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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Tourenberichte
Matthias Zürcher Offline




Beiträge: 78

24.08.2014 20:06
Vater und Sohn Elbetour antworten

Elbe-Tour (Anreise)
Wir hatten, wie schon 2012 für die Donau den selben Shuttleservice gebucht.
 Anke und Jolanda hatten sich bereit erklärt uns nach Dresden, bzw. nach Schmilka an der Elbe zu bringen. Auf dem Weg ist in alter Tradition an unserem Auto etwas kaputt gegangen und wir verbrachten mehrere Stunden in Münchberg bei einer Autowerkstatt. Wir nutzten die Zeit für einen “Stadtbummel”, wann kommt man sonst schon mal nach Münchberg. So kamen wir mit einer ziemlichen Verspätung in Dresden an. Wir wollten vor unserer Abreise noch den halben Tag gemeinsam in Dresden verbringen um uns dann Tags darauf nach Schmilka bringen zu lassen. Von dem halben Tag war nun nicht mehr viel über und wir beschlossen unseren Zeitplan dahingehend zu ändern, den kommenden Tag in der Stadt zu verbringen und mit einem Tag Verspätung unsere Elbe-Tour zu starten. Zuerst bezogen unser Quartier beim Wassersportverein Wiking Schweifsterne e.V. Den Tipp dazu haben wir von André von den Paddelfreunden, dessen Vater dort der 1. Vorsitzende ist. Wir hatten das Gelände und das Bootshaus ganz für uns alleine. Lorenz und ich stellten gleich unser Zelt auf und richteten uns ein. Den ersten Paddeltag würden wir ohne Gepäck zurücklegen.



Dresden
Am nächsten Morgen machten wir vier uns auf den Weg, zu Fuß in die Stadt. Das sind ca. 6 Kilometer, wenn man an der Elbe entlang laufen will. Wir kamen am Blauen Wunder vorbei, das eigentlich Loschwitzer Brücke heißt und bestaunten beim Näherkommen die Dresdner Silhouette. Nicht umsonst wird Dresden auch Elbflorenz genannt. Wir besuchten den Zwinger und Umrundeten die Frauenkirche, diese hatte ich vor rund 20 Jahren noch als Schutthaufen gesehen. Natürlich machten wir noch einen Abstecher zu einem großen Ausrüsterladen und ich erstand ein neues T-Shirt in einer gedeckten Farbe, damit ich es gut für unsere Fahrt gebrauchen konnte. Nachmittags besuchte ich mit Lorenz noch das Museum für Verkehr und Technik. Hier konnte man auch ein Hochrad ausprobieren, allerdings war es aufgebockt, so dass man nicht herumfahren und vor allem nicht herunterfallen konnte. Davon aber ein andermal mehr. Gegen frühen Abend bestieg ich mit den Kindern zusammen eine Straßenbahn, wir scheuten den langen Weg zurück Richtung Loschwitz. Anke war tapferer und ging zu Fuß. Als sie ankam hatten wir gekocht und ließen den Abend gemütlich ausklingen.



Schmilka – Dresden

Nach dem gemeinsamen Frühstück machten wir uns mit dem Boot auf dem Dach auf den Weg nach Schmilka, unweit der Tschechischen Grenze. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde, da man dort durch die ganzen kleinen Ortschaften zockeln muss. Die letzten Kilometer fuhren wir hinter einem Anhänger eines Dresdner Kanuverleihers her, der uns sicher zu unserer Einsatzstelle lotste. Nachdem wir unser Boot und das Tagesgepäck abgeladen hatten, wir hatten ja Zelt und die meiste Ausrüstung in Dresden gelassen, verabschiedeten wir unsere Damen und alle brachen auf. Wir Flussab und Anke und Jolanda Richtung Berlin. Auf ihrer Rückreise am kommenden Sonntag wollten wir sie nochmals treffen. Es war leicht bewölkt, die Elbe hatte einen guten Wasserstand und strömte flott dahin. Wir genossen die Fahrt durch das Elbsandsteingebirge. Wir bewunderten die Berge, fotografierten die Raddampfer und nahmen uns vor den ersten Gierfähren in Acht. Gegen Nachmittag trafen wir einen Vater mit seiner Tochter in einem Faltboot und unterhielten uns eine Weile und paddelten neben einander her. Das Wetter wurde immer sonniger und zahlreiche Paddler in Leihkanus oder Schlauchbooten waren unterwegs. Am späten Nachmittag kamen wir sehr entspannt in Dresden an, machten uns fertig für einen Landgang und gingen in der Nähe des Bootshauses bei einer kleinen Gartengaststätte Abendessen.



