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cafi Offline




Beiträge: 148

08.05.2011 18:48
Swift Keewaydin - Ein ganz persönlicher Erfahrungsbericht antworten

Nachdem wir uns vor etwas mehr als zwei Jahren ein PakCanoe 160 zugelegt hatten, dauerte es nicht sehr lange, bis wir zu leidenschaftlichen PaddlerInnen wurden. Voriges Jahr stand dann im Zeichen des Solofahrens. Durch unsere Wohnlage in Kärnten (10 Minuten vom Wörthersee und 5 Minuten von einem Draustausee entfernt) konnten wir oft - und sei es nur für kurze Zeit - auf's Wasser, was unsere Lernkurve recht steil steigen ließ. Ende letzten Jahres stand der Entschluss dann fest, einen 2er-Festrumpf-Kanadier zu kaufen, nachdem wir durch einige Ausfahrten von den Vorteilen der festen Rümpfe - wie Schnelligkeit und diffizileres Reagieren - überzeugt waren (siehe auch folgenden Forumsbeitrag).

Der Kriterienkatalog war nicht sonderlich umfangreich: Einigermaßen schnell, für Touren von ein paar Tagen (in "zivilisierter" Umgebung) geeignet, leicht (schließlich sollte das Kanu schnell aufgeladen werden, um nach der Arbeit ein paar Runden zu drehen), etwas Wind sollte es auch vertragen und unserer nicht gerade supersportlichen Kondition gerecht werden. Einigermaßen wendig darf es auch sein, um etwas herumspielen zu können.
Mit diesen Kriterien hat man aber nicht gerade die kleinste Auswahl an Kanadiern vor sich. So galt es, entweder die Kriterien zu verfeinern oder einfach möglichst viele Boote in unterschiedlichen Situationen auszuprobieren. Wir entschieden uns für Letzteres und probierten eine Reihe von Swift-Booten und Fabrikate anderer Hersteller. Schließlich war der Swift Winisk unser Favorit (eine gewisse persönliche Präferenz für Swift möchte ich nicht verhehlen), wohl dank seiner hohen Geschwindigkeit, der Spurtreue und der hohen Wind- und Wellentauglichkeit. Auf eine leichte Wenigkeit waren wir bereit zu verzichten, schließlich sollte die Hauptanwendung ja auch der See sein und zwar nicht unbedingt zwischen den Bojen des Yachthafens. Unseren Spieltrieb können wir ja ohnehin mit unseren Solobooten befriedigen.

Die Gelegenheit, ein Wochenende den Swift Keewaydin 17 zu fahren, schlugen wir nicht aus, schließlich sollte er laut Beschreibung einiges von unseren Wünschen erfüllen können.
Die erste Probefahrt begann am Faaker See und zwar im Schilfgürtel (Auf Google Maps gut zu sehen), wo sich eine recht hinterlistige Durchfahrt befindet: teilweise so eng, dass man brav in der Mitte fahren muss, damit weder Vorderfrau noch Hintermann mit den Paddeln im Schilf herumrührt, etwas Strömung, scharfe Kurven, gemeiner Weise oft etwas über 90 Grad, und zwar dort, wo es am engsten ist, ...

Nachdem wir den Schilfgürtel passiert hatten, sahen wir uns mit einem breiten Grinsen von einem Ohr zum anderen an: Der Keewaydin ist wendig und agil und lässt uns unseren Spieltrieb voll ausleben. Es genügt, wenn man signalisiert, wohin man will - und schon schwenkt er in diese Richtung ein. Überlegt man es sich doch anders, so lässt er sich ebenso leicht und aufwandslos dazu überzeugen, die Richtung zu ändern. Trotz aller Agilität aber ist von Kippeligkeit nichts zu spüren. Das, was uns zudem noch überrascht hat, war die gute Geschwindigkeit, mit der wir uns durch das Schilf schlängelten. Noch nie war uns das so schnell gelungen.

