Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht

16.07.2025 00:31
#1 Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
ga

Hallo zusammen,

letztes Jahr bin ich hier in diesem Forum das erste Mal vorstellig geworden, um mir verschiedene Meinungen und Tipps zur Planung und Durchführung einer eigenen Kanutour einzuholen.
Anfang November 2024 war es dann soweit: Zusammen mit einem Freund habe ich mir für ein Wochenende einen Kanadier gemietet. Hiermit berichte ich von meiner ersten Tour und den dabei gesammelten Erfahrungen.

Die Vorbereitung
1 Kanadier – 2 Autos mit Dachgepäckträger. Im Vorfeld haben wir uns über Google Maps und die Smartphone-App „Canua“ geeignete Ein- und Ausstiegspunkte auf unserer Route gesucht.
Die Route, die wir zusammen geplant hatten, sollte in Mühlacker starten und in Besigheim enden, wo die Enz auf den Neckar trifft. Es erschien mir als logische Abgrenzung, um bei der nächsten Tour direkt wieder anknüpfen zu können.
Ein Fahrzeug stellten wir am Ziel ab, mit dem anderen fuhren wir zurück zum Startpunkt. Für die Tour hatten wir zwei volle Tage eingeplant.


Die erste Hürde
5:00 Uhr – Am (ursprünglichen) Startpunkt angekommen, Kanadier und Gepäck bereits abgeladen und ans Wasser getragen, fiel uns leider viel zu spät auf, dass der vorher ausgekundschaftete Einstiegspunkt doch nicht optimal war.
Keine 500 Meter entfernt lag bereits das erste Wehr bzw. Querbauwerk, was ein mehrhundert Meter langes Umtragen nötig gemacht hätte – ohne Transportwagen.
Ergebnis: Umplanung! Wir suchten uns kurzerhand den nächstmöglichen Startpunkt und setzten dort ein.


Seelenfrieden
Anfang November, Temperaturen um die 5–8 °C – dem Wetter entsprechend gekleidet und warm eingepackt machten wir unsere ersten Meter.
Alles war ruhig. Abgesehen von ein paar Vögeln, die uns begleiteten, hörten wir nur uns selbst.
Nach einer kurzen Einlernphase für meinen Kumpel funktionierte das Steuern des Bootes weitestgehend problemlos. Wir genossen die Natur, die Stille und unsere gemeinsame Zeit fernab von allem.
Nach etwa 2–3 Stunden und den ersten Kilometern legten wir beim Umtragen des Bootes eine Frühstückspause ein. Ich setzte Wasser auf und kochte uns auf einem kleinen Campingkocher Kaffee. Wir aßen eine Kleinigkeit, dann ging es direkt weiter.

Nicht nur einmal während der Tour betonten wir, wie froh wir waren, dass wir unsere Pläne endlich umgesetzt hatten – und dass wir solche Ausflüge viel zu selten machen.
So paddelten wir glücklich und zufrieden dahin, bis …


Der Baum
Es war nun Nachmittag, ich schätze gegen 15:00 oder 16:00 Uhr.
Bis dahin hatten wir alle Hürden mit Bravour gemeistert und unser Boot samt Gepäck schon etliche Male umgetragen – anstrengend, aber auf eine verrückte Art auch sehr spaßig.
Dann erreichten wir eine Passage, bei der wir schon aus der Ferne umgestürzte Bäume ins Wasser ragen sahen. Das war bislang nichts Ungewöhnliches – solche Hindernisse hatten wir auf der Tour schon mehrfach passiert.
Doch diesmal sollte es anders kommen. Alles ging viel zu schnell, um es im Nachhinein noch genau rekonstruieren zu können.
Für uns wirkte die Engstelle absolut passierbar. Doch plötzlich nahm die Strömung stark zu, und ehe wir reagieren konnten, trieb sie uns unaufhaltsam direkt auf den Baumstamm zu, der quer im Wasser lag und – anders als gedacht – nicht nur teilweise, sondern komplett die Flussbreite blockierte.

Bremsen und Rückwärtsrudern half nichts mehr. Ich versuchte mich noch am Stamm abzufangen, musste dann aber, von der Strömung gedrückt, den Kopf einziehen und mich wegducken.
Das führte dazu, dass das Boot kenterte – und wir beide ein ungeplantes, ziemlich kühles Bad nahmen. Was für ein Abenteuer!