Dresden – Nünchritz
Heute sollten wir es nicht mehr so leicht haben wie am ersten Tag. Zuerst hieß es alles einpacken und dann das Gepäck hinunter zum Fluss schleppen. Wie üblich auf Gepäckfahrten hatten wir unseren Kram in vier großen Packs aber mit vier mal Laufen war es noch nicht getan. Es war doch noch einiges an Zubehör was zusätzlich ins Boot gehörte, Paddel, Kniematten, Sonnen/Regenschirm ein Ösfass und Schwamm …  Aber um kurz vor neun waren wir auf dem Wasser. Zuerst passierten wir, wie schon zwei Tage zuvor, das Blaue Wunder und liessen uns dann an der Silhouette von Dresden vorbei treiben. Etwas ausserhalb der Stadt, wir waren in der Nähe des linken Ufers, als es hinter uns kräftig platschte. Das konnte kein Fisch gewesen sein, den es hatte auch kurz davor am Ufer geraschelt. Wir hatten einen Biber aufgeschreckt, der dort wohl ein Nickerchen gemacht hatte. Wenn er nicht ins Wasser gesprungen wäre hätten wir ihn nicht bemerkt. Es dauerte auch nicht lange, da kam er an die Oberfläche und beobachtete uns. Wir taten es ihm gleich und machten auch ein Foto, was er natürlich von uns nicht tat. Das Ergebnis ist nicht berauschend, mit etwas Phantasie erkennt man ihn. Einige Zeit später änderte sich das Wetter. Wir haben hierüber eine kleine Bildergalerie, Worte erübrigen sich dabei. Nur soviel, als das Gewitter vorüber war hatten wir ungefähr fünf Minuten zu schöpfen, ehe wir weiterfahren konnten. Jedenfalls waren wir bis Meißen wieder trocken. Gegen 17.00 Uhr und nach 54 Kilometern erreichten wir Nünchritz, wo wir bei einem kleinen Kanuverein Unterkunft fanden. Das Wetter hatte sich beruhigt, es schien die Sonne und es ging ein leichter Wind, so dass wir unsere letzten feuchten Sachen trocknen konnten.



Nünchritz – Torgau

Die zweite Etappe mit einer Länge über 50 Kilometer stand heute an. Das Wetter war prächtig, die Sonne schien, aber nicht so heiß wie vor zwei Jahren auf der Donau. Es ging immer ein Leichter Wind, der für Kühlung sorgte. Um unsere doch ganz ansehnliche Tagesstrecke zu bewältigen verlegten wir die Mittagsrast stets auf Wasser. Lorenz drehte sich im Boot um, so dass er gut an den Küchensack herankam und richtete Brote oder sonstige Leckerlichkeiten. Ich schaltete einen Gang herunter und beschränkte mich auf Steuerschläge. So kamen wir trotz Mittagspause immer ein Stück voran. Der Schiffsverkehr hielt sich in Grenzen, es scheinen nicht mehr viele Lasten auf dem Wasser transportiert zu werden. Die Touristendampfer von Dresden fahren nur bis Disbar hinter Meißen und Kanu-Verleiher scheint es auf diesem Stück auch wenige zu geben. So waren wir meist ziemlich alleine, von der Elbe, den Tonnen, Schafen und ab und zu einer Gierfähre mal abgesehen. Ach ja, das wollte ich ja noch erklären, Gierfähren sind Seilfähren, die an einem betonnten Seil, in der Nähe des einen oder anderen Ufers, oder auch mal in der Flussmitte befestigt sind und hin und her gieren. Das Seil sollte tunlichst nicht überfahren werden und eigentlich darf man an diesen Fähren nur vorbeifahren, wenn sie an ihrem festen Liegeplatz liegen. Das hört sich dramatischer an, als es ist. Vor diesen Fähren steht immer ein Schild und zwar auf der Seite auf der der feste Liegeplatz ist. Kommt man dann auf eine Fähre zu, die noch unterwegs ist, lässt man sich treiben oder steuert im schlimmsten Fall ein Kehrwasser hinter einer Buhne an und wartet eben bis sie die Seite gewechselt hat. Am Nachmittag erreichten wir Torgau und checkten beim Bootshauswart des Kanuclubs ein. Der Zeltplatz dort ist recht begrenzt und es waren auch noch andere Kanuten und Radfahrer dort abgestiegen. Wir machten ein paar Besorgungen und einen Stadtbummel. Mich zog es in die Wintergrüne, eine Gasse mit einem alten Renaissancepalast. Hier hatte ich während des Studiums mal eine Woche gehaust. Im Rahmen eines Bauaufnahme-Seminars war ich dort mit 70 weiteren Studenten und einem Prof untergebracht. In drei Tagen hatten wir das Haus, welches einen herrlichen Innenhof besitzt aufgemessen und durften dann den Rest der Woche Exkursionen nach Dresden, Dessau und Weimar unternehmen. Eigentlich war dies nur eine vorbereitende Arbeit gewesen, den eine Andere Gruppe Studenten bearbeiteten das Projekt dann weiter, einer der Entwürfe für eine neue Nutzung sollte dann umgesetzt werden. Ich war gespannt. Als wir um die Ecke kamen erkannte ich das Gebäude sofort wieder. Nicht nur, weil es so markant ist, nein auch deswegen, weil es sich in 20 Jahren kein Bisschen verändert hatte. Halt doch, es hing ein Schild daran welches um Spenden und Investoren warb.



