Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Zur Vermeidung weiterer rechtlicher Auseinandersetzungen werden alle Beiträge und Äußerungen über die Firma Gatz-Kanus, den Namen und deren Produkte nicht mehr geduldet.
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 998 mal aufgerufen
 Tourenberichte
Spartaner Offline




Beiträge: 846

20.06.2016 10:26
Spree von Bärwalde bis zur TS Spremberg, Juni 2016 antworten

Für Samstag hatte Dundak zur Geburtstagsfeier eingeladen, und so machten wir uns auf nach Bärwalde, um von dort zum Festplatz Ruhlmühle zu paddeln. An der Einsatzstelle bauen wir den Ally auf, währenddessen so um die 15 bis 20 weitere Paddler mit den unterschiedlichsten Booten an der Einsatzstelle eintreffen.
Gegen ½2 setzt sich die Flotte in Bewegung. Das Einsetzen an der steilen Böschung unterhalb des Wehres ist recht mühsam, und so zieht sich der Pulk sofort weit auseinander. Der Jubilar ward bis zur Ruhlmühle nimmer gesehen. Das lag aber vor allem auch daran, dass er einen straffen Zeitplan hatte und darum ein wenig Stress. So war der nächste Termin bereits um 17 Uhr in der Kirche in Sprey festgelegt. Aber da die gesamte Paddelstrecke nur 9½ km lang war, sollte das gut zu schaffen sein.

Die Spree schlängelt sich in diesem Abschnitt nicht wie früher durch die niederlausitzer Landschaft, sondern ist zum größten Teil ein künstlich angelegtes Gewässer mit langen geraden Abschnitten. Als Besucher weiß man hier generell nie, ob man gerade in naturgegebener Landschaft oder in bereits umgewühlten und anschließend renaturiertem Gelände unterwegs ist. Die Laufverlegungen geschahen zu DDR-Zeiten in den 60er Jahren, um Platz für neue Tagebaue zu erschließen. Diese Tagebaue sind zT heute noch in Betrieb und versorgen das große Braunkohlekraftwerk Boxberg mit Kohle, auf welches wir auf der Straße kurz vor Bärwalde einen Blick erhaschen können. „Während seiner höchsten Ausbaustufe in den 1980er-Jahren war es mit einer Nennleistung von 3520 Megawatt das größte Kohlekraftwerk in der DDR (heute unter Vattenfall modernisiert 2575 MW). Der tägliche Braunkohleverbrauch des Kraftwerks beträgt bis zu 50.000 t. Die Kohle kommt zum größten Teil aus den nahegelegenen Braunkohletagebauen Nochten und Reichwalde, wo sie aus einem 12 m mächtigen Flöz abgebaut wird, das 65 bis maximal 100 m tief liegt. Die jährliche Fördermenge beträgt etwa 17 Mio t Rohbraunkohle. 2006 hatte das Kraftwerk Boxberg den siebthöchsten CO2-Ausstoß in Europa.“

Das Wasser der Spree ist anfangs grau-trübe mit einem leichten Ockerton. Nach 2¾ km mündet von rechts der Schwarze (oder Vereinigte?) Schöps mit mindestens derselben Wassermenge, wie sie die Spree hier führt (wobei die Spree sich einige zig Kilometer oberhalb geteilt hat und auch über die westlich verlaufende Kleine Spree abfließt). Das Wasser des Schöps ist klar und nicht von Verockerung betroffen.

Nach weiteren 1½ km passieren wir eine Panzerfurt, welche die beiden Teile des Truppenübungsplatzes Nochten verbindet, und wieder 1½ km weiter gelangen wir an ein hohes Wehr und das Wasserkraftwerk Tzschelln, wo wir links anlegen und eine kurze Pause einlegen. Unsere Wiedereinsatzstelle liegt am Ende einer langen Treppe.
Von hier (oder auch weiter oben auf dem Schöps ab Boxberg) starten ab und zu Leih-Schlauchboote, die dann bis zur Ruhlmühle gepaddelt werden. Wir erleben, wie 2 solcher großen Schlauchboote mühsam auf der falschen Seite umgetragen werden. Unsere diesbezüglichen Hinweise werden von den Schlauchbootpaddlern ignoriert.

