Wildnistrip nach Ontario/ Kanada

23.02.2026 19:35
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#1 Wildnistrip nach Ontario/ Kanada
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Hallo zusammen!
Ich suche jemanden, der Zeit, Lust und Geld hat, um mindestens 2 (besser 3 Wochen) mit mir in Nordwestontario per Kanadier unterwegs zu sein. Reisezeitraum wäre ab Mitte September bis Anfang Oktober (2026- 2028 möglich). Da ist es weitgehend mückenfrei und die Temperaturen sind noch angenehm. Ein Outfitter, der uns ausfliegt, ist bereits ausfindig gemacht. Sehr weiträumiges Seengebiet ohne Wildwasser, das erkundet werden will. Portagen notwendig. Basiszeltcamp für schwieriges Wetter vorhanden.
Ich möchte gerne wilde Landschaften auf eigene Faust erkunden und genießen, paddeln, angeln, jagen (ohne Guide), draußen kochen usw.
Wichtigste Voraussetzungen sind Teamfähigkeit, Verlässlichkeit, Begeisterungsfähigkeit und Freundlichkeit. Durchschnittliche Fitness reicht. Ich möchte kein Marathonrennen fahren. Alles andere bekommen wir hin.
Das ist ein alter Traum von mir. Jetzt habe ich genügend Überstunden zusammen, um ihn umzusetzen. Mir fehlt nur jemand, der mitfährt…


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03.03.2026 12:12
#2 RE: Wildnistrip nach Ontario/ Kanada
As

Lieber Jojo L, die Reaktionen auf deine Anfrage scheinen ja nicht gerade überwältigend zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass viele europäische Kanureisende Kanada automatisch mit den Bildern, Berichten usw. von Westkanada verbinden. Zweifelsohne ist der Yukon und viele seiner Zuflüsse (z.B. Big Salmon River, Wind River, Teslin River usw.) eine Reise wert; mir jedoch sind sie zu populär d.h. zu viele Menschen unterwegs. In Nordwestontario fand/finde ich die Abgeschiedenheit welche mir deutlich mehr entspricht.

Um es vorneweg zu nehmen: ich werde meine Zeit im kommenden Frühsommer zum wiederholten Mal in der bezaubernden Wildnis Nordwestontarios verbringen, zudem unternehme ich inzwischen ausschliesslich Solotouren. Also als potenzieller Reisepartner komme ich nicht in Frage. Trotzdem erlaube ich mir hier ein paar Gedanken zu deiner geplanten Tour in Worte zu fassen.

Reisezeit: Der Herbst ist wunderschön für das Auge, nach den ersten Frostnächten zeigen sich die Blätter der Laubbäume und Büsche in atemberaubenden Farben. In dem von dir genannten Zeitraum sind kaum noch Kanureisende unterwegs, die Hauptsaison endet schon vor Mitte September. Das Wetter kann dir gut gesinnt sein, warme Temperaturen sind nicht selten, rechne jedoch mit plötzlichen Wetterumstürzen mit viel Wind, Regen oder gar Schnee. Die Mücken werden sicherlich nicht mehr so zahlreich sein. Dafür wirst du sehr wahrscheinlich noch viele wilde Beeren ernten können.

Reisegebiet(e): Persönlich habe ich Quetico Provincial Park, Woodland Caribou PP, Wabakimi PP und Umgebung (Crownland) bereist (über die Jahre verteilt, zusammengezählt ungefähr 35 Wochen). Alle sind meiner Meinung nach empfehlenswert. Man reist durch den borealen Urwald des Kanadischen Schilds, eines ursprünglich von Gletschern geformten Gebiets. Die Region ist relativ flach, Wasserscheiden zwischen Fluss-/Seensystemen bedingen oft nur die Überwindung von wenigen Höhenmetern, viele Flüsse sind sogenannte Pool and Drops (See -> leichte Strömung -> Stromschnelle oder Wasserfall ((die oft umtragen werden müssen)) -> leichte Strömung/See usw.) das bietet den Vorteil von möglichen Rundtouren. Man könnte an einer Stelle abgesetzt werden, sich dann nach Belieben eine Tour aussuchen, flussaufwärts und -abwärts reisen und an der selben Stelle wieder abgeholt werden.
Mit flach meine ich nicht eintönig; es kann durchaus vorkommen, dass man von einer Portage aus einen wunderbaren Blick über die umliegende Gegend erhaschen kann oder man plötzlich auf eine von Steilwänden (einige weisen Felsmalereien auf) gesäumte Uferzone trifft. Wer jedoch richtige Berge im Hintergrund erwartet, wie sie im Westen zu finden sind, wird enttäuscht sein. Garantiert wirst du wunderbare Sonnenauf- oder Untergänge erleben. Wenig überraschend wird das Gebiet deshalb auch Sunset Country genannt.