Torgau – Elster
Für den heutige Tag standen nur 45 Kilometer auf dem Programm. Wir ließen uns Zeit mit dem Aufstehen und dem Packen und waren so gegen 10.00 Uhr auf dem Wasser. Auch der heutige Tag brachte uns Sonnenschein und nur leichten Wind. Auf einem Frachter der uns überholte lagen zwei Rotorblätter einer Windkraftanlage, wohin die wohl unterwegs waren? Gegen Nachmittag frischte der Wind auf und kam, wie sollte es anders sein aus Westen, die Richtung in die wir hauptsächlich unterwegs waren. Zwar macht die Elbe immer wieder große Schleifen die uns dann auch hin und wieder Rückenwind bescherten, aber auf den Stücken die direkt im Wind lagen bauten sich schon kleinere Wellen auf die uns ein klein wenig den Schwung nahmen. Kurz vor unserem Ziel in Elster lag noch eine Gierfähre, die gerade am anderen Ufer beladen wurde. Von unten kam ein Frachtschiff entgegen. Da die Fähre nicht ablegen würde bevor der Lastkahn vorbeigefahren war langten wir ordentlich zu um auch noch an der Fähre vorbei zu kommen. Nach der Fähre war rechts der Schiffsanleger von Elster. Genau als der Frachter auf dessen Höhe war, waren wir es auch. Es waren noch ca. 5 Meter Platz zwischen dem Anlegerfloss und dem Kahn, der gut beladen eine ordentliche Welle schob, und zuvor natürlich erst ein mal das Wasser wegsaugte. Wildwasser auf der Elbe, ich hätte es nicht geglaubt. Wir hatten natürlich auch ordentlich Tempo, da wir ja noch schnell an der Fähre vorbei wollten. Es war ein kurzer wilder Ritt über die Wellen. Der Skipper grinste sich einen, wirklich gefährlich war es auch nicht gewesen. Schöpfen mussten wir trotzdem. Gegen späten Nachmittag kamen auch die kajakfahrenden Nachbarn von gestern Abend aus Torgau an. Eine Familie aus Berlin, mit zwei Söhnen Thies und Jost. Lorenz verstand sich auf Anhieb gut mit den beiden und auch ich hatte mit den Eltern jede Menge zu quatschen. Lorenz und ich beschlossen hier unseren ersten Ruhetag zu verbringen, es sollte der einzige bleiben, und erst Montag mit den Berlinern zusammen weiter zu paddeln. Ach ja und morgen war ja Sonntag, das sollten wir doch Besuch von unserem Shuttleteam bekommen. Per SMS gaben wir unseren genauen Standort durch. Das Gelände des Vereins ist herrlich, eine baumbestandene große Wiese stand uns zur Verfügung.



Ruhetag in Elster
Unseren Ruhetag in Elster verbrachten wir damit unseren Besuch zu empfangen und nach einem ausgedehnten Frühstück zu verabschieden, Wäsche zu waschen und nachmittags bei der Gierfähre rumzulungern. Dort setzten 50 Oldtimer, die auf einer Ausfahrt unterwegs waren, über. Wir fuhren auch einmal mit der Fähre hin und her, bzw. Lorenz und Thies zweimal. Da auf der Fähre nur jeweils 12 Fahrzeuge Platz hatten nahm das Übersetzen eine ganze Weile in Anspruch, wir hatten unseren Spaß. Abends kochten wir auf dem Biolite Ofen mit dem man neben bei auch über einen USB Anschluss das Handy laden kann. Die Jungs heizten ordentlich ein, ich denke es gibt auf der Wiese kein trockenes Stöckchen mehr, das nicht verbrannt wurde. Der Ofen weckte auch das Interesse eines Radfahrers, er kam zuerst alleine mit seinem Wasserkessel um sich kochendes Wasser machen zu lassen, später kam er noch mit seiner Frau vorbei, die nicht glauben wollte, dass man das Handy damit laden könne. Als sie es mit eigenen Augen gesehen hatte sagte sie resignierend: “Jetzt müssen wir morgen nach Dresden zum Einkaufen”.