¾4 erreichen wir den Festplatz Ruhlmühle. Hier können wir zelten, parken, es gibt ein großes Gemeinschaftszelt für ~100 Leute, Spielplätze, Badestrand, Feuerstellen, und noch einiges mehr an Infrastruktur.
Kurz darauf geht es wieder fast zurück zum Startpunkt der heutigen Paddelstrecke, in die Schrotholzkirche Spey, die 1780 ohne einen Nagel errichtet wurde. Hier gibt der sorbische Liederpoet Bernd Pittkunings (Selbsdarstellung) ein Konzert für den Jubilar und seine Gäste. Es soll nicht das einzige Konzert an diesem Abend bleiben.

Zurück auf dem Festplatz Ruhlmühle gibt es ein gegrilltes Wildschwein und andere Leckereien. Der Höhepunkt des Abends ist ein 3stündiges Konzert, welches der Jubilar selbst bestreitet, unter aktiver Mitwirkung vieler der anwesenden Gäste. In der Einladung hieß es „Gäste mit empfindlichen Ohren bitte ich, bis zu diesem Zeitpunkt schon genug Alkohol zu sich zu nehmen, um meinen Gesang ertragen zu können“. Aber so schlimm war es gar nicht. Die Musiker waren Klasse und die Texte erheiternd. Die Melodien sind bekannte, die Texte hingegen ausnahmslos selbst gedichtet bzw. adaptiert. Oft beziehen sie sich auf das liebste Hobby des Jubilars, das Paddeln mit allem drum und dran. Fürwahr ein außergewöhnliches Konzert, ein tolles Erlebnis.

Die Nacht war für einige noch lang und endete nicht vor dem Morgengrauen am Lagerfeuer. Am Sonntag-Vormittag verabredeten dann 4 von uns, heute und morgen die Spree weiterzupaddeln. Heute sollte es erst mal bis zum Stausee Spremberg gehen. Nach dem Umsetzen eines Autos in die Nähe des abendlichen Rastplatzes setzen wir unterhalb des Wasserkraftwerks an der Ruhlmühle ein und paddeln um ½2 los.
Der kleine Trupp heute fährt im E65, einem Nortik-Trekraft, und natürlich unserem Ally. 3 Boote mit sehr unterschiedlicher Charakteristik. Da der Trekrafter nicht genau wusste, ob er die knapp 24 km bis zum Ziel mithalten kann, hat er noch sein Fahrrad aufgeladen, so dass er jederzeit abbrechen konnte. Ansonsten fahren wir wie gestern ohne Tourengepäck.

Wir sind hier im „Spreegebiet Süd“, einer der Kernregionen, wo die Spree durch eingeschwemmtes Eisensulfat aus Bergbauhalden belastet wird (Pyritoxidation). Sobald das im sauerstoffreien Grundwasser gelöste Eisen im Fluss an Sauerstoff gerät, oxidiert es und es bildet sich hellbrauner Eisenocker. So ist es kein Wunder, dass die Spree im Verlaufe des heutigen Tages immer stärker verockert und trüber wird. Das Problem tritt erst seit dem Rückgang des Braunkohlebergbaus und der Wiederauffüllung der immens abgesenkten Grundwassertrichter ab Mitte der 90er Jahre auf und hat sich in den letzten Jahren erheblich verstärkt. Land und Bergbaugesellschaft versuchen zwar mit einigem Aufwand, das Problem zu entschärfen, aber mit mäßigem Erfolg. Mittlerweile dringt die braune Brühe bis in den Spreewald und bedroht den Tourismus dort. Die Sulfatwerte im Spreewasser Berlins reißen jetzt immer mal am Grenzwert, so dass das Wasserwerk Friedrichshagen, welches Uferfiltrat aus der Spree verarbeitet und gewöhnlich eine recht gute Wasserqualität bot, an seine Grenzen kommt.

Die Spree fließt ab jetzt wohl wieder überwiegend in ihrem natürlichen Bett, aber natürlich wie so oft in Deutschland seit 200 Jahren an vielen Stellen begradigt und eingetieft. Um die dadurch verstärkte Tiefenerosion zu begrenzen, wurden alle paar Kilometer Sohlschwellen eingebaut, die heute immer wieder für kleine Wildwassereinlagen sorgen. Seltener sind hohe Wehre zu umtragen. Das Packraft kann solch ein Wehr auch mal über den Fischpass umfahren. An etlichen (potentiellen) Umtragestellen gibt (oder gab) es übrigens hölzerne Stege für Paddler, die sich aber bereits wieder im fortgeschrittenen Verfall befinden.