Die offene Wasserfläche zeigte sich von ihrer angenehmsten Seite: kein Wind, keine Wellen. Die Euphorie hinsichtlich der Agilität wich schnell der Skepsis, ob er wohl die wichtigsten Kriterien für den See erfüllen wird können. Die ersten drei Schläge ließen uns wieder die Leichtgängigkeit des Keewaydin spüren: Er beschleunigt sofort, man muss ihn nicht mühevoll auf Fahrt bringen. Ohne Anstrengung und mit noch moderater Frequenz waren wir recht flott unterwegs und konnten die Geschwindigkeit leicht halten. Sie war im Vergleich zur Agilität tatsächlich erstaunlich. Ein Winisk neben uns wäre sicher etwas schneller gewesen (bei gleicher Frequenz und gleichem Kraftaufwand), aber auch nicht so viel weiter vor uns. Schließlich wollen wir ja auch keine Rennen fahren, sondern konzentrieren uns auf eine angenehme Fahrtgeschwindigkeit, um in - für uns angemessener Zeit zum Ziel zu kommen. Und diese Erwartung hat der Keewaydin auf keinen Fall enttäuscht.
Die Spurtreue bei dieser Geschwindigkeit "widersprach" den Erfahrungen der Agilität: Eine einigermaßen Gleichmäßigkeit und Synchronität der Schläge reichte, ab und zu eine kleine Korrektur mit einem angedeutetem "J", und die Spur wurde beibehalten.
An diesem Tag war scheinbar alles für unseren Bootstests vorbereitet: Nach einer ausgiebigen Pause frischte der Wind ordentlich auf und die ersten höheren Wellen kamen daher. Gut, dann auf zum letzten Test, bevor es wieder in den geschützten Schilfgürtel geht. Der Keewaydin zeigte sich hierbei - etwas buglastig getrimmt - erstaunlich positiv von seiner spurtreuen Seite. Apropos Trimm: Natürlich reagiert der Keewaydin auf Trimm, aber auch bei ein paar Versuchen mit völlig falsch getrimmten Boot war er mit etwas Bemühung noch gut beherrschbar. Bei ein paar höheren Wellen, die ihn etwas aus der Bahn zogen, reichten nur wenige Schläge mit etwas mehr Bestimmtheit und er war wieder dort, wo wir ihn haben wollten. Auch Wellen von der Seite ließen kaum Kippeligkeit aufkommen, und wir fühlten uns recht sicher bei diesen Bedingungen.

Als wir diese Fahrt beendet hatten, kam wieder das breite Grinsen auf unsere Gesichter: Gekauft!

Als wir eine Woche später mit unserem neuen Boot einen längeren Ausflug auf der Drau machten, probierten wir auch, ihn solo zu fahren. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen als Tandem war es gar nicht so überraschend, dass er sich hervorragend auch solo fahren lässt. Durch seine Leichtgängigkeit kam er recht nahe an das Gefühl heran, das wir haben, wenn wir mit unseren Swift Ospreys unterwegs sind, gleichzeitig einigermaßen weit weg vom Gefühl, meinen Shearwater zu fahren.

Fazit: Der Keewaydin ist ein Boot, welches uns vor allem auf Grund seiner Leichtgängigkeit gefällt, seine Agilität nicht versteckt, leicht und schnell beschleunigt, ordentlich schnell auf Fahrt bleibt und trotzdem spurtreu ist. Also doch die eierlegende Wollmilchsau? Nein, es gibt noch agilere, noch stabilere, noch schnellere Boote. So gesehen ist er ein Allrounder für Flachwasser, aber nicht als Mittelmäßigkeit verstanden, sondern als überdurchschnittlich.

Ach ja: Gekauft haben wir unseren Keewaydin in Kevlar Fusion autumn red mit Esche Trimm; Kontur-Joch und Bug Schiebesitz sind standardmäßig dabei.

Länge: 518,2cm
Breite: 88,9 cm
Höhe - Mitte: 34,3 cm
Bug - Rocker: 3,8 cm
Heck- Rocker: 2,5 cm
Form: asymmetrisch
Beladung optimal: 174 – 272 kg
Beladung 15 cm Freibord: 500 kg
Gewicht: ca. 21 kg

Angefügte Bilder:
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