Elster – Coswig
Wie verabredet starteten wir gemeinsam mit den vier Berlinern. Da die Strecke nach Coswig nicht all zu weit war, liessen wir uns Zeit. Wir wurden sogar in Elster am Bootshaus noch auf eine Tasse Kaffee eingeladen. Der Gegenwind war zwar auch wieder vorhanden, jedoch nicht so stark wie am Vortag. Teilweise hatten wir sogar Rückenwind, den wir versuchten, mit unseren Regenschirmen, zum Segeln zu nutzen. Wir machten auch häufiger mal eine Pause um die Beine zu vertreten, Kajakfahrer haben ja nicht wie wir die Möglichkeit die Sitzposition nach Belieben zu verändern. So war es nicht verwunderlich, dass wir für die 36 Kilometer bis kurz vor 17.00 Uhr unterwegs waren. Es wurden unterwegs von den Jungs auch allerhand Versuche angestellt, Kanadier mit Doppelpaddel im Stehen, oder Kajak mit Stechpaddel zu fahren. Vermeintliche Abkürzungen hinter Sandbänken führten dazu, dass alle Aussteigen und laufen mussten … Das Vereinsgelände in Coswig gefiel mir fast noch besser, als das in Elster. Vor Allem das originelle Bootshaus, eine ehemalige Badeanstalt hatte es mir angetan.



Coswig – Aken
Unsere neuen Freunde aus Berlin wollten heute nur bis Dessau und dort ihre Fahrt beenden. Lorenz und ich hatten vor, eine etwas weitere Etappe zu paddeln und starteten recht zeitig, mit einsetzendem Regen. Kurz nach dem Start begegnete und das Milkaschiff, eine Werbeaktion. Ob so viele Kunden geworben werden können wage ich zu bezweifeln, aber vielleicht täusche ich mich ja. Der Wind wurde wieder kräftiger und wir hatten ordentlich zu schaufeln, dafür blieben wir aber trocken. Wir kamen natürlich auch am Ziel unserer Mitpaddler von gestern vorbei und bewunderten die Bootshäuser. Gegen Abend wurde der Wind dann kräftiger und unsere Arme länger, bis wir dann nach 41 Kilometern in Aken beim Köthener Kanu Club anlegten. Wir liefen dann noch in den Ort um ein paar Besorgungen zu machen. Wir kochten vor dem Zelt und genossen später die Duschen im Bootshaus.



Aken – Magdeburg
Der Tag begann windstill. Vor dem Start verlief immer Alles ähnlich. Zuerst Frühstück, Lorenz packte dann die Schlafsäcke und die Lumas ein, während ich den Küchensack und den Klamottensack richtete. Danach packten wir gemeinsam das Zelt ein. Wir waren recht flott und schafften es mittlerweile, wenn wir wollten in einer Stunde. Heute führte unsere Strecke nach Magdeburg, bzw. in einen Vorort namens Fermersleben. Die Nachmittagsstunden hatten wir wieder Gegenwind. Dort kamen wir bei einem Wassersportverein mit einem kleinen Hafen unter. Wir bezahlten unsere Zeltgebühr beim Hafenmeister, von dem wir auch den Schlüssel zum Sanitärgebäude bekamen. Für die Übernachtung hatten wir die enorme Summe von drei Euro zu bezahlen – zusammen. Gegen Abend setzte Regen ein und wir verkrochen uns früh ins Zelt.