½5 machen wir am Südrand von Spremberg „Mittagspause“. In Spremberg müssen wir uns entscheiden, ob wir links die Hauptspree oder rechts die Kleine Spree befahren, die den historischen Stadtkern rechts umfließt und auf der bereits ein abgesteckter Wildwasserparcour zu erkennen ist. Auf beiden Strecken muss ein Wehr überwunden werden, und man weiß ja in kanalisierten Stadtstrecken nie, ob man an so einem Wehr überhaupt umtragen kann. Aber zum Glück sind auf dem Gelände des Kanuvereins „SG Einheit Spremberg“ 100 m oberhalb der Verzweigung Leute zu Gange, die wir fragen können. Beide Varianten wären möglich, einfacher sei die Hauptspree, besonders bei wenig Wasser, und das Wehr an der Hauptspree sei besser zu umtragen.

Am Wehr angekommen wollen wir die Umtrage erkunden und stellen mit Erstaunen fest, dass am vollsanierten Wehr sogar eine neue Kahnschleuse existiert. Warum haben sie uns davon nichts gesagt? Wir also freudig wieder in die Boote und in die oben offenstehende Schleuse gepaddelt. Ich steige aus, finde eine Schaltwarte mit leuchtenden Schaltern, drücke auf „Obertor schließen“ - aber nichts tut sich. Ok, schließe ich es mit Hand, ging einfach. Scheitern tue ich erst bei der nächsten Aufgabe, den Zulauf am Obertor zu schließen. Weder die Schaltwarte, noch die eigentlich leicht durchschaubare Mechanik erlauben das Schließen der Luke. Damit hat sich das Thema Schleuse erledigt und eine ¼h ist verdaddelt. Wir paddeln zurück zum Steg und Umtragen das Wehr über 100 m. Das dauert 10 Minuten.

¼7 geht es weiter. Am Nordrand von Spremberg der nächste Stopp. Ein neu aussehender Motorroller liegt im Wasser, sicherlich gestohlen, Benzingeruch in der Luft. Wir informieren die Polizei und hoffen, dass diese auch aktiv wird und das Teil aus dem Wasser holen lässt.

Nun schlängelt sich der Fluss wieder halbwegs natürlich durch die Landschaft. Um 7 erreichen wir die Vorsperre der TS Spremberg. Hier soll sich ein Großteil des suspendierten Ockers absetzen. Unterstützt wird das durch die künstliche pH-Wert-Anhebung durch Kalkprodukte und Zugabe von Flockungshilfsmitteln direkt am Beginn der Vorsperre (Bild). Den abgelagerten Ockerschlamm sieht man übrigens sehr schön im Bing-Luftbild.

60 m ist die Vorsperre umzutragen. Danach erwartet uns heute kein Hindernis mehr. Wir paddeln auf den Stausee Spremberg. Der Bereich der Stauwurzel ist überwiegend flach überströmtes, grundloses Sumpfland, in dem sich bereits große Mengen Ocker abgelagert haben. Der ehemalige Spreelauf schlängelt sich noch immer durch dieses Gebiet. Nach 2½ km gelangen wir auf die offene Wasserfläche. Der Wind ist eingeschlafen, spiegelglatt liegt der See vor uns. Schon von weitem ist unser Ziel, die vorgeschobene Halbinsel am rechten Ufer, zu erkennen. 1 km paddeln, und wir haben unser Tagesziel erreicht.

Uns erwartet ein idyllisch gelegener Platz mit schönen Sandstränden und Steilufer. Die Wasserqualität hat sich hier im Hauptbecken der TS Spremberg erheblich verbessert. Vom Ocker ist nichts mehr zu erkennen, das Wasser schimmert grünlich und die Sichttiefe beträgt etwa 1m. Hier macht Baden wieder Spaß.
Wir drei holen die Autos zurück, derweil Andrea Zelt aufbaut. Morgen wollen wir noch ein Stück die Spree runterfahren, aber ob wir bis Cottbus kommen, ist noch nicht raus.

