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RomanK Offline




Beiträge: 44

07.05.2009 19:41
Der Winisk von Swift (Versuch einer objektiven Beschreibung) antworten
Gesucht wurde von uns ein Kanadier mit dem Haupteinsatzgebiet Seen, eventuell größere Flüsse, für Familienfahrten zu dritt, zu zweit und gegebenenfalls auch solo. Zügiges, aber vor allem sicheres Vorankommen war da gefragt, die Möglichkeit Gepäck unterzubringen und das vorrangig auch bei eventuell widrigen Wetterbedingungen (welche ja doch recht schnell und überraschend auftreten können).
Weiters sollte das Ding auch mit fortgeschrittenen Paddelfähigkeiten noch Freude bereiten, trotz des notwendigen Transportvolumens für 3 Personen nicht zu schwer für die Portagen einer Solo-Tour sein und, nicht zuletzt, auch optisch entsprechen.


Zuerst einmal die Beschreibung des Erzeugers, Swift Canoes & Kayaks, Ontario, Canada, in Kurzfom:

Länge: 533,4cm
Breite 91,4cm
Wasserlinie 82,6cm
Form: asymmetrisch
Differenzierter Rocker: Bug 6,4cm Heck 205 cm
Beladung optimal 185 – 260 kg
15 cm Freibord bei 431 kg
Diverse Materialausführungen sind lieferbar


Schnelles, seetaugliches Kanu, welches geeignet ist die notwendige Fracht für ausgedehnte Reisen, auch auf großen, windgepeitschten Seen zu tragen und ein sicheres Vorankommen ermöglicht.

Soweit die Werbung.

Aus den bisherigen Erfahrungen kann ich für meinen Teil bisher folgendes ableiten: es ist einer der seltenen Fälle, dass das für ein Produkt Versprochene auch zutrifft.
Wenn man dann noch dem Gefühl des erlebten Paddelns in der Benotung einen Wert zugesteht, dann wurde des Ganze bei weitem übertroffen.


Mein Winisk ist wie folgt ausgeführt:

Kevlar Fusion
Kirsch-Trim
Contour-Schiebesitz im Bug
Contour-Tragejoch
Contour-Sitz
Contour-Kniebrett (Kneeling thwart)

Das Gewicht beträgt gewogene 24 kg !

Farbe Champagner wobei meiner Meinung Elfenbein die Farbgebung besser vorstellbar macht



Bei Draufsicht ist die asymmetrische Rumpfform gut zu erkennen und auch der Kirsch-Trim ist ein für mich optimaler Kontrast zur Farbe des Rumpfes.
Daß die Decks und die Leisten des Süllrandes Löcher für die Abfließmöglichkeit von Wasser haben ist Standard.

Die perfekte handwerkliche Ausführung der Holzarbeiten in ihrer ästhetischen Form lässt bei mir bei jedem Hinblicken immer wieder Freude aufkommen.


Zum Fahrverhalten:

Der erste Eindruck wird bei einem Boot sicherlich vom Einsteigen geprägt. Hier macht sich positiv bemerkbar, dass trotz der Zielsetzung schnellem Boot durch die Formgebung ein guter Kompromiss zur guten Anfangsstabilität gelungen ist. Ein kurzes seitliches Nicken und schon pendelt sich das Boot sofort ein. Das verhält sich Solo als auch mit Mitpaddler(n) gleich.

Kaum im Boot stellt man schon fest, dass die Contour-Sitze ein angenehmes, ja schon komfortables Sitzen möglich machen, gleichzeitig aber auch auf hervorragende Weise eine bequeme Möglichkeit darstellen, das Kanu auch kniend fortzubewegen.

Der Contour-Schiebesitz vorne hat sich für das Trimmen des Bootes als besonders praktisch erwiesen. Aber nicht nur vom Trimm her, auch von der Paddelposition her ist z.B. meine Tochter zwangsläufig mit der vordersten Einstellung in einer optimalen Stellung, um das Paddel optimal einsetzten zu können.

Der V-Rumpf, mit eigentlich durchlaufendem Flair wandelt sich im Mittelteil zu einem fast flachen Rundbogen, wobei das „V“ letztendlich doch noch leicht zu erkennen bleibt.

