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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 2.304 mal aufgerufen
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lupover Offline



Beiträge: 504

08.09.2014 23:24
Old Town Discovery 119 antworten

Hallo allerseits,

hier meine Erfahrungen mit dem Old Town Discovery 119 nach einer Kleinstflußfahrt (2 Schwälle, flotte Strömung aber kein wirkliches Wildwasser), ca. 25 km auf Alsterkanälen und ca 15 km auf Seen in Mecklenburg-Vorpommern. Ca. 5 km Kleinstfluß ohne Strömung mit 35 Kilo Kind als Frontmann (ich selbst mit Klamotten 100 Kilo) und ein paar kleinen Feierabendrunden auf stehenden Gewässern wie z. B. der "Ochtumrunde" oder der "Kleinen Wümme" in Bremen.

Das Boot: 360 cm kurz, dreilagiges PE, im Serientrimm mit Schalensitz und Rückenlehne sowie 2 Thwarts knapp 23 Kilo schwer, Breite am Süllrand 79 cm, etwas gerundeter Boden mit angedeutetem Kiel, etwas Kielsprung.
Old Town hat übrigens die Prospektangabe von 19,5 auf 22,2 Kilo korrigiert, ein lobenswerter Schritt zur Wahrheit. Meine Gewichtsangaben wurden auf einer normalen Personenwaage ermittelt per Vergleichswiegung Mensch mit und ohne Boot.

Erste Testfahrt auf dem Testteich des Händlers: Mit dem Schalensitz nicht zum Paddeln mit Stechpaddel zu gebrauchen. Man sitzt zu tief, dennoch wirkt es etwas kippelig, so kann ich nicht richtig sitzen, erst recht nicht knien und schon gar nicht paddeln. In einem Anflug von Umnachtung trotzdem gekauft.

Umrüstung: Der Sitz ist für Angler vermutlich ideal, also verkauft an einen solchen. Normalen Gurtsitz eingebaut unter Verwendung der originalen Aufhängung (Fotos). Mit Distanzstücken zwei cm tiefer gelegt, trotzdem sitzt man deutlich höher als mit dem Schalensitz, dafür vielleicht 3 bis 5 cm weiter hinten. Bei einer Testfahrt zeigt sich das Boot sitzend leicht kippelig und stark hecklastig. Darauf den Sitz um 10 cm nach vorne versetzt, dann passt die Trimmung und in Sachen Kippeligkeit wird es auch deutlich besser. Der Plastiksitz war übrigens erstaunlich schwer, mit dem Gurtsitz liegt das Gewicht bei 20 Kilo. Ein Tragejoch habe ich auch noch gebastelt, mit wenigen Handgriffen (zwei Federsplinte ziehen) abnehmbar.
Für den Tandembetrieb habe ich noch zwei Holzsitze gebaut, einfach auszubauen, die ersetzen bei Bedarf die Thwarts.

Handhabung an Land: Super. Leicht zu tragen am langen Arm oder auf der Schulter mit untergelegtem Polster. Am Gurtsitz und am Thwart gepackt locker auf's Autodach zu stemmen. Da macht sich nicht nur das überschaubare Gewicht bemerkbar sondern das Boot ist einfach gut zu greifen und die Hebelarme sind kurz.

Paddeln: An eine gewisse leichte Kippeligkeit habe ich mich sehr schnell gewöhnt. Der Rumpf ist absolut steif, da wabbelt und schwabbelt aber auch gar nix. Das kurze Boot läuft auf stehendem Wasser brauchbar gradeaus. Auf dem strömenden Kleinfluß ein Genuß, Wendigkeit, seitlich Versetzen wie von selbst, es kam richtig Freude auf.
Auch auf stehenden Gewässer macht es noch Spaß, man kommt annehmbar voran, eine Tour auf Hamburger Stadtkanälen über 15 km hat durchaus Spaß gemacht.
Bei seitlichem Wind auf dem See verhält sich die Nußschale erstaunlich neutral, kaum Neigung in den Wind zu drehen, kein Problem die Richtung zu halten, da kommt richtig Freude auf. Schwieriger wird es bei Gegenwind oder Strömung von vorne aber das ist ja eigentlich auch nicht anders zu erwarten. Nicht weitersagen: Ein 240 cm langes Kajakpaddel war da sehr hilfreich! Bei Motorbootwellen habe ich mich nicht so richtig wohl gefühlt, in ernsthafte Schwierigkeiten bin ich aber auch nicht gekommen.