Die Rettungsaktion
Ich nehme im Winter regelmäßig Eisbäder in meiner Tonne und war deshalb völlig gefasst und entspannt – dank Atemtechnik war die kalte Überraschung für mich kein Problem.
Meinem Freund jedoch sah ich die Panik in den Augen an und versuchte, ihn zu beruhigen.
Wir schafften es, nach einigen Metern das Boot einzuholen und uns daran festzuhalten. Bei einer kurzen Schwimmeinlage gelang es mir sogar noch, das verlorene Paddel zu bergen.
Der Rest des Gepäcks war glücklicherweise unter dem Kanadier geblieben. Nur mein Smartphone und meine GoPro musste ich abschreiben – die liegen heute wohl noch auf dem Grund der Enz.

Die Strömung trieb uns noch ein Stück weiter, bis wir auf einen weiteren Baum stießen, an dem wir uns ans Ufer ziehen konnten.
Dort begann der „Überlebensprozess“: Boot und Material sichern, nasse Kleidung auswringen, sofort ein Feuer entzünden, um nicht auszukühlen, und gleichzeitig die Sachen etwas trocknen.
Unsere Ersatzklamotten waren zum Glück trocken geblieben, sodass wir schnell wieder ein Gefühl von Sicherheit bekamen.

Um es nicht unnötig in die Länge zu ziehen: Dank des noch funktionierenden Handys meines Freundes konnten wir unsere „Evakuierung“ organisieren (um es dramatisch auszudrücken).
In Wirklichkeit wurden wir einfach nur abgeholt und zu unserem Zielfahrzeug gefahren. Von dort ging es dann nochmal zurück zur „Unfallstelle“, um alles einzusammeln – und das war’s dann für diesen Tag. 😅

Fazit
Ich bin unglaublich dankbar, dass wir beide mit einem Schrecken davongekommen sind und ich heute hier sitze, um davon zu berichten.
Die nächste Tour ist bereits in Planung – diesmal aber definitiv mit noch mehr Sicherheitsvorkehrungen.
Alles in allem war es ein Tag und ein Abenteuer, an das wir uns trotz des großen Schreckens gerne zurückerinnern.

Ich bin nun gespannt auf eure Gedanken und euer Feedback hier im Forum.

P. S.: Auf GoPro-Aufnahmen kann ich aus bekannten Gründen leider nicht zurückgreifen.
Meine Drohne konnte ich aber bergen und im Nachgang ein kleines Video zusammenstellen. Wer mag, kann es sich hier ansehen:
https://youtu.be/jwxILOgnw3M


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17.07.2025 07:09
avatar  ronald
#2 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
ro

Danke für den Bericht. Ist ja nochmal gutgegangen...
Was mir dazu einfällt: So eine Kenterung ist doch vor allem eines, nämlich äußerst lehrreich. Näxtes Mal läufts besser, du wirst rechtzeitig anlanden, Lage checken usw...
In diesem Sinne weiter schöne Touren und lass gern hören. :-)


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17.07.2025 09:56 (zuletzt bearbeitet: 17.07.2025 09:58)
avatar  Murphy
#3 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
avatar

Gut daß es so ausgegangen ist, und danke für den schön geschriebenen Bericht. Auch schön daß die Drohnenaufnahmen überlebt haben, das ist ein sehr schönes Tal dort und eine tolle Herbststimmung.

Du bist hoffentlich nicht beleidigt wenn ich ein paar Hinweise ausdeute, auch für die Mitleser, die mir beim durchlesen eingefallen sind:

  • Bei querliegenden Bäumen immer besonders vorsichtig sein, und die potentiellen Gefahren auch an die Mitpaddler kommunizieren! Knapp über oder unter der Wasseroberfläche liegende Hindernisse sind oft besonders schwer zu erkennen. Und wenn zusätzlich zum Stamm Äste unter Wasser sind (häufig bei Fichten/Nadelbäumen) können diese einen Rechen bilden der für Schwimmer gefährlich ist.
  • Notbremsung und rückwärts paddeln/traversieren in der Strömung üben; das kann manchmal die letzte Möglichkeit sein vor einer Problemstelle an's Ufer bzw. weg zu kommen.
  • Auch auf scheinbar harmlosen Bächen immer alle Ausrüstungsteile sichern. Besser noch Notfallhandys nicht zum fotografieren verwenden, dabei wird ja auch der Akku entleert.
  • Erste Hilfe (medizinisch und technisch) immer mitführen und griffbereit halten. Also neben Verbandszeug je nach Tour auch Reserveklamotten/Kälteschutz, Stirnlampe, Messer, Seil und Bergematerial etc.