Portagen: Diese sind der Schlüssel zu den unendlich erscheinenden Routenmöglichkeiten. Verhältnismässig oft bereiste Routen weisen meist offene Wege auf. Wer breit ausgetretene, perfekt unterhaltene und markierte Pfade, wie sie hierzulande anzutreffen sind, erwartet...wird sich garantiert einen Frust einfangen. Man ist in der Wildnis unterwegs, Mutter Natur macht ihr Ding. Da gehören heftige Stürme, Waldbrände und im Winter manchmal hohe Schneelasten, einfach dazu. Das hat Auswirkungen auf die "Durchgängigkeit" von Portagen. Man sagt, etwa ein Drittel der Bäume im borealen Urwald befinden sich auf dem Weg gegen den Boden und ihnen ist es egal ob da eine Portage ist oder nicht. Wer eine gute Axt und Säge dabei hat, kann sich damit seinen Weg frei machen. Weiter muss mit nassen Füssen gerechnet werden, sumpfige Passagen gehören einfach dazu und sind weit verbreitet.

Jagen: Ist klar reglementiert. Vom Hörensagen weiss ich, dass für Nichtkanadier das Mitnehmen und Tragen einer Feuerwaffe nur unter Einhalten von vielen Bedingungen möglich ist. Falls du dich innerhalb von Schutzgebieten bewegst, ist die legale Jagd unmöglich. Ein Outfitter könnte dich da sicherlich gut beraten.

Fischen: Ich bin wahrscheinlich der schlechteste Angler der Welt. Dennoch gelingt es mir gelegentlich einen Fisch zu essen. Hechte (Northern/Pike), Glasaugenbarsch (Walleye/Pickerel) sind weit verbreitet. Dazu gesellen sich je nach Ort Kanadische Seesaiblinge/Namaycush (Lake Trout), andere Saiblingsarten sowie Amerikanischer Flussbarsch (Yellow Perch). Der Fischereidruck ist klein, verglichen mit dem in der Schweiz oder Deutschland. Auch das Angeln ist reglementiert und man muss dafür eine Outdoors Card, sowie eine Fishing Licence dabei haben.

Outfitter: Kostet zwar, kann ich aber nur empfehlen. Ich nehme an, dass du ein Kanu mieten wirst. Die meisten Outfitter kennen "ihr" Gebiet sehr gut, sind mit den Einheimischen vernetzt, verfügen über aktuelle Informationen zu den Routenverhältnissen, könnten im Notfall relativ schnell reagieren usw. Dazu kommt, dass die meisten nicht nur von Kanadischer Gastfreundschaft sprechen, sondern sie auch leben. Falls du dich zufälligerweise für die Dienste von Albert in Red Lake entschieden hast -> gute Wahl!

Eigentlich wollte ich nicht so viel schreiben...aber wahrscheinlich drückt durch, wie sehr ich die Region Northwest Ontario liebe und schätze.

Nun gratuliere ich zur super Wahl deines Reiseziels und hoffe, dass du einen oder mehrere Begleiter für dein Abenteuer finden wirst. Ich kann die Destination aus vollem Herzen empfehlen!


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03.03.2026 22:31
avatar  Jojo L
#3 RE: Wildnistrip nach Ontario/ Kanada
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Lieber Aslowhand,
herzlichen Dank für deine Antwort auf meine Anfrage. Ich habe mich sehr darüber gefreut!
Deine Beschreibung der Gegend ist glaube ich sehr treffend. Der Absetzpunkt wäre nördlich vom Woodland Caribou Provincial Park.
Für mich wäre es die erste Reise in diese Ecke. In Westkanada war ich schon mal. Auf die Idee bin ich durch einen Bekannten gekommen, der mehrmals dort gewesen ist. Nach längerer Suche hat der Outfitter Halleys Camps sich angeboten, eine Tour zu organisieren, die meinen Vorstellungen entspricht.
Das Hauptgeschäft sind Angeltouristen aus den USA, die sich für eine Woche in Camps ausfliegen lassen, in denen es an nichts mangelt. Von Kühlschrank bis Dosenbier alles da. In sofern waren meine Vorstellungen etwas exotisch.

