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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 1.054 mal aufgerufen
 Tourenberichte
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Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

17.05.2015 03:25
Pustige Eidertour antworten

Moin,
es sind ein oder sogar fast 2 Jahre Paddeltourenabstinenz, die sich schon beim umständlichen und viel zu umfangreichen Packen bemerkbar machen.
Henrik hat mich mit Lej nach einer längeren Bauphase aufs Wasser gelockt also kein Standlager oder Treffen oder so sondern richtig wieder unterwegs mit Übernachten und allen Unwägbarkeiten und Erlebnissen die die schönste Form des Kanupaddelns eben nun mal ausmachen.
Wegen der angesagten festen Westwindlage starten wir ca. 14 Uhr kurz hinter der Nordfelder Schleuse ungefähr am Einlauf der Bokholmer Au gegen die langsame Fließrichtung der Eider. Henrik segelt uns bei erträglichem Wind mit seinem Wingpaddel ein ganzes Stück davon was nicht an unserem Unvermögen liegt sondern an seinem unverschämt schnell laufenden SRT von Hemlock. Wir sind deutlich schwerer und breiter, haben jedoch auch erheblich mehr Segelfläche????
Drei Seeadler ziehen am Himmel ihre Kreise, die Sonne verwöhnt uns und der Segelwind ist moderat aus passender Richtung, in Henstedt Horst machen wir Kaffeepause während unser Bordhund Charly meint eine rotbunte Kuh fressen zu müssen, mit vereinten Kräften legen wir ihn an die Leine, die Kuh hat es überlebt!
Eine halbe Stunde später erreichen wir gegen 18 Uhr Süderstapel und bauen unser Lager an dem Zeichen mit der gelben Welle auf. Entlang Eider, Treene und Sorge gibt es ausreichend Plätze zum Übernachten die mit der gelben Welle gekennzeichnet sind, neben einigen normalen Campingplätzen eine sehr preiswerte Alternative zumal viele ausgezeichnet mit Sanitäranlagen etc. ausgestattet sind und oft sehr zentral in den hübschen Ortschaften liegen wo man auch immer wieder den Storch auf seinem Nest beobachten kann.
Lej fängt seinen ersten Fisch, einen kleinen Kaulbarsch, nicht küchentauglich. Henrik zaubert ein Abendessen und unterstützt mich dabei überhaupt mit Lej und seinen Bedürfnissen klar zu kommen, mal ganz abgesehen vom Zeltaufbau usw. , ich tue mich noch ganz schön schwer auch die Knochen spielen noch nicht so richtig mit. Nach Henrik`s Biorotwein in Kombi mit einem Direktimport aus dem Land der besten klaren Genüsse geht es ins Bett.
Den ohrenbetäubenden Lärm in unmittelbarer Nähe am viel zu frühen Morgen versuche ich erst zu ignorieren, es gelingt mir genau so wenig wie Henrik nur Lej stört es noch nicht. Der Typ muss irre sein, direkt neben den Zelten ist der Gemeindearbeiter mit der Motorsense dabei das Kraut um zu legen. Mordgelüste plagen uns!
Nach kurzer Zeit kommt der Mähheini auf uns zu und murmelt was von zur falschen Zeit am falschen Ort, morgen kommt der Gemeinderat und nimmt die Anlage ab, er könne nichts dafür. Er ist Jäger und in einer Pause unterhalten wir uns über Elchjagd in Schweden und Wölfe die auch bis hier her bereits ihre Kreise ziehen. Wie es der Zufall will, nehme ich in der nächsten Woche an einem Wolfssymposium an der Kieler Uni teil.
Wir sind der gleichen Meinung, erst mal abwarten und schauen wie sich das mit dem Wolf entwickelt. Vieles wird nur halb so heiß gegessen wie es gekocht wird und eine brauchbare Lösung wird sicher auch für das Zusammenleben mit Isegrim zu finden sein.
Irgendwann nach 15 Uhr sind wir auf dem Wasser, Henrik ist nicht die Ursache des späten Aufbruchs.
Der Wind hat entgegen der Vorhersage auf Süd gedreht und zugelegt, wir kämpfen uns mit Technik, Taktik und nur wenigen Segelmöglichkeiten unter teilweise kaltem Prasselregen mit Sturmböen gegenan. Um 19 Uhr erreichen wir Pahlen.
Auf dem schönen Platz dicht am Ortszentrum in der Nähe der legendären Eiderhalle fühlen wir uns schnell wohl und bekommen netten Kontakt zu den einheimischen Anglern.
Lej lässt mir keine Ruhe, Henrik hat längst sein Geraffel fertig aufgebaut und kocht bereits eine vorzügliche Gemüsesuppe. Ich habe noch nicht mal das Zelt stehen und bin ja sowieso nicht der Schnellste.
