Neu hier…und welcher Solo-Canadier passt zu mir?

11.05.2025 14:56
avatar  Theresa
#1 Neu hier…und welcher Solo-Canadier passt zu mir?
Th

Hallo in die Runde, das ist mein erster Beitrag.
Ich habe keine praktische Erfahrung mit Solo Canadiern.
Mein Hausgewässer ist die Müggelspree, hier und auf der Märkischen Umfahrt war ich schon oft unterwegs. Bisher jedoch Solo nur mit einem sehr schweren (45kg) PE Candier (eigentlich ein 3er) + Gepäck. Für die Feierabendtour sollte Start und Ziel am gleichen Ort sein, weshalb ich auch Flussauf fahren muss. Die letzten zwei Jahre hatte ich hierfür ein Kajak, aber ich werde einfach nicht warm mit der starren Sitzposition. Daher soll nun ein Solocanadier her. Aber welches?
Wäre klasse, wenn ihr ein paar Tips für mich hättet.
Einsatzgebiet: 90% Solo-Feierabendtour auf langsam fließendem, mäandrierendem, nicht sehr breiten Fluss, der auch flussauf befahren werden soll, ohne Gepäck. 10% Mehrtagestour mit Gepäck.
Das Boot sollte max. 20kg wiegen, gern leichter, auch damit ich es allein aus dem Wasser bekomme. Ich möchte beim Paddeln zwischen Sitzen und Knien wechseln können. Klasse wäre es, wenn man vom Boot ins tiefe Wasser und zurück klettern könnte zum Baden ( das ging beim 3er super)….ist aber nicht Bedingung. Ausgeben würde ich bis 2000€ für ein gebrauchtes.

Wäre das Swift Osprey (wird gerade im Forum angeboten) etwas für mich?

Danke schonmal für eure Antworten!


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11.05.2025 16:40
#2 RE: Neu hier…und welcher Solo-Canadier passt zu mir?
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Hallo,

es gibt nur einen Weg herauszufinden, welches Dein Solo-Traumboot sein soll: Ausprobieren!
Frag mal in die Runde, wer bei Dir um die Ecke wohnt und Dir mal ein Boot zum Ausprobieren gibt...

Gruß Alex


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11.05.2025 17:50
avatar  Dipol
#3 RE: Neu hier…und welcher Solo-Canadier passt zu mir?
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Moin Theresa,
das Swift Osprey ist ein fantastisches Boot, schnell, wendig und mit ausreichend Platz für Gepäck. Ich fand es im Sitzen (ohne Gepäck) allerdings etwas kippelig. Ob es für dich in Frage kommt, müsstest du ausprobieren.
In 14 Tagen findet am Niegripper See das Open Canoe Meeting statt. Dort könntest du das ein oder andere Solo-Boot testen und dich ausführlich beraten lassen.
VG
Martin

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"You are the river" Larkin Poe

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14.05.2025 21:48
avatar  Theresa
#4 RE: Neu hier…und welcher Solo-Canadier passt zu mir?
Th

Hallo Alex, hallo Martin,
danke schonmal für die Tipps. Vor dem Kauf Probefahrten wäre natürlich perfekt…Gibt es beim Treffen am Niegripper Händler, welche Boote zum Probefahren dabeihaben oder wäre ich da auf die Gunst der Teilnehmer angewiesen?
Ich starte parallel mal einen regionalen Aufruf.
Die Canadier von Swift gefallen mir gut aber die Chancen, zeitnah gebraucht eines zu bekommen sind ja leider nicht so groß…das dann genau das probegefahrene und für gut befundene Modell angeboten wird, wäre zudem pures Glück…


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14.05.2025 23:45
avatar  Dipol
#5 RE: Neu hier…und welcher Solo-Canadier passt zu mir?
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Moin Theresa,
hat das mit dem Osprey nicht geklappt? Das stand auf meiner Liste von Traumbooten lange Zeit ganz weit oben. Leider sind Solo-Canadier in Deutschland relativ selten, und dann ein bestimmtes Modell gebraucht zu finden echte Glücksache, zumal wenn es eines ist, von dem nur eine Handvoll importiert worden sind.

