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Moin, hier mal wieder etwas vom segeln mit dem Canadier:
Kanadiersegelregatta
Vor langer Zeit gab es, hier im Norden, immer mal wieder Kanadiersegelregatten. Mit Touren- oder Wanderkanadiern und Lugger- oder Gaffelsegeln wurde dann um die Wette gesegelt (das sportliche Segeln mit den eigens entwickelten Segelkanadiern ist hier nicht gemeint). Um 1930-1960 waren das große, publikumsbeliebte Veranstaltungen. Diese lange Tradition, Canadier mit alten Segeln und alten Riggs aus dem vorigen Jahrhundert zu bewegen, wollten wir wieder aufleben lassen. Nach vielen Anläufen treffen sich nun ein paar Holzkanadierenthusiasten endlich zum segeln. Die kleine Regatta soll auf dem Unisee in Bremen stattfinden. Der Unisee oder Stadtwaldsee ist ein See am Bremer Stadtwald am Rande der Stadt. Er ist 28,2 Hektar groß, etwa 15 m tief und entstand bei dem Autobahnbau. Das Wochenendwetter verspricht Sonne bei 3 Windstärken, süd/westliche Winde. Ich reise am Sa. 10.9.2011 auf eigenem Kiel an, damit habe ich auch das komplette Wochenendgepäck inkl. Verpflegung usw. dabei. Das Wetter wird schwül und der wichtigste Faktor, der Wind, weht mit eher Windstärke 1-2 Bft. aus unterschiedlichen Richtungen, teilweise ist Flaute. Bis auf 50 Meter kann man auf dem Wasserwege an den See heranpaddeln. Direkt in den See muss aber umtragen werden. Ich habe jetzt schon ein paar Kilometer hinter mir, inklusive einer Hilfsaktion an einem Wehr aber das ist eine andere Geschichte. Hier treffen sich nun 4 Holzkanadier und ein Faltboot und mit 8 Personen ist die Umtrage, auch durch eine hochgradig verseuchte Hundek…wiese, zwar die erste Herausforderung aber kein wirkliches Problem. Die WC Canadier sind etliche Jahrzehnte alt, mein Canadier mit 11 Jahren der „Youngster“. Dafür nutze ich eine original Canadier Tourenbesegelung vom DKV vermessen, die sicher auch schon 50 Jahre alt ist. Zügig werden die Canadier ausgerüstet, die Seitenschwerter montiert, das Ruder mit Pinnensteuerung eingehängt und aufgeriggt. Bei mir ist das etwas mehr Aktion, da die Segelausrüstung vorher komplett verstaut war, damit ich normal und komfortabel in meinem Canadier schlafen, frühstücken und paddelt kann. Nun steht der Fokus auf segeln. Wir einigen uns darauf, zunächst einmal aus dem Windschatten an eine bessere Stelle zu segeln. So nebenbei können wir uns mit den Gegebenheiten vertraut machen. Eine nahe Surfgruppe ist auch auf dem See aktiv. Durch den fast seeumspannenden Baumbestand und den wenigen Wind sind die Segelbedingungen eher schwierig. Auch auf der Windseite wird der schwache Wind von dem Ufer umgeleitet, ist teilweise ganz weg oder kommt ständig aus unterschiedlichen Richtungen. Wir machen an einigen Ufermarken einen klassischen Dreieckskurs fest. Eine Bojenreihe, die den Schwimmerbereich abgrenzt, sorgt für Verwirrung, da nicht klar ist welche der 25 Bojen wir anpeilen wollen. Ein paar Zuschauer, Freunde und Bekannte sind auch gekommen und so starten wir nach einem lauten Startkommando, nahe des Ufers, mit halbem Wind. Jetzt heißt es erst einmal, sich , die anderen Canadier und den Wind zu beobachten. Jeder versucht seinen Vorteil zu ersegeln, so ganz ernst nimmt das aber niemand. Das gemeinsame Erleben steht im Vordergrund und macht einfach viel Spaß. Bei dem schwachen Wind ist das Faltboot am schnellsten. Wir anderen wechseln hin und wieder die Positionen, die Canadier und Besegelungen sind ja auch recht unterschiedlich. Sobald mal eine kleine Böe kommt (was für ein Highlight) reagiert mein Canadier sofort. Mit etwas ankanten und Gwichtsverlagerung versuche ich die Geschwindigkeit zu erhöhen. Die erste Wende an einer Boje gelingt ganz gut, obwohl der Wind kaum ausreicht um genug Fahrt, für ein vernünftiges Wendemanöver, zu halten. Nun geht es auf neuem Kurs Richtung Restaurant mit Seeterasse, die bei dem guten Wetter recht voll besetzt ist. Hier komme ich nicht durch die Wende und damit den Kaffeegästen auch etwas geboten wird bleibe ich mit dem Baum an den weit herausragenden Terrassenträgern hängen und zu allem Überfluss geht in der Hektik meine Halterung von der Steuerpinne über Bord - na toll und Mist! Das Teil ist selbstgebaut und ich kann`s da, auf dem hier flachen Grund, liegen sehen. Nur, wie wieder heraus bekommen! Nach ganz kurzer Überlegung fische ich die Halterung unterhaltungswirksam mit langem Arm und einer schnellen Bewegung wieder an Bord. Nun noch den Canadier wieder von der Terrasse frei bekommen und weiter über den See (…und bloß weg hier). Die Anderen sind natürlich schon längst weiter. So vollende ich das Dreieck als Vorletzter und wir treffen uns wieder am Startpunkt. Jetzt kommt etwas mehr Wind auf und wir segeln alle noch einen zweiten Durchgang. Jetzt macht es mehr Spaß, obwohl - so richtig Wind ist etwas anderes. Immerhin hört man ein wenig das Wasser plätschern, den Wind säuseln, man spürt den Winddruck und das Ruder zeichnet achtern eine V-Spur in`s Wasser und ich schaffe es sogar etwas „Lage“ zu schieben. Wenn ich die Schot mit dem Fuß halte, ist sogar Zeit für ein paar Fotos. Meine Segelausrüstung bewährt sich mal wieder. Wieder am Aussetzort angekommen wird der Siegersekt geöffnet. Dann tragen wir die Canadier wieder in die angrenzenden Gewässer und auf dem Weg zum Gastverein ergibt sich sogar noch die Möglichkeit noch einmal kurz die Segel zu setzen. Am Abend sind wir uns einig –ein schöner Tag und eine schöne Kanadiersegelregatta, die nächstes Jahr einer Wiederholung bedarf. Und wer wissen will was „Der Hauptgewinn“ ist, muss dann dabei sein (und sich bei mir melden). 9.2011 Docook
Angefügte Bilder:
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