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Dieses Thema hat 34 Antworten
und wurde 5.454 mal aufgerufen
 Ausrüstung > Boote, Paddel, Zubehör, CanoePacks, Kanubau
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Andreas Schürmann Offline




Beiträge: 2.067

02.03.2012 20:21
#16 RE: Canadier im Selbstbau antworten

Zitat
Ist dann der Geradeauslauf besser?


Nein.

Ist allerdings eine Vermutung von mir, aber bei den geringen erreichbaren Geschwindigkeiten haben schmale Leisten kaum Effekt.

Überhaupt muss man doch von einem Boot das max. (laut Ansage) 150,- Euros kostet nicht auch noch Fahreigenschaften erwarten.
Wenn es schwimmt und man damit irgendwo hin kommt ist doch schon gut.

Hans Georg hat als Kind immerhin richtige Bootsformen angestrebt, wir haben Kanister unter ein Türblatt gebunden und die örtlichen Gräben bis zum Horizont befahren.
Boah war das ein Abenteuer und Alles voller Blutegel - Krokodile hätten nicht aufregender sein können.
Die Zahl meiner Kenterungen in irgendwelchen Zinkwannen, übersteigt immer noch meine Badeeinlagen im Kanadier.

Gruß
Andreas

"Wie wir die Welt wahrnehmen, hängt davon ab, wie wir uns in ihr bewegen." F. Schätzing

MrDick Offline




Beiträge: 1.234

02.03.2012 20:49
#17 RE: Canadier im Selbstbau antworten

Hallo Erik!
Ich finde die Unerschrockenheit mit der Du an die Sache herangehst sehr gut! Wenn ich mir Dein Vorhaben so ansehe, kommen mir aber ein paar Bedenken: Der Geradeauslauf wird noch Dein kleinstes Problem sein. Das ist mehr eine Frage der Paddeltechnik. Mit dem flachen Boden und den steilen Seitenwänden wird das Boot kaum Endstabilität haben. Das bedeutet, dass es Kenteranfällig und schaukelig, schon bei kleineren Wellen, sein wird. Was gut funktionieren wird sind die Bremsen. Der Leichtlauf des Bootes wird gegen Null tendieren. Im besten Fall schwimmt es auf wie ein Floß. Dann lässt es sich vielleicht sogar noch gut drehen.
Canadier sind relativ komplexe Formen. Diese in Sperrholzbauweise nachzubilden ist an sich schon relativ schwer, wenn auch nicht unmöglich.

Ich würde Dir folgendes Raten:
- Stecke kein weiteres Geld oder Zeit in den bisherigen Versuch (Ich weiß das klingt brutal, aber wenn dein Pferd tot ist, steig ab.)

- Mach dich mal über die grundsätzlichen Designmerkmale von Canoes schlau, z.B. hier:
http://www.canoes.de/canoe_abc_canoe-design-rumpfformen.php
http://www.canoes.de/canoe_abc_canoe-design-bodenform.php
(Das meiste was hier steht stimmt sogar, vergiss aber den Quatsch über "Länge Läuft" und "Gleiten")
Interessant aber vielleicht etwas zu theoretisch ist auch das hier: http://www.greenval.com/jwinters.html#technical articles

- Mach Dich noch besser mit den verschiedenen Bauweisen Vertraut: Schau Dir neben Stich'n'Glue auch mal die Leistenbauweise an.
Bücher dazu sind z.B. Ted Moores Canoe Craft oder "Building a Strip Canoe" von Gil Gilpatrick. Letzeres enthält fertig gedruckte 1:1 Zeichnungen die man direkt übertragen kann und sogar ein Modell mit Heckspiegel.

- Verwende einen fertigen Plan. Die Chance, dass Du mit deinem momentanen Kenntnisstand und ohne einen guten Plan, etwas hinbekommst was Spaß macht, ist so wie die eines 6ers im Lotto. (Es gibt übrigens auch in Sperrholzbauweise weitaus bessere Designs als die von Wooden Watercraft)

- Plane Bau und Material im Vorraus.

Egal wie es weitergeht, wünsche ich Dir gutes Gelingen
Liebe Grüße, Sebastian

P.S. Wenn Du ein Boot ohne GFK-Beschichtung baust musst Du das bei der Sperrholzwahl berücksichtigen. Bei Glasfaser-Decklagen entsteht ein Sandwich, dessen Kern das Sperrholz ist. Das ist wesentlich steifer und stabiler als das bloße Holz. Also weglassen und einfach lackieren ist nicht die beste Idee

-
100% pure canoeing: http://www.canoespirit.de
Canoe Labor am Bodensee: http://www.lakeconstance.de/

Gegendenstrom Offline



Beiträge: 140

02.03.2012 21:13
#18 RE: Canadier im Selbstbau antworten

Moin,
erinnert mich ein wenig an Klaus Denart (Mr. Globetrotter). Der ist in jungen Jahren im Sarg den Nil herabgefahren.
Ein kleiner Auszug aus seinem Bericht: "An der Außenseite des Sarges montierten wir Papyrusrollen als Auftriebskörper. Dieses Boot war kaum manövrierfähig, aber es lag sehr gut im Wasser." Klaus Denart