Das Pro und Contra V-Böden ist für mich in dieser Angelegenheit nicht sehr relevant, denn in diesem Modell ist es einfach stimmig.

Der zweite Eindruck ist zwangsläufig das Fahrverhalten, und hier wiederum das Gleitvermögen, die Spurtreue und Manövrierbarkeit.
Durch die asymmetrische Bootsform verringert sich der Widerstand recht beachtlich. Das Styling des Rumpfes lässt gute Gleitphasen zu. Die Wellen, wie wir sie bei unseren Fahrten am Dobra- und Ottensteiner Stausee hatten, werden durch den keilförmigen Bug durchschnitten und durch das Flaire so gut abgeleitet, dass wir eigentlich komplett trocken fuhren. Auch durften wir feststellen, dass Wolfgang nicht zu viel versprochen hatte als er uns vor dem Kauf schon darauf hinwies, dass seitliche Wellen unter dem Rumpf des Bootes durchtauchen und eigentlich keine Auswirkung auf das Fahrverhalten haben. Das kann ich nur bestätigen. Hier kommt die Bootsform wieder zu tragen, kein Tumblehome, seitlich kommende Wellenkämme verschiedener Höhen werden unten den Rumpf geleitet - selbst im Solobetrieb meint man das durchtauchen der Wellen zu spüren.

Auch wenn der Winisk aufgrund seiner Größe doch einiges an Angriffsfläche für den (Seiten-)Wind bietet - letztlich verhält sich das Boot in dieser Situation (auch fast bis zum Süllrand gekantet) neutral und lässt kein unruhiges Gefühl aufkommen. Ich möchte noch vermerken, dass ich zu dieser Zeit nur mit ganz leichtem Tagesgepäck unterwegs war, also weit unter dem Wert für die optimale Beladung wie von Swift angegeben. Was will man mehr. Apropos kanten, das geht bis hinunter fast zum Süllrand, ohne die geringste Neigung wegzukippen oder unruhig zu werden.

Mit mehreren Paddler/innen besetzt ist der Winisk ein ausgeglichenes, flottes Tourenboot, das zügiges, sicheres Vorankommen ermöglicht, als Soloboot kein Kompromiss sondern eine durchaus interessante Alternative.

Als sehr zweckdienlich hat sich für den Solobetrieb das Contour-Kniebrett erwiesen. Angenehm entspanntes Paddeln lässt einem eigentlich vergessen, dass man kniet und nicht sitzt. So kann man sich nicht nur dem Genuss des Paddelns, sondern sich auch dem unbeschwerten Betrachten der Umgebung und Eindrücke hingeben.

Trotz des guten Geradeauslaufes, welcher sich aufgrund der Länge und des differenzierten Rockers ergibt, ist der Winisk andererseits ein erstaunlich wendiges Modell.


Das Platzangebot für Gepäck würde ich als durchaus ausreichend bezeichnen und dieser Eindruck wird sicherlich durch die mögliche Ausnutzung der Breite von ca. 90cm bekräftigt.



Resümee: wer einen Seenkanadier sucht und die ähnlich wie bei uns gelagerten Anforderungen stellt, (also nicht ein Boot zum prügeln durch Wildwasser und steindurchsetzte Bäche) sollte sich dieses Modell mal näher ansehen und probepaddeln. Aber Achtung, es könnte schon eine Vorentscheidung sein.

PS.: Nicht zu vergessen und zu unterschätzen ist das Engagement vom Importeur für Europa, CCB - Wolfgang Hölbling, (http://www.canoebase.at), welcher mit Kenntnis und hohem persönliche Einsatz für einen da ist, wenn es um Fragen,Hilfestellungen udgl.betreffend Swift aber auch anderer Dinge geht. Das sollte man in einer immer unpersönlicher werdenden Zeit nicht vergessen oder hintan stellen.

Und nein, ich bin nicht verwandt, verschwägert oder der gleichen, nur der Service und alles was dazugehört ist einfach OK.


Roman
Angefügte Bilder:
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