Als Tandem (mit meinen 100 Kilo plus 35 Kilo Kind): Gradeauslauf wird besser, es läuft erstaunlich leicht, ist aber auch etwas kippelig wegen der Hecklastigkeit. Solange beide Paddler sehr unterschiedlich schwer sind ist da auch nix zu machen. Das Böötchen ist eben nicht als Tandem gebaut. Im ruhigen Wasser ging es aber durchaus gut. Mit dieser Beladung plus etwas Tagesgepäck ist das Boot "gefühlt voll" aber keineswegs überladen.
In Begleitung eines sportlich überlegenen aber kaum paddelerfahrenen Jugendlichen in einem Kajak habe ich auch noch die Schwaanhavel in ganzer Länge hin und zurück befahren. Wenn er mir auf den graden Abschnitten zu schnell wurde, habe ich mit dem Kajakpaddel "geschummelt", in den kurvigen Bereichen wurde gestechpaddelt. Ging prima, für solche und ähnliche Touren ist so ein Kleinboot gemacht.

Fazit: Es gibt natürlich besseres für die ganz große Tour, für den Familienurlaub (Camping am Woblitzsee) aber wunderbar handlich und vielseitig. Und für die kurze Feierabendrunde ideal. Das Boot erfüllt den geplanten Zweck, dafür volle Punktzahl! Wer Expeditionen ans Ende der bekannten Welt plant kauft sich was größeres.

Gruß

Habbo



Zusatz: Beim Bootskauf habe ich auch kurz über einen Old Town Pack nachgedacht, dafür war ich dann aber zu geizig. Mit dem Pack habe ich keine Erfahrungen, habe nur einen gesehen, der bei der Kanustation am Woblitzsee über dem Tresen hing. Grobe Einschätzung (kann Ulme was dazu sagen?): Der Pack hat weniger Kielsprung und einen viel flacheren Boden, deutlich weniger steif (Oilcanning?), evtl. eine minimal längere Wasserlinie. Damit dürfte mit etwas mehr Anfangs- aber evtl. auch mit weniger Endstabiltät auf dem Wasser liegen und für Angler die bessere Wahl sein. Das geringere Gewicht des Pack ist naürlich ein Vorteil. Ansonsten würde ich mal nicht annehmen, dass die Unterschiede im Fahrverhalten so gewaltig sind. Das war auch etwa die Aussage des Verkäufers. Im Internet ( z. B. www.paddling.net dort auf Reviews klicken) findet man dazu nichts wirklich verwertbares, weil der 119er immer mit dem höchstens für Doppeblattpaddler brauchbaren Plastiksitz beschrieben wird. Meistens wird das Boot insgesamt gelobt aber der Plastiksitz wird kritisiert. Leider wird sich Vergleichsproblem wohl bald von selbst erledigen, wenn nämlich Royalex alle ist und nur noch der 119 übrigbleibt.

Ulme Offline




Beiträge: 793

10.09.2014 07:29
#2 RE: Old Town Discovery 119 antworten

Schöner Review.
Ohne dein Kleinboot zu kennen kann ich sagen dass das Oilcaning beim Pack in der Praxis nicht
oder nur kaum feststellbar ist.
Ein Echolot mit 1,5kg Bleigelakku am boden im Bereich der Ducht hat genügt
dass man auch gar nichts mehr davon merkt.
Die von dir attestierte Kippeligkeit beim kleinsten Discovery ist dem Pack fremd, der liegt wie eine
Bratpfanne am Wasser und ich (1,86m) kann ohne Probleme drin aufstehen.
Wie von mir schon beschrieben läuft der kleien Pack erstaunlich flott.
Dass es bei der Rumpfform kein Boot ist das man bis zum Süllrand aufkantet liegt auf der Hand,
ist aber auch nicht nötig.
Im SOTP Forum findet man einige Einträge zum Pack, wo manche Eigner sagen dass die Eigenschaften zwischen
Pack & Discovery nicht unmittelbar zu vergleichen sind.

