Pegelstände und Befahrbarkeit?

09.05.2026 10:39
avatar  Tommy
#1 Pegelstände und Befahrbarkeit?
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Moin ins Forum,
Pegelstände geben nicht unbedingt Auskunft darüber, wie tief das Wasser de facto ist.
Sonst müsste ja jeder Fluss ab 50cm befahrbar sein, dem ist ja aber nicht so.
Das habe ich inzwischen verstanden.

Aktuelle Pegelstände kann man online abrufen, die CanuaApp befragen uä.

Meine Frage lautet:
Wie bekomme ich nun heraus, ob das Gewässer, dessen Pegelstand ich in Erfahrung gebracht habe, damit aktuell auch tatsächlich befahrbar ist?
Ich freue mich sehr über Eure Aufklärung!

Viele Grüße von Tommy,
unterwegs mit einem canadierartigen Anfibio Omega C2(+) Packraft.

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09.05.2026 12:02 (zuletzt bearbeitet: 10.05.2026 11:18)
avatar  Murphy
#2 RE: Pegelstände und Befahrbarkeit?
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Pegelstände für sich genommen sind tatsächlich nicht aussagekräftig; wichtiger ist der Durch- bzw. Abluß (also die tatsächliche Wassermenge), der nomalerweise in m³/s angegeben wird (das Symbol dafür ist Q), und die Kenntnis des Flußcharakters. Dazu kommen die Zuflüsse ober- und unterhalb der Meßstelle (und davon vor allem die oberhalb der befahrenen Strecke) die eine große Rolle spielen können. Auch dazu gehört etwas Erfahrung, aber es ist m. E. deutlich einfacher anhand dessen die aktuellen Verhältnisse einzuschätzen.

Auf engen Wildbächen reichen machmal schon 4 m³/s für brauchbaren Wasserstand, ab 10 m³/s sind sie dann gut fahrbar. Hat der Obermain bei Pegel Kemmern unter 20 m³/s, wird's auf den Fließstrecken oberhalb steinig, und unter 220 cm (ca. 12 m³/s) soll die Befahrung unterlassen werden. Bei Hochwasser das auf Meldestufe 1 zugeht oder darüber liegt wird der Main zwar schnell aber brettleben - auch wieder nichts für Anfänger (schwimmen oder Ausstieg verpassen kann hier lebensgefährlich sein), aber anders als bei wenig Wasser.

Hier mal als anschauliches Beispiel die relevanten Grafiken vom bayrischen HND; glücklicherweise sieht man derzeit anhand der starken Regenfälle der letzten Tage daß eine kleine Erhöhung des Pegels schon eine ordentliche Beule im Abfluß ausmachen kann.




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20.05.2026 20:13
avatar  Tommy
#3 RE: Pegelstände und Befahrbarkeit?
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Danke, @Murphy, für Deine Erläuterung.
Sie bestätigt meine Befürchtung - "ganz so einfach ist es nicht".

Zitat von Murphy im Beitrag #2
...ab 10 m³/s sind sie dann gut fahrbar. Hat der Obermain bei Pegel Kemmern unter 20 m³/s, wird\'s auf den Fließstrecken oberhalb steinig, und unter 220 cm (ca. 12 m³/s) soll die Befahrung unterlassen werden.


Also sind selbst 10m3/s kein universeller Indikator.
Es scheint im Zweifel bei try&error zu bleiben. Besser natürlich, es gibt jemanden, die:der mit den jeweiligen Verhältnissen vertraut ist und die:den man fragen kann.

Viele Grüße von Tommy,
unterwegs mit einem canadierartigen Anfibio Omega C2(+) Packraft.