Am Niegripper See werden vermutlich keine Händler auftauchen, und ich habe keine Ahnung, wer außer mir mit einem Solo-Boot anreist. Der ein oder die andere werden es aber wohl schon sein. Meistens fühlen sich die Leute geehrt, wenn sich jemand für ihr Schmuckstück interessiert und es probefahren möchte. So wäre es mir eine Freude, du würdest dich in mein Esquif Echo setzen, und ich könnte einiges dazu erzählen, was dieses Boot so besonders macht, auch wenn es wahrscheinlich nicht genau deinen Vorstellungen entspricht (und ich auch gar nicht vorhabe, es zu verkaufen). Vor allem ist das Open Canoe Meeting aber auch interessant wegen der Menschen und ihrer zum Teil Jahrzehnte-langen Erfahrung mit (Solo-)Canadiern. So - feel free...

_____________________________
"You are the river" Larkin Poe

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15.05.2025 08:47
#6 RE: Neu hier…und welcher Solo-Canadier passt zu mir?

Hi Theresa,
auf jeden Fall würdest Du am Niegripper See sehr willkommen sein und auch ziemlich gute Beratung erfahren, Deine im ersten Post gestellten Fragen könnten da komplex beantwortet werden.
Jörg Wagner


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25.05.2025 17:02
avatar  Theresa
#7 RE: Neu hier…und welcher Solo-Canadier passt zu mir?
Th

Danke für die Einladung zum Niegripper See, aber wie es so ist - das Wochenende war schon verplant.

Für den Swift Osprey war ich leider zu spät. Ich versuche es jetzt mal mit einer Such-Anzeige im Marktplatz.

Viele Grüße,
Theresa


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26.05.2025 22:52 (zuletzt bearbeitet: 27.05.2025 07:31)
avatar  Uriel
#8 RE: Neu hier…und welcher Solo-Canadier passt zu mir?
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Hi, ich habe einen Kanadier aus Zedernleisten der war noch nie im Wasser und die Sitzposition kann noch festgelegt werden. Leicht ist er auch. Die Sitze sind keine 'normalen' Sitze. Ursprünglich für mich selbst geplant aber da ich kein Pkw habe ich meine Pläne für diesen Sommer geändert. Die typischen Sitze quer zur Bootsachse sind nix für mich weil zu wenig Bewegungsfreiheit. Mit längsausgerichteten Sitzen fahr ich persönlich besser, erlauben verschiedene Positionen.


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01.03.2026 20:35
avatar  Theresa
#9 RE: Neu hier…und welcher Solo-Canadier passt zu mir?
Th

Ich möchte mich mit einem Update melden. Zuerst einmal vielen Dank für die Angebote zum Probepaddeln!
Leider habe ich keines der Angebote angenommen bzw. annehmen können, vor allem aus zeitlichen Gründen. Da ich aber unbedingt letzten Sommer noch aufs Wasser wollte, habe ich spontan zugeschlagen, da die von mir gesetzten - zugegeben recht groben Rahmenbedingungen - passten: max. 20 kg, Farbe nicht rot, Preis in Ordnung.

Die kurze Probefahrt (vor dem aufgrund der längeren Anfahrt eh schon entschiedenen Kauf) war schon etwas Besonderes. Als Vergleich wie schon weiter oben geschrieben, hatte ich nur eine 3er PE Schüssel mit 45 kg. Die erste Sorge – schaffe ich es ohne kentern einzusteigen - war schonmal unbegründet. Ein Fuß in die Achse, schnell den Schwerpunkt nach unten und zweites Bein hinterher, geschafft. Der Prism fühlt sich stabil an. Schön schmal ist er auch, aber geräumiger als erwartet. In der Schiebesitzschale sitze ich tief und sicher. Also Grundschlag vorwärts, wow, es geht zügig auf Tempo aber auch wie auf Schienen geradeaus. Die Weser ist zwar breit aber bald sollte ich eine Kurve einleiten. Im PE Boot hat dafür der J-Schlag gereicht, jetzt will der Prism damit einfach nicht um die Ecke; Ich wechsle die Seite, auch mit Bogenschlag bleibt der Kurvenradius riesig. Wie soll ich mit diesem Schienenfahrzeug auf meinem Hausgewässer, der Müggelspree, um die Mäander kommen? Wenonah schreibt ja, der Prism wäre „für geübte Paddler kleinflusstauglich“. Bin (noch) nicht geübt im Solocanadier und verschiebe das Problem daher auf später.