---------

Ein Leben ohne Kanu ist möglich, aber sinnlos.

lupover Offline



Beiträge: 504

14.10.2014 22:36
#3 RE: Old Town Discovery 119 antworten

Hi,

Nachtrag, jetzt ist der Landtransport noch leichter, das Joch ist fertig. Ganz einfach, mit wenigen Handgriffen an- oder abgebaut. Sieht zwar nicht so stabil aus, hält aber zuverlässig.

Gruß

Habbo


Olaf Offline




Beiträge: 341

15.10.2014 12:30
#4 RE: Old Town Discovery 119 antworten

sieht doch chic aus und ist wohl auch stabil genug.
Was ich jedoch vermisse, ist eine große (Karosserie) Scheibe unter dem Splint. Hätte den Süllrand entlastet und den Süllrand geschützt.

Hejdå Olaf

lupover Offline



Beiträge: 504

15.10.2014 13:27
#5 RE: Old Town Discovery 119 antworten

Hi!

hat grade so schön gepasst mit den Materialstärken und der Länge der Bolzen. Hält bei dem leichten Boot auch so (und hat auch bei einem 35 Kilo Boot gehalten), aber im Prinzip hast Du recht!

Gruß
Habbo

lupover Offline



Beiträge: 504

26.10.2014 00:40
#6 RE: Old Town Discovery 119 antworten

Moin!

Heute war ich in Hamburg auf der Hanseboot. Dort habe ich in einem Old Town Pack ein paar Rundem im Testteich gedreht (aber auch nur im Testteich, das hier ist ein kurzer Eindruck, kein Vergleichstest).

Also: Einen wirklichen Unterschied in Sachen Fahreigenschaften habe ich nicht festgestellt. Ob der Pack wirklich um den winzigen Hauch stabiler im Wasser liegt, um den der Disco besser zu beschleunigen ist, müßte in längeren Versuchsreihen geklärt werden - Welten liegen nicht dazwischen.

Der Pack kostet aktuell 1380,- €. Der Discovery liegt bei gut 1000,- € mit einem vernünftigen Sitz. Für die Differenz von gut 300,- € bekommt man als Gegenwert im wesentlichen ca. 4-5 Kilo weniger Gewicht. Ob das den Mehrpreis wert ist, muß am Ende wie immer jeder selbst entscheiden. Mir ist der Gewichtsunterschied beim Tragen nicht so gewaltig vorgekommen.

Gruß
Habbo

lupover Offline



Beiträge: 504

02.01.2015 02:16
#7 RE: Old Town Discovery 119 antworten

Und noch ein Nachtrag:

Auf der Homepage von Old Town ( http://www.oldtowncanoe.com/canoes/discovery_series/ ) wird das Boot jetzt wieder mit vernünftigen Gurtsitzen angeboten (jetzt auch an der richtigen Einbauposition und nicht mehr viel zu weit hinten) statt der blödsinnigen Plastikstühle. Das Discovery 119 liegt so bei ca. 20 Kilo und damit unter der aktuellen Werksangabe. Geht doch!

Schön, wenn Hersteller sich als lernfähig erweisen. Hoffentlich kommen die Boote auch in Europa bald so in den Handel. Weniger schön, dass alle Royalex Kanus und damit zum Beispiel auch die genialen Penobscot 16/17 jetzt rausgenommen wurden. Dafür kann Old Town zwar nichts, aber das Programm dieses Traditionsherstellers sieht jetzt doch erschreckend übersichtlich aus.

Frohes neuesJahr!

Habbo

PS 16.10.2016: Hatte heute ein Disco 119 in der aktuellen Flechtsitzversion auf der Waage. Ca. 22,5 Kilo, ziemlich genau die aktuelle Werksangabe, fast 2 Kilo mehr als mein vom Plastiksitz auf Gurtsitz umgebautes altes Boot. Scheinbar wird jetzt noch mehr Plastikgranulat in die Form gegeben - dafür strahlt das aktuelle Boot die Solidität eines Panzers aus, viel steifer geht nicht mehr. Und eigentlich ist das immer noch ein guter Wert für ein Kanu aus PE.
29.10.2106: Bei der aktuellen Flechtsitzausführung beträgt die Sitzhöhe ab Werk nur 15 cm - zu wenig für eine menschenwürdige Sitzhaltung. Also Sitzhaltebleche zersägt und um gut 6 cm gekürzt wieder zusammengenietet. Sitzhöhe jetzt 21,5 cm, Probefahrt zeigt keine Probleme mit der Stabilität.

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