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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Allgemeines Canadierforum
Kanuotter Offline




Beiträge: 551

13.08.2010 20:54
Sommer Erinnerungen 2010 antworten

Hallo zusammen,

habt ihr diesen Sommer etwas erlebt, was eine paar Worte wert ist? Ich hatte diesen Sommer ein kurzes Erlebnis, was einfach nicht in einen Tourenbericht hinein passt, aber vielleicht ganz ammüsant ist. Vielleicht haben andere Lust sich anzuschließen und berichten eine nette Anekdote aus ihrem Paddel Sommer.

Grüße Norbert

Kanuotter Offline




Beiträge: 551

13.08.2010 20:54
#2 Loreley an der Loue antworten

Es war später Vormittag auf dem Unterlauf der Loue im französischen Jura. Die Sonne schien angenehm warm durch die alten Bäume am Fluss. Nach einer Flussbiegung kommt 400 m vor mir ein Wehr in Sicht. Doch das ist nur ein Grund weshalb ich neugierig werde. Auf der rechten Wehrkrone steht Loreley. Die langen Haare werden gerade shampooniert, zwei Halbmonde leuchten hell über das Wasser. Loreley ist nicht allein. Ihre Kinder springen plötzlich aufgeregt dazu und zeigen zu mir rüber. Sie dreht sich um (noch 2 helle, volle Monde, ach wäre ich doch etwas näher, jetzt Bo´s Voyager...) und zeigt auf die linke Seite. Ist dort die bessere Durchfahrt durchs Wehr oder soll ich Abstand halten? Wo sie steht kann man scheinbar sehr gut baden. Ist ja klar, das da nichts geht, paddeltechnisch und so. Also wechsle ich nach links. Sie nimmt es mit Wohlwollen und bringt mit majestätischer Ruhe das Morgenbad zu Ende. Dann setzt sie sich ins Wehr, verschränkt Arme und Beine elegant wie ein Foto-Model vom Coverblatt und beobachtet neugierig, wie ich mich anstelle.

Die Durchfahrt wird nicht ganz stressfrei. Der Einlauf ist durch mehrere kammartige, enge Holzpflöcke gesäumt, das Wasser geht recht turbulent 1.5 Meter hinunter durch den Durchbruch. Das meiste Wasser will hier runter und so oft habe ich das noch nicht gemacht. Ich steige aus, schaue mit demütig gesenktem Blick, wie die Situation auf meiner Seite ist. Dann klettere ich zurück ins Boot und konzentriere mich auf den Ritt durch die Wellen. Irgend eine Stimme in mir, ruft laut: "das ist UNFAIR, hier ist schon Stress genug mit dem Wasser". Eine zweite ruft durch die Nebel des Großhirns: "Wo haben Männer nur ihren Verstand, konzentrier dich doch einfach nur auf´s Paddeln!". Und dann übernimmt die Strömung und die Intuition das Handeln, es geht das Wehr hinunter.

Ich komme trocken runter, kentere nicht, keine Nixe muss mich retten. Im Gegenteil, die Strömung zieht mich weiter. Und so bleibt später in der Ruhe des Flusses genug Zeit: zum Schmunzeln über mich selbst. Odysseus ließ sich an einen Segelmast binden, Rheinschiffer sollen gekentert sein. Und ich habe jetzt ein tiefes, emotionale Verständnis über Meisterwerke der Weltliteratur.

Norbert

Leichtgewicht Offline




Beiträge: 1.294

13.08.2010 21:29
#3 RE: Loreley an der Loue antworten

Hi Norbert, wertes Forum,

nicht vorenthalten möchte ich Euch den Beginn der Ballade von Brentano (frei interpretiert):

"Am Unterlauf der Loue,
Wohnt eine Zauberin,
Sie war so schön und feine
Und riß Norberts Herzen hin.

Und brachte viel zuschanden
Der Männer rings umher,
Aus ihren Liebesbanden
War keine Rettung mehr."


Eine sehr schöne Erinnerung...

Bei meiner Elbetour hatte ich einen Nix als Gallionsfigur - aber dazu später mehr (es fehlen mir noch Fotos)

lG Leichtgewicht

Kaalsche Offline



Beiträge: 120

14.08.2010 11:07
#4 RE: Loreley an der Loue antworten

Ganz so sinnlich wie bei Kanuotter wird es bei mir nicht:

Wir sind in diesem Sommer den Hårkan vom Hottagen nach Lit gefahren. Am Ende des Sees Hottagen ist ein Kraftwerk an welchem wir umtragen mussten. Wir wählten die längere Variante von 2.500 m, weil diese angeblich stressfreier über die Straße mit dem Kanuwagen zu bewältigen ist.

Gleich von Anfang an beginnt bei meinem - ach so tollen - selbstgebauten, superstabilen Kanuwagen ein Rad am Rahmen zu schleifen. Nach mehreren Optimierungsversuchen mit dem Schweizer Messer, Unterlegscheiben und Biegekraft bis kurz vor den Bruch geben wir auf - der Kanadier mit Gepäck scheint einfach zu schwer.

Unser Sohn hat für sein geliehenes Seekajak einen einfachen Eckla bekommen. Wir tauschen. Unser Kanuwagen funktioniert bei seinem leichteren Kajak sehr gut und der Eckla ist ausreichend stabil für den geladenen Kanadier. So geht es also weiter.

Nach ein paar hundert Metern - es ist noch ca. 1km bis zur Einsetzstelle - eine neue Schreckensmeldung. Der Eckla ist platt.

Jetzt geht nichts mehr! Das Ganze Gepäck muss von Hand in alter klassischer Weise zur Einsetzstelle portagiert werden. Nun erinnere ich mich an die mahnenden Worte von so manchem Leichtgewichtsphilosophen!!

Ich laufe mal vor und schaue wie der Weg aussieht. Und dann kommt wieder einmal der Meister Zufall zum Vorschein. Mitten im schwedischen Wald steht eine alte, riesengroße Schubkarre. Mein erster Blick auf den Reifen - "puh" Vollgummi. Also "leihe" ich die Schubkarre aus und fahre zurück zur Familie, deren große Augen Ihr Euch vorstellen könnt. Mit der Schubkarre ist es zwar immer noch mühselig, aber wir bekommen unser Gepäck mit zwei mal fahren zur Einsetzstelle und der Atkinson lässt sich mit dem Tragejoch einigermaßen gut tragen.

Die Schubkarre haben wir natürlich wieder in den Wald gefahren, weil uns nicht ganz klar war, ob die dort geparkt oder entsorgt worden war. Leider ist uns viel zu spät aufgefallen, dass wir kein Foto von der Karre gemacht hatten.

Tags darauf - kurz vor der nächsten Umtragestelle - haben wir dann noch einen Austausch für den Eckla erhalten. Der Verleiher des Kajaks hatte uns an einer Tankstelle in der Nähe (2,5km) einen neuen Kanuwagen deponiert.

Gruß Martin

Angefügte Bilder:
P1010892.JPG  
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