Noch ist das Wasser warm genug, also kaum zu Hause angekommen am kleinen Kiessee wieder abgeladen. Möchte wissen, wie weit ich das Boot kanten kann und wann es umschlägt. Also Schwimmweste an und rein ins Prism. Der Kiessee ist halb so breit wie die Weser, wieder brauche ich viel Platz für die Kurven. Mmh, ob wir noch gute Freunde werden, der Prism und ich? Ich versuche, radikaler zu lenken, was nur dazu führt, das ich das Boot massiv abbremse. Zu viel Krafteinsatz, zu wenig Technik. Erstmal egal, jetzt steht kontrolliertes Kentern an. Ich habe Mühe, den Prism weit zu kanten, es kostet mehr Gewichtsverlagerung als gedacht. Stabilität finde ich in der Neigung nicht, zudem wird es in der Sitzschale zunehmend rutschig, der seitliche Halt fehlt. Noch ein Stück und noch eins, es fehlt nicht mehr viel bis zum Süllrand, bis das Boot recht plötzlich kippt. Ich bin überrascht, wie tief es kieloben absinkt. Ich tauche unter das Boot (garnicht so einfach mit der Schwimmweste) und freue mich über die Taucherglocke. Umdrehen klappt nur mit festem Grund unter den Füssen. Das Boot ist danach allerdings voller Wasser, das ich mich frage, wie lange man schöpfen will, bis man z.B. auf einem See wieder einsteigen kann, und ob das überhaupt klappt, ohne wieder zuviel Wasser aufzunehmen. Mir wird kalt und ich schiebe das Boot an Land und leere es dort. Genug für heute.

Am nächsten Nachmittag geht es auf die Müggelspree. Erstmal gegen die Strömung, die seit dem Krauten verhältnismäßig kräftig ist. Ja, ich komme um die Mäander, aber es ist anstrengend, kostet mich mehr Kraft, als es sollte. Meine Begleitung steuert eine 3er PE Schüssel und hat keine Mühe, mitzuhalten. Mmh. Auf einem geraden Flussabschnitt versuche ich es mit Hit’n‘switch und gewinne schnell Abstand. Wow, das scheint dem Prism zu liegen, nur fehlt mir die Technik. Zurück mit der Strömung geht es deutlich entspannter. Trotzdem ist der ganze Arm platt bis hoch zur Schulter. Und nach nur 7 km tut schon der Hintern weh, mit dem Schiebesitz kann ich mich nicht so recht anfreunden. Die verstellbare Fußstange ist super, aber ich würde gern ein Bein anwinkeln und da stört das Gestell.
Beim Kauf war eine kurze Sitzbank dabei und ein „Gestellerhöhung“. Zuhause montiert und trocken probegesessen – scheint mir zu hoch zu sein. Also nur die kurze, geneigte Sitzbank direkt auf das Gestell geschraubt und eine BW-Faltisomatte mit Gurten drübergezurrt – diese Höhe fühlt sich erstmal ok an. Jetzt sollte auch mein Paddel von der Länge her passen.