Nachts im Dunkeln gibts noch eine Erbswurst-Suppe vom Künzi und kurz darauf beginnt es zu tröpfeln (Feuerholz war an diesem beliebten Ort knapp, dafür gab es knochentrockenes Künzi-Holz in Massen). Es regnet die ganze Nacht durch, und das nicht zu knapp. Die Station Cottbus hat am So+Mo 14 mm Niederschlag gemessen.
Am nächsten Morgen stehen die Zelte im Wasser. Trotzdem es sich um eigentlich sehr durchlässigen Sandboden handelt, stehen überall große Pfützen im Wald. Nur die Oberfläche ist nass geworden, ein paar Millimeter darunter rieselt weiterhin trockener Sand. Den Ally hatten wir gestern Abend nicht gedreht, und so steht er voll Wasser.

Die Damen verlieren wegen der nassen Lage die Lust am Weiterpaddeln, und so beenden wir hier die Tour. Nach einem opulenten Frühstück, währenddessen noch ein paar kräftige Schauer vom Himmel kommen, geht es noch in den Branitzer Park bei Cottbus, Eis essen, und dann ab nach Hause.

Angefügte Bilder:
01.jpg   10.jpg   11.jpg   12.jpg   13.jpg   14.jpg   15.jpg   16.jpg   17.jpg   18.jpg   19.jpg   02.jpg   20.jpg   21.jpg   03.jpg   04.jpg   05.jpg   06.jpg   07.jpg   08.jpg   09.jpg  
Als Diashow anzeigen
Donaumike Offline




Beiträge: 993

30.06.2016 13:37
#2 RE: Spree von Bärwalde bis zur TS Spremberg, Juni 2016 antworten

Danke für den vielfältig beleuchteten interessanten Bericht.

Auf dem Spielplatz von Nochten bin ich einmal auf Abwegen fasst in Polen gelandet Die Lausitzer Neiße wurde dabei leider oder zum Glück noch nicht gesichtet, die Spree westlich davon glaube schon...

Grüße
Mike

Dull Knife Offline




Beiträge: 754

14.07.2016 21:37
#3 RE: Spree von Bärwalde bis zur TS Spremberg, Juni 2016 antworten

Irgendwie fehlt mir ein Feuerstellenbild...


.

Im Leben ist es wie beim Paddeln: Wenn die großen Wellen kommen, immer in der Hüfte schön locker bleiben.

sputnik Offline




Beiträge: 2.005

15.07.2016 09:12
#4 RE: Spree von Bärwalde bis zur TS Spremberg, Juni 2016 antworten

Danke für den schönen Bericht.

Ja, Sandboden im Kiefernwald ist zum Zelten nur trocken schön. Mit nassem Sand, der überall klebt, kannst du mich jagen

Grüßle,
Stefan

__________________________________________________
Stark und groß durch Spätzle mit Soß'

Wolfgang Hölbling Offline




Beiträge: 2.918

18.07.2016 11:27
#5 RE: Spree von Bärwalde bis zur TS Spremberg, Juni 2016 antworten

Lebendig mit so viel Information, danke für den tollen Bericht, W

Ps. ..hatte erst heute Zeit genauer hinzuschaun.

http://www.canoebase.at/
http://www.swiftcanoe.eu/

Wolfgang Hölbling

Spartaner Offline




Beiträge: 846

20.07.2016 14:53
#6 RE: Spree von Bärwalde bis zur TS Spremberg, Juni 2016 antworten

Zitat von Dull Knife im Beitrag #3
Irgendwie fehlt mir ein Feuerstellenbild...

Tja, ich konnte mich gerade so zurückhalten

Tatsächlich habe ich diesmal gar keins geschossen. Das Lagerfeuer am Abend auf der Festwiese war ganz zivilisiert mit gemauertem Ring und Holz "aus dem Baumarkt".


Am nächsten Abend (und am darauffolgendem Morgen) habe ich nur gekünzelt. Die schöne Ecke am Spremberger Stausee war so nach Feuerholz abgegrast, dass es längerer Ausflüge bedurft hätte, ausreichend Holz zu sammeln. Künzeln war da bequemer.

Gruß Michael

 Sprung  

Canadier.com ACA Kanuschule