine Kanus wiegen auch je 28kg und lassen sich bei normalem Wind noch gut mit einer Hand dirigieren, ich muss dabei meinen Jüngsten, wenn es z.Bsp. über Straßen geht, oft an der Hand halten. Zwei cm zu weit nach Vorne oder Hinten kann schon viel ausmachen.
Gruß Jürgen

Rene11 Offline



Beiträge: 105

18.08.2009 00:21
#42 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

.
.
> könnte es sein, dass das Tragejoch nicht genau in der Gewichtsmitte liegt?


Hallo,

ich denke, es ist besser, wenn das Tragejoch geringfügig vor dem Schwerpunkt liegt.
Ich strecke dann beide Arme ganz weit nach vorne aus und halte das Boot am Süllrand fest.
Das Übergewicht hinten muss nun meinen Armen vorne gerade so das Gleichgewicht halten,
dann passt das, --- so liebe ich das.

Gruß
René

Walter_Wipf Offline



Beiträge: 92

21.08.2009 22:24
#43 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

Auch ich habe das Tragjoch geringfügig vor dem Schwerpunkt. Das tragen schaffe ich easy alleine. Wenn man den Canadier "Über dem kopf hat" fällt es schwer Treppen zu laufen, um Ecken zu gehen oder eine Strasse zu überqueren. Dafür brauche ich immer eines meiner Kids.

Anbei die versprochenen Urlaubfotos. Ich hoffe mal ich bekomme keinen Ärger, weil ich so viele Fotos hochlade. Wie man sehen kann gibt es in der dicht bevölkerten Schweiz durchaus abgelegene Orte, auch wenn man dafür einen gewissen Anfahrtsweg in kauf nehmen muss. Mag sein, dass die Bilder mit stehendem Wasser auf eingefleischte WW-Paddler langweilig wirken, aber mir gefällt es so. Ausserdem will ich als Paddleranfänger mit Kindern wirklich keine Risiken eingehen. Die grösseren beiden Kinder sind ohne Schwimmhilfe von mir im Boot begleitet über den See geschwommen, den man auf den Fotos sehen kann.

Inzwischen sind diese Fotos schon veraltet. Ich hab noch einen Ausflug gemacht auf einem Bergsee. Ein Traum. Mehrere hundert Meter Felswand die direkt in den See "stürzt". Das nächste mal muss ich unbedingt Fotos machen, auch wenn ich diese Bilder nie wirklich in einen Fotoapparat einfangen kann.

Angefügte Bilder:
A.jpg   B.jpg   C.jpg   D.jpg   E.jpg   F.jpg   F1.jpg  
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Walter_Wipf Offline



Beiträge: 92

11.09.2009 09:03
#44 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

Wenn euch meine Fotos nerve, dann schreibt mir und ich lasse es.

Ich freue mich am fertigen Canadier und zeige ein paar weitere Impressionen. Leider habe ich von der erwähnten Felswand noch immr keine Fotos, jedoch von einem anderen Bergsee. Auf den Fotos kann man einen Eindruck der Landschaft bei uns bekommen, auch wenn man ein Gebirgspanorama nicht mit einem Fotoaparat einfangen kann. Auf einem Foto kann man einen Felsabsturz sehen. Die Dimensionen sind gewaltig, ich habe auf dem Geröllfeld mit den Kids das Piknik gemacht, am Schluss musste ich die Kids in den Felsen zusammensuchen. Einen Eindruck kann man bekommen, wenn man sich die ausgewachsenen Tannen daneben ansieht.
Das fünfte Bild ist ein Foto von mir, gemacht von einem Freund, während den Schleifarbeiten im inneren des Canadiers. Mein Freund hat das Foto in der Schule, in der ich Arbeite, aufgehängt. Ihr glaubt es kaum wie oft ich daraufhin das Wort "Staubmaske" gehört habe, also spart euch diesen Kommentar bitte.

Ich war seit diesen Fotos nochmal auf einem anderen Bergsee, dort hatte es einen Wasserfall von enormer Höhe. Auch wenn es im Herbst nicht soooo viel Wasser hat sind es, grob geschätzt, über hundert Meter freier Fall des Wasseres in den See. Leider hatte ich wieder keinen Fotoapparat dabei, ich werde mir also erlauben in einiger Zeit nochmal ein paar Fotos aufzuschalten.

Um die Frage, die ich per Mail erhalten habe, zu beantworten: Die Fotos von diesem Beitrag sind weniger als 20 Autominuten von meinem Wohnort entfernt entstanden. Ich denke man kannn durchaus sagen, dass ich in den Bergen wohne.

Angefügte Bilder:
Foto594.jpg   Foto596.jpg   Foto597.jpg   Foto601.jpg   ZZ_DSC_0025_copy.JPG  
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lej ( gelöscht )
Beiträge:

11.09.2009 10:16
#45 RE: Tagebuch eines Canadierbauers antworten

Moin
Mich nerven die Fotos nicht, ein schönes Kanurevier hast du da. Freue mich auf die nächsten. Kannst ja mal mit den Kindern ein paar Fische fangen, würde mich interessieren was es da so gibt.
Gruß Jürgen

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