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20.05.2026 21:11
avatar  Rob
#4 RE: Pegelstände und Befahrbarkeit?
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Rob

Gutes Thema!
Ein Beispiel, Donau Kelheim/Donaudurchbruch
Pegel (aktuell) 234 cm, Abfluss : 181m³/s.
Hört sich prima an.
Was da nicht steht, das hier soviele angeschwemmte Kiesbänke seit dem letzten Hochwasser sind, das man an vielen Stellen kaum mehr paddeln kann. Besonders flussauf wird es dann für den Canadierpaddler herausfordernd.
LG, Rob


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21.05.2026 10:24
#5 RE: Pegelstände und Befahrbarkeit?
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Ja weder der Pegel noch der Abfluss geben 100% Auskunft über die Befahrbarkeit eines Flusses.
Geschiebe, Bäume und andere Dinge haben großen Einfluss … und die Befahrungsrichtung auch: flussab geht es gerade noch, flussauf aber nicht mehr.

Generell sind die an Pegeln gemessenen Werte aber zumindest ein Indikator ob es sich lohnt eine Tour zu planen.

@Rob du bist ja auch bei NW unterwegs gewesen🙃

Grüße von der Mittelweser

Volker

Solo Canoe: GRB Newman Classic XL; Ashes Solo Day (cedar strip)
Paddle: BlackBart Bentshaft, Northstar Voodoo, GRB Newman Racing (new)
Tandem Canoe: Wenonah Itasca; Freedom 17.9 Cedar Strip

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22.05.2026 21:23
avatar  Tommy
#6 RE: Pegelstände und Befahrbarkeit?
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Danke für Eure Rückmeldungen.
Stimmt, nichtmal der Durchfluss ist aussagekräftig.
Ich bin ja selbst schon auf der Wakenitz gepaddelt. Die ist nahezu strömungsfrei. Rein nach Zahl hätte ich gar nicht erst hinfahren müssen.
Aber Wasser war reichlich da. Kann mir auch nicht vorstellen, dass die mal einen nicht nutzbaren Pegel aufweist, denn dann müsste auch der Ratzeburger See flachgefallen sein. Eine Schleuse gibt es dort nicht.
Damit kann dieses Thema wohl geschlossen werden. Es scheint bei try&error zu bleiben...

Viele Grüße von Tommy,
unterwegs mit einem canadierartigen Anfibio Omega C2(+) Packraft.

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23.05.2026 10:51 (zuletzt bearbeitet: 23.05.2026 11:09)
avatar  Murphy
#7 RE: Pegelstände und Befahrbarkeit?
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Zitat von Tommy im Beitrag #6
nichtmal der Durchfluss ist aussagekräftig.

Das stimmt so pauschal natürlich nicht. Für den jeweiligen Fluß und Abschnitt rund um die Meßstelle ist der Durchfluß aussagekräftiger als der reine Pegel, wenn man einen Vergleich hat. Um unterschiedliche Flüsse miteinander zu vergleichen taugt beides nicht.

Die hier angeführten Beispiele zeigen das deutlich: Ein träges oder gestautes Gewässer kann trotz geringer Durchflußmenge (beachte die Zeitangabe: pro Sekunde) trotzdem reichlich Wasser führen, während die gleiche Menge in einem schnell fließenden gleich wieder weg ist. In einem breiten Bett kann sich auch eine augenscheinlich große Menge total verlaufen, die auf einem anderen Fluß schon knackiges Hochwasser wäre.

Du kommst also nicht drum rum dir wenigstens einmal einen Eindruck vom Fluß zu erarbeiten (zumindest die verfügbaren Beschreibungen aufmerksam durchzulesen) um eine Vergleichsmöglichkeit zu bekommen, dann kannst die Lage anhand der Pegelangaben einigermaßen abschätzen. Wie gesagt gehört dazu Erfahrung - und auch Befahrung

Und noch eine Faustregel: Wenn du am Bach stehst und es sieht nach viel aus, oder anders als erwartet, dann ist es das möglicherweise auch. In dem Fall lieber vorsichtig und konservativ mit der Einschätzung sein! Flußbeschreibungen sind i. d. R. nur Momentaufnahmen, gute Beschreibungen haben meist irgendeine Pegelangabe oder andere Anhaltspunkte (Bilder) an denen man sich orientieren kann, aber für deutlich abweichende Verhältnisse, oder wenn sie zu alt sind, sind sie möglicherweise unzutreffend, wenn nicht irreführend.

Panta rhei - alles im Fluß


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