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17.07.2025 21:39
#4 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
ga

Lieber @Murphy,

vielen Dank für Dein Feedback das ich ganz sicher nicht zum Anlass nehme mich beleidigt zu fühlen. Ganz im Gegenteil, ich bin sehr dankbar für den Input.
Mir ist ganz klar wie ich in einer solchen Situation beim nächsten Mal handeln würde: rechtzeitig anlanden, raus aus dem Boot, vorlaufen und die Lage analysieren, dann entscheiden... zur Not das Boot Umtragen und hinter der potentiellen Gefahrenstelle wieder zu Wasser lassen. (Und dazu wäre ja massig Zeit gewesen, einige Meter entfernt wäre es ein Leichtes gewesen ans Ufer zu kommen - umso näher wir dem Baum allerdings kamen, desto stärker wurde auch die Strömung).

Das Notbremsen werden wir auf jeden Fall nochmals fokussiert trainieren.
Ladung sichern - ebenfalls zur Kenntnis genommen ;)
Erste Hilfe hatte in unserem Fall technisch und medizinisch perfekt funktioniert (war alles am Mann, in einer Brusttasche) und durch entsprechender Vorsorge war selbst Birkenrinde dabei und das entzünden eines Feuers war binnen weniger Minuten erledigt.

So wie es @ronald auch beschrieben hatte, war die erste Tour vor allem lehrreich! Mit diesem Mindset sind wir auch aus der ganzen Nummer raus gegangen.
Ich sagte zu mir selbst: das ist diesmal genau so passiert, damit ich beim nächsten mal besser reagieren und schlimmere Szenarien verhindern kann.

Viele Grüße.


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18.07.2025 11:56 (zuletzt bearbeitet: 18.07.2025 12:03)
#5 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
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Okay,
ich nehme mir mal die Freiheit raus, einen Teil zu kommentieren, und zwar das mit dem Notbremsen.
Paddelboote haben keine Bremse, das sollte bekannt sein. Vermutlich habt ihr auch einfach dein Vokabular aus dem Straßenverkehr übernommen, ohne euch bewusst zu sein, wo das eigentliche Problem liegt (und damit bist du als Paddelanfänger nicht alleine):
Im Straßenverkehr sind wir es gewohnt, in einer schwierigen Situation bis zum Stillstand abzubremsen. Im Kanu geht das im Fließgewässer nicht, weil wir uns auch ohen Vortrieb mit dem System Wasser weiter zu festen Hindenissen und dem Land bewegen. Das mag sich trivial lesen, aber unser Gehirn ist auf so etwas nicht trainiert.
Im Wildwasser wird folgendes Methodik gewählt: Man paddelt von safespace zu safespace, allgemein Kehrwasser genannt. So ein Kehrwasser befindet sich hinter Hindernissen wie Felsen, Landzungen oder auch Bäumen (wobei die der Bäume immer mit Vorsicht zu geniessen sind). Im Kehrwasser ist die Strömung stets entgegen der Hauptfließrichtung gerichtet, in unterschiedlichsten Geschwindigkeiten. Das kann auch gegen Null tendieren, als Stillwasser sein.
Man sucht also vom Boot aus, im Kehrwasser stehend, das nächste passende Kehrwasser, das man sehen kann und sucht sich eine Route auf dem Fluß, um diese beiden safespaces sicher miteinander zu verbinden. Dabei muss man Stromversatz beim ein-und ausfahren berücksichtigen, gerade als Anfänger unterschätz man oft die Zeit dafür. Um die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Kehrwasser und Hauptströmung auszugleichen, muss man sich beim Überfahren der Kehrwasserlinie wie ein Radfahrer in die Kurve legen.
Das muss man üben, üben, üben, das ist das A und O des Paddelns. Wenn man das beherrscht, dann "kann man paddeln".
Es gibt ne Menge Videos bei yt, die so etwas zeigen, aber es braucht nicht nur körperliche Routine, sondern man lernt dabei auch das Wasser "zu lesen", wo ist ein gutes Kehrwasser und wie liegt eine gute Linie.
Notbremsen wie Rückwärtsfähren sind imho zwar im Kanadier möglich, aber letztlich nur etwas für sehr eingespielte Leute und eher spielerisch, eigentlich sollte man ohne so etwas auskommen. Im "echten" Wildwasser, ganz gleich ob kajak oder Kanadier, spielten solche Manöver quasi gar keine Rolle, das Wasser ist so schnell und wuchtig, dass ein solcher Versuch zum Scheitern verdammt ist.
Wenn das Scouten vom Boot aus nicht ausreichend möglich ist, dann steigt man im Kehrwassser aus und schaut sich das Ganze vom Ufer aus an. Da ist der Überblick direkt 5-10x so gut, und Umtragen ist keine Schande, sondern Zeichen von Vernunft.
Besonders umgestürzte Bäume besitzen ein sehr hohes Gefährdungspotential, wenn dich die Strömun mit nur 5km/h Fliesgeschindigkeit in eine Astgabel drückt, dann kann das evenutell sogar tödlich enden.
Man kann also sagen, dass der Paddler*in nicht einfach den Fluß hinunter fährt, sondern in einer Reihe von Schleifen sich von Hafen zu Hafen hangelt.
Wer dann später ausreichend gut ist, sucht sich nur noch mental die Kehrwässer und fährt an ihnen vorbei, als Nothaltposition, wenn dann unvermittelt doch mal ein Hindernis auftaucht.
Und dieses Kurvenfahren macht auch noch richtig Spass!

