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und wurde 477 mal aufgerufen
Moderations-Kommentar:
Ich dachte, es wäre deutlich geworden, dass dieses Thema durch ist... (?)
Damit geht die erste Verwarnung an Dich und der Thread ist geschlossen.
 ALLGEMEINES CANADIERFORUM
Woodpecker Offline



Beiträge: 1

10.11.2022 23:05
Ist Paddeln kulturelle Aneignung? Thread geschlossen

Hallo und guten Abend zusammen,

ich melde mich zum ersten Mal hier und möchte auf einen Thread reagieren, der neulich geschlossen wurde. Ich bedaure sehr, dass ich ihn nicht rechtzeitig gesehen habe.
Viele Grüße an Moderator Markus: Bitte lösch meinen Beitrag nicht sofort. Ich bin neugierig auf das Feedback. Und ich finde natürlich, dass Stefans Frage ein Paddelthema ist. Stefan hatte gefragt, ob Paddeln kulturelle Aneignung sei. Ich habe mir die Frage auch schon gestellt.

Natürlich ist das politisch. Die WM in Katar ist auch nicht nur Sport. Und wo soll man das diskutieren, wenn nicht hier?

Im Thread klang ja an, dass der Begriff der kulturellen Aneignung aus den USA kommt. Es geht dabei eigentlich um schwarze Musik. Ein Artikel in Republik.ch ("Was Sie wissen sollten, bevor Sie sich über kulturelle Aneignung aufregen"; Ich bin neu hier und darf noch keine externen Links posten, sonst würde ich direkt verlinken) erklärt das am Beispiel von Public Enemy, die ganz straight beklagen, dass die Weißen über hundert Jahre hinweg jeden schwarzen Musikstil übernommen und sich angeeignet hätten, Blues, Jazz, Soul, Hiphop. Sie fordern, dass die Schwarzen Urheber zu ihrem Recht kommen.

Es geht also nicht um die Pizzeria in Castrop-Rauxel oder um die Dönerbude hinterm Bahnhof. Denn die Läden sind oft noch in der Hand der Urheber. Es geht um die Momente, in denen Urheber sich nicht dagegen wehren konnten, dass man ihre kulturellen Errungenschaften übernimmt und für sich reklamiert.

Und da sehe ich eine Parallele zum Paddelsport: Überall auf der Welt machen Menschen Geld mit Kanus, aber m. W. keine indigenen Völker. Die großen Kanadierhersteller in den USA sind weiße Firmen. Im Rest der Welt auch. Mit den Kajaks ist es genauso. Traditionelles Wissen wurde gestohlen. Weil das geistige Eigentum eben nicht durch ein Patent geschützt ist und deswegen von anderen ausgebeutet wird. Es kann nicht eingeklagt werden.

Jetzt sind es die Boote der Weißen, die patentiert werden, die Expertise der weißen Bootsbauer, die gefeiert wird, deren tiefes Verständnis für Design und Material. Auch wenn sich immer wieder viele auf die Ursprünge bei den First Nations beziehen.

Die mussten damals um 1900 herum völlig machtlos zusehen, wie der Bootsbau von Weißen übernommen wurde, die in riesigen Stückzahlen nur noch Boote für Weiße bauten. Aber erst, als alle geraden und dicken Birken gefällt waren.

Die Uhr können wir nicht zurückdrehen. Ich finde nicht, dass wir aus Scham aufhören müssen, zu paddeln. Ich finde es gut, wie Graham Warren das macht: Er erklärt in seinem Buch über Paddelbau, wo jede einzelne Paddelform herkommt, welche Gruppe sie erdacht hat und wo die Stärken liegen. Ich lese da viel Respekt für die heraus, die’s erfunden haben. Das erfordert aber auch, sich vor Augen zu führen, wo unser Sport herkommt.

Es gibt einen schönen Moment in dem BBC-Film, in dem Ray Mears mit dem Algonquin-Bootsbauer Pinnac Smith ein Birkenrindenboot baut. (YouTube: Ray Mears' Bushcraft S02E01 - Birchbark Canoe; Vermutlich habe ich Smiths Vornamen falsch geschrieben und da geht es schon los. Ich weiß nichts über die Algonquin, außer, dass sie Boote und Paddel gemacht haben.) Bei der ersten Fahrt mit dem neuen Boot paddelt Mears. Smith macht es sich gemütlich und sagt dann: „Mal was anderes, von einem Englishman herumgepaddelt zu werden.“ Die beiden lachen dann, aber darin steckt m. E. das Wissen um die Geschichte und der gemeinsame Wille, sie zu überwinden. Finde ich großartig.

So, das war umfangreich. Any comments?
Grüße,
Benedict

Der Verfasser wurde 11.11.2022 00:29 von markuskrüger für den Inhalt dieses Beitrags verwarnt.
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