Wochenende, fast 30 Grad. Ich bekomme den Prism mit etwas Technik alleine auf den Caddy und wieder runter, Grundvorrausetzung. 21,3 kg wiegt das Boot, echt fantastisch! Ich möchte flussabwärts fahren. Vom Steg lässt es sich gut einsteigen, ich starte direkt im knien, Prämiere! Fühlt sich super an, stabil, kontrolliert, der Rücken freut sich auch. Ich gleite entspannt dahin. Die Sitzhöhe auf der leicht geneigten Bank passt erstmal, könnte ggf noch 2-3 cm höher sein. Ich wechsle regelmäßig ins Sitzen und zurück, bevor die lädierten Knie steif werden. Immer wieder scheuche ich Eisvögel auf, die ein paar Meter vor mir her fliegen um dann landseitig abzudrehen und hinter mit wieder am Ufer zu landen. Ein Seeadler fliegt auf, weißer Stoss, ein erfahrender Altvogel. Ein Fischadler hält Ausschau von einer Sitzwarte über dem Wasser. Ich bemerke, wie leise ich im Canadier unterwegs bin. Wo beim Kajak jedes Eintauchen der Paddelblätter ins Wasser plitscht und platscht, bin ich im Canadier komplett lautlos unterwegs, zumindest kurzzeitig, denn auch der Canadien Stroke ist Prämiere für mich und klappt natürlich noch nicht so wirklich gut. Inzwischen brauche ich aber immer weniger Kraft zum Steuern. Bin erstaunt, das der Prism schon bei ganz leichtem Kanten von allein in die (weite) Kurve geht. Also scheint vorrausschauendes Fahren und sensible Gewichtsverlagerung angesagt. Eine komplett neue Erfahrung, denn die PE-Schüssel wäre davon gänzlich unbeeindruckt geblieben. Ich erinnere mich daran, mal etwas von einem Ziehschlag gelesen zu haben und probiere ihn aus: ganz schön praktisch, das Boot versetzt fast mühlelos zur Seite. Kombiniert mit Grund- und J-schlag komme ich so gut durch die Kurven. Keine Ahnung, ob das die richtige Technik für Prism auf Kleinfluss ist? Fühlt sich zumindest effizienter an. Stechpaddeltechnik Teil 2 + 3 sind jedenfalls schon bestellt.
Drei Badepausen und 16 km später setze ich aus, was mit dem leichten Boot eine Freude ist. Den Prism sauber auf dem kleinen Bootswagen verzurrt, rollen wir 2km bis nach Hause. Noch schnell mit dem Fahrrad das Auto vom Einsatzpunkt abgeholt, dann zuhause im Garten den Tag am Lagerfeuer ausklingen lassen.

Es war ein toller erster Paddeltag mit meinem Solocanadier, Habe viel gelernt und erfahren. Der Prism macht Spaß, aber ich würde trotzdem gern wendigere Boote ausprobieren, z.B. Rendezvous, Argosy…oder ein Wilderness? Auf jeden Fall habe ich jetzt mit dem Prism einen echten Vergleich und ein besseres Gefühl dafür, welches Boot mir liegen könnte, und welches eher nicht.

Die Entscheidung, einen Solocanadier zu kaufen, ohne ihn vorher groß Probe zu paddeln und vor allem ohne überhaupt vorher in einem Solocanadier gesessen zu haben, bereue ich nicht. Mir war wichtig, die ausklingende Saison noch auf dem Wasser nutzen zu können und erste Erfahrungen zu sammeln. Ich glaube zwar, das der Prism auf Dauer nicht das richtige (oder einzige?) Boot für mich ist, aber jetzt kann ich die Suche nach dem optimal zu mir passenden Boot ganz entspannt angehen. Mit dem Prism zu paddeln mach ja trotzdem Megaspaß!
Rein von den Daten und Nutzerbeschreibungen her wäre der Wilderness wahrscheinlich für mein Einsatzprofil am besten geeignet. Hat vielleicht jemand einen zu verkaufen?
Achja, die Teilnahme an einem Solo Canadier Kurs steht für dieses Jahr fest auf dem Plan. Ich bin also ordentlich angefixt!


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02.03.2026 18:46
avatar  rené
#10 RE: Neu hier…und welcher Solo-Canadier passt zu mir?
re

Die von dir gemachten Erfahrungen bestätigen meine Einschätzung guckst du hier.
Der Prism ist für Einsteiger nicht schlecht, wegen der hohen Anfangsstabilität. Auf offenen Gewässern mit viel Seitenwind kann es schon mal doof werden. Bei mir so geschehen auf dem Stechlin.
Ich war mit dem Prism unterwegs, mein Sohn hatte den Osprey. Ich habe das Boot auf dem See nicht drehen können und bin bis ans andere Ufer gefahren, um in die Windabdeckung zu gelangen.
Auf Kleinflüssen klappt's mit seitlichem Versetzen. Aufkanten, um die Wasserlinie zu verkürzen, ist auch keine wirkliche Option, da dich der Prism ohne Rückmeldung umschmeisst, wenn du nicht aufpasst.
Ich finde nach wie vor den Osprey geil und ärgere mich immer noch, dass ich den weggegeben habe. Der Merlin von Bell, den ich jetzt fahre, ist aber auch ein tolles Boot. Bin nur etwas schwer dafür.


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