edit: Hier noch ein kurzes Video, was geht, ein Anfänger wäre wohl schon vorbei gefahren, ohen das Kehrwasser überhaupt zu sehen (Video einfach auf die Schnelle gesucht, das ist noch nicht das Ende). Einer Zweier dreht natürlich immer langsamer. https://www.youtube.com/watch?v=wYNS6W6KalE

grüsse vom westzipfel, thomas


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18.07.2025 12:17 (zuletzt bearbeitet: 18.07.2025 12:29)
avatar  Murphy
#6 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
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Hallo Thomas,

ich habe den Eindruck daß du die hier diskutierte Situation falsch einschätzt. Ich denke nicht daß sich die im WW übliche "von Kehrwasser zu Kehrwasser vortasten"-Strategie hier anwenden läßt.

  1. Mit "Notbremsung" ist die Verlangsamung der Vorwärtsfahrt des Bootes gemeint, bis zum Stillstand relativ zur Strömung. Das nimmt schon mal einigen Schwung aus der Sache und kauft Zeit für weitere Entscheidungen/Aktionen. Zu zweit ist das mit etwas Synchronisation auch deutlich einfacher zu bewerkstelligen als Solo. Auf Wanderflüssen bzw. bei leichter bis moderater Strömung IMHO ein probates erstes Mittel für Fälle wie den geschilderten.
  2. Soweit ich das anhand der Drohnenaufnahmen beurteilen kann ist die Enz kein Wildwasser, und es scheinen größtenteils auch entsprechende Hindernisse für Kehrwässer zu fehlen die groß genug für einen Tourencanadier wären.
  3. Einen beladenen Tourencanadier fädelt man nicht so einfach mal in ein Kehrwasser ein wie ein wendiges WW-Boot.
  4. Auch Kehrwasserfahren will geübt sein. Und ist technisch vielleicht sogar anspruchsvoller als bremsen und rückwärts paddeln, das fast jeder Neueinsteiger intuitiv kann, wenn auch erstmal eher ineffektiv. Umso besser wenn man beides beherrscht und situativ anwenden kann, auch in Kombination.


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18.07.2025 12:59
#7 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
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Sehe ich komplett anders, . Es ist obligatorisch, jederzeit einen Punkt vor Augen zu haben, an dem man anhalten kann = Kehrwasser. Das gilt auf jedem Fließgewässer, unabhängig von der Fließgeschwindigkeit. Rückwährtsfähren sind, ganz besonders zu zweit, eine extrem anspruchsvolle Angelegenheit, da ist auch nichts intuitiv.
Intuitiv ist allenfalls der Konterschlag, um das Boot bis zum Stillstand relativ zum Wasser zu bringen, aber dann zieht einen das Unnheil doch an wie ein Magnet das Eisen. Warum soll man denn erst Zeit verplempern und allen SChwung raus nehmen, wenn man den Schwung nutzen kann, um sofort ins Kehrwasser zu paddeln?
Entscheident ist, dass man auf dem Wasser agiert, vorher antizipiert, was man machen machen muss, und NICHT REagieren muss.
Konterschläge bis zum Stillstand ist ne Sache, die auf dem See funzt, nicht in Strömung.

grüsse vom westzipfel, thomas


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18.07.2025 19:09
#8 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
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Danke für den Bericht .
Mich würde interessieren, womit oder wie ihr das Wärmefeuer in Gang gebracht habt?
Es ist nicht so einfach in solch einer Lage ein Feuerchen zu machen. Wo war brauchbares Holz, Zunder? Ein Feuer ist in solch einer Geschichte eine existenzielle Angelegenheit.