Der Reisezeitraum umfasst den Indian Summer, also den kurzen borealen Spätsommer und Herbst. Nach Aussagen meines Bekannten muss man auf Wetterumschwünge wie von dir beschrieben vorbereitet sein. Insgesamt gibt es aber häufig recht stabile, kontinentale Wetterlagen mit recht angenehmen Temperaturen. Der Reisezeitraum von 3 Wochen bietet die Möglichkeit, eine schlechte Phase auch mal auszusitzen, ohne sich gleich wieder auf den Rückflug vorzubereiten zu müssen.

Reisegebiet und Portagen: Hier ergeben sich glaube ich zahlreiche Möglichkeiten in verschiedene Richtungen. Portagen zwischen Seen sind oft nicht sehr lang, häufig nur 100 bis 500m, aber die können mühsam sein. Die Seen sind in der Regel kleiner und bieten meistens eine windgeschützte Seite. Wenn Fließe befahren werden, können auch dort natürlich immer wieder Hindernisse in Form von Biberdämmen oder umgebrochenen Bäumen auftreten. Für mich ist das aber auch der Reiz, genau dort unterwegs zu sein.
Ich würde gerne auch den Flug mit einem Wasserflugzeug über dieses Land erleben. Es vermittelt einen Eindruck über die unendliche Weite dieser Naturlandschaft. Das sind einfach beeindruckende Maßstäbe. Dort unterwegs zu sein, das eigene Auskommen zu finden und letztlich zurückgeworfen zu werden auf die Grundlagen unserer Existenz ist für mich so reizvoll. Ich möchte das gerne mal erleben.

Jagd: Ontario ist die einzige Provinz, in der Ausländer eine Lizenz erhalten können und auf eigene Faust jagen dürfen. Für mich käme eine geführte Jagdreise aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Die Wilddichte in diesen Gebieten ist sehr gering und mit deutschen Verhältnissen überhaupt nicht zu vergleichen. Von den fünf Reisen, die mein Bekannter in dieses Gebiet unternommen hat, hat nur eine zum Jagderfolg auf einen Elch geführt. Das ist aber auch nicht das wesentliche. Von den drei Wochen Reisezeit wäre auch nur in zwei Wochen Jagdzeit. Aber die Möglichkeit, es zu versuchen, würde ich gerne nutzen. Dazu muss man sich mit den Verhaltensweisen der Elche auskennen und ihre Rufe imitieren. Das kann ich schon ganz gut, würde ich sagen.
Wenn man Glück hat, muss sämtliches Fleisch geborgen werden. Es wird dann mit dem Floatplane abgeholt und verwertet. Auch ein wichtiger Aspekt. Es geht also nicht um große Geweihe.

Fischen: Gehört für mich wie jagen zu dieser Landschaft dazu und dient in erster Linie der Ernährung. Nach meiner Kenntnis gibt es dort viele Zander (die lecker schmecken!) und, wie du beschrieben hast, in einigen Seen Lake Trout. Hechte auch überall. Ich angle seit meiner Kindheit und kann mich genauso über einen Fisch freuen, den jemand anders fängt. Und inzwischen reicht es mir auch, wenn das Abendbrot gesichert ist. Aber auch wenn es dort kaum Fischereidruck gibt, kann das Angeln nach meinen Informationen Geduld erfordern. Es ist eben kein Fischteich und niemand wartet dort nur auf unseren Haken.

Die einzige Möglichkeit, dass in dieser Form zu erleben, ist die, einen Outfitter zu finden, der die entsprechenden Lizenzen vergeben darf und uns ausfliegt.
Kannst du mir den Kontakt zu Albert in Red Lake vielleicht mal schicken?

Ich danke dir jedenfalls dafür, dass du meine Begeisterung teilst und meine Anfrage wieder ein bisschen aus der Versenkung gezogen hast.
Ich suche schon einige Jahre nach jemandem, der mitkommt. Ich mache einfach weiter. Vielleicht klappt es ja noch.

Ich wünsche dir eine fantastische Zeit, wenn du dort wieder unterwegs bist!

Viele Grüße, Aslowhand!


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