Lej nervt erst damit, dass ich zuerst das Angelzeug klar machen muss, kurze Zeit später dann damit, dass er deeen Hecht seines langen Anglerlebens verloren hat und dieser mit meinem besten Zanderwobbler auf und davon ist. Erst mal verliere ich ganz leicht die Fassung, dann montiere ich einen neuen Wobbler und zeige Lej noch mal wie man damit erfolgversprechender um geht bevor ich mich wieder dem Zeltaufbau widme. Henrik füttert mich durch, vermutlich denkt er ich bekomme gleich einen Infarkt, eigentlich liegt er damit nicht verkehrt.
Zelt steht, Betten sind bezugsfertig. Lej gröhlt schon von weitem unüberhörbar Heeecht!! Hat er doch den gleichen Fisch noch mal gefangen. Er hatte den ersten Köder noch im Maul. Mit seinen gerade mal 70cm kein Riese, für Lej eine tolle Leistung den Fisch mit 25er Schnur eigenständig zu landen. Er ist stolz wie Oskar, Papa auch ein bisschen.
Bei einem 6-7er Wind wieder aus West, in Böen reichlich drüber, starten wir gegen 16 Uhr in Richtung Hohner Fähre kurz hinter dem Einlauf der Sorge. Bei dem starken Wind haben wir glücklicherweise die Nase wieder vorn, Henrik hat es jetzt nicht so leicht die bis 8BF Böen zu verdauen denn er hält das Band des Windpaddels nur mit Hilfe des Hinterkopfes und der daran befindlichen Ohren. Ich habe mich später nicht getraut ihn zu fragen ob die Brandblasen hinter seinen Ohren von der Segelbefestigung oder der Sonne stammen.
Beide Canadier kommen wiederholt ins surfen, ein tolles Gefühl die Wellen zu überholen. Mich wundert es, dass Henrik bei dem Tempo, den Wellen und seinem schmalen Dampfer keine Bauchlandung macht auch ganz unabhängig davon , dass er recht gut paddeln kann und langjährige Erfahrung mit bringt.
Gegen den Wind ohne Segel ist er immer unverschämt schnell voraus verschwunden, wir können da nicht im Ansatz mit halten. Das Kanu überzeugt mich immer mehr darin, dass es zu den seltenen eierlegenden Wollmilchsäuen gehört, genau so wie mein Yellowstone Tandem den ich auch nie wieder hergebe. Leider ist der SRT von Hemlock ein Soloboot. Wendig, schnell, mit Volumen in den Enden und reichlich Zulademöglichkeiten, ein Ausnahmecanadier der noch von sich Reden machen wird, verlasst euch drauf und richtig schön verarbeitet ist er auch noch! Henrik sollte unbedingt einen Typenbericht im Forum ein stellen. Würde mich mal interessieren wer noch so ein Teil fährt und was der oder die dazu sagen.
Nachdem uns der Wind plötzlich fast vom Wasser fegt suchen wir in Königsförde vorübergehend an Land in einer Ferienhaussiedlung mit Bootsanleger Schutz vor einer nahenden schwarzen Unwetterwalze. Gegen 19 Uhr erreichen wir nach dem bisher traumhaftesten Streckenabschnitt kurz hinter der Sorgeeinmündung die Hohner Fähre und fahren mit dem dort abgestellten Fahrzeug zurück nach Pahlen wo wir wegen des vorherigen Regens unsere Zelte stehen gelassen haben.
Am morgen stellen wir die Zelte nach Lexfähre um und starten gegen 15 Uhr ab Hohner Fähre. Der Wind legt unterwegs wieder deutlich zu, Lej fängt im Bereich einer größeren Auwaldinsel noch zwei weitere Hechte, beide sind leider zu klein und werden zurück gesetzt. Immer wieder begegnen wir Graugänsen mit bereits recht großen Küken, Kuckucke rufen überall, Austernfischer , Reiher, Rallen, Enten , Hasen und Rehe passieren wir am Gewässerrand.
Vom starken Wind sind wir gut ausgekühlt, Pause mit Würstchen braten gelingt nur mit Hilfe eines schützenden Tarps.
Etwas später haben wir die Schleuse von Lexfähre erreicht. Die im Jübermann eingetragene Ausstiegsmöglichkeit existiert nicht mehr.
Nützt nichts wir müssen raus und voran schreitend versinke ich in einer Schilf und Brennesselwildnis unangenehm bis über die Knie im Schlick. Schei.., wir schaffen es dann bis zum gemähten Schleusengelände, schleppen alles bis zur Straße und Henrik holt die Autos für die letzten 300m während ich die Kleidung wechsele und Charly im Rasen der Schleusenanlage einen ordentlichen Trichter vom Mäusebuddeln hinterlässt.
Es ist mittlerweile spät geworden, lej und Henrik verschwinden schnell in der Koje, ich besuche noch Vladimir auf seinem Colin Archer und bin nach reichlich Wein und wilden russischen Geschichten gegen 2 Uhr dann auch in der Falle.