Grüße von der Donau Mike


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20.07.2025 01:47
#9 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
ga

Hi @Donaumike,

Ich muss gleich vorweg dazu erwähnen, dass ich in diesem Thema äußerst erfahren und geübt bin.

Wie das Ganze in der Notsituation perfekt und schnell funktioniert hat:

In meinem Drybag habe ich ein eigenes Täschchen mit Birkenrinde mitgeführt, am Mann (in meiner Brusttasche) das Feuerstahl. Somit war Zunder und Hitzequelle sofort verfügbar.

Als Brennmaterial habe ich mir umgehend alles an kleinen Ästen zusammengesucht was von toten Bäumen stammte und somit trocken war, hier gilt: wenn am Baum und dessen Ästen noch grün dran ist = Finger weg! Optimal sind abgebrochene Baumstämme die nicht vollflächig auf dem Boden liegen.

Vorgehen: Birkenrinde ankratzen damit wirklich sehr feine und viele Kleinstpartikel entstehen und mit dem Feuerstahl vorsichtig reinfunken. Sobald die Rinde Feuer gefangen hat (Achtung, geeigneter Untergrund nötig, sprich: nicht direkt auf nassem Boden), direkt feines, trockenes Geäßt drauf geben und mit dem Durchmesser der Äste allmählich größer werden bis die Flammen stark genug für noch gröberes Material sind. Das Spiel kann man so bis zur "gewünschten Größe" treiben.

Viele Grüße


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20.07.2025 11:27
avatar  rené
#10 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
re

Zitat
raftinthomas:
Sehe ich komplett anders, . Es ist obligatorisch, jederzeit einen Punkt vor Augen zu haben, an dem man anhalten kann = Kehrwasser. Das gilt auf jedem Fließgewässer, unabhängig von der Fließgeschwindigkeit. Rückwährtsfähren sind, ganz besonders zu zweit, eine extrem anspruchsvolle Angelegenheit, da ist auch nichts intuitiv....


Bin ich ganz bei dir.
Ich halte Kehrwasserfahren und Seilfähre/Travesieren vorwärts für essentiell im Fließwasser.
Rückwärtstraversieren ist noch mal ein anderer Schnack. Nutzen wir eher wenn es darum geht, einem überschaubaren Hindernis (Stein, Wurzel etc.) auszuweichen, um in einen freien Durchfluss zu kommen.
Wenn ich mit meiner Frau (aber auch mit anderen Tandempartnern) auf zügiger fließenden Flüssen unterwegs bin, werden die ersten paar Kehrwässer quasi obligatorisch angefahren. Vor allem, wenn einige Zeit seit der letzten Fließwassertour vergangen ist.
Hat uns auch schon ein paar mal den Hintern gerettet.
Kehrwasser sind fast immer vorhanden, ausser man ist auf einem kanalisierten Stück unterwegs.


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20.07.2025 13:24 (zuletzt bearbeitet: 20.07.2025 13:26)
#11 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
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@gaspar_x3
Gut gemacht und Danke.
Ich habe im Winter eine Brennstoffflasche mit Benzin dabei, ist aber nicht am Mann, ist am Kanu griffbereit. An der Schwimmweste habe ich auch etwas Zunder wasserdicht verpackt.
Ich kann mich auch als erfahren im Thema Feuer machen aber ohne Feuerzeug und Co bezeichnen
Meine Bowdrill und Handdrill Skills sind aber nur als Backup gedacht. Hier im Forum ist einiges von mir darüber zu lesen und zu sehen.
Grüße von der Donau Mike


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20.07.2025 14:26
avatar  Murphy
#12 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
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Zitat von Donaumike im Beitrag #11
eine Brennstoffflasche mit Benzin

Warum nicht Spiritus?