Magdeburg – Rogätz
In unserer Flussbeschreibung hieß es in Magdeburg beim Dom, links Domfelsen, rechts fahren. Ich hatte das gelesen und zur Kenntnis genommen, aber nicht weiter darüber nachgedacht. Wir unterquerten erst eine Alte Hubbrücke die heute nur noch ein Technikdenkmal ist und bewunderten den 1200 Jahre alten Dom, auf den wir dann zutrieben. Die Strömung war ganz ordentlich, irgendwie mehr als sonst. Dann fiel mir das mit dem “Domfelsen” wieder ein. Da wir ganz in der Nähe des Doms waren könnte der dann ja auch auftauchen. Ich dachte eigentlich dass uns ein Felsen erwartet der aus dem Wasser schaut, aber da waren nur ein paar heftige Wellen links der Strommitte. Rechts fahren war da zu lesen gewesen, aber rechts kam uns ein Schubverband mit einem Baggerschiff entgegen. Na ja, wenn es nicht extra im Flussführer gestanden hätte wären wir vermutlich über die Domfelsen hinweg gefahren, so hielten wir uns scharf rechts davon und ich versuchte so gut es ging zu Fotografieren, während Lorenz von vorne steuerte. Mittlerweile hatten sich an unseren Händen Schwielen gebildet. Lorenz schmerzten zwei Finger, das war der Tribut, den der viele Gegenwind forderte. Am frühen Nachmittag waren wir dann bereits in Rogätz und meldeten uns telefonisch bei jemanden vom Kanu Club an. Wir sollen uns einfach ein Plätzchen auf der Wiese aussuchen, er komme dann später wegen Schlüssel und Zeltgebühr. So unkompliziert lief das immer ab. Entweder es war schon jemand da, oder kam später vorbei. Wir vertrieben uns die Zeit im Ort und gingen mal wieder einkaufen. Als wir zurück kamen waren noch zwei weitere Zelte da, eine dreiköpfige Familie mit einem Ally-Kanadier und einem Puch-E65 und ein weiteres Tandemteam in einem Puch RZ 85. Die Familie war wie wir in Schmilka gestartet, das Tandem Team kam von der Unstrut, Saale und wollte weiter nach Frankfurt/Oder. Sie würden morgen nur noch ein kleines Stück die Elbe befahren und dann bei Paray den Verbindungskanal zum Elbe-Hafel Kanal nehmen, um dann quer durch Berlin bis zur Oder zu paddeln. Faszinierend!
Die Bamberger Familie kündigte noch ein Gruppe Jugendlicher mit zwei Betreuern an. Eine Gruppe schwer Erziehbarer war uns angekündigt. Als sie dann kamen waren sie sehr müde und eher schwer in Ordnung, wie ich fand.



Rogätz – Tangermünde
Wir waren schon früh unterwegs, kurz nach uns starteten die beiden im RZ 85 und holten uns auch nach kurzer Zeit ein. Wir begleiteten sie bis zu ihrer Abzweigung. Nach gegenseitigen guten Wünschen für den weiteren Verlauf der Reise, trennten sich unsere Wege. Wir machten darauf unsere übliche Mittagspause auf dem Wasser, die jedoch etwas hektisch abgebrochen wurde weil es wieder anfing zu regnen. Als es dann das erste mal ordentlich krachte, machten wir, dass wir vom Wasser runter kamen. Gewitter auf dem Wasser, da hatten wir kein Interesse dran. Wir hockten uns am Ufer hinter einer Buhne etwas in den Windschatten schauten zu wie unser Boot langsam vom Regen gefüllt wurde und warteten, dass das Gewitter vorüber zog. Als es schliesslich ruhiger wurde schöpften wir das Boot leer und setzten unsere Fahrt fort. Genau so schnell wie das Mistwetter gekommen war war es auch wieder verschwunden. Es sollte noch öfter so sein. Ein paar Kilometer weiter unterquerten wir die Trogbrücke des Wasserstraßenkreuzes. Unterhalb war ein Rastplatz und wir legten an. Lorenz ging sich die Trogbrücke aus der Nähe ansehen und hatte Glück, als er oben ankam, passierten gerade ein paar Schiffe die Wasserstraße über der Elbe. Nachmittags wechselte das Wetter zwischen Regen, Sonne und Wind. In Tangermünde lag unsere Unterkunft im Hafen, in den auch die Tanger mündet, ganz am Ende, der Ruderclub. Wieder wurden wir herzlich aufgenommen. Nach dem wir unser Lager errichtet hatten, gingen wir Duschen und machten uns stadtfein. Tangermünde ist eine sehr gut erhaltene Kleinstatt mit einer komplett erhaltenen Stadtbefestigung. In der Stadt war jede Menge los, Abends sollte ein Staffellauf in der Altstadt stattfinden. Aber die Stadt machte auch insgesamt den Eindruck, als sei sie ganz lebendig. Auf unserem Stadtbummel kamen wir an einen Fahrradladen vorbei in dessen Schaufenster ein Bonanzarad stand. Lorenz großer Traum! Seine Augen fingen an zu leuchten. Der Laden war noch offen, er ging rein, traute sich aber nicht recht zu fragen ob es sich um ein Ausstellungsstück handelte oder ob es zum Verkauf stand. Als er später beschloss noch einmal hin zu gehen, hatte der Laden geschlossen. Aber es wäre ja sowie so nicht möglich gewesen das gute Stück auch noch in unseren Kanadier zu packen, auch wenn einer unseren Berliner Freunde ihn liebevoll “Möbelwagen” nannte. Wir schlenderten noch etwas durch die Gassen und kehrten dann zum Bootshaus zurück. Mittlerweile waren auch die Bamberger Familie und die Jugendgruppe mit denen wir gestern schon den Zeltplatz geteilt hatten angekommen. Wir beschlossen morgen später auf zu stehen und erst gegen Mittag loszupaddeln. Wir wollten nur bis Arneburg, dass ist nur rund 18 Kilometer entfernt.



Tangermünde -Havelberg
Der Titel verrät es schon, es wurde nichts aus Arneburg, aber der Reihe nach. Zu erst ein mal haben wir ausgeschlafen. Allerdings nicht so lange wie die Jungs und Mädels der Jugendgruppe, sie wollten nicht mehr weiter. Wir wollten noch einmal einen Spaziergang durch die Stadt machen und Lorenz wollte natürlich noch einmal zum Fahrradladen. Dieses mal war auch der Besitzer des Rades da, der Juniorchef. Er hatte das Rad vor Jahren erstanden, nach dem es ein Vater seinem 10 jährigen Sohn schenken wollte, der es aber nicht haben wollte. Der Mann hatte es in den 70ern gekauft und eingelagert. Das Rad ist also wie neu. Lange Rede kurzer Sinn, Lorenz hat das Rad gekauft und es wird ihm per Post zugeschickt. Er durfte dann natürlich noch eine Runde damit Fahren und der Papa eine Runde mit dem Hochrad, das der Ladenbesitzer vor ein paar Jahren selbst gebaut hatte. Mitterweile stand die ganze Belegschaft des Familienbetriebs vor dem Laden. Alle waren ganz aus dem Häuschen wie Lorenz sich über sein neues Rad freute.
Gegen 12.15 Uhr legten wir dann vom Anleger des Rudervereins ab und verabschiedeten uns von Tangermünde. Gegen 14.00 Uhr erreichten wir nach zwei Regenschauern Arneburg und beschlossen, dass es das für heute nicht gewesen sein sollte. Also würden wir auch wie die Familie aus Bamberg nach Havelberg paddeln. Wir trafen sie, als sie gerade die Regenkleidung wieder ablegten und sie sahen uns mit großen Augen an und fragten ob wir Arneburg nicht gefunden hatten. Wir fuhren zunächst unser Tempo weiter und holten ein weiteres Paar in einem Kanadier ein. Vor Havelberg nahmen wir uns dann etwas zurück, so dass wir möglichst als Gruppe zur Schleuse kamen um gemeinsam in die Havel hinauf geschleust zu werden. Das Pärchen im Leihkanadier wollte aber gar nicht geschleust werden und zog auf der Elbe weiter. Immerhin waren wir drei Boote für die das Schleusentor geöffnet wurde. Beim Havelberger Kanuverein wurden wir an die Ruderer weiterverwiesen, bei den Kanuten hatten gerade 50 Radfahrer eingecheckt. Uns war es recht, bei den Ruderern waren wir nur zu siebt. Fünf Paddler und zwei Radler, die sonst aber auch immer mit dem Boot unterwegs sind. Nach dem Kochen und Essen machten wir einen kleinen Spaziergang durch den Ort und grillten dann noch Marshmallows.



Havelberg – Wittenberge
Gegen 9.00 Uhr waren wir bereits wieder in der Schleuse hinab in die Elbe. Es war bewölkt und der Wind würde uns wieder ins Gesicht blasen, sobald wir die Elbe erreicht haben. Wir paddelten wieder durch bis gegen zwölf-halbeins, machten unsere Mittagspause auf dem Wasser und paddelten dann den Nachmittag durch bis Wittenberge. Unterwegs sahen wir viele Vögel, wir hatten den Eindruck viele sammeln sich schon um in die Winterquartier zu fliegen. Einen Seeadler sahen wir auch und haben ihn Fotografiert, es sollte nicht der letzte sein. Gegen Nachmittag nahm der Wind enorm an Fahrt auf, die Wellen auf der Elbe trugen teilweise schon Schaumkronen. Die letzten Kilometer lag immer wieder ein Polizeiboot hinter einer Buhne, lies uns vorbei ziehen, überholte uns und wartete dann wieder. Zwei Kilometer vor Wittenberge zogen sie dann voraus und verschwanden im Hafen. Ich hatte das Gefühl sie haben nach uns gesehen. Wir bogen auch ab in den Hafen und hatten plötzlich wieder einmal Rückenwind. Wir mussten gut zwei Kilometer zurück ganz in einen hinteren Winkel des Binnenhafen paddeln. Dort fanden wir den Anleger des Wassersportvereins von Wittenberge. Zu erst schien niemand da zu sein, auf unser Klingeln gab es keine Reaktion, bei der im Flussführer angegebenen Telefonnummer ging niemand ran. Wir setzten uns noch mal ins Boot und fuhren am Anleger mit den Motorbooten entlang und hatten Glück auf einem der Motorboote trafen wir einen Mann mit Schlüsselgewalt, der uns alles zeigte, unsere Zeltgebühr kassierte und uns einen Schlüssel aushändigte. Spät kamen auch die Bamberger an, auch ihnen hatte der Tag einiges abverlangt, wir halfen ihnen ihr Gepäck hoch zu tragen. Wir hatten keine Lust zu kochen und machten uns auf den Weg hinein nach Wittenberge und suchten uns eine kleine Gaststätte um zu Abend zu essen. Danach drehten wir noch eine Runde durch die Stadt. Viele Häuser stehen leer oder sind am Verfallen. Die Stadt hatte eins 40.000 Einwohner heute sind es noch 17.000.



Wittenberge – Dömitz
Früh morgens war es sonnig, jedoch zogen bald wieder Wolken auf und der Wind fing wieder an zu wehen. Wir schauten, dass wir zeitig los kamen. Unsere Bamberger Zeltnachbarn waren spät aus der Stadt zurück gekommen und konnten erst später starten. Unsere Tagesziele waren die gleichen, Dömitz. Sollte der Wind zu heftig sein würden wir Gorleben anlaufen. Gleich das erste Stück, als wir wieder hinaus auf die Elbe fuhren ging genau nach Westen, in die Richtung aus der der Wind kam. Ich hatte immer das Gefühl es sei mehr Gefälle im Fluss, wenn sich die Wellen gegen den Wind aufbauten. Wir fuhren meist am linken Ufer um etwas Abdeckung vor dem Wind zu haben. Ich wählte die Rute so, dass wir meist im Schnittwasser zwischen den Kehrwässern der Buhnen und der Hauptströmung fuhren. Das hatte den Vorteil, dass dort die Wellen nicht zu sehr bremsten. Mir schin es jedenfalls so, und der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge. Ab und zu wechselten wir auch die Flusseite oder kürzten durch die Innenkurven ab. Wir arbeiteten mit allen Tricks um den Wind zu überlisten. Wenn die Elbe einen entsprechenden Bogen machte und wir Windstille hatten ruhten wir uns aus und ließen uns treiben, hatten wir Rückenwind, was selten der Fall war, segelten wir mit Hilfe des Schirms. Ein mal wurde der Wind so heftig, dass wir im Kehrwasser einer Buhne in Deckung gehen mussten. Es regnete und stürmte und es wurde kalt. Heute war es echt hart. Aber wir haben es geschafft, kaputt und ziemlich müde erreichten wir nach rund 50 Kilometern die Schleuse von Dömitz, über die wir zu unseren Zeltplatz bei einer kleinen Marina gelangten. Wir trafen dort das Paar mit dem Leihkanadier wieder, die wir schon vor zwei Tagen getroffen hatten. Sie hatten ein mal wild gezeltet und ein mal auf einem Campingplatz übernachtet. Wir kochten im Dunkeln, da wir zuerst noch einen kleinen Stadtrundgang gemacht hatten. Andere Gäste des kleinen Zeltplatzes hatten gegrillt und hatten noch Hühnchen übrig, welches sie uns als Vorspeise überliessen. Ich lies mich nicht lange bitten. Die Bamberger sind diesen Abend nicht mehr angekommen.



Dömitz – Neu Darchau
Unser Ziel für heute war Hitzacker, die Strecke würde überschaubar bleiben, auch wenn uns der Wind wieder zu schaffen machen sollte. Zuerst mussten wir wieder durch die Schleuse nach unten in die Elbe. Bereits in der Schleusenkammer fing es wieder an zu regnen. Der Schleusenwärter fragte uns ob wir bei einem solchen Wetter nichts besseres zu tun hätten als Kanu zu fahren. Ein echtes Motivationsgenie. Er sagte uns noch, dass für Nachmittags Starkregen angesagt wäre. Das beeindruckte uns jedoch nicht sehr, weil bisher hatten wir fast jeden Tag Starkregen. Raus auf die Elbe und wieder im Wind. Bis Hitzacker war es jedoch nicht so weit und wir liessen es richtig laufen. In Hitzacker angekommen, mussten wir jedoch feststellen, dass im Hafen überhaupt nichts mehr los war. Die Einfahrt in den Hafen war versandet und der Hafen war so gut wie leer, kein Hafenmeister weit und breit. Über die hohe Mauer, die den Ort vor Hochwasser schützen soll hinweg schauten Spaziergänger auf uns herab während wir durch den Hafen paddelten. Ich sagte zu Lorenz: “Das ist hier ein Bisschen wie im Zoo, lass uns abhauen.” Wir beschlossen noch rund 15 Kilometer weiter zu paddeln, in Neu Darchau gibt es einen Campingplatz. Die Elbe hatte die Richtung etwas geändert und floss entlang der sogenannten Geestgebirges, in dessen Windschatten es sich ganz entspannt paddeln liess. So erreichten wir unser Ziel für den heutigen Tag, nach 31 Kilometern.



Neu Darchau – Bleckede
Der letzte Tag auf der Elbe und wir waren schon sehr früh auf den Beinen. Unsere heutige Etappe hatte nur 16 Kilometer, bedingt dadurch, dass wir gestern weiter gepaddelt waren als vorgesehen. Der Gegenwind war immer noch da, ich hatte ihn aber wie schon vor ein paar Jahren auf dem Allier in Fahrtwind umgetauft. Gegen Mittag machten wir am Anleger der Bledecker Bootsfreunde fest und checkten ein. Wir wurden freundlich empfangen, der Hafenmeister würde Abends vorbeikommen. Der Enkel eines Mootorbootbesitzers kam gleich neugierig an und fragte ob er beim Tragen der Sachen helfen könne. Als alles oben auf der Wiese lag, zogen er und Lorenz ab zum Trampolin. Ich sortierte etwas unseren Kram und richtete das Zelt ein. Ein mal würden wir noch hier übernachten, bevor es morgen dann nach Hause gehen würde. Wir meldeten uns bei unserem Shuttleservice, Anke und Jolanda waren gegen Acht in Tübingen aufgebrochen. Sie kündigten sich an für zwischen fünf und halbsechs. Also Zeit genug für uns die Gegend zu erkunden. Im Bledecker Schloss gibt es ein Biosphärium mit einem Biberhaus, welches wir besuchten. Wir schlenderten danach noch durch den Ort und wurden wieder ein mal vom Regen heimgesucht.
 Wir waren gerade auf dem Weg noch ein mal vor zur Fähre als der Anruf von Anke kam, sie ständen vor dem Bootshaus, wo wir uns denn rumtrieben.
 Der Abend ging schnell vorüber mit Kochen, Essen, Erzählen und Zuhören.

Viele Grüße
Matthias

http://www.wood-and-canvas.de

Troubadix Offline



Beiträge: 1.213

24.08.2014 21:51
#2 RE: Vater und Sohn Elbetour antworten

Danke für den interessanten Reisebericht in einem dazu noch wunderschönen Kanu!
LG Jürgen

Wolfgang Hölbling Offline




Beiträge: 2.918

24.08.2014 23:09
#3 RE: Vater und Sohn Elbetour antworten

Eine schöne Art zu Reisen, die Kombination Stadt-Fluß gefällt mir.
LGW

http://www.canoebase.at/
http://www.swiftcanoe.eu/

Wolfgang Hölbling

Donaumike Offline




Beiträge: 993

25.08.2014 09:34
#4 RE: Vater und Sohn Elbetour antworten

Vielen Dank für den ausführlichen Einblick eurer spannenden Fluss und Städtetour, der Demografische Wandel ist leider vielerorts arg zu erfahren, über den Biolite-Ofen gibt es hier im Forum auch etwas zu erfahren, dank deren Auffrischung, die Wellen ab Havelberg sind ja ganz ordentlich gewesen, der Geleitschutz hatte sicher seine Erfahrungen…..

Grüße, Mike

„Offenes Kanu im grenzenlosen Kielwasser, Ballast und der Rest kann behalten werden“

zaehri Offline



Beiträge: 14

25.08.2014 17:10
#5 RE: Vater und Sohn Elbetour antworten

hallo mathias , hallo lorenz
habe die gleiche tour auf 2 etappen 2009 /2010 auch gepaddelt....merci für deinen bericht und die schönen Erinnerungen in denen ich ein bischen hinschwelgen konnte...sturm , hagel und gewitter hatten wir ebenso...sehr angenehm in Erinnerung habe ich noch die freundliche und hilfsbereite Gastfreundschaft aller an der elbe ansässigen kanu-vereine...ich wünsche dir und deinem sohn weiterhin wunderschöne paddeltouren....ciao HEINZE

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