Am nächsten Tag dann Packen und Abreise. Eine schöne Tour zum Wiederbeginn des Tourenpaddelns ist zu Ende.

LG Jürgen

Kleiner Filmausschnitt: http://www.kanutube.de/video/Eidertour-v...f8fa9f76d0ae678

Angefügte Bilder:
DSCF6366.JPG   DSCF6437.JPG   DSCF6440.JPG   DSCF6371.JPG   DSCF6375.JPG   IMG_20150512_232151.jpg   DSCF6389.JPG   DSCF6392.JPG   DSCF6399.JPG   DSCF6422.JPG   DSCF6434.JPG  
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Gegendenstrom Offline



Beiträge: 140

17.05.2015 09:40
#2 RE: Pustige Eidertour antworten

Hej Jürgen,
danke für den schönen Bericht. Die Brandblasen sind mir garnicht aufgefallen
Hoffe auf eine baldige Wiederholung,
lG Henrik

Alles ist möglich, nichts ist sicher....

Angefügte Bilder:
03-DSCN0637.JPG   20-DSCN0657.JPG   23-DSCN0661.JPG   25-DSCN0663.jpg   05-DSCN0639.JPG   08-DSCN0642.JPG   09-DSCN0643.JPG   11-DSCN0645.JPG   15-DSCN0650.JPG   16-DSCN0651.JPG   17-DSCN0653.JPG   19-DSCN0656.JPG  
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ich Offline




Beiträge: 463

17.05.2015 19:09
#3 RE: Pustige Eidertour antworten

Das sieht ja sehr schick aus!

Petri an Lej!

Hoffe irgendwann bin ich mal wieder dabei ;)

www.cc-30.com

DasLottchen Offline




Beiträge: 206

17.05.2015 21:40
#4 RE: Pustige Eidertour antworten

Sehr schön!
Danke für den Bericht und die schönen Bilder.

„Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.“
(Astrid Lindgren)

docook Offline




Beiträge: 884

18.05.2015 12:08
#5 RE: Pustige Eidertour antworten

Moin Jürgen,
schöne Tour und der kl. Segelfilm ist prima (mit Kopfkamera gefilmt?). Da geht`s schon gut los. Erinnert mich an manch eigene Tour unter Segel.
Viele Grüße
docook

Info für die "Holzwürmer" unter uns:
6. Holzkanadiertreffen 19.6. – 21.6.2015 DAS ORIGINAL in Ritterhude. Infos siehe hier im Forum im eigenen thread.

Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

18.05.2015 15:39
#6 RE: Pustige Eidertour antworten

Moin docook,
Schot festgesetzt, eine Hand am Ruderpaddel, dann aus der Hand gefilmt.

LG Jürgen

docook Offline




Beiträge: 884

18.05.2015 15:49
#7 RE: Pustige Eidertour antworten

Moin Jürgen,
na, Du liebst den Nervenkitzel!!! Eine Böe zuviel und weg. Und erzähl mir jetzt nicht, das Du die Schot, selbst auf "slip" noch rechtzeitig los bekommen hättest ... aber es ist ja gut gegangen
Viele Grüße
docook

Info für die "Holzwürmer" unter uns:
6. Holzkanadiertreffen 19.6. – 21.6.2015 DAS ORIGINAL in Ritterhude. Infos siehe hier im Forum im eigenen thread.

Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

18.05.2015 16:41
#8 RE: Pustige Eidertour antworten

Moin docook,
außer mit dem Auto oder beim Üben bin ich noch nie gekentert. Nix Nervenkitzel, eine Bö sieht man kommen, die Schot habe ich zwischen den Zehen, ein kleiner Ruck und sie ist raus aus der von "unten" belegten Klemme. Wenn ich da ein Risiko sehen würde hätte ich Ausleger .
LG Jürgen

docook Offline




Beiträge: 884

18.05.2015 17:22
#9 RE: Pustige Eidertour antworten

Moin Jürgen,
ich weiß ja, dass Du mit Können und Bedacht an die Sache herangehst aber ich denke immer noch an eine Tour von mir mit dem übernachtungs-und tourfertig gepackten Canadier und dann kamen da ein paar Böen (siehe2 Bilder)...
3,5 qm Segel, Schoot aus der Hand,Böen ca. 6 Bft
Viele Grüße
docook
...und Abends im Canadier übernachtet.

Info für die "Holzwürmer" unter uns:
6. Holzkanadiertreffen 19.6. – 21.6.2015 DAS ORIGINAL in Ritterhude. Infos siehe hier im Forum im eigenen thread.

Angefügte Bilder:
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Spartaner Offline




Beiträge: 845

18.05.2015 17:34
#10 RE: Pustige Eidertour antworten

Tolle Tour, ich möchte auch einmal (oder mal wieder) so schön Touren-Segeln können (bei mir mangelt es im Ally noch an der Beherrschung des Seitenruders, und hier im Binnenland oft an zu wenig Wind).

Mein Favorit unter deinen Bilder ist übrigens dieses hier, zeigt es doch sehr anschaulich, mit welch ungeheurem Enthusiasmus ihr das perfekte Künzi-Holz zurechtschnitzt. Natürlich gibt es dabei jede Menge Abfall, aber was tut man nicht alles für das perfekte Bild ...

Gruß Michael

Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

18.05.2015 19:38
#11 RE: Pustige Eidertour antworten

Moin Michael,
der war gut! Übrigens machst du so schöne und ferne Touren da könntest du doch mal hier her zum Segeln kommen. Wind haben wir öfter genug! Schlei, Eider, Kieler Förde, Ostsee usw.. Ich wäre dabei und du könntest auch gerne den Yellowstone benutzen, mein Russlandgefährt müsste in 4-6 Wochen bis auf die Persenning fertig sein und dann muss ich üben, üben, üben und habe dann 2 einsatzfähige Segelkanus.
Was meinst du mit Beherrschung des Seitenruders?
LG Jürgen

Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

18.05.2015 19:49
#12 RE: Pustige Eidertour antworten

Moin docook,
das passiert mir doch auch, ich bin nur nicht ganz so traditionell unterwegs. Mein Schlafanzug ist trocken in Plaste verpackt und ich ziehe bei "Gefahr" immer schnell die Regenjacke über meine Baumwolle und Wollklamotten aber solche Bilder wie deine sind doch auch das Salz in der Suppe des Kansegelwanderns.
LG Jürgen

Kanuvirus Offline




Beiträge: 39

19.05.2015 09:38
#13 RE: Pustige Eidertour antworten

Moin,
schöne Tour, schöner Bericht, tolle Bilder: Vielen Dank dafür!

@ Henrik: Dein Boot hat ja einen Namen bekommen! Balou und Baghira grüßen erfreut!

Bis bald auf dem Wasser
Ralf

Wolfgang Hölbling Offline




Beiträge: 2.916

19.05.2015 09:48
#14 RE: Pustige Eidertour antworten

Sehr schön, ..und für mich ein wenig exotisch.
LGW

http://www.canoebase.at/
http://www.swiftcanoe.eu/

Wolfgang Hölbling

Donaumike Offline




Beiträge: 993

19.05.2015 14:08
#15 RE: Pustige Eidertour antworten

Hallo,

eine feine runde Segelsache im Canadier, auch die blaue Rundkappe mit Fenster. So ein Zubehör würde mir bei Stauseecharakterfahrten mit günstigem Wind auf der Donau bestimmt einiges abnehmen?

Was ist das denn für ein blaues Gerät, wo ist dies erhältlich, wie geht man damit richtig um, bringt das wirklich etwas?

Der SRT von Hemlock gefällt mir auch sehr...

Vielen Dank.

Grüße von der Donau oder nicht weit weg davon, Mike

„Kanu und Wasser, der Rest kann behalten werden“

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