Ich bin gespannt auf das Ergebnis,
Gruß Henrik

Wer zu den Quellen will, muss gegen den Strom schwimmen

Erik83 Offline



Beiträge: 17

02.03.2012 21:31
#19 RE: Canadier im Selbstbau antworten

Vielen Dank für Eure zahlreichen Antworten!
Bei meinem Sport (Inlinespeedskaten) ist es fast genauso:
Da fragt Einer, der keine Ahnung hat, warum seine Skates für 150€ nicht schnell sind, weh tun, usw.
Die passende Antwort: Zu billig. Erst ab 1000€ bekommt man was vernünftiges und mit 1500€ ist man sehr gut bedient (vorausgesetzt, man betreibt Inlineskaten als Sport und fährt nicht 2 mal im Jahr zum Bäcker um die Ecke) ;-)
(Dafür weiß ich jetzt wenigstens, wie derjenige sich fühlt ;-)
Wir werden einfach weiterbauen, und gucken, was bei rauskommt. Wichtig ist erstmal, dass es nicht untergeht ;-)
Unsere jährlichen Urlaubsreisen haben auch nicht zum Ziel, schnell irgendwo anzukommen, sondern viel zu sehen und die Natur genießen.
Wir werden einfach sehen, was bei rauskommt ;-)

Dazu aber noch eine Frage:
Das Miakodah von Wooden Watercraft (Link) sieht von der Neigung der Seitenwände nicht viel anders aus und das hat auch einen Flachboden. Also ebenfalls schlechte Fahreigenschaften?

Noch ne Frage:
4mm Sperrholz oder 6mm?

Vielen Dank und Gruß aus Berlin,
Erik

Caspar Honig Offline




Beiträge: 197

02.03.2012 23:42
#20 RE: Canadier im Selbstbau antworten

Hej Erik,
da Du ja wildentschlossen bist, mein Rat: bau das Boot zu Ende!
Also ebenfalls schlechte Fahreigenschaften? - JA!
4mm Sperrholz oder 6mm? - ohne Glasfaser umbedingt AW 100 in 6mm!

Du wirst dabei um viele Erfahrungen reicher und wenn Du feststellst, daß Du ein "noch" besseres Boot bauen willst, dann sägst Du dieses in der Mitte durch, schraubst ein paar Bretter rein und bekommst zwei von diesen wunderschönen BücherregalenNeupreis: $250 each! Zu denen wirst Du eine ganz besondere Beziehung haben und kannst zu ihnen die tollsten Geschichten erzählen!
Etwa so:"Damals, als ich mit Robert auf der Schwanenhavel zum Goldsuchen gefahren bin hat mir ein Krokodil das Boot glatt in der Mitte durchgebissen. Da musste ich mir sofort ein neues bauen..."

Viel Erfolg
Martin

"Sieh mal Johnny" rief der kleine Eisbär fröhlich, "Eis und Schnee! Da bin ich zu Hause" Hans de Beer

Peter_Will Offline



Beiträge: 108

03.03.2012 01:27
#21 RE: Canadier im Selbstbau antworten

Hallo Erik,

von der Idee, dieses Boot über Schrittmotoren mit einer Handsteuerung zu fahren würde ich absehen. Die gewählte Bootsform (ohne Kiel) wird sich mit Sicherheit ihren Kiel suchen und diesen auch in der Kante zwischen Seitenwand und Boden finden. Anders gesagt: Mit dem Motorvortrieb und der nicht präzisen Steuerung ist ein Abkippen zur Seite mehr als warscheinlich. Die Badeeinlage folgt!

Peter

Hans-Georg Offline




Beiträge: 656

03.03.2012 18:10
#22 RE: Canadier im Selbstbau antworten

Der Rat zu GFK will sich mir nicht. Ich baue meine Boote teilweise mit 2mm Sperrholz- über fehlende Stabilität hat sich bei mir noch keiner beklagt. 4mm reicht für das Teil auf alle Fälle. Wie sind die Leute bloß Jahrtausende ohne Glasfaser ausgekommen...und noch dazu um die ganze Welt!
Gruß
Hans-Georg

Andreas Schürmann Offline




Beiträge: 2.067

03.03.2012 22:17
#23 RE: Canadier im Selbstbau antworten

Die notwendige Sperrholz Dicke ist schwierig einzuschätzen, Kräfte mäßig reicht sicher 4mm, aber die einfache Form, mit der Verformung des Holzes nur über eine Achse bringt wenig Vorspannung ins Holz. Da muß man durchaus mit "Oilcanning" rechnen.
Gerade im Vergleich zu Hans-Georgs Booten, die stets über eine Richtung gebogen und über eine zweite deutlich vorgespannt sind wird das erforderliche Material deutlich steifer sein müssen.

Man könnte aber auch später noch Spanten ergänzen.