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20.07.2025 14:38 (zuletzt bearbeitet: 20.07.2025 14:45)
#13 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
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Benzin ist brisanter, zündfähiger und hat quasi mehr Energie.
Spiritus ist nicht so brisant, dafür umweltfreundlicher.
In einer Survival Situation ist natürlich Spiritus besser wie nix.
Ich glaube ich habe sogar Gemisch in der Flasche, sprich mit Öl. Demzufolge noch besser.
Grüße Mike


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20.07.2025 19:40
avatar  Murphy
#14 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
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So ungefähr hab ich mir das gedacht. Zündeln mit Benzin hat für mich immer den Beigeschmack von "don't try this at home, kids!"; da sollte man schon wirklich wissen was man tut und vorher auch mal ausprobiert haben. Aber in einem echten Notfall zählt das Ergebnis, und da dürfte insbesondere bei Temperaturen um und unter 0° C Benzin im Vorteil sein.


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20.07.2025 22:20
#15 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
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Danke an Patrick für das literarisch lesenswerte Posting und Danke an alle Fragenden und deren Antworten dazu - für mich sind noch (mindestens) zwei Fragen offen.
1) Warum startet man im November als Anfänger zusammen mit einem noch weniger erfahrenen Vor-Anfänger im Canadier eine Tour im Fließgewässer?
2) Wozu hat man als Anfänger ein Täschchen mit Birkenrinde und Feuerstahl am Mann?
"Honi soit qui mal y pense"

P.S. Reicht nicht auch Kaminanzünder mit Feuerzeug im wasserdichten Beutel, um Feuer zumachen?


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20.07.2025 23:18
#16 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
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Auf beide Fragen gibt es die Gegenfrage: „Warum nicht?“


.

Im Leben ist es wie beim Paddeln: Wenn die großen Wellen kommen, immer in der Hüfte schön locker bleiben.

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21.07.2025 09:00
#17 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
ga

Hallo Martin :)

zu 1) Nennen wir es einfach: Lust auf Herausforderung - Baden im Sommer kann jeder ;)

zu 2) Ich bin neben meiner Karriere als Profi-Paddler (Scherz) noch im Bereich Bushcraft und Survival beheimatet und weiß daher ganz genau welche Methoden im Notfall immer funktionieren. Da ich mir im Vorfeld ja explizit Gedanken über einen Ernstfall gemacht habe, war für mich klar was an Ausrüstung bei der Tour dabei sein wird (für den Fall der Fälle - der siehe da, auch noch eingetreten ist). Dabei hätte es auch keine Rolle gespielt ob Birkenrinde und Feuerstahl nass geworden wären - ein Feuer hätte ich und habe ich damit immer und zu jederzeit entzünden können.


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22.07.2025 18:08
avatar  Silas
#18 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
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Moin zusammen,

ich möchte zu diesem Thema, bei dem es ja vor allem um die Herausforderung des Wärmeerhalts geht, folgendes Produkt empfehlen
"Ready Heat" Decken.
Ursprünglich in der Notfallmedizin angewandt, findet es mittlerweile auch Zuspruch in weiteren Anwender Kreisen.
Quasi ein einmal Handwärmer in groß. Den kennen sicher einige.
Unter Kontakt mit Sauerstofff aktiviert sich eine Chemische Reaktion und die Decke spendet aktiv über einige Stunden Wärme.
Nicht ganz billig, aber für den absoluten Notfall ganz sicher jeden Euro wert.
Nicht jeder ist in der Lage unter erschwerten Bedingungen, vielleicht sogar unter Schock, ein Feuer zu entzünden.
Viel zu kostbare Zeit könnte ins Land gehen. Eventuell sogar Lebenszeit....

Wir nutzen die Decken als Notfall Backup dienstlich. Da wir im Winter an Orten arbeiten wo nur sehr verzögert der Rettungsdienst eintreffen kann.
Unterkühlung also dann auch als sekundär Risiko nach irgendwelchen Verletzungen möglich.
Im Training damit konnte ich mich von der Funktion überzeugen.

Ich hatte so eine Decke zum Beispiel auch bei meiner diesjährigen Solo Tour im April in Schweden dabei. Gibt ein beruhigendes Empfinden.

Vielleicht für einige von euch ein wertvoller Anreiz.

Viele gute Grüße
Silas


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22.07.2025 22:06 (zuletzt bearbeitet: 22.07.2025 22:07)
#19 RE: Die erste eigene Kanutour - Erfahrungsbericht
Ge

Hallo in die Runde,
mit angepasster Kälteschutzkleidung kann man sich das ganze Brimborium mit Feuermachen oder Hightech-Wärmedecken sparen. Anfang November reicht ein Longjohn, ggfs. kombiniert mit einer Paddeljacke.

Grüße aus RD


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