Gruß
Andreas

"Wie wir die Welt wahrnehmen, hängt davon ab, wie wir uns in ihr bewegen." F. Schätzing

derWaldschrat Offline




Beiträge: 59

04.03.2012 12:52
#24 RE: Canadier im Selbstbau antworten

Hans-Georg Offline




Beiträge: 656

04.03.2012 16:35
#25 RE: Canadier im Selbstbau antworten

Hast natürlich recht, Andreas, dann vielleicht doch besser 6mm.
Gruß
Hans-Georg

Erik83 Offline



Beiträge: 17

06.06.2012 15:08
#26 RE: Canadier im Selbstbau antworten

So, wir haben einfach weitergebaut, und es ist (fast) fertig...zumindest:
es schwimmt, es fährt und es kippt nicht um ;-)
Haben 4mm AW100 genommen und mit GFK überzogen (war leichter als ich dachte...?!)
Ankerkasten ist schon installiert, muss aber noch lackiert werden...
Boden ist schon rot lackiert...
Seitenwände müssen noch.

Das erste mal Fahren waren wir auch schon, vergangenen Samstag aufm Wannsee...ca. 30 cm hohe Wellen haben es nicht zum kentern gebracht.
7 km/h gegen Wind und Welle, 10 km/h mit Wind und Welle (Hatte ein bissl weniger über die Rumpfgeschwindigkeit ausgerechnet).

Da ich, "Dank" Eurer Kommentare schon das schlimmste befürchtet hatte, bin ich von den Fahreigenschaften sehr überrascht (positiv) und auch der Geradeauslauf war nicht so schlecht...Richtige Erfahrungswerte kann ich aber erst nach dem Müritzurlaub im August weitergeben....

Batterie: 12 V, 250 Ah (Verbraucherbatterie)
Motor: MinnKota40

Da ich das Boot ja bei mir zu Hause gebaut habe (3. Stock), musste es da auch runter...
Video: http://www.youtube.com/watch?v=YKsnIh1w8q8
(nicht geschnitten, also bissl vorspulen ;-)

Vielen Dank an alle, für die Hilfe hier im Forum!

Viele Grüße,

Erik

Video von der ersten Fahrt kommt gleich...

Erik83 Offline



Beiträge: 17

06.06.2012 15:18
#27 RE: Canadier im Selbstbau antworten

So, hier ein paar Fotos (hab zu wenig gemacht...:-/
und der Link zur ersten Fahrt...





http://youtu.be/AVncieEs5Tc

Albert Offline



Beiträge: 241

07.06.2012 08:15
#28 RE: Canadier im Selbstbau antworten

Manchmal ist Unvernuft
die einzige Rettung vor Hoffungslosigkeit.
Albert

Andreas Schürmann Offline




Beiträge: 2.067

07.06.2012 08:39
#29 RE: Canadier im Selbstbau antworten

@ Erik

>>> ... 10 km/h mit Wind und Welle
Ich wollte schon meine Kenntnisse über Bootsformen in die Mülltonne schmeißen, bis ich dann vom Elektromotor gelesen habe.

Ich finde die Ganze Aktion in der Wohnung zu bauen und runter lassen am Balkon "ziemlich cool" und wünsche Dir viel Spass mit dem Boot.

Wie dicht konntest Du den an dem Ziel Wert von 150,- Euro bleiben?

Gruß
Andreas

"Wie wir die Welt wahrnehmen, hängt davon ab, wie wir uns in ihr bewegen." F. Schätzing

Erik83 Offline



Beiträge: 17

07.06.2012 08:50
#30 RE: Canadier im Selbstbau antworten

@Albert: was genau meinst du mit Unvernunft?

@Andreas: naja, den Zielwert hab ich mir ja nie gesetzt...der wurde hier in den Raum geworfen...
Sperrholz: ca. 120€ (3 Platten 6mm AW100)
Spanten und "Innenkiel": ca. 60 €
Harz: 9 l ca. 90 €???
GFK: 50 €
Lack: 26 € (kommt aber noch eine Dose dazu)
Anker: 12 €
Anker Kasten: 6 €
Backboardkasten: 6 €
Innenboden: ca. 20 € (Die Hälfte hatte ich noch vom Sperrholz übrig)
Motor: 190 €
Batterie: 200 €

Dazu noch Dachträger Espace: 180 €
Paar Seile: 22 €
Kabel: 30 €

Bitte selber zusammenrechnen, ich wills nicht wissen ;-)

Sicherlich wird der ein oder andere nie soviel Geld in ein solches Boot investieren...
Aber uns hat es verdammt viel Spaß gemacht und das fahren wird sicherlich nicht unspaßiger ;-)

Nach dem Urlaub gibts dann noch nen genauen Bericht zum Fahrverhalten...

Achso...zu den 10 km/h...die hab ich übers Handy-GPS gemessen...es schwankte zwischen 8 und 12 km/h...hab einfach den Mittelwert genommen...aber wie genau ein Handy GPS ist, kann ich nicht sagen.
Aber von der Fahrdauer und Strecke kommt es ziemlich genau hin